Freitag, 20. September 2019

Gewinnspiel

Phantast (Download)

phantast21 weltenschoepferinnen

Neueste Kommentare

Sehr interessant
Ich habe eine frage zu dem Buch die sabrina hat die eigendlich denn max von der strasse geschupst ...

Weiterlesen...

Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
Hallo Jeronimus :) Ich habe die dunkle Edition gehört. Ich meine zu wissen, dass sich die zwei Editionen ...

Weiterlesen...

Hey Sniffu, ich gebe dir absolut recht. Vielleicht hätte ich die Hörbuchfassung erwähnen sollen. ABER ...

Weiterlesen...

Das Schwert und die Lämmer (Claudia Kern)
Geschrieben von Angelika
Mittwoch, der 30. November 2011

Blanvalet (November 2011)
480 Seiten, 9,99 Euro
ISBN: 978-3-442-37439-7

Genre: Historik


Klappentext

Im Jahre 1212 taucht ein junger Schafhirte vor dem Kölner Dom auf und ruft die Armen und die Kinder zu Befreiung des Heiligen Landes auf. Tausende schließen sich ihm an, darunter auch Madlen, eine in Ungnade gefallene Magd, die ihre beiden Söhne nicht alleine ziehen lassen will. Ständig dem Hungertod nahe führt der Zug der Kinder quer durch Deutschland. Unzählige Gefahren und Intrigen sind zu überstehen, aber Madlen hält zu ihren Söhnen. Doch in den Alpen wird sie von ihnen getrennt. Wie weit kann Madlen gehen, um ihre Söhne wiederzusehen …


Rezension

Claudia Kern betreute mehrere Jahre, als Mitbegründerin und Chefredakteurin, das Science-Fiction-Magazin „Space View“, war für ProSieben tätig und zog sich 1999 als Autorin nach Bonn und letztendlich Berlin zurück. Sie verfasste unter anderem Sachbücher, Filmkritiken sowie eine erdige, durchaus lesenswerte Fantasy-Trilogie. Mit „Der verwaiste Thron“ wurde sie im phantastischen Genre bekannt und entführt nun erstmals in längst vergangen Zeiten.

>> Ich drehte mich um, als ich die Stimme hörte, und da stand auf einmal Nicolaus vor mir, seinen Schäferstab in der Hand. Seine Augen waren hellblau und klar wie Regentropfen an einem heißen Tag. Er hatte sich ein Hemd übergezogen, der Querbalken des abgebrochenen Kreuzes war im Ausschnitt zu sehen. <<

Köln, 1212: Es ist kein einfacher Weg, den Madlen wählen muss, um ihre Söhne wieder zu sehen. Als Magd ist ihr Stand weit unter vielen anderen, die frei über ihre Arbeitskraft verfügen können. Gerade deshalb bricht sie von ihrer Heimat aus auf, um ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen; innerlich voller Einsamkeit und Sehnsucht nach ihren Kindern. Dennoch: nachdem alle Sicherheit aufgegeben wurde, kommen noch viel schwerwiegendere Entscheidungen auf sie zu. Ein Kreuzzug will geführt werden. Tausende brechen von Köln aus auf, um das Heilige Land von allem Übel zu befreien. Doch in den Reihen der Kreuzfahrer zeigt sich Madlen, wie vernichtend Religion und blanke Willkür sein können ...

Nur wenig ist bisher über die sogenannten Kinderkreuzzüge bekannt. Zuverlässige Quellen bestätigen ausschließlich Anhaltspunkte, vieles darüber hinaus ist bis heute ungeklärt und wird mit großer Wahrscheinlichkeit so bleiben. Mit „Das Schwert und die Lämmer“ greift Claudia Kern jedoch spannende, historische Fragen zum Thema auf, um sich in weiterer Folge selbst einen Reim auf damalige Ereignisse zu machen. Gewagt, wunderbar recherchiert und gut geschildert – schon zu Beginn des Romans hegt man keinerlei Zweifel am Fachwissen der Autorin. Sie beschreibt exzellente Bilder, authentische Umstände (Hungersnot, Missgunst aber auch Glaubensentwicklung) und lässt sich hierbei Zeit, um den Leser in die Vergangenheit zu entführen. Religion und Aberglaube bleiben stets im Vordergrund. Gänzlich nachvollziehbar wird dem Leser vermittelt, welch tragende Rolle religiöse Sichtweisen im Leben unzähliger Menschen gespielt haben und wie mächtig jene Männer waren, die (angelblich) das Wort Gottes verkündeten. Im Fall des geschilderten Kinderkreuzzuges stützt sich dessen Entstehung auf Nikolaus von Köln, einen einfachen Schafhirten. Sein Einfluss sowie seine Inspiration (Engel) ist geschichtlich belegt und auch einzelne Aussagen werden in diesem Buch eins zu eins aufgegriffen. Man hat damals zu ihm aufgesehen, ihn Reden gehört und zum Schluss waren auch Angst sowie Unwissen, oder eben Hoffnung auf Vergebung, ein allzu großes Druckmittel. Madlen (durch deren Augen erzählt wird) hat sich letztendlich aus ähnlichen Gründen dem Kreuzzug angeschlossen wie tausend andere Bettler, Invaliden, Kinder und Jugendliche zuvor. Sie erhofft sich zum einen Schutz, zum anderen Wärme von einem ganz gewissen Mann, aber auch Nähe zu ihren Kindern. Doch was am Ende ihrer Reise auf sie warten wird, entzieht sich letzendlich ihrer Vorstellung.

Leser, die beim Thema Kreuzzug eine furiose, kampforientierte Handlung erwarten, könnten sich schnell einer Enttäuschung ausgesetzt sehen. Denn Claudia Kern zeigt nämlich schlicht sowie unverblümt, wie Fanatismus das Leben zerstören kann. Der Mittelpunkt ist und bleibt das gemeinsames Reisen, bis es zum Ende hin noch einmal abenteuerlich wird. Brutalitäten werden generell nicht reißerisch ausgeschmückt, dennoch aber genügend angedeutet, um zu schockieren. Ausgrenzungen finden untereinander statt. Regeln und Eide werden gebrochen und die Verfehlungen gnadenlos bestraft. Natürlich alles im Namen Gottes. Von Köln ausgehend, über Bonn, am Rhein entlang bis nach Mainz und danach in Richtung Jerusalem, begleitet man entweder den gesamten Kreuzzug, oder nur Madlen und ihre (vom Leser schnell ins Herz geschlossenen) Gefährten. Zwar wirken sie in ihren Glaubengrundsätzen und in ihren Einstellungen zeitgemäß, wenn auch befremdlich, lassen jedoch stets Mitgefühl und Anteilnahme beim Lesen zurück. Es fällt dadurch immer wieder schwer, sie in all diesem Elend zu sehen. Besonders in einer so verlustreichen Geschichte von Herz und Verstand. Den Raum für Interpretationen hat die Autorin gut – noch viel wichtiger aber – authentisch zu nutzen gewusst. Alles wirkt passend, durchdacht und in sich schlüssig. Nur der ein oder andere Zufall lässt rätseln, die wenigen Längen gähnen, doch bekannte Namen wie König Friedlich von Sizilien und sehr unterschiedliche inhaltliche Verflechtungen entschädigen dafür.


Fazit

„Das Schwert und die Lämmer“ von Claudia Kern ist ein sehr gelungener Roman, der sich überaus gut mit der Thematik des Kinderkreuzzuges befasst. Nicht immer völlig unterhaltsam, dennoch aber informativ sowie glaubhaft dargestellt, beweist die Autorin mit dieser Neuerscheinung ihr Talent für lesenswerte Historik. Prädikat: empfehlenswert!


Pro und Kontra

+ authentische Darstellung von Religion und Geschichte
+ facettenreiche Ansichten auf Gesellschaft und Menschen
+ gut recherchiert und großartig interpretiert

o Ich-Perspektive
o Focus stark auf Glaubensfragen
o geradlinige Handlungen

- so manche, inhaltlich bedingte Längen

Wertung:

Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5


Interview mit Claudia Kern (08.04.2010)

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 01. Dezember 2011
 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren