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Die Advokatin: Stadt der Engel Bd. 1 (Tracie Peterson & James Scott Bell)
Geschrieben von Patricia
Mittwoch, der 01. August 2012


Verlag Francke, Januar 2009
Taschenbuch, 320 Seiten, 12,95 €
ISBN: 9783868270624

Genre: Belletristik

Klappentext

Kit Shannon, eine frischgebackene Juristin aus New York, beschließt 1903 nach Los Angeles zu ziehen. Sie hofft, in der liberalen, fortschrittlichen Stadt eine Anstellung in einer Anwaltskanzlei zu finden. Doch die Dinge entwickeln sich nicht so wie erwartet. Ihre Tante Frederica befürchtet, dass das ganz und gar unübliche Karrierestreben ihrer Nichte ihrem eigenen Ansehen in der Gesellschaft von Los Angeles schaden wird. Und auch die Gerichtsbarkeit ist wenig begeistert von Kits Ansinnen. Tatsächlich findet die junge Advokatin nur unter Schwierigkeiten einen Anwalt, der bereit ist, eine Frau zu beschäftigen. Und sie zahlt einen hohen Preis, denn sie ist gezwungen, einen Strafprozess gegen einen Freund vorzubereiten. Die Anklage lautet auf Mord…


Die Autoren

Tracie Peterson lebt mit ihrem Mann Jim in Montana. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin von über 70 Romanen hat drei erwachsene Kinder. Sie ist eine gefragte Rednerin auf Konferenzen.

James Scott Bell lebt mit seiner Familie in Los Angeles. Der Jurist war als Strafverteidiger tätig, bis er seine Karriere aufgab, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.


Rezension

Kit Shannon hat eine Mission. Früh verwaist wuchs sie in unfreundlichen Waisenhäusern auf, bis sie endlich volljährig ihre Ausbildung beginnen konnte, die Ausbildung zur Advokatin. Was in New York Anfang 1900 nicht üblich und schon gar nicht alltäglich war. Frauen sollten heiraten, einen Haushalt führen und Kinder bekommen – auf keinen Fall aber versuchen, in Männerberufe einzusteigen. Denn das Gehirn einer Frau kann unmöglich die komplexen Strukturen erfassen, die ein Arzt oder Anwalt erkennen muss. Zumindest in den Augen der Männer – denn immer mehr Frauen beweisen, dass sie ihren Mann stehen können. Eine von ihnen ist Kit, die Gerechtigkeit will, für ihre Mutter, die von Anwälten über das Ohr gehauen und um ihr Vermögen gebracht wurde. Den ersten Schritt hat sich schon geschafft, mit ihrem Abschluss als Anwältin. Bei ihrer Tante, die sie endlich gefunden hat, will sie ihren Traum erfüllen und arbeiten, aber sie rechnet nicht mit den Standesdünkeln ihrer Tante. Deren Ruf geht ihr über alles, sie hat hart daran gearbeitet, in der High Society aufgenommen zu werden. Wird ihre Nichte, die einfach nicht heiraten will, ihr da nicht schaden? Und für wen wird sie sich wohl entscheiden, wenn sie zwischen Familie oder Anerkennung wählen muss.

In dem Dienstmädchen Corazon findet Kit eine treue Freundin, die ihr mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln treu zur Seite steht. Soziale Unterschiede existieren für beide nicht. Mit Earl Rogers findet Kit dann endlich auch einen Anwalt, der sie einstellt und mit Aufgaben in seinen Fällen betreut, wobei Kit oft mit ungewöhnlichen Wegen ordentliche Erfolge erzielt. Earl hat allerdings mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen, an einigen Tagen ist der Alkohol sein bester Freund. Leider bleibt seine Figur ein bisschen blass, die Autoren vermeiden es, ihn tiefgründiger darzustellen. Seine Familie wird wohl erwähnt, spielt ansonsten aber keine nennenswerte Rolle. Von seinen Gedanken und Gefühlen erfährt man auch recht wenig, nur andeutungsweise kommen seine Schwierigkeiten zur Sprache. Ted Fox ist der Sonnyboy in der Geschichte, zu ihm fühlt sich Kit von Anfang an hingezogen. Allerdings ist er verlobt, und seine Verlobte so gar nicht amüsiert von Treffen zwischen Ted und Kit. Dabei versteht Kit ihn wesentlich besser, denn auch Ted verfolgt einen Traum, er möchte fliegen. Ein Mordprozess kommt ihm erst einmal in die Quere, auf einmal sieht er sich als Angeklagter wieder, der von Earl Rogers verteidigt wird. Der Ankläger hingegen ist Heath Sloate, ein guter Freund und Anwalt von Kits Tante, der es sowie auf ihr Geld und ihre Nichte abgesehen hat. Abfuhren kann er allerdings so gar nicht verkraften, Kit schafft sich damit ihren ersten Feind auf Lebenszeit.

Die Geschichte spiegelt die Gesellschaft Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sehr gut wieder, besonders die der Frau. Auf der einen Seite ihre Tante, die sich ihre soziale Stellung durch Heirat hart erarbeitet hat und ihrem eigenen Verstand nicht mehr traut, indem sie sich von falschen Freunden beraten lässt. Aus Angst über Klatsch entscheidet sie sich gegen Kit, die ihr einfach zu unkonventionell ist. Sie soll gefälligst heiraten und Kinder bekommen, wie es sich für eine Frau gehört. Wie sehr sie sich selbst dabei schon verloren hat, merkt sie gar nicht. Da kann ihr so ein frischer Wind, wie Kit ihn ins Haus bringt, kann ihr eigentlich nur helfen. Auf der anderen Seite ist da Kit, die den ganzen Sturm des männlichen Dünkels abbekommt und sich gegen gängige Konventionen dursetzen muss. Das macht sie sehr behutsam und vergisst nie, in welcher Zeit sie lebt. Trotzdem weiß sie auch, dass die Zeit für Veränderungen reif ist.

Der Stil ist sehr angenehm und flüssig, geschickt mit immer neuen Wendungen gespickt. Es macht Spaß, mit Kit durch ein altertümliches Los Angeles zu ziehen und den Duft der Vergangenheit einzuatmen. Die Schilderungen sind sehr bildhaft, man kann sich sehr gut vorstellen, wie es damals ausgesehen hat. Der christliche Gedanke bleibt angenehm im Hintergrund, zu der Zeit war es ja auch völlig normal, viele Leute haben sich von Gott leiten lassen und sind in die Kirche gegangen. Das Buch versucht weder zu missionieren, noch zu belehren. Es ist lediglich der erste Teil einer Trilogie, die den Weg einer jungen Frau auf einer persönlichen Mission aufzeigt. Die Qualität des Buches ist hervorragend, fest gebunden und ein geschmackvolles Cover fördern den Lesespaß.


Fazit

Vergangene Zeiten leben wieder auf, wenn man die junge Anwältin Kit auf ihrem Weg durch Los Angeles begleitet. Der Atem der Vergangenheit umgibt den Leser genauso wie die Standesdünkel der Menschen und die Intrigen selbstverliebter Menschen. Am Anfang weiß man überhaupt noch nicht, wohin die Reise gehen wird, die Autoren verstehen es sehr gut, den Spannungsbogen durchgehend hoch zu halten.


Pro und Contra

+ sympathische und bodenständige Charaktere
+ gelungenes Flair der Vergangenheit
+ der Kampf einer Frau um ihren persönlichen Weg
+ Überraschung am Ende

o der christliche Gedanke ist weder überwiegend noch missionarisch

- plätschert manchmal ein bisschen vor sich hin

Wertung

Charaktere: 4/5
Handlung: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis / Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 02. August 2012
 

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