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Ashes - Brennendes Herz (Ilsa J. Bick)
Geschrieben von Angelika
Mittwoch, der 28. September 2011

INK (August 2011)
502 Seiten, 19,99 €
ISBN: 978-3863960056

Genre: Dystopie / (Jugendbuch ab 16)


Klappentext

Er blickte zu ihr hinab. Zarte, makellose Schneekristalle legten sich auf sein Haar. „Meinst du das ernst?“ Sie waren einander so nahe, dass sie das Pulsieren seiner Halsschlagader sah. „Ja“, antwortete sie, „das meine ich ernst.“ „Dann möchte ich, dass du mir etwas versprichst“, sagte er. Alex Herz begann laut und heftig zu pochten. „Was?“ „Falls ich mich verändere“, begann Tom, „verspricht mir, dass du mich umbringst.“


Rezension

Ilsa J. Bick arbeitete als Kinder- und Jugendpsychiaterin und hat sich mittlerweile ganz dem Schreiben von Jugendromanen und Kurzgeschichten gewidmet. Mehrfach ausgezeichnet, lebt die ehemalige Air-Force-Majorin nun in Wisconsin, schreibt Science Fiction ebenso wie geschichtliche Kriminalromane über übersinnliches, und präsentiert mit „Ashes – Brennendes Herz“ nun den ersten Band ihrer dystopischen Thriller-Trilogie.

>> Sie mussten hier weg, und zwar schleunigst. Noch war es hell genug, um den Weg zu sehen. Wenn sie einfach mit ganzer Kraft lossprintete, konnte sie es schaffen, die beiden abzuhängen. Alex hatte Ausdauer. Zwar saß ihr der Vormittag noch in den Knochen, aber Gott sei Dank lag ihre letzte Chemo Monate zurück … <<

Alex ist in jungen Jahren am Endpunkt ihres Lebens angekommen: ihre Eltern sind tot und sie selbst schwer erkrankt an einem inoperablen Gehirntumor. Keine Therapie bringt Erfolge. Was übrig bleibt ist warten. Warten auf das Unvermeidliche. Zwischen Selbstmordgedanken und Überlebenswillen trifft Alex eine Entscheidung und flieht in die Berge. Allein. Ob sie wirklich zu ihrer Tante zurückkehren will, weiß sie nicht. Ihr Weg führt durch Wälder, über scharfe Steinkanten und durch unwegsames Gelände. Doch als plötzlich die Realität aus den Fugen gerät, Menschen sterben und Jugendliche zu gefährlichen Raubtieren mutieren, scheint es mit einem Mal doch noch für Alex Hoffnung zu geben …

Wenn Welten untergehen, Lebensräume verseucht und Menschen zur tödlichsten aller Plagen werden, dann sind jüngst auch Liebesgeschichten und romantische Träume zum Greifen nah. Denn egal ob Suzanne Collins mit „Die Tribute von Panem“, Thomas Thiemeyers „Das verbotene Eden“ oder – unter vielen anderen – auch„Die Stadt der verschwundenen Kinder“ von Caragh O´Brian: sie alle begeisterten mit Jugendbüchern, die nicht nur düster, sondern ebenso nachdenklichen wie emotional gestaltet sind. Und Ilsa J. Bick fügt sich beinahe nahtlos in das modern gewordene Bild dieser dystopischen Literaturwelle ein. Sie bietet interessante Erklärungen für den Weltuntergang, macht dem Genre Dystopie alle Ehre und lässt, mit Verlaub, den Leser dennoch immer wieder den Kopf schütteln, ob der angestrebte Zielgruppe. Denn „Ashes“ ist in gewissen Bereichen erschütternd ernst, förmlich psychisch drückend sowie bedenklich festgefahren im Horror-Anteil dieses apokalyptischen Thrillers. Und das von Beginn an, der es dem Leser erschwert mit Alex als Protagonistin warm zu werden. Trotzig sowie überaus melancholisch gezeichnet sind ihre Gedanken oft nicht leicht verdaulich, was es erschwert den inneren Ton des jungen Mädchens zu akzeptieren. Ilsa J. Bicks Arbeit als Kinder- sowie Jugendpsychiaterin fließt hier (beinahe zu) merklich ein und lässt unbeirrt eine schwer zu fassende Tiefe entstehen, an die man sich gewöhnen muss. Sie bietet aber auch einen besonderen Reiz, denn der anfängliche Kraftakt, sich an all das zu gewöhnen, lohnt spätestens nach dem ersten Viertel des Romas. Auch Setting und Handlung überzeugen. Gemeinsam kämpft sich der Leser erst durch die Wildnis mit Alex, dann aber auch mit Ellie, einem achtjährigem überwältigend gezeichnetem Kind. Die versprochene, romantische Emotionalität bringt Tom mit, der zwanzigjährige Held dieser Geschichte und taktischer sowie technischer Sprengstoffexperte. Seine bald darauf gezeigte Liebe zu seiner neuen Familie (denn nicht anderes müssen sie von nun an sein) ist wunderbar menschlich anzusehen und auch dem Leser wird bald warm ums Herz. In kurzen Kapiteln (alle aus Alexs Sicht) schreitet so die Handlung Schritt für Schritt voran; wird das Umfeld sowie das Ausmaß der Katastrophe geklärt, die wenig Hoffnung macht: unzählige Menschen sind durch die starken elektromagnetischen Impulse gestorben, Elektrizität gibt es nun kaum mehr und irgendwas hat sich vorwiegend in den Gehirnen junger Erwachsene verändert: sie sind nun animalische Bestien geworden, kennen kein Gefühl, keine Gnade und verströmen für Alex – deren Tumor sich ebenfalls weiterentwickelt hat (einer Mutation ähnlich) – einen nach Verwesung riechenden Gestank. Klingt merkwürdig, dennoch stimmt das Konzept.

Geradezu meisterlich überzeugt letztendlich auch die Atmosphäre. Ob vom Himmel fallende Vögel, grüne oder auch blaue wirkende Mondzyklen oder berstende, im Kampf ramponierte Knochen: das Ende der Welt gestaltet sich als durch und durch gefährlich und alles andere als lebenswert. Alex stützt sich schnell auf ihren Trotz, lernt nach und nach dazu und landet letztendlich in einer merkwürdigen Stadt, die die anfangs so kühle Stimmung schnell wieder aufleben lässt. Rule erinnert an die sorgefältig geplanten Niederlassungen der sogenannten Amish People in Amerika. Alles wird durchgeplant, alles verwertet und Alex festgehalten, die nur versucht hat Hilfe für Ellie und Tom zu holen. Doch geholfen wird in dieser Zeit nur nützlichen Menschen. Und solche, die zu nützlich sind, werden nicht mehr aus den Fängen der Verschonten entlassen, die dunkle Geheimnisse hüten. Themen wie Religionen und Sekten werden hierbei laut und nicht zuletzt wird der Leser mit einer sanft gestrickten, wenig begeisterungsfähigen Dreiecksgeschichte konfrontiert. Eine, die definitiv nicht notwendig gewesen wäre, um den sich anbahnenden Konflikt auszubauen. Diese Tatsache, sowie wenige Logiklöcher sind die einzig wirklichen Mankos dieser fabelhaften Geschichte, die sehr, sehr gut in weiterer Folge zu werden verspricht. Zumindest für Leser ab sechzehn Jahren oder darüber hinaus, denn „Ashes“ fordert einen starken Magen und einen gefestigten Verstand, um so viel Grauen zu verarbeiten.

Alex folgte dem Blick des Kindes. Jack lag reglos mit dem Gesicht nach unten auf dem felsigen Untergrund, um ihn herum breitete sich wie eine rote Korona eine Blutlache aus. „Opa.“ Ellie kroch zu ihm, dabei streifte sie mit dem Arm einen toten Vogel. Kreischend zuckte sie zurück, aber eine Masse aus blutigen Federn blieb auf ihrem Handrücken kleben. Angewidert versuchte sie, sie abzuschütteln, während sie keuchte: „Tu was, t-tu doch was …“ Tun? Was denn? Alex wusste, wie man Herz-Lungen-Wiederbelebung machte, dafür hatte ihre Mutter gesorgt. Aber Jack sah ziemlich tot aus, außerdem war er alt und hatte einen Herzschrittmacher …

(Seite 37)


Fazit

„Ashes“ von Ilsa J. Bick ist nicht wirklich ein Jugendbuch und eignet sich mit einer solchen Gewaltdarstellungen und dem vorherrschenden, psychischen Druck vorwiegend für Jugendliche ab sechzehn sowie (junge) Erwachsene. Leser mit einem robusten Magen, die sich freuen endlich wieder eine richtige, dystopische Geschichte über den Untergang der Zivilisation zu lesen, die Laune macht und zu überzeugen weiß, sind hier sehr sehr richtig. Fast-Zombies inklusive und ein Szenario, das man in keinem Fall so schnell vergessen kann!


Pro und Kontra

+ überaus spannende Handlung
+ stimmungsvolle Grundidee
+ sprachlich sehr atmosphärisch
+ Emotionen durchweg glaubwürdig
+ vielschichtig und düster
+ sehr realistisches Endzeitszenario
+ ein echter Pageturner
+ tiefgründige Protagonisten

o kein Jugendbuch! / stellenweise richtig brutal
o teilweise erschreckende (auch gute) Themenwahl
o Charaktere sind nicht durch und durch Sympathieträger
o direkter, kalter Stil zum Inhalt passend

- Thesen wissenschaftlich fragwürdig
- teilweise schockierend kalter Grundton von Alex
- unnötige Dreiecksdramatik

Bewertung:

Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 29. September 2011
 

Kommentare  

#1 Schwere KostSniffu 2018-06-24 19:23
Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass dieses Buch keine Faszination auf mich ausübt. Es wirkt wie eine Massenkarambola ge, von der man nicht die Augen lassen kann.
Neben den gewaltverherrli chenden Darstellungen finde ich das Marketing des Verlags mehr als bedenklich. Auf dem Cover wird eine Liebesgeschicht e (für Jugendliche) vorgegaukelt, doch die ist eigentlich nicht existent. Damit wird schon einmal das falsche und viel zu junge Publikum angelockt. Dann teilt sich der Roman mMn auch noch in zwei Geschichten, die miteinander nicht harmonieren: Das Zusammenleben von Alex, Ellie und Tom in der Wildnis & das Leben in einer postapokalyptis chen Gesellschaft im Dorf.
Mit der Dreiecksdramati k gebe ich dir völlig Recht, denn sie bestärkt das ungute Gefühl, dass sie eigens geschaffen wurde, um ein jüngeres Publikum bei der Stange zu halten, was aber mMn nicht das Zielpublikum sein sollte.Dass die Autorin Kinderpsycholog in ist, wirft ein ganz besonderes Licht auf den Roman ...

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