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Bettina Bach (17.07.2011)
Geschrieben von Judith
Sonntag, der 17. Juli 2011
Interview mit Bettina Bach

Literatopia: Liebe Frau Bach, Sie arbeiten als Übersetzerin und Lektorin. Wie haben Sie den Weg in die Verlagsbranche gefunden? War die Arbeit mit Literatur schon immer Ihr Ziel oder sind Sie eher zufällig da „hineingeraten“?

Bettina Bach: Nach dem Abitur wusste ich, dass ich „was mit Büchern“ machen möchte, aber was? Nicht Lehrerin, nicht Buchhändlerin. So habe ich in Paris, wo ich damals lebte, eine Verlagsfachausbildung an der Schule des Verlegerverbands besucht. Wir wurden sehr breit gefächert ausgebildet, von der Herstellung über Marketing, Vertrieb, Presse, Lizenzen bis hin zum Lektorat. Anschließend habe ich in Berlin Germanistik studiert, bin nach zwei Jahren nach Amsterdam gezogen und dort auf „culturele studies“ (Kulturmanagement) umgestiegen. Gleichzeitig habe ich in einem kleinen Verlag und in einer Literaturstiftung gearbeitet. Nach dem Studium bin ich nach München gezogen, habe als freiberufliche Korrektorin und Lektorin gearbeitet. Nach einer Weile kamen immer mehr Anfragen, ob ich diesen oder jenen Titel übersetzen möchte. Am Anfang habe ich nebenbei immer mal wieder „coffee table books“, schöne Bildbände zu unterschiedlichen Themen übersetzt. Erst als ich vor zehn Jahren von Beate Schäfer, einer ehemaligen Lektorin von dtv junior, gebeten wurde, einen sehr schönen Jugendroman (Das Schloss aus Salz von Sylvia de Boer) zu übersetzen, habe ich gemerkt, dass es das ist, was ich wirklich machen möchte – schöne fiktive Texte zu übersetzen. Seither übersetze ich nur noch Romane für Jugendliche und Erwachsene und lektoriere gelegentlich.
Kurz: Ich wusste zwar, dass ich „etwas mit Literatur machen möchte“, doch es hat sich erst später, durch eine glückliche Fügung – ein „Hineingeraten“, wie Sie es nennen, herauskristallisiert, was ich genau machen möchte (und am besten kann).

Literatopia: Sie übersetzen aus dem Französischen, Englischen und Niederländischen. Woher stammt Ihre Begeisterung für Sprachen? Und aus welcher Sprache übersetzt es sich am schwersten?

Bettina Bach: Ich bin in Deutschland geboren und mit vier Jahren nach Frankreich gezogen, dort an eine französische Schule gegangen. Dann bin ich über lange Zeit alle paar Jahre zwischen Frankreich und Deutschland hin und her gezogen, mit kürzeren Aufenthalten in den USA und Irland. Erst als mit Anfang Zwanzig nach Amsterdam kam und sehr schnell Niederländisch lernte, habe ich wirklich begriffen, dass ich nicht nur eine Begabung für Sprachen habe, sondern dass die Arbeit mit Sprache(n) und den Unterschieden zwischen ihnen mir großen Spaß macht.
Ich kann Ihnen nicht sagen, aus welcher Sprache es sich am schwersten übersetzt. Jede Sprache hat ihre eigenen Tücken, beim Niederländischen muss man allerdings besonders aufpassen, weil die Sprachen sich theoretisch nahe sind. Man könnte also mehr oder weniger wörtlich übersetzen und das Ergebnis wäre ein lesbarer Text – aber kein guter deutscher Text, er würde also auch nicht dasselbe ausdrücken wie das Original.

Literatopia: Wort für Wort stur übersetzen ist sicherlich nicht angebracht bei einem Roman. Wo sehen Sie die großen Herausforderungen bei der Übersetzerarbeit? Wo läuft ein Übersetzer Gefahr, den Roman im falschen Licht zu präsentieren?

Bettina Bach: Die erste Herausforderung besteht meiner Ansicht nach darin, zu verstehen, was wirklich im Original steht. Das klingt einfach, ist es aber nicht. In erster Linie muss man sich immer wieder die eigene Erwartungshaltung bewusst machen und sie in einem zweiten Schritt „wegdenken“. Man muss den Text als eigenständiges, fertiges Werk wahrnehmen. Man muss also zunächst den Text gründlich kennenlernen, ergründen, sich einfühlen.
Ich stelle es mir gern so vor, dass ich in die unsichtbare Welt hinter dem Text eintauche. Erst dann kann man den Text als stimmiges Ganzes ins Deutsche übertragen. Man arbeitet vom sichtbaren Originaltext zum Unsichtbaren und aus diesem Unsichtbaren heraus wieder zu einem sichtbaren übersetzten Text.
Daraus ergibt sich die Antwort auf die Frage, wo man Gefahr läuft, einen Roman im falschen Licht zu präsentieren, nämlich, indem man das Original nicht durch und durch versteht. Das erfordert Feingefühl, Einfühlungsvermögen auf mehreren Ebenen. Einerseits müssen Übersetzer die Originalsprache sehr gut kennen, andererseits aber auch die Mentalität, aus der heraus das Werk entstanden ist. Mentalitätsunterschiede stehen zum Beispiel einer wörtlichen Übersetzung im Weg.

Literatopia: Aktuell haben Sie „Winterspiele“ von Jean-Claude Mourlevat übersetzt. Wie hat Ihnen das Buch gefallen? Und muss einem Übersetzer ein Titel gefallen, dass er / sie ihn auch gut übersetzen kann?

Bettina Bach: Sie sind durch den Jugendroman Winterspiele von Jean-Claude Mourlevat auf mich aufmerksam geworden. Er ist zwar erst 2010 veröffentlicht worden, doch übersetzt habe ich ihn 3 Jahre vorher. Das Buch handelt von einem Aufstand von Jugendlichen (und später auch Erwachsenen) in einem fiktiven totalitären Staat, und ich fand es einen sehr schönen, berührenden Text. Dass einem Übersetzer ein Buch gefällt, damit er es wirklich gut übersetzen kann, ist absolut unerlässlich. Wenn man sich nicht einfühlen kann, wird die Übersetzung zu einem Ding der Unmöglichkeit.

Literatopia: Zu ihren übersetzten Autoren gehören neben Didier Decoin unter anderem Jan Siebelink, Tommy Wieringa, Mary Hooper sowie Anne Plichota und Cendrine Wolf. Mit welchem von diesen sind Sie am schnellsten warm geworden? Und haben Sie Kontakt zu den Autoren oder ist das eher unüblich?

Bettina Bach: Die Frage, mit welchem Autor ich am schnellsten warm geworden bin, ist eine sehr schwierige Frage. Die Autoren sind genauso unterschiedlich wie ihre Bücher. Manche „meiner“ Autoren schreiben Unterhaltungsliteratur, andere hochliterarische Texte. Manche Titel erfordern mehr Einfühlungsvermögen als andere, aber ich lese und übersetze beides gern.
Ich könnte nicht nur einen anspruchsvollen Text nach dem anderen übersetzen, während der Arbeit am Text tauche ich tief in die Welt des Romans ein und muss erst wieder richtig rauskommen, ehe ich in die nächste komplexe Welt abtauchen kann. Für mich ist die Übersetzung literarischer Texte im Wechsel mit weniger anspruchsvoller Unterhaltungsliteratur – die ich übrigens auch gern mit anderen Übersetzern zusammen übersetze, was im Fall von Literatur nicht möglich ist – zur Zeit eine sehr gute Kombination.
Ich habe meist Kontakt mit den Autoren, schon allein, weil ich gelegentlich Rückfragen habe, die sie mir im Allgemeinen sehr gern beantworten. Es gibt kaum einen Autor, mit dem ich nicht warm geworden wäre, und wenn, liegt es daran, dass ich merke, der Autor möchte keinen Kontakt zum Übersetzer haben – was zum Glück äußerst selten ist. Andere Übersetzer handhaben das allerdings anders, ich weiß eigentlich nicht, was üblich oder unüblich ist.

Literatopia: Können Sie nach der Arbeit noch einen Roman genüsslich lesen? Oder liest die Lektorin immer mit und notiert sich während dem Lesen „Fehlerchen“?

Bettina Bach: Es fällt mir überhaupt nicht schwer, genüsslich zu lesen. Ich lese beruflich, ich lese privat, ich lese aus unterschiedlichsten Gründen: zur Anregung, zur Inspiration, um meinen Stil zu verbessern, um den Kontakt zu den Feinheiten der Sprache(n) zu wahren, zum Regenerieren etc. Und diese Motive lassen sich nicht streng voneinander trennen, aber gelegentlich genieße ich es sehr, wenn ich mal nicht so genau hinschauen muss!
Tatsächlich fällt mir beim rein privaten Lesen hin und wieder, eher selten, etwas auf, was mal beim Lektorat, mal beim Übersetzen schiefgegangen ist. Mein Augenmerk ist beim privaten Lesen nicht darauf gerichtet. Aber auch das Entdecken kleiner Ungereimtheiten kann eine Freude sein, denn bei guten Texten sind es solche Kleinigkeiten, dass man sich überlegt, was da passiert ist. Das schärft wiederum den eigenen Blick. Oft ist es auch so, dass man einfach nur denkt: Ach, da stand der oder die unter Druck und hat es übersehen, nicht genügend Abstand zu seinem/ihrem Text gehabt, um noch die Muße zu haben, es zu bemerken.
Und wenn Texte, zu denen ich greife, wirklich schlecht geschrieben oder übersetzt sind, lasse ich sie einfach links liegen.

Literatopia: Was lesen Sie privat gerne? Deckt sich Ihr Geschmack mit den von Ihnen übersetzten Titeln oder bewegen Sie sich lieber in gänzlich anderen Gefilden?

Bettina Bach: Lesen ist eine meiner großen Freuden. Ich lese alles Mögliche, von Lyrik (vor allem zur Inspiration) über Jugendromane und Krimis (vor allem zur Erholung) zu zeitgenössischer Literatur, vorwiegend niederländischer und deutscher (die alle möglichen Ansprüche erfüllen). Besonders Niederländisch und Deutsch, weil das zwei Sprachgebiete sind, auf denen ich den Überblick behalten möchte, und es schwer ist, noch mehr abzudecken. Das heißt, ich übersetze zwar aus dem Französischen und lese durchaus eine Reihe französischer Bücher, aber ich könnte nicht von mir behaupten, dass ich wirklich über die heutige Literatur im Bilde bin. Fürs Englische trifft das in noch stärkerem Maß zu.

Literatopia: Welche Übersetzungsarbeiten stehen derzeit bei Ihnen an? Dürfen Sie darüber schon etwas verraten?

Bettina Bach: Zur Zeit arbeite ich am dritten Band von Oksa Pollock, der bald fertig sein muss. Anschließend folgt ein wunderschöner Jugendroman einer niederländischen Autorin über ein ernstes Thema: Es ist die Geschichte eines zehnjährigen Mädchens, deren Mutter gerade gestorben ist und deren Vater gar nicht mehr mit dem Leben klar kommt … und wie das Leben eben trotzdem weitergeht.

Literatopia: Vielen Dank für das schöne Interview, Frau Bach!


Dieses Interview wurde von Judith Gor für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.
Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 17. Juli 2011
 

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