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Alice im Wunderland (David Chauvel und Xavier Collette)
Geschrieben von Judith
Sonntag, der 22. Januar 2012

Splitter (März 2010)
Hardcover, 80 Seiten, 15,80 EUR
Übersetzer: Tanja Krämling
ISBN: 978-3-940864-11-6

Genre: Phantastik / Surrealismus


Inhalt

Das bildgewaltige Werk steht ganz in der Tradition des weltweit berühmten englischen Literaturklassikers aus der Feder Lewis Carrolls. Eine visuelle tour de force, die meisterhaft alle Genregrenzen sprengt und dabei eine einzigartige Poesie entwickelt. Fantasy, Märchen, Satire, bildgewordener Traum oder surrealistisches Spiel mit den Gesetzen der Logik? Alice’ abenteuerliche Reise in die geheimnisvolle Welt des Wunderlands ist dies alles und noch viel mehr – nicht nur deshalb gehört der zeitlose Stoff in jede gut sortierte Comicbibliothek!


Rezension

Die Geschichte von „Alice im Wunderland“ dürfte nahezu jedem bekannt sein, sei es in Form der Originallektüre und Literaturzitate oder auch als cineastisches Erlebnis des Disney-Klassikers und Tim Burtons 3D-Spektakel. Allerdings wird die Geschichte immer wieder neu interpretiert und ihre Elemente variiert, teilweise werden auch „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ vermischt. David Chauvels und Xavier Collettes Umsetzung hält sich dabei fast schon streng an den Literaturklassiker von Lewis Caroll: Alice hat keine Lust aufs Lernen und möchte lieber phantasievolle Bücher mit vielen Bildern lesen. Als sie ein seltsames weißes Kaninchen entdeckt, folgt sie diesem und stürzt durch den Kaninchenbau ins Wunderland, wo sie durch Tränke und Gebäck wachsen und schrumpfen kann. Auf ihrer Reise begegnet sie einer riesigen Raupe, die nur in Rätseln spricht, lässt sich von der mysteriösen Grinsekatze verwirren, platzt in die Teeparty des verrückten Hutmachers und landet schließlich bei der Herzkönigin, die jeden köpfen lässt, der ihr nicht gefällt.

Die Comicadaption von „Alice im Wunderland“ sieht sich sehr originellen und teilweise auch überzogenen Mangaumsetzungen wie „Wonderful Wonder World“ gegenüber, die sicherlich nicht die surreale Poesie des Meisterwerks einfangen, jedoch mit ihrer ungewöhnlichen Neuinterpretation punkten. David Chauvel und Xavier Collette scheinen sich hingegen damit begnügt zu haben, Alice eine traumhafte Optik zu verpassen, die Tim Burtons Film verblassen lässt. Von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt „Alice im Wunderland“ mit einer gleichermaßen surrealen wie düsteren Farbkomposition, die jede Seite wie einen entrückten Traum erscheinen lässt. Insbesondere der Hutmacher und die Grinsekatze sehen schlichtweg genial aus und jedes Panel bereitet einfach nur Freude – wäre da nicht der weiße Seitenhintergrund. Dabei schreien diese herrlichen Zeichnungen geradezu nach einem schwarzen Hintergrund. Die weißen Ränder zwischen den Panels stören die Optik ungemein. Auch hätte man sich für „Alice im Wunderland“ mehr ganz- oder gar doppelseitige Illustrationen gewünscht und einen etwas chaotischeren Aufbau, der die verrückte Geschichte spiegelt.

Vor allem aber mangelt es der Umsetzung an Eigenständigkeit. Zwar ist Alice immerhin kein blondes Mädchen, sondern hat dunkle und kürzere Haare, doch im groben Ablauf ist die Geschichte sehr nah am Original und bietet nichts „Neues“. Ein bisschen sieht der Comic aus wie die düstere Version des Disney-Klassikers und bei manchen Panels ist die Ähnlichkeit viel zu groß. Bedeutende Szenen wie der Nicht-Geburtstag beim Hutmacher kommen etwas zu kurz – der Herzkönigin wird dagegen sehr viel Platz eingeräumt. Insgesamt hätte man, schon allein wegen der grandiosen Optik, den Comic einige Seiten länger machen können und dafür den Schlüsselszenen mit dem Hutmacher, der ersten Begegnung mit der Grinsekatze oder auch der Raupe ein paar großflächige Illustrationen spendieren können. Denn der Zeichenstil fängt die eigenartige Stimmung von „Alice im Wunderland“ perfekt ein, sodass man einerseits schwer begeistert ist, jedoch andererseits auf nahezu jeder Seite das Gefühl hat, es wäre mehr möglich gewesen.

Die textliche Umsetzung ist stellenweise sehr gut gelungen, stellenweise aber auch eher misslungen. Das Spiel mit der Logik beherrscht dieser Comic ebenso wie Lewis Caroll und bei manchen Dialogen schwirrt auch dem Leser der Kopf. Auch zahlreiche satirische Anspielungen kommen wunderbar zur Geltung. Sprechblasen mit dem schlichten Inhalt „Buuhuuhuu“, wenn Alice weint, hätte man sich dagegen schenken können. Ein Bild der Tränen reicht völlig aus und jeder lautmalerische Kommentar stört die Poesie, die dem Werk innewohnt. Insgesamt hätte man an vielen Stellen die Bilder für sich allein sprechen lassen sollen. Auch wirkt Alice manchmal extrem beleidigt und trotzig, was sie irgendwie unsympathisch macht. Letztlich ist hier jede Kritik Meckern auf hohem Niveau, doch „Alice im Wunderland“ wurde bereits so oft neu interpretiert, dass man sich an jeder unstimmigen Kleinigkeit stört. Die Thematik ist einfach so alt und groß, dass eine grandiose Optik allein nicht ausreicht. Die Videospieladaptionen „American McGees Alice“ und „Alice: Madness Returns“ trauen sich viel mehr und erschaffen eine alptraumhafte Version des Wunderlands, die mit einer grausamen Schönheit und originellen Ideen überzeugt. So weit wie diese Spiele muss ein Comic natürlich nicht gehen, aber etwas mehr Eigenständigkeit wäre wünschenswert gewesen.

Alles in allem ist dieser Comic jedoch sehr gelungen und wer über kleine Macken hinwegsehen kann, bekommt einen optischen Leckerbissen serviert, der weitgehend die surreale Atmosphäre des Originals spiegelt. Noch dazu präsentiert Splitter „Alice im Wunderland“ als hochwertiges Hardcover mit hervorragender Druckqualität!


Fazit

David Chauvels und Xavier Collettes „Alice im Wunderland“ besticht mit einer traumhaften Optik, die die surreale Poesie des Meisterwerks gekonnt einfängt. Ein herrlich atmosphärischer Comic, dem es jedoch an inhaltlichen Eigenheiten mangelt und der sein Potential nicht ausschöpft. Für Alice-Fans dennoch ein Muss!


Pro & Contra

+ surreale Atmosphäre
+ grandioser, düsterer Zeichenstil
+ Hutmacher und Grinsekatze sind besonders gelungen
+ gelungenes Spiel mit der Logik
+ verwirrende (Alice-typische) Dialoge

o sehr nah am Original

- unnötige Lautmalerei
- weißer Seitenhintergrund

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu "Wonderful Wonder World"

Rezension zu "Alice im Wunderland - Der Manga"

Bericht zu "Alice: Madness Returns" im Phantast

Literatopia-Links zu weiteren Titeln von David Chauvel:

Rezension zu Pinocchio

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 25. November 2015
 

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