Die Saat des goldenen Löwen - Das Lied von Eis und Feuer (George R.R. Martin)

Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (19. September 2011)
Taschenbuch: 672 Seiten; 15 €
ISBN-13: 978-3442268214

Genre: Fantasy


Klappentext

Das grösste Epos unserer Zeit

Viertes Buch:
Die Saat des goldenen Löwen

„Der amerikanische J.R.R. Tolkien.“
Time Magazin


Rezension

Familie Ehre Pflicht

Westeros ist weiterhin in Aufruhr und auf längere Sicht scheint dieser Zustand noch anzuhalten. Nach der Eroberung von Winterfell versucht Theon Graufreud weiterhin die Anerkennung, der dort lebenden Menschen und seiner Familie zu erlangen. Beides scheint aber zum Scheitern verurteilt. Das Gesinde und die Gefolgsleute der Starks, die sich zur Zeit der Eroberung auf Winterfell aufhielten, sind mehr als unbeugsam und so sieht sich Theon zu weiteren Grausamkeiten gegenüber alten Freunden gezwungen. Die Situation gleitet ihm immer weiter aus der Hand und seine Schwester ist ihm auch keine große Hilfe, bringt sie ihm doch keine nennenswerte und dringend benötigte Verstärkung. Als dann Bran und Rickon auch noch die Flucht gelingt, spitzt sich seine Lage endgültig zu.
Im Süden spielt sich hingegen ein Bruderdrama ab. Stannis und Renly Baratheon stehen sich auf dem Schlachtfeld gegenüber. Beide wollen die Krone erringen und der jeweils andere steht dabei im Weg. Und so unnachgiebig beide sind, so überraschend setzt sich Stannis durch. Doch der Preis dafür scheint hoch und er muss dafür auf fremde und dunkle Hilfe zurückgreifen. Der Weg nach Königsmund ist danach frei und Stannis zögert keinen Augenblick. Er setzt Segel und greift die Stadt mit all seiner Macht an. Einzig Tyrion Lennisters List kann die Hauptstadt und Joffreys Herrschaft retten und was Tyrion sich einfallen lässt, ist außergewöhnlich und von Verzweiflung gekennzeichnet.
Währenddessen gehen auch die Kämpfe zwischen den Lennisters und Robb Stark weiter. Einem seiner Gefolgsleute gelingt es Harrenhal zu erobern, nicht ohne Hilfe von Arya Stark, die dort als Gefangene Dienste in der Küche verrichtet und andere einfache Aufgaben übernimmt. Ihr eröffnen sich vollkommen neue Möglichkeiten, als sie Ja'quen, einen der Gefangenen aus dem Wagen Richtung Mauer, wiedertrifft. Da sie ihn und seine Kumpane gerettet hat, ist er aus seiner Sicht nun verpflichtet ihr drei Leben zu geben. Und zumindest das letzte weiß sie geschickt zu nutzen.
Nicht zuletzt ist dann noch Daenerys Targaryen, die in der Ferne versucht eine Streitmacht zur Eroberung der sieben Königslande zu sammeln. Dabei muss sie sich einer Prüfung und Gefahr stellen, die größer ist als die bisherigen. Aber nicht zuletzt hat sie ihre Drachen als ständige Begleiter.
Und hoch oben im Norden befindet sich Jon Schnee mit der Nachtwache auf einer gefährlichen Mission, die ein mehr als unerwartetes und nicht vorhersehbares Ende nimmt.

Das Geflecht von Verpflichtungen und Intrigen in Westeros wird immer dichter, löst sich etwas auf, nur um dann doch wieder unübersichtlicher zu werden. George R.R. Martin versteht es seine Geschichte komplex zu gestalten und trotzdem den Leser auf seine Art und Weise mehr als gut zu unterhalten. Da werden Bündnisse geschlossen, die ebenso schnell gebrochen werden. Loyalität und Treue zählen kaum noch etwas, wenn es um das eigene Leben und Überleben geht, besonders in Zeiten des Krieges, die zur Zeit in den Sieben Königslanden herrschen. Der ganze Kontinent scheint vom Wahnsinn erfasst. Jeder richtet sich praktisch gegen jeden und nur eine Handvoll Menschen scheint den Überblick zu behalten. Allen voran auch wieder natürlich Tyrion Lennister, der von seiner Umgebung am wenigsten geschätzte Mann und doch der einzige, der so etwas wie einen kühlen Kopf zu bewahren scheint und zumindest noch so etwas wie gesunden Menschenverstand und Gewissen zeigt. Dieses Mal ist es aber nicht er, der am faszinierendsten ist.
Diese Rolle nimmt Jaqen H'gar ein. Als ehemaliger Gefangener und verurteilt zum Dienst an der Mauer, rettete Arya Stark ihn vor dem sicheren Tod und befindet sich nun in den Diensten der Lennisters auf Harrenhal. Aber hinter seiner Fassade scheint mehr zu stecken als auf den ersten Blick zu vermuten ist. Vor allem viel größere Macht als so ein einfacher Mann und Verbrecher besitzen dürfte. Und ob dem Leser schon sein wahres Gesicht offenbart wurde, darf mehr als nur bezweifelt werden. Inwieweit sein psychotischer Charakter wirklich dergestalt ist, oder ob er nur eine ihm zugewiesene Rolle spielt, bleibt abzuwarten. Ebenso, ob es wirklich Zufall war, dass er auf Arya traf. Mitunter kann man sich sogar vorstellen, er habe irgendeine Verbindung zu Syrio Forel, ihrem ehemaligen Schwertmeister. Denn beide benehmen sich auf ihre Art exzentrisch und seltsam. Mit Sicherheit ist das Gespräch zwischen ihm und Arya Stark, in dem sie ihm den dritten zu tötenden Mann nennt ein Glanzstück des Romans und der Reihe. Hier zeigt sich wie klug und überlegt Arya schon handelt und sich auf das Spielen mit der Macht versteht.
Sie ist längst nicht mehr das kleine Mädchen, sondern ist durch ihre Erfahrungen gewachsen und verspricht für die Zukunft noch viele Überraschungen. Wer weiß, wo ihr Weg sie noch hinführt. Eine Möglichkeit wird ihr aufgezeigt, aber ob sie diese wirklich ergreift, bleibt abzuwarten. Sollte sie dies aber tun, wird es, milde gesagt, interessant werden in den sieben Königslanden.
Der Handlungsstrang um  Daenerys Targaryen bleibt dieses Mal etwas blass. Zwar steht am Ende ein folgenschweres Erlebnis für sie, aber bis dahin ist es ruhig und ihre Anwesenheit wäre nicht wirklich nötig. Ansonsten wären von der Dramatik her, noch die Geschehnisse um Jon Schnee hervorzuheben. Sein Ritt hinter die Mauer verlangt wirklich alles von ihm ab und dabei hat er noch nicht einmal an der Oberfläche gekratzt. Die Ereignisse im Norden, versprechen besonders interessant zu werden. Lange wird es auf jeden Fall nicht mehr dauern, bis der Sturm aus dem Norden losbricht.
Passend dazu, wird der Ton des Buches auch ernster. Vorher noch mit reichlich Wortwitz und ähnlichem versehen, gibt es solcherart Auflockerung nun seltener. Vor allem Tyrion Lennister hält die Fahne von Sarkasmus und Ironie weiterhin hoch, obwohl er lernen muss, wie bitter der Krieg ist.

George R.R. Martin gelingt auch hier noch das Kunststück, alles Handlungsfäden weiterhin zu verfolgen und diese auch für den Leser nachvollziehbar zu machen. Verheddern kann sich der Leser in dem Geflecht noch nicht, bleibt zu hoffen, dass George R.R. Martin in Zukunft weiter auf dem schmalen Grad zu wandeln versteht. Die Personenanzahl nimmt z.B. weiter zu und auch die Anzahl der Orte und Schauplätze ist nicht gerade klein. So dass man in diesem Dickicht leicht die Übersicht verlieren kann.


Fazit

Die Saat des goldenen Löwen ist der nächste empfehlenswerte Roman von George R.R. Martins Reihe Das Lied von Eis und Feuer. Arya bekommt ihren ersten wirklichen großen Moment und Jon Schnee muss sich seinen Ängsten stellen und Antworten suchen. Am Besten greift man gleich zum nächsten Buch.


Pro & Contra

+ Jaqen H'gar scheint viel mehr zu sein, als er vorgibt
+ Jon Schnee wird gefordert
+ Arya Stark hat ihren großen Moment
+ Theon Graufreuds Zweifel

0 immer neue Protagonisten

Bewertung:


Charaktere: 5/5
Handlung: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5


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