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Planet der Sonnen (Karl Schroeder)
Geschrieben von Judith
Montag, der 03. Oktober 2011

Heyne (Februar 2010)
Originaltitel: Sun of Suns - Virga 1
Originalverlag: Tor Science Fiction
Aus dem Englischen von Irene Holicki
Taschenbuch, Broschur, 448 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-52626-6
€ 8,95 [D] | € 9,20 [A] | CHF 13,50

Genre: Science Fiction / Steampunk


Klappentext

Wer hat die Welt erschaffen?

Diese Frage beschäftigt den jungen Hayden Griffin mehr als alles andere – denn seine Welt hat viele Geheimnisse. Warum bauen sich die Menschen ihre Sonnen selbst? Warum ist Schwerkraft auf den Tausenden Asteroiden ein so kostbares Gut? Und vor allem: Wer hat diese rätselhafte Welt überhaupt gemacht? Für Hayden beginnt ein unglaubliches Abenteuer …


Rezension

Hayden ist in der Nation Aerie aufgewachsen, die keine eigene Sonne hat. Allerdings wurde eine geplant und auch gebaut – doch bevor sie entzündet werden konnte, wurde sie zerstört. Dabei kamen Haydens Mutter und viele seiner Mitbürger ums Leben. Jahre später lebt Hayden in Slipstream, der Nation, die Aerie verschlungen hat. Er arbeitet dort für die Frau des Admirals Fanning, den er für den Tod seiner Mutter verantwortlich macht und aus Rache ermorden will. Haydens Pläne werden jedoch auf den Kopf gestellt, als die aeriesche Widerstandsbewegung Kontakt zu ihm aufnimmt und er kurz darauf von Fanning auf eine wichtige Mission mitgenommen wird. Er soll Venera Fanning als Flieger dienen, doch Hayden wird weit tiefer in die Ereignisse verwickelt …

Der Klappentext des Buches ist relativ irreführend. Denn all diese Fragen stellt sich eher der Leser als Hayden, der mit dem Überleben und seinen Racheplänen beschäftigt ist. Manche Fragen lassen sich auch schnell beantworten: Die Menschen bauen ihre Sonnen nach Vorbild der ersten Sonne Candesce selbst, weil sie Licht und Wärme brauchen und Schwerkraft ist ein kostbares Gut, weil die künstliche Erzeugung über Zentrifugen und rotierende Habitate materialaufwendig ist. Virga ist kein Planet, wie der Titel vermuten lassen könnte, sondern eher eine riesige Blase, in der tausende Asteroidenstücke um die erste Sonne kreisen. Die Menschen haben diese Gesteinsbrocken besiedelt und leben in Habitaten, die auf riesige Räder gebaut sind, um Schwerkraft zu erzeugen. Manche müssen allerdings auch ohne dieses kostbare Gut auskommen und wirken mit ihren langen, dürren Gliedmaßen wie spinnengleiche Wesen. Behausungen und Habitate werden über Seile miteinander verbunden und es schweben ganze Meere und Wälder frei in Virga herum. Kreative Ideen, wie ein Leben in der Schwerelosigkeit überhaupt möglich sein kann, sind reichlich vorhanden – auch wenn es dem Leser einiges abverlangt, sich Virga vorzustellen.

Denn „Planet der Sonnen“ ist kein Science Fiction-Roman mit monströsen Städten aus Glas und Chrom. Zu den meist verwendeten Materialien scheint Holz zu gehören und die Kriegsschiffe Slipstreams wirken, als hätte man sie aus allem, was man finden konnte, zusammengezimmert. Die Besatzung verfügt über verschiedene Feuerwaffen, kämpft aber mitunter auch mit Schwertern und benutzt Telegrafen zur Kommunikation. Als Fanning mit seiner Crew von Piraten überfallen wird und eine unübersichtliche Schlacht entbrennt, ist das Bild einer Piratengeschichte im Science Fiction-Gewand komplett. Dazu gesellen sich diverse Steampunk- und Fantasyelemente, die den Roman wie einen wilden Genremix erscheinen lassen. Virga bietet dabei ein unglaubliches Potential, das im ersten Band noch nicht ausgeschöpft wird. Da darf man gespannt sein, was die Folgebände bringen. „Planet der Sonnen“ liefert zudem kaum Antworten auf die vielen Fragen, die dem Leser in den Sinn kommen. Im Gegenteil – es werden immer neue aufgeworfen.

Mit Hayden muss man anfangs erst einmal warm werden, so sehr ist er in seinen Rachegedanken verhaftet und darüber hinaus beinahe handlungsunfähig. Doch er mausert sich im Laufe der Geschichte zu einem facettenreichen Charakter, der durchaus Sympathiepunkte einheimsen kann. Ganz anders als Admiral Fanning und seine Frau Venera. Insbesondere letztere ist eine Opportunisten wie sie Buche steht und bleibt meist unsympathisch, auch wenn sie den ein oder anderen guten Moment hat. Der Admiral selbst wirkt anfangs unheimlich stereotyp und glänzt erst am Ende mit ein wenig mehr Tiefgang. Dann gibt es da noch Aubri Mahallan, die nicht aus Virga stammt. Ihre Welt außerhalb der mysteriösen Sphäre ist hochtechnisiert und der Leser kann im Laufe des Romans einen kleinen Blick darauf erhaschen. Allerdings wirft auch dieser Besuch nur weitere Fragen auf.

Was am Ende bleibt, ist ein traumhaftes Cover und eine Geschichte, deren Potential geradezu erschlagend wirkt. „Planet der Sonnen“ bietet gute Unterhaltung, auch wenn die Handlung selbst phasenweise etwas zu platt daherkommt. Dafür erregen viele originelle Ideen das Interesse des Lesers, der nach der Lektüre sich sicherlich auf die Folgebände stürzen wird. Denn Virga bietet unheimlich viele, phantastische Geheimnisse, die gelüftet werden wollen. Die verschiedenen Kulturen, die Virga bevölkern und die im steten Widerstreit miteinander liegen, tragen ihr Übriges dazu bei, Leser langfristig zu binden – wenn sie den Einstieg in diese sehr skurrile, utopische Welt geschafft haben.


Fazit

„Planet der Sonnen“ ist ein unterhaltsamer Abenteuerroman im Science Fiction-Gewand, der eine unheimlich interessante, aber auch schwer vorstellbare Welt zu bieten hat. Kreative Ideen sind geradezu im Überfluss vorhanden, allerdings werden auch mehr Fragen aufgeworfen, als beantwortet. Wer sich diesen Roman genauer anschauen will, sollte unbedingt einkalkulieren, alle Bände zu lesen!


Pro & Contra

+ faszinierende Welt ohne Schwerkraft
+ originelle und interessante Ideen
+ Haydens innere Wandlung
+ gelungene Kampfszenen
+ unterhaltsam

o viele Charaktere sind nicht unbedingt Sympathieträger
o offenes Ende

- teilweise schwer vorstellbar
- die eigentliche Story ist etwas platt

Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 03. Oktober 2011
 

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