Mittwoch, 03. Juni 2020

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Ich fand das Buch von der ersten bis zur letzten Seite super spannend. Konnte es nicht aus der ...

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Habe das Buch vor einigen Jahren gelesen. Nun, 2019, in einer Welt voller Unruhe lebend, denke ich ...

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Sehr interessant
Ich habe eine frage zu dem Buch die sabrina hat die eigendlich denn max von der strasse geschupst ...

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Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
Das letzte Einhorn und Zwei Herzen (Peter S. Beagle)
Geschrieben von Markus
Donnerstag, der 11. Juni 2009

Klett Cotta (1. Auflage März 2009)
Gebundene Ausgabe, 304 Seiten  
€ 19,90 
ISBN: 9783608938722 

Genre: Fantasy


Klappentext

Die vielen alten und neuen Liebhaber des letzten Einhorns können hier den Klassiker zusammen mit der erstmals auf Deutsch erschienenen Fortsetzung „Zwei Herzen“ lesen. Das letzte Einhorn kehrt zurück.


Inhalt

"Das letzte Einhorn"

Das letzte Einhorn verlässt seinen im immerwährenden Frühling verharrenden Wald, um sich auf die Suche nach seinen verschwundenen Artgenossen zu machen.
Auf seiner abenteuerlichen Reise erhält es Unterstützung von Schmendrick, einem nahezu unfähigen Zauberer, und Molly Grue, ehemalige Gefährtin eines Räubers, der sich selbst am Liebsten als eine Art Robin Hood sieht.
Zusammen begeben sie sich in das Reich König Hagards und begreifen erst dort die Größe ihrer Aufgabe. Denn da erwartet sie der Rote Stier, der alle Einhörner in die Gefangenschaft getrieben hat und nun auch das letzte für seinen Herrn fangen will. In höchster Not verwandelt Schmendrick es in eine Frau, Lady Amalthea. Aber auch eine andere Gefahr wartet noch auf das Einhorn, in Form des Prinzen Lír und der Gefühle, die es durch seine neue Gestalt als Mensch erhalten hat.

"Zwei Herzen"

Das Dorf, in dem die kleine Sooz lebt, wird von einem gefährlichen und bösen Greif bedroht. Immer wieder entführt er kleine Kinder in den Wald und lässt sie nicht mehr frei. Sooz beschließt, sich heimlich aufzumachen und den alten König Lír um Hilfe für ihr Dorf zu bitten. Aber vermögen Normalsterbliche wirklich etwas gegen ein gefährliches Fabeltier auszurichten?


Rezension

„Das letzte Einhorn“

Neben dem Hobbit, dürfte „Das letzte Einhorn“ zu den bekanntesten Klassikern des Fantasy-Genres zählen, läuft doch dessen Verfilmung pünktlich zu Weihnachten und anderen Feiertagen garantiert auf irgendeinem Fernsehkanal. Doch den wenigstens ist bewusst, dass dieser Film auf dem vorliegenden Buch von Peter S. Beagle basiert, der ebenfalls das Drehbuch schrieb.
Es spricht für den Film, aber noch mehr für das Buch, dass man sagen kann, er ist eine würdige und wundervolle Umsetzung der Geschichte.
Doch wo der Film bei Charakterzeichnung und Tiefe der Geschichte aufhört, geht das Buch noch viel weiter.

Die handelnden Personen sind jederzeit in ihrem Verhalten nachzuvollziehen und einfach wunderbar dargestellt, eine Tatsache, die überrascht, erhält man doch keine direkten Einblicke in ihre Gefühle. Als Leser bleibt man außen vor und sieht nur, wie sie sich verhalten und was sie sagen, ihre Beweggründe muss man sich selbst ableiten. Dies ist allerdings nicht schwer, denn Peter S. Beagle schafft es mit wenigen Worten alles vollkommen natürlich und einsichtig zu gestalten.
Dabei bekommt man sogar tiefere Einblicke in das Wesen von Schmendrick, Molly Grue und den anderen, als wenn Peter S. Beagle uns an ihren Gedanken teilhaben lassen würde.
Seine fantastische Geschichte hilft ihm dabei ungemein, da sie in dieser Form doch sehr ungewöhnlich ist. Wird doch zum ersten Mal ein Einhorn als Protagonist konsequent genutzt und damit etwas Fremdartiges eingebracht, das alles um es herum in klarerem Licht erscheinen lässt.

Auf das übliche Heldengebaren der Figuren verzichtet der Autor, im Gegenteil, er beleuchtet es sogar kritisch, wenn Prinz Lír erfahren muss, dass sein Heldenmut vergebens ist. Mit ihm kann er Lady Amalthea, in die sich das letzte Einhorn zwischenzeitlich verwandelt, nicht beeindrucken.

Allerdings bleibt das Buch nicht auf solch einer offensichtlichen Ebene. Schaut man genauer hin, kann man noch viel mehr entdecken. Gedanken zur Phantasie, zum sich selbst Finden, zu Opferbereitschaft, Freundschaft und Liebe.
Man muss nicht so tief gehen, aber man kann es und damit ist „Das letzte Einhorn“ sowohl als Märchen für Kinder, als auch als ein poetisches Werk für Erwachsene geeignet.
Einzig an den Stil muss man sich zunächst etwas gewöhnen, erinnert er doch stark an alte Märchen und Legenden, offenbart dadurch aber auch eine große Poesie und Kraft.

„Zwei Herzen“

Die Fortsetzung „Zwei Herzen“ enttäuscht etwas aufgrund ihrer Kürze. Denn mit knapp 50 Seiten ist sie im Prinzip nur eine Kurzgeschichte, ein kurzes Aufflackern, die erst vierzig Jahre später von Peter S. Beagle verfasst worden ist.
In „Zwei Herzen“ treffen wir hauptsächlich auf Schmendrick, der mittlerweile ein berühmter und geachteter Zauberer ist, und Molly Grue. Auf die Bitte des Mädchens Sooz können sie König Lír überzeugen, noch einmal in den Kampf zu ziehen.
Im Gegensatz zum „Letzten Einhorn“ ist „Zwei Herzen“ in der Ich-Perspektive geschrieben. Mit den Augen des Mädchens Sooz erleben wir nun unsere altbekannten Helden und lernen sie dabei ganz neu kennen. Durch die Wahl dieser Perspektive gewinnt Beagle seinen Figuren neue Facetten ab, die den Leser überraschen. 
Schmendrick kommt einem in dieser Geschichte mächtiger und selbstbewusster vor. Er wird hier als Edler und Weiser präsentiert. Eine Rolle, die bei einer anderen Erzählperspektive nicht glaubwürdig gewesen wäre, da man sofort den alten Schmendrick vor Augen gehabt hätte.
Ebenso verhält es sich bei Molly Grue und vor allem König Lír, der jetzt schon alt und vergesslich ist, anscheinend teilweise in seiner eigenen Realität lebend. 
Vom alten Helden sind nur noch Erinnerungen geblieben, die erst am Ende wieder Bestätigung finden, als er den Greif erschlägt. Und auch erst am Ende tritt das Einhorn kurz auf, nur um mit seiner Entscheidung zu überraschen.

Die Geschichte selbst ist genau wie „Das letzte Einhorn“ wieder eine Einladung zum Träumen. Sie erinnert sogar noch mehr an ein Märchen, da sie durch die gewählte Perspektive sehr kindlich beschrieben wirkt, was ihr aber zugute kommt. 
Auch hier lässt sich aber, außer einer schön erzählten Geschichte, noch mehr finden. Es geht um Liebe und sich daran zu erinnern, wer man wirklich ist.
Trotzdem ist „Zwei Herzen“, mehr als alles andere, einfach ein Wiedersehen mit alten und guten Freunden, von denen man viel zu lange nichts Neues gehört hat und deswegen sei „Zwei Herzen“ auch seine Kürze verziehen.


Fazit

„Das letzte Einhorn“ und seine Fortsetzung „Zwei Herzen“ dürften alle begeistern, die etwas zum Träumen suchen und dabei nicht auf Inhalt verzichten möchten. Der einzige wirkliche Kritikpunkt ist die Kürze von „Zwei Herzen“, wird doch auf dem Cover groß mit der Fortsetzung geworben.


Pro & Contra: 

+ interessante Charaktere
+ eine zum Träumen einladende Geschichte
+ Die Geschichte hat mehr Tiefgang, als man auf den ersten Blick sieht

o "Zwei Herzen" ist für eine Fortsetzung sehr kurz
o ungewohnt zu lesender Stil

Bewertung: 

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Peter S. Beagle:

Rezension zu Das letzte Einhorn (Comic)

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 14. November 2019
 

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