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Dark Canopy (Jennifer Benkau)
Geschrieben von Judith
Samstag, der 17. März 2012

Script 5 (März 2012)
Hardcover mit Schutzumschlag
528 Seiten, 18,95 EUR (D), 19,95 EUR (A)
ISBN 978-3-8390-0144-8

Genre: Dystopie


Klappentext

Stell dir vor, du musst täglich ums Überleben kämpfen.
Stell dir vor, dein Gegner ist unbesiegbar.
Stell dir vor, du kommst ihm zu nah.
Stell dir vor, du verliebst dich in ihn.

Die Percents, für den dritten Weltkrieg geschaffene Soldaten, haben die Weltherrschaft übernommen und unterjochen die Menschen. Rebellenclans versuchen, außerhalb des Systems zu überleben. Mit ihnen kämpft die 20-jährige Joy gegen das Gewaltregime. Doch dann fällt sie dem Feind in die Hände und muss feststellen, dass sich auch unter den vermeintlichen Monstern Menschlichkeit findet. Und sogar noch mehr …


Rezension

In Joys Welt wird der Himmel von Dark Canopy verdunkelt. Menschen leben unter ärmlichen Bedingungen unter der Herrschaft der Percents – emotionslosen Wesen, von den Menschen selbst als Soldaten für den dritten Weltkrieg gezüchtet. Jene, die in der Stadt leben, sind für die (meisten) Percents nichts als minderwertige Diener. Außerhalb der Stadt sind Menschen Freiwild und können nach Belieben eingefangen oder getötet werden. Joy wird in ihrem Clan „Messermädchen“ genannt und versteht sich selbst als Kriegerin. Wo die älteren Clanmitglieder längst resigniert haben, brennt in ihr eine Leidenschaft für den Kampf gegen die Percents und für die Freiheit. Als sich in der Stadt ein Tauschgeschäft als Falle entpuppt, wird ihre Freundin Amber gefangen genommen. Joy kann mit knapper Not entkommen, entschließt sich jedoch mit anderen jungen Clanleuten zu einer verzweifelten Rettungsaktion. Dabei wird sie selbst von den Percents gefangen genommen, manche ihrer Freunde sterben und andere kehren zurück zu einem Clan, der im Begriff ist zu zerbrechen …

„Dark Canopy“ ist eine von vielen Dystopien, die derzeit schwer im Trend liegen, doch gleichzeitig ist Jennifer Benkaus Werk einer der wenigen Romane, der dieses Genre in all seinen Konsequenzen verkörpert. Wo andere sich an moralisch bedenklichen Gesellschaftsentwürfen und den negativen Auswirkungen des Klimawandelns versuchen, bekommt man hier die volle Breitseite finsterer Zukunftsvisionen. Die Welt von „Dark Canopy“ ist sprichwörtlich düster – und der verdunkelte Himmel sieht gegen den Hass und die Verachtung zwischen Menschen und Percents noch heiter aus. Was Joy zu Beginn ihrer Gefangenschaft widerfährt und mit ansehen muss, ist nur als menschenverachtend zu bezeichnen und der Leser muss bei einigen Szenen kräftig schlucken. Die ersten zweihundert Seiten sind von einer beklemmenden Kälte durchzogen, die direkt unter die Haut kriecht. Eine hohe Spannung und Brutalität dominieren das erste Drittel, sodass der Mittelteil zwangsläufig abflacht. Irgendwann muss die Autorin sich schließlich Zeit nehmen, ihre Welt zu erklären und die Fragen des Lesers zu beantworten. Denn davon häufen sich einige an, denn die Autorin nutzt die Unwissenheit der Charaktere als Spannungsmoment.

Wirklich langweilig wird es dennoch nie – dazu hat einen die beklemmende Atmosphäre zu stark im Griff. Wie im Klappentext angekündigt, gibt es auch eine Liebesgeschichte, die sich allerdings weit ab gängiger Klischees entwickelt und romantisch veranlagte Leser kaum glücklich stimmen dürfte. Ein Hass, der sich ein ganzes Leben in die Seele gefressen hat, lässt sich nicht einfach überwinden. Dennoch gelingt es gerade der leidenschaftlichen Rebellin Joy, in den Percents etwas anderes zu sehen, als emotionslose Monster. Zwar sind einige von ihnen genau das, doch es sind nicht alle gleich. Ebenso sind die Menschen keine unschuldigen Opfer, sondern ebenso Tätet und in mancher Hinsicht mindestens genauso verachtungswürdig wie die Percents. In einer Welt nach dem dritten Weltkrieg, in der Elend und Hass regieren, kann es keine strahlenden Helden geben, keine moralisch einwandfreien Charaktere. Joy macht ihre Fehler und einige ihrer Entscheidungen kann man schwer nachvollziehen, doch gerade ihre vielen Ecken und Kanten machen sie interessant und im Kontext ihrer zerstörten Welt authentisch.

Die Rebellion der Menschen bedeutet vor allem Hunger, Elend und immerwährende Angst, von den Percents entdeckt zu werden. Einige erkaufen sich ihre vermeintliche Sicherheit und opfern sogar Freunde. Andere begnügen sich mit einem Leben in Knechtschaft für ein warmes Zuhause in der Stadt. Und manche arrangieren sich mit den Percents, mehr noch, manche leben mit ihnen auf Augenhöhe zusammen. Doch diejenigen Menschen und Percents, die mehr ineinander sehen als den verachtenswerten Feind, sind rar gesät und noch zu wenige, um etwas zu verändern. Eine große Revolution gibt es also nicht. „Dark Canopy“ dreht sich vielmehr um ein sehr persönliches Schicksal, in dem sich eine Welt nach dem Ende auffächert und scheinbar nur Verlierer hervorbringt. Letztlich sind es nicht die großen Fragen nach dem Schicksal der Menschheit oder der Percents, die den Leser umtreiben, sondern das stete Bangen um das Überleben geliebter Charaktere. Denn man traut Jennifer Benkau auf jeder Seite zu, das Undenkbare zu schreiben. „Dark Canopy“ geht einem in vielen Szenen so nah, dass man auch nach dem Lesen noch grübelt. Was würde man selbst wählen? Freiheit oder Sicherheit? Wie frei kann man sein, wenn man frierend, hungernd und in ständiger Angst lebt?

Eine Fortsetzung soll im Frühjahr 2013 erscheinen, doch „Dark Canopy“ lässt sich wunderbar als Einzelroman lesen. Das Ende kann man einerseits endgültig aber auch offen verstehen und man kann nur hoffen, dass sich Jennifer Benkau mit einer Weiterführung der Geschichte nicht alles verdirbt. Denn der Roman funktioniert in dieser Form einfach zu gut - trotz unerwartetem Ende, das nicht jedem Leser schmecken dürfte. Natürlich lechzen noch diverse Fragen nach Antworten und mit einem solchen Ende kann man schwer zufrieden sein, doch die auch auf den letzten Seiten hervorstechende Brutalität passt zum Gesamteindruck des Romans. Script 5 präsentiert sich selbst als Verlag für junge Erwachsene und „Dark Canopy“ ist tatsächlich eher Erwachsenen zu empfehlen. Der Roman ist keinesfalls gewaltverherrlichend, aber in der Darstellung emotionaler und physischer Grausamkeit durchweg realistisch und detailreich. Alles andere wäre für dieses Endzeitszenario unglaubwürdig gewesen, dennoch sei hier für zartbesaitete Gemüter eine Warnung ausgesprochen. Wer es gerne richtig finster und dreckig mag, kann sich über ein tolles Hardcover freuen, das optisch einen phänomenalen Eindruck macht.


Fazit

„Dark Canopy“ ist finster, dramatisch, ein klein wenig romantisch und absolut verstörend. Der Roman frisst sich mit jeder Seite tiefer ins Bewusstsein des Lesers und trotz der menschenverachtenden Grausamkeit kann man das Buch kaum zur Seite legen. Auch in Jennifer Benkaus düsterer Zukunftsvision gibt es Hoffnung und Menschlichkeit, allerdings sollte man als Leser nicht auf sie setzen. Ein unheimlich spannender und brutaler Roman, der sich die Bezeichnung „Dystopie“ mit allen Konsequenzen verdient!


Pro & Contra

+ beklemmende, finstere Atmosphäre
+ spannender Weltentwurf
+ Charaktere mit reichlich Ecken und Kanten
+ geschickter Storyaufbau mit vielen Wendungen
+ extrem hohe Spannung im ersten Drittel
+ düsterer, kreativer Schreibstil
+ ehrliche Emotionen
+ schonungslos und brutal

o für Jugendliche nur bedingt geeignet

Wertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Interview mit Jennifer Benkau (April 2012)

Rezension zu "Dark Destiny"

Rezension zu "Himmelsfern"

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 18. September 2013
 

Kommentare  

#4 2. Teil...von mir aus!Zora 2012-09-08 18:56
Hi , habe vor ca. 10 min. dark canopy ausgelesen und
war schlichtweg begeistert von der düsteren Darstellung der zukünftigen Welt und die Vielfältigkeit der Caraktere.Ich konnte das buch nicht aus der Hand legen.Ich finde es gut das es eine Fortsetzung geben soll, da das ende sehr offen gehalten wurde und
die Autorin fragen unbeantwortete ließ.Ich Persönlich freue mich schon.
#3 ApplausMia 2012-07-15 18:36
Ich bin ehrlich... ich habe das Buch gerade erst vor fünf Minuten beendet und musste sofort nachsehen ob es eine Fortsetzung gibt.
Die Geschichte war zwar düster und in mancher Hinsicht unglaublich grausam aber in meinen Augen eine Glanzleistung. Ich würde nur zu gern erklären was das Buch in mir ausgelöst hat, aber im Moment bin ich vom Ende noch zu überwältigt.
Und ich möchte meinen stillen Applaus an die Autorin ausdrücken, der es gelungen ist mich im wahrsten Sinne sprachlos zu machen. :-)
#2 Dark CanopyJudith 2012-04-22 15:13
Hallo Marion,

ich denke, für viele Leser ist es sicher schwer, dieses Ende so stehen zu lassen - ich möchte auch wissen, wie es weiter geht ;-) ...

Dennoch, wenn man diesen Roman als Momentaufnahme einer düsteren Zukunft betrachtet, kann man ihn sogar so stehen lassen. Auch wenn das verdammt bitter ist und nicht alle Fragen geklärt werden. Aber zur Härte des Romans passt die Bitterkeit der letzten Kapitel sehr gut und man könnte es meiner Meinung nach so stehen lassen. Für mich muss ein Roman auch nicht durchweg abgeschlossen enden - in diesem Fall würde ich es auch als passend empfinden, wenn "Dark Canopy" genau so endet. Weil es zum finsteren und schmerzhaften Ton der Geschichte einfach passt.

Trotzdem freue ich mich auf den zweiten Teil ;-)

Ich denke auch, dass Jennifer Benkau im zweiten Roman mindestens genauso überzeugen kann. Aber leider wurde ich auch oft schon enttäuscht, weswegen ein kleines bisschen Skepsis bleibt. Aber bleiben wir mal optimistisch und freuen uns auf einen hervorragenden zweiten Teil!

Grüße

- Judith
#1 Einzelroman?Marion 2012-04-22 12:28
Liebe Judith,

eben habe ich Dark Canopy beendet und kann in vielen Punkten Deine Rezension nachvollziehen und auch unterschreiben.
Allerdings muss ich einer Aussage ganz entschieden widersprechen - es läßt sich NICHT wunderbar als Einzelroman lesen! Never!!! Nicht, wenn einem als Leser die Geschichte gefallen hat. Ich will doch wissen, wie es weitergeht, alles ist offen, sämtliche Handlungssträng e, außer dem Wettkampf, alles andere als abgeschlossen.
Ich bin mir sicher, das Jennifer Benkau sich mit dem zweiten Teil nichts verdirbt, sondern eher die kleinen Schwächen, die m.M.n.GCNB im ersten Band noch bestehen, ausbügelt.

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