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Sternenfeuer - Gefährliche Lügen (Amy Kathleen Ryan)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 24. Februar 2012

PAN (März 2012)
Hardcover mit Schutzumschlag
Originaltitel: Sky Chasers 1: Glow
432 Seiten, 16,99 EUR
ISBN: 978-3-426-28361-5

Genre: Science Fiction / Dystopie


Klappentext

Der Auftakt zur großen Sternensaga!

Die 15-jährige Waverly gehört zu den ersten Kindern, die an Bord des Sternenschiffes Empyrean geboren wurden. Jedermann erwartet, dass sie bald ihren Freund Kieran heiraten wird, um eine Familie zu gründen und das Überleben der Menschheit auf der langen Reise zu einem fernen Planeten zu sichern. Waverly liebt Kieran sehr – aber ist sie trotzdem schon bereit, so früh diesen entscheidenden Schritt zu gehen?
Das friedliche Leben endet dramatisch, als wie aus dem Nichts das lange verschollen geglaubte Schwesterschiff angreift, die Erwachsenen tötet und alle Mädchen entführt. Während Kieran auf der schwer beschädigten Empyrean um sein Überleben kämpft, muss Waverly viele Lichtjahre entfernt alles daransetzen, zu ihm zurückkehren zu können …


Rezension

Zwei Schiffe – eine Mission. Die New Horizon hat ihre Reise drastisch verzögert, sodass sie mit dem ein Jahr später gestarteten Schwesternschiff Empyrean zusammentrifft. Auf diesem sind Waverly und Kieran die ältesten Kinder und von ihnen erwartet jeder, dass sie heiraten. Waverly und Kieran haben dennoch aufrichtige Gefühle füreinander, wobei sich Waverly noch nicht reif für die Ehe fühlt. Und schon gar nicht für Kinder. Doch im Sinne der Mission wird von einem Mädchen erwartet, schnell Mutter zu werden und das Überleben der Menschheit zu sichern. Der Druck verstärkt sich, da die Menschen auf dem Schiff lange Zeit gar keine Kinder bekommen konnten. Während der langen Reise führen die meisten Menschen an Bord eher ein bäuerliches Leben und pflegen ihre Äcker und Tierfarmen. Als die New Horizon angreift, sind alle vollkommen unvorbereitet – die Empyrean wird schwer beschädigt und alle Mädchen auf das Schwesternschiff entführt.

Wer nach dem Klappentext eine interstellare Liebesgeschichte erwartet, wird relativ schnell enttäuscht werden. Ja, Waverly und Kieran sind ein Paar, doch als sie getrennt werden, überwiegen die dramatischen Entwicklungen. Es bleibt wenig Zeit für Gedanken an den anderen und diese sind mehr von tiefer Sorge und Verzweiflung als zärtlichen Gefühlen geprägt. „Sternenfeuer“ ist vor allem ein gesellschaftskritischer Jugendroman, der mit dem Szenario einer Reise durchs Universum einen abgeschlossenen Raum für zwei unterschiedliche Systeme schafft. Auf der New Horizon sind die Menschen tief religiös, während auf der Empyrean eher ein lockerer Lebensstil vorherrscht. In beiden Fällen treffen die Schattenseiten die Jugendlichen, die das volle Ausmaß menschlicher Ausnahmesituationen zu spüren bekommen. Unter den dramatischen Umständen des Angriffs bleibt die Menschlichkeit oftmals auf der Strecke und so wird der Leser Zeuge menschenunwürdiger Taten, die jedwede Jugendbuchromantik zerstören.

Die einen begehen ihre Verbrechen aus purer Überheblichkeit, die anderen rechtfertigen die eigenen mit Gottes Willen. Religion wird in jedem Fall instrumentalisiert – zum einen, um die eigenen Überzeugungen durchzusetzen und zum anderen, um Moral und Anstand als Spinnerei abzutun. Oder auch, um neue Hoffnung in tiefster Verzweiflung zu schöpfen. Beide Schiffe werden von zwielichtigen Gestalten geführt, die schnell ihre freundlichen Masken fallen lassen. Daneben gibt es geradezu schrecklich naive Erwachsene und Jugendliche, die im Angesicht der Tragödien zu stabil wirken. Waverly und Kieran sind starke Charaktere, doch dass sie meist als erste und oftmals allein die bösartigen Pläne der Schiffskapitäne durchschauen, ist schlichtweg unglaubwürdig. Dazu verhalten sich manche Erwachsene wie stereotype und dumme Statisten oder werden zu sehr zum „Bösen“ stilisiert. Natürlich liest es sich für junge Leser toll, wenn ihre jugendlichen Helden den Erwachsenen zeigen, dass sie stärker sind als gedacht. Doch der Glaubwürdigkeit willen hätte Amy Kathleen Ryan den schwachen Momenten ihrer Charaktere mehr Raum geben müssen. Denn Schwächen sind da, doch sie werden unglaublich schnell abgewiegelt.

Der erste Teil des Romans ist abwechselnd aus Waverlys und Kierans Sicht geschrieben, danach geht die Autorin dazu über, jedem Charakter mehrere Kapitel hintereinander zu widmen. Dadurch werden die Abstände zwischen den Ereignissen auf der Empyrean und der New Horizon so groß, sodass man bei jedem Teil erst wieder zu dem jeweiligen Protagonisten zurückfinden muss. Die Grundidee von „Sternenfeuer“ ist sehr interessant und überzeugt mit zeitgemäßer Gesellschaftskritik. Doch die Umsetzung ist nur mittelmäßig gelungen. Der Roman wirkt lieblos heruntergeschrieben und so gut sich Amy Kathleen Ryans auf die Bloßstellung menschlichen Verhaltens versteht, so ungelenk wirken die Schiffsbeschreibungen und Dialoge. Der Stil liest sich recht einfach und lässt Kreativität vermissen. Für eingefleischte Science Fiction-Fans ergeben sich zudem diverse Stolpersteine, die vermuten lassen, dass die Autorin zuvor keine Erfahrungen im Genre gesammelt hat. Auch hier sind gute Ideen vorhanden, doch sie scheitern an der schwammigen Umsetzung.

Voll überzeugen kann die Ausgabe von PAN mit der traumhaften Aufmachung. Das Buch selbst ist ein blaumetallisch schimmerndes Hardcover, dazu gibt es einen weißen Schutzumschlag mit Spotlack. Das ganze sieht edel aus und kann sich preislich sehen lassen. Doch die Aufmachung weckt auch wie der Klappentext falsche Erwartungen. Interessierte Leser sollten sich unbedingt die Leseprobe anschauen und sich bewusst sein, dass „Sternenfeuer“ vor allem eine Dystopie vor dem Hintergrund einer interstellaren Reise ist. Wer zudem noch nicht viel Kontakt mit Science Fiction hatte, wird hier einen leichten Einstieg finden – Vielleser hingegen dürfen sich um so manches Details nicht allzu viele Gedanken machen. Wer sich auf die Charaktere und die zwischenmenschlichen Abscheulichkeiten konzentriert, kann trotzdem Gefallen an „Sternenfeuer“ finden.


Fazit

„Sternenfeuer“ ist eine gesellschafts- und religionskritische Dystopie vor dem Hintergrund einer interstellaren Reise. Amy Kathleen Ryan bringt in Anbetracht tragischer Umstände die schlechtesten Seiten der Menschheit zum Vorschein, die ein flaues Gefühl im Magen hinterlassen und nachdenklich stimmen. Die interessante Grundidee leidet allerdings etwas an der mittelmäßigen Umsetzung des Settings – hier muss die Autorin in den Folgeromanen mehr Glaubwürdigkeit schaffen.


Pro & Contra

+ gut verpackte Gesellschafts- und Religionskritik
+ interessantes Science Fiction-Setting
+ starke Protagonisten
+ bis zum Ende spannend

o einfacher, schnörkelloser Schreibstil
o menschenverachtende Taten

- mittelmäßige Umsetzung des Settings
- Erwachsene werden zu sehr als „böse“ stilisiert

Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 24. Februar 2012
 

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