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Mustererkennung (William Gibson)
Geschrieben von Boris
Sonntag, der 05. April 2009

 

dtv (3. Auflage 2008)
übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann und Christa Schuenke
464 Seiten, Euro 9,95 [D] 10,30 [A] sFr 17,50
ISBN 978-3-423-20944-1

Genre: Cyber-Thriller


Klappentext

Cayce Pollard ist eine teure Marketing-Beraterin, deren geheimnisvolle Intuition ihr wichtigstes Hilfsmittel ist: Sie besitzt eine besondere Sensibilität für Markenlogos. Während sie in London das neue Logo eines Weltkonzerns testet, wird ihr ein Auftrag angeboten: Seit einiger Zeit tauchen im Netz seltsame Filmclips auf, die weltweit einen Kult ausgelöst haben. Cayce soll herausfinden, wer dahintersteckt. Als Unbekannte in ihre Wohnung und in ihren Computer eindringen, wird ihr klar, dass dies ein gefährliches Spiel ist. Doch Gefahr hat sie noch nie abgeschreckt. Ihre Recherche führt sie nach Tokio, nach Russland - und ins Machtzentrum unserer globalisierten Gesellschaft.


Rezension

Lebendig und stellenweise überladen wirkt die Welt, in der Cayce Pollard umherreist und von einem Jetlag in den nächsten geworfen wird. Gibson versteht es, sich der Elemente einer post-9-11 geprägten Popkultur so zu bedienen, dass eine dichte und stimmungsvolle Atmosphäre entsteht, die nicht nur die Protagonistin packt, sondern auch die Lesenden in eine Welt voller Markenkult, Internetbesessenheit und Hilflosigkeit wirft. Schnell wird klar, warum Cayce mit dem konstanten Bombardement an Informationen nicht zurecht kommt, denn auch die Rezeption des Buches gestaltet sich durch das Sammelsurium der Spezialbegriffe der Internetkultur zu einer regelrechten Aufgabe.
„Mustererkennung“ wird gefordert und dennoch handelt es sich um keine Detektivgeschichte. Ständig neue Probleme werden mit bekannten und nie gesehenen Gesichtern kombiniert und ergeben so einen dichten Dschungel aus Lügen und Intrigen, der sich schnell als undurchdringbar herausstellt und nicht im Voraus erahnt werden kann. Man vermag es kaum sich von der Protagonistin lösen, die selbst mit ihren Phobien und Traumata zu kämpfen hat und das Geschehen ebenso wenig durchschauen kann, wie die Leserschaft.

Natürlich lässt Gibson hierbei die philosophische Konstante nie aus seinem Werk weichen. Er bindet medientheoretische Ansätze geschickt in Gedankengänge seiner Charaktere ein und verfeinert sie durch persönliche Beobachtungen. Gleich zu Beginn seiner Geschichte wird das Phänomen des Jetlags in einer kompakten Theorie zur menschlichen Wahrnehmung definiert. Schnell fühlt man sich an Virilios Theorie des Nicht-Ortes einer Reise erinnert. Diese Beobachtungen werden durch die ständigen Flüge der Protagonistin zu einem wichtigen Beitrag zur Atmosphäre des Werkes. Und auch später stolpern wir über Namen wie Foucaulds und Lyotard, auf deren Theorien allerdings nicht weiter eingegangen wird.

Um Science-Fiction handelt es sich bei „Mustererkennung“ übrigens nicht. Es wird ein Status Quo der technischen Entwicklung von Medien, Mode und Gesellschaft beschrieben, der heute schon veraltet ist. Wer sich mit der Internettechnik auskennt wird schnell entdecken, dass diverse beschriebene Techniken nicht mehr tagesaktuell sind. Für jene Leserschaft wird sich an der ein oder anderen Stelle auch die Frage auftun, ob die Übersetzung nicht besser hätte ausfallen können, da diverse Begriffe zu wörtlich übersetzt sind. Allerdings schmälert dies das Leseerlebnis nicht, sondern regt eher zum Nachdenken über die rasante Entwicklung der Technik an und verdeutlicht die immense Flut an Informationen, der wir täglich über die Medien ausgesetzt sind.
Leider endet der Roman für einen Thriller etwas langsam und unbefriedigend, was allerdings gut zu Cayce und ihren Erlebnissen passt. Immerhin tappt der Lesende genauso im Dunkeln wie sie und somit bleiben die Ereignisse auch ohne großen Knall spannend.


Fazit

Die Welt des Cyberpunks, wie sie in Neuromancer beschrieben wird, kann „Mustererkennung“ nicht liefern, dazu ist uns die Technik im Roman zu vertraut. Dennoch findet sich schnell ein Zugang zur Internetkultur und es ist leicht nachvollziehbar, was an der „Cliphead-Szene“ faszinierend ist. Für einen Thriller ist das Buch etwas langsam, was auch durch die detaillierten Beschreibungen nicht ganz aufgehoben werden kann. Der eine oder andere wird bei den Motivien der Charaktere wohl den Kopf schütteln, aber es handelt sich eben um echte „Freaks“.


Pro und Contra

+ Bezug zur aktuellen Technik gelungen
+ gute Beschreibungen
+ internationale Schauplätze
+ gute Darstellung der Globalisierung

- etwas langsam
- schwache Übersetzung an manchen Stellen

Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


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Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 24. Oktober 2009
 

Kommentare  

#1 Rezensionjoerg 2009-04-21 18:26
Hi Boris!

Danke für die ansprechende und gut struktierte Rezension! Ich fand das Buch ähnlich spannend und habe es mit Genuss gelesen.

Interessant finde ich, dass Cayce sich ihre eigene Marke ex negativo erschafft, indem sie zwar zu erkennen gibt, über die Codes einer auf nüchternen Minimalismus abonnierten Modewelt Bescheid zu wissen, deren Erkennungsmuste r aber sorgfältig negiert (siehe die abgeschliffenen Knöpfe ihrer Jeans bspw.).

Der im Buch ausgebreitete Markenfetischis mus hat mich teilweise an Bret Easton Ellis Vison des 'American Psycho' erinnert. Auch die darin beschriebene spätachtziger Yuppie-Welt lebt seltsam virtuell und ist fixiert darauf, in glänzenden Oberflächen tiefere Messages zu finden.

Der Sicherheitscode , der verlangt wird, um diesen Kommentar freizuschalten lautet 6xXc. Erkenne zwar kein mUstEr, folge aber dieser Aufforderung.

Grüße,
Jörg.

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