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Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
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Hey Sniffu, ich gebe dir absolut recht. Vielleicht hätte ich die Hörbuchfassung erwähnen sollen. ABER ...

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Dark Ladies II (Hrsg. von Alisha Bionda)
Geschrieben von Anna
Montag, der 04. Mai 2009




Fabylon Verlag, Markt Rettenbach 2009
256 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-927071-26-1
Preis: 13 € (D)
(Dark Fantasy-Anthologie)



Es dunkelt weiter

Lassen Sie sich in die phantastische Welt der DARK LADIES entführen – wir nehmen Sie gerne an die Hand! – Alisha Bionda im Vorwort des ersten Bandes

Wie im ersten Band der zweiteiligen Dark-Ladies-Anthologie liegen auch hier 3D-Grafiken von Gaby Hylla vor, von denen sich fünfzehn Schriftsteller zu Kurzgeschichten anregen ließen. Auch diesmal sorgen bekannte und unbekannte Autoren für eine vielseitige Mischung, die von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft führt und dabei so manche Überraschung bereithält.

Fünfzehn Schlaglichter: Ein Überblick

Fran Henz zeigt, dass „Rudelkämpfe“ nicht immer offen ausgefochten werden: Ein vor sich hin schwelender Konflikt zwischen einem Vater und zwei Söhnen, ein gewagtes Vorhaben, das dem Rudel ein für allemal die Vorherrschaft sichern soll ... Aus diesen Grundsteinen wird eine solide Geschichte gebaut, die nicht nur mit einer Wendung aufwartet. Ein guter Einstieg.

Eine sehr eigene Erzählweise erwartet den Leser in „Was Lieder nicht verraten“ von Jennifer Schreiner, obgleich sie noch recht gewöhnlich beginnt: Schnell gleitet die Sprache mit dem Protagonisten in einen wahnhaften Rausch ab, in dem die Grenzen zwischen Realität und Illusion, zwischen Gegenwart und griechischer Mythologie verwischen. Ab und zu mag man stolpern, doch zweifelsohne ist es gerade dieser Stil, der die Geschichte hervorhebt und auszeichnet – gelungen.

Der Nachfolger sinkt dagegen leider ab: „... und führe mich nicht in Versuchung“, fleht der von Rainer Innreiter kreierte Mönch, dem das Schicksal eine unerwartete Bewegung beschert. Leider vermag er nicht zu überzeugen, genauso wenig wie die Verführerin, die sich mit ihrem Aussehen nicht in die Zeit fügen will und schon gar nicht in die Aufgabe, in einem keuschen Mann Gottes das Begehren zu wecken – die erzählerische Berechtigung dafür wird nicht klar. Manchen, die einen gewissen Science-Fiction-Film gesehen haben, mag auch das Ende bekannt vorkommen, das abseits davon wohl noch das Beste an diesem Text ist.

Mit „Die Schrecken der Stille“ liefert Barbara Büchner wie schon im ersten Band einen Höhepunkt der Anthologie. Kurz, beklemmend und von bildlicher Intensität webt die Autorin aus der eigentlich starren Situation einen dynamischen Sog, bei dem sie sich auch nicht vor der Körperlichkeit der Protagonistin scheut.

Tanya Carpenters „Desmodia“ wiederrum ist interessanterweise die einzige Geschichte, in der das klassische Vampirbild aufgenommen wird – zugleich aber auch weitergesponnen und mit einer guten Pointe versehen. Die gelungene Umsetzung einer gelungenen Idee, von der nicht zu viel verraten werden soll.

Eine ganz andere Atmosphäre, ein ganz anderes Umfeld erwartet den Leser in „Das Fest der grauen Mondin“. Arthur Gordon Wolf beginnt im wahrsten Sinne des Wortes klassisch, da im antiken Griechenland, doch schnell sorgt die erste Überraschung für einen Wandel des Bildes – ein erfrischender Mix aus verschiedensten Elementen vor einem gut erdachten Hintergrund, der unterhaltsam zu lesen ist und ein unerwartetes Ende bereithält.

Ein Findelkind, das auf den Namen „Tabea“ getauft und von einem wohlhabenden Paar adoptiert wird: Monika Wunderlich erzählt von Zu- und Abneigung, von Ungerechtigkeit, Eifersucht und Missverständnissen. Empfindungen, die wohl jeder nachvollziehen kann und deshalb anfänglich viel Identifikationspotential mit der Protagonistin bieten, das jedoch am Ende ganz bewusst verspielt wird, wo Grautöne dem Bild mehr Tiefe verliehen hätten. Der Schluss erinnert an herkömmliche Geistergeschichten – auch hier werden Möglichkeiten in der Darstellung nicht wahrgenommen, wodurch die Erzählung im Mittelfeld bleibt.

Im Gegensatz dazu bietet Dave T. Morgan mit „Shadoir“ die rundum gelungene Umsetzung einer neuen Idee. Diese ausnehmend gut erzählte Fantasy-Geschichte wartet mit einer nicht unbedingt klassischen Protagonistin auf, wodurch im Rahmen einer Wendung ein schöner Perspektivenwechsel gelingt. Die Faszination des Textes ist spürbar, farbenprächtig geschrieben vermag er es, den Leser zu fesseln.

Ein ganz anderes Umfeld hält Linda Budinger bereit. Ein Regentänzer, der seine verstorbene Geliebte zurückholen will: „Die Schleier des Vergessens“ orientiert sich bildlich an einem uns weniger bekannten Kulturkreis, die phantastischen Elemente fügen sich gut ein und formen eine schön erzählte Legende, die mythologisch rund wirkt und die Details des Ausgangsbildes durchdacht aufgreift, ihnen tragende Rollen zuweist.

Auch Guido Krains „Geliebte des Winters“ gehört zweifelsohne zu den gelungenen Stücken der Anthologie. Eine junge Frau, der der Winter auf dem Fuße folgt wie ein Fluch, doch ohne ihr zu schaden ... Schon die Protagonistin wirkt lebendig, ebenso wie die Sitten und Bräuche der Gesellschaft, in die es sie verschlägt. Ihrer Geschichte liegt eine spannende Idee zugrunde, die gut umgesetzt wurde und in eine gelungene, unerwartete Wendung mündet. Lesenswert!

„Schlangenblut“ wiederum wirkt eher mittelmäßig. Robin Gates kreiert eine Auftragsmörderin, die in den Körper von Schlangen schlüpfen kann und unversehens mit weiterreichenden Aspekten ihrer Fähigkeit konfrontiert wird – doch die Handlung vermag nicht zu packen, auch wenn eine Tötungsszene dieser Erzählung einem gewissen Reiz nicht entbehrt, mischt sie doch phantastische und reale Elemente. Auch dem Ende gelingt keine Überraschung.

Der bekannteste Autor dieser Anthologie ist zweifelsohne Christoph Marzi, und was er beisteuert, tanzt aus der Reihe: „Epiphany“ ist eine definitiv nicht klassische Superheldengeschichte, die unerwartete metaphorische Parallelen zu Büchners „Schrecken der Stille“ aufweist. Marzi entwirft eine Fabel über Identität, Ängste und die Vergangenheit, über das Altern und darüber, dass über die Jahre hinweg dennoch ein Kern in uns bleibt, der sich kaum verändert. Es mag sein, dass „Epiphany“ auf den ersten Blick nicht offensichtlich verständlich wirkt, doch regt sie zum Nachdenken an und überzeugt schon allein dank der unkonventionellen, bodenständigen Heldin.

Stockender und flacher liest sich danach „Das Geschenk“ von Aino Laos. Eine querschnittgelähmte Protagonistin kann eine Gratwanderung mit Potential sein, hier rutscht sie jedoch in die Trivialität ab und vermag es nicht, lebendig zu werden. Durch den Erzählstil gehen viele Möglichkeiten verloren, die die Handlung bieten könnte, allerdings ist diese Erzählung als einzige übersetzt – so etwas ist natürlich nie einfach.

Desirée und Frank Hoese haben zu zweit einen Text beigesteuert, der vielversprechend beginnt: „Deine Nacht soll niemals enden“ durchbricht schnell den Anschein von Realität, der aufgebaut wird, und bietet durch phantastische Elemente so manche Neuinterpretation bekannter Phänomene an – eine reizvolle Mischung. In Folge gleitet die Geschichte allerdings stark ins Phantastische ab, anstatt Greifbarkeit aus der gegenwärtigen Welt zu gewinnen, der Höhepunkt verpufft dadurch eher und die Geschehnisse münden in ein laues Ende.

„Nagual“ entführt uns schlussendlich in den Dschungel. Das Szenario, das Harald Braem entwirft, erinnert an klassische Abenteurerforscherromane. Auch die suspekte Begleiterfigur fehlt nicht, die vom Assistenten mit Misstrauen betrachtet wird, und das Ziel ist ein ähnlich sagenhaftes wie in einschlägigen Geschichten. Die Expedition kommt dann allerdings zu einem unerwarteteren Abschluss, der nicht unbedingt dem Konzept entspricht und gerade dadurch ein Flair aufweist, das den Rest der Erzählung aufwertet.

Fazit

Wem „Dark Ladies I“ gefallen hat, der wird an diesem Band noch mehr Freude haben. Auch hier ist die Bildgestaltung wieder eine Frage des Geschmacks, die Ausarbeitung und Zusammenstellung ebenfalls sehr sorgfältig, trotz Schwankungen ist die Geschichtenqualität jedoch diesmal gesamt gesehen höher und bietet einige wirklich schöne Überraschungen – die Vielfalt sorgt zudem dafür, dass für jeden etwas dabei sein dürfte. Nicht nur für Freunde der Dark Fantasy empfehlenswert!


Pro und Contra:

+ Vielfalt und Ideenreichtum in der Herangehensweise
+ Sorgfältige, detaillierte Gestaltung und Zusammenstellung
+ Bessere Geschichtenqualität als beim Vorgänger mit einigen wirklichen Höhepunkten

- Qualitative Schwankungen

Extras:

~ Nachwort
~ Vitae der Beteiligten im Anhang
~ 16 3D-Grafiken in Schwarzweiß sowie grafische Elemente zur Unterteilung der Geschichten

Bewertung:

Texte: 4/5
Bilder: 2/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5



Rezension zu „Dark Ladies I“



Interessante Links:

Interview mit Alisha Bionda

Interview mit Rainer Innreiter

Interview mit Christoph Marzi

Interview mit Uschi Zietsch

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 13. Mai 2009
 

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