Der Schädelschmied (Jens Lossau / Jens Schumacher)

Egmont Lyx (Oktober 2011)
kartoniert, Klappbroschur
Seiten: 349, 9,99 EUR [D]
ISBN: 978-3-8025-8456-5

Genre: Fantasy(-Thriller)


Klappentext

In Barlyn, einer abgelegenen Minenstadt tief unter der Erde, wird ein ranghoher Zwergenpolitiker tot aufgefunden, sein Schädel gespickt mit Dutzenden Stahlnägeln. Doch die Tür seines Büros ist von innen hermetisch verriegelt. Zauberei? Meister Hippolit und sein Assistent Jorge nehmen die Ermittlungen auf. Was steckt hinter dem rätselhaften Todesfall? Ein aberwitziger Suizid? Ein Monster aus den Abgründen der Mienen? Je tiefer Hippolit und Jorge graben, umso ungeheuerlicheren Dingen kommen sie auf die Spur ….


Rezension

Jens Lossau und Jens Schumacher schreiben gemeinsam und auch jeder für sich. Während sich der eine auf Thriller und der andere auf Kinder- und Jugendbücher zu konzentrieren begann, bastelten sie immer wieder an gemeinschaftlichen Projekten. Nach „Der Elbenschlächter“ und „Der Orksammler“ erscheint nun das mit „Der Schädelschmied“ ein dritter Band des originell skurrilen IAIT-Ermittlerteams Jorge und Hippolit.

>> In seinem Domizil tief unter der Erde zumindest zog der Oberste Lenker, soweit man dies in den unzureichenden Lichtverhältnissen beurteilen konnte, Erscheinungsformen vor, die seiner jeweiligen Gemütsverfassung entsprachen. Und um Letztere stand es heuten nicht zum Besten. „Agent Jorge!“, donnerte prompt eine Stimme, die klang, als versuchte jemand durch eine dicke Schlammschicht zu brüllen. <<

Jorge und Hippolit ermitteln wieder – einmal mehr und nun schon zum dritten Mal. Besonders schön: nachdem Jens Lossau und Jens Schumacher ihre beiden Helden im ersten Band einmal quer durch die Hauptstadt Sdooms geschickt und dann sprichwörtlich durch die Wüste gejagt haben, geht es in „Der Schädelschmied“ im wahrsten Sinne des Wortes unter die Erde. Denn mit Barlyn, einer kleineren Minenstadt, haben die zwei unterschiedlichen Autoren einmal mehr einen Ort erschaffen, den es erneut und gerne zu bereisen gilt. Dunkle Schächte, verzweigte Mienen, grimmige Zwerge und tief verwurzelte, diplomatische Verschwörungen warten hierbei auf die beiden Spezialisten vom IAIT (Institut für angewandte investigative Thaumaturgie), deren Aufgabe darin besteht, den Mord oder vielleicht auch Suizid eines hochrangigen Politikers zu untersuchen. Auch ein Monster scheint in den Stollen sein Unwesen zu treiben und fest steht, dass wieder einmal nichts ist wie es scheint. Denn Thaumaturgie wurde angewandt und nur Meister Hippolit scheint die Sache durch viel Erfahrung und Fleiß aufklären zu können. Sein Mann der Tat ist wie immer Jorge. Mit viel Witz und Situationskomik bringt vor allem er, wie aus den zwei Vorgängen bereits gewohnt, den Leser kräftig zum Lachen. Jens Lossau und Jens Schumacher bleiben hierbei nicht immer jugendfreundlich, stützen sich (in diesem Punkt) sehr gerne auf das Wörtchen „Thriller“ und bestechen mit Selbstvertrauen sowie einem wunderbar flüssig zu lesenden Stil.

Ihre Charaktere werden ebenso gekonnt und sattelfest in Szene gesetzt, wie sie stets unverwechselbar sind. Ein weiser Lichtadept der neunten Stufe, gefangen in einem viel zu jugendlichen Körper, und ein Troll, der nur allzu gern verschiedenen Sprichwörtern und jeder Form von Liebe frönt. Beide geben ihr Bestes, versuchen sich einen Reim auf mysteriöse Umstände zu machen und geraten dabei gern ins Kreuzfeuer der Gegenpartei. Sie zanken, ermitteln, begeistern, wettstreiten und punkten hierbei zum Großteil durch bitternotwendige Kleinigkeiten. Denn lässt man sich die Schwerpunkte der bisher gelesenen Bände auf der Zunge zergehen, so zeigt sich unweigerlich ein immer ähnliches Muster. Eines, das natürlich viele Kriminalromane vereint. Fans, die sich mit dieser Tatsache arrangieren können, sowie humorliebende Neueinsteiger werden auch mit „Der Schädelschmied“ zufrieden sein, obwohl das Wörtchen „Thriller“ erneut zu hoch gepokert ist. In phantastischen Einfällen und schrulligen Ideen sind und bleiben Jens Lossau und Jens Schumacher dennoch derzeit kaum zu überbieten. Kreativlinge pur, die trotz mancher Makel einfach zu begeistern wissen, erneut ein doch wieder aktionreiches Ende bieten und sich geradezu fabelhaft auf erfrischende Unterhaltungsromane verstehen. Gerne und immer wieder mehr davon!

Sag, was genau hast du eigentlich gegen diese Selbstmordtheorie, M.H.? Ich will dir nicht zu nahe treten, aber wir Trolle haben ein altes Sprichwort, und das geht so: Wenn einer kaputt aufgefunden wird, in einem von innen verschlossenen Raum, einen selbst geschriebenen Abschiedsbrief vor der Nase, dann sprechen gewisse Andeutungen zart dafür, dass er sich druchaus selbst das Licht ausgeblasen haben könnte. Ist natürlich nur ein Sprichwort ...

(Seite 123)


Fazit

Raffinierter als Holmes & Watson, schlagkräftiger als Spencer & Hill und abgedrehter als Clever & Smart sind Jorge der Troll und Meister Hippolit auch im dritten Band nicht, was keine Schande ist. Denn Jens Lossau und Jens Schumacher haben mit ihren Ermittlern ein Gespann erschaffen, das – genauso wie es ist – jede Menge Spannung, Abenteuer und unterhaltsame Stunden mit sich bringt.


Pro und Kontra

+ toll ausgemalte Fantasy-Welt
+ unterhaltsame Charaktere
+ Witz & Situationskomik
+ auch ohne Vorwissen zu lesen
+ ein echter Pageturner
+ würdige Fortsetzung
+ Kreativität pur mit skurrilen Einfällen
+ leicht leserlicher, angenehmer Stil
+ tolles & in sich stimmiges Gesamtpaket

o nicht immer jugendfrei
o moderne Magie & Technik

- kein Thriller, wie angekündigt
- fehlende Abwechslung

Bewertung:

Handlung: 3 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5


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