Shanghai Bd.1 - Kind des Regens (Mathieu Mariolle, Yann Tisseron)

Verlag: Splitter; 1.Aufl. (April 2011) 
Gebundene Ausgabe: 56 Seiten; 13,80 €
ISBN-13: 978-3868692297

Genre: Historie/Mystery


Klappentext

Shanghai, 1908.
Eine von den Triaden und ausländischen Konzessionären beherrschte Stadt inmitten eines Chinas, das mühsam versucht, seinen Glanz und seine Unabhängigkeit wiederzuerlangen. Zwei junge Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten – die unbarmherzige Kriegerin Yu Xin und die ungestüme Zirkusartistin Jade -, geraten ins Zentrum eines finsteren und verzwickten Machtspiels, dem Auftakt zu großen Umwälzungen, aus denen niemand aus dem Reich der Mitte unbeschadet hervorgehen wird...


Rezension

Alles beginnt ganz harmlos und einfach für Yu Xin, Attentäterin und Vollstreckerin im Auftrag einer der drei großen Triaden im Jahr 1908. Kien Tang, ihr Pate, gibt ihr zunächst die Aufgabe herauszufinden, wer für die Verzögerungen und Diebstähle der „illegalen“ Opiumlieferungen verantwortlich ist. Eine Aufgabe, die sie relativ leicht erledigt, nur um dann einen Mordauftrag zu erhalten, der sich schwieriger gestaltet als vermutet. Ihr Opfer, ein Uhrmacher, ist verschwunden. Stattdessen trifft sie auf einen seltsamen Jungen und sei das alles nicht genug, eskaliert die Situation auf einem Treffen der Triadenbosse. Verantwortlich hierfür ist Jade, eine Zirkusartistin, die ein Geheimnis mit sich trägt, das entscheidend für die Zukunft Chinas sein wird.

Komplex und spannend ist das Werk von Texter Mathieu Mariolle und Zeichner Yann Tisseron, wobei für letzteren Shanghai seine erste Serie darstellt. Entgegen des allgemeinen Trends wenn es um Geschichten aus der Vergangenheit Asiens geht, beschäftigen sie sich nicht mit Japan und dem vorherrschenden Samuraikodex, sondern rücken China in den Mittelpunkt, zu einer Zeit in der sich das Land förmlich im Aufruhr befand. Der Boxeraufstand ist gerade acht Jahre vorbei vorbei, der rechtmäßige Kaiser abgesetzt und nur noch eine Marionette und die Städte werden, allen voran Shanghai, von den Triaden und dem Opium kontrolliert. Genau hier setzt Shanghai - Kind des Regens an. Was zunächst, wie ein einfaches Verwirrspiel der Triaden aussieht, entwickelt sich sehr schnell zu einer Geschichte um Politik und Intrige, in die Yu Xin zufällig hineinstolpert und am Ende persönlich involviert wird. Dabei wird die Geschichte nicht unübersichtlich. Die beiden Autoren gestalten ihre Geschichte so, das sie jederzeit nachvollziehbar bleibt und man ihr gut folgen kann, ohne sie im Inhalt zu beschneiden. Dies gelingt ihnen vor allem durch die Konzentration auf ihre Charaktere, für die sie sich viel Zeit nehmen, um sie darzustellen. Ihre Handlungen sind nachvollziehbar und gut motiviert. Trotzdem stellt Shanghai - Kind des Regens kein Drama dar, sondern bietet im Wechsel mit ruhigen Szenen und Dialogen auch viel Action. Zusätzlich sind noch Mystery- und Steampunkelemente eingeflochten, die die Geschichte bereichern und keinesfalls stören. Als Charaktere sind mit Sicherheit, die oben schon erwähnten, Yu Xin und Jade hervorzuheben, aber ebenso Kaiser Guangxu und der Sohn des Uhrmachers sind interessant gestaltet und mit Eigenheiten versehen. Insgesamt lässt sich Mathieu Mariolle viel Zeit um seine Geschichte aufzubauen und das tut ihr sichtlich gut. So bleiben die Ereignisse nachvollziehbar und der Leser hat Zeit sich in das politische Geschehen hineinzudenken. 

Yann Tisseron fängt in seinen Zeichnungen die Zeit und Atmosphäre des Shanghai von 1908 wunderbar ein. Mehr als einmal verharrt man beim Lesen und betrachtet einzelne Bilder genauer. Gesichter transportieren die Emotionen der Protagonisten sehr gut und auch in den Actionszenen ist Dynamik vorhanden. Die Farbpalette reicht von dunkel bis farbenfroh und entspricht den Erfordernissen der einzelnen Szenen. Einzig eine Sache trübt den positiven Eindruck etwas, nämlich, dass die Schwerter eher wie Katanas, also dem Schwert der Japaner, aussehen und damit nicht den historischen chinesischen gleichen. Allerdings ist das bei der sonstigen Qualität der Zeichnungen nur ein kleiner Makel. Zeichnerisch also allein schon eine Empfehlung wert.

Wie immer liegt das Album von Splitter im edlen Hardcover vor und es gibt gleich am Anfang einen kleinen Einführungstext über die Ereignisse der Jahre vor der Handlung in China und über die Situation des Jahres 1908. Kurz und knapp stellt dieser Text einen idealen Einstieg dar, den man zwar nicht gelesen haben muss, der aber durchaus hilfreich ist, um Shanghai vollends genießen zu können.


Fazit

Bildgewaltig, spannend und aufgeladen mit mysteriösen/ mythischen Begebenheiten präsentiert sich Shanghai – Kind des Regens und trifft damit voll ins Schwarze. Lesenswert!


Pro & Contra

+ Yu Xin
+ Zeichnungen sind einfach schön anzuschauen
+ gute und komplexe Geschichten

Bewertung:

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Mathieu Mariolle und Yann Tisseron :

Rezension zu Shanghai Bd.2 – Das Versprechen im Morgengrauen

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