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Niemand (Nicole Rensmann)
Geschrieben von Judith
Samstag, der 25. August 2012

Atlantis Verlag (April 2012)
Titelbild: Timo Kümmel
Paperback, 270 Seiten, 13,90 EUR
ISBN 978-3-86402-013-1

Genre: Phantastik / Kuriositäten


Klappentext

»Niemand« ist eine Erzählung voller Mehrdeutigkeiten, und eine, in der alles wörtlich genommen wird. In den Hauptrollen: Nina, eine ABK, Fräulein Klimper, der Nikolaus, das Wurzelmännchen, ein Drecksack. Ach ja und da wäre natürlich noch – Niemand.

Orks? Drachen? Vampire? Nein! Aber Arschkriecher, Stromschwimmer, der Heilige Geist natürlich, Trauerklöße und Schaumschläger und eine Vielzahl anderer Niemandsländer, deren Bezeichnungen jenseits der Grenzen aus Unwissenheit verwendet werden. In den Nebenrollen: Jesus und das Dumme Würstchen.

»Niemand« ist skurril, witzig, liebenswert und riecht nach Erdbeeren. Fantasy neu. Mehr unter: www.wer-hat-angst-vorm-schwarzen-mann.de ...


Rezension

Im Niemandsland streiten sich Niemand Sonst und Überhaupt Niemand um den Thron, der eigentlich Niemand zusteht, dem unsichtbaren Herrscher des Niemandslandes. Doch Niemand ist noch jung, fühlt sich dieser Aufgabe nicht gewachsen und streift lieber ziellos durch das Niemandsland, wo der Kopflose Reiter, der Schwarze Mann, der Nikolaus und diverse Arschkriecher, Stromschwimmer, Besserwisser und andere Kuriositäten leben. Für Niemand sind diese jedoch ganz normale Bewohner seiner Welt – etwas Besonderes dagegen ist Nina, die irgendwie über die Grenze ins Niemandsland geraten ist. Eine Nina hat Niemand noch nie gesehen, vor allem kein Mädchen, mit einem Namen! Niemand beschließt, Nina zu helfen, nach Hause zu kommen, aber vorher möchte er ihr seinen Thron zeigen. Eine phantastische Reise durch das Niemandsland voller Seltsamkeiten beginnt und Ninas Anwesenheit verändert sowohl Land als auch Bewohner – und Niemand verströmt plötzlich einen leckerlieblichzuckersüßen Erdbeerduft …

Der Klappentext verspricht recht viel und wer in „Niemand“ reinliest, stimmt in punkto Skurrilität, Witz und Liebenswertigkeit schnell zu. Nicole Rensmann nimmt in „Niemand“ alles wörtlich und so werden Schaumschläger und Trauerklöße zu Bewohnern des Niemandslandes, das neben ungewöhnlichen Kreaturen allerlei Wortspielereien bietet. Die großen Gegner von Niemand und Nina sind die Goldgelockten-Giganten-Greislinge, die gerne G-Wörter giggeln und den Lesern mit G-Alliterationen in den Wahnsinn treiben. Niemand Sonst, der Vater von Niemand, zeigt sich ebenfalls als unangenehmer Zeitgenosse – wobei er genauso unsichtbar ist wie Niemand. Zwar kann man ihn nicht sehen, aber an seinem Duft erkennen. Während Niemand leckerlieblichzuckersüß nach Erdbeeren riecht, weil er Nina mag, riecht Niemand Sonst nach allerlei Bösartigkeiten. Niemand und Nina zur Seite stehen unter anderem der Nikolaus, eine Wünsche-Klimper-Fee und eine Abrissbirnenkatze, die von Nina auf den Namen Lilly getauft wird.

Die erste Hälfte des Buches lässt den Leser kaum zu Atem kommen. Nina und Niemand bereisen gemeinsam das Niemandsland und werden von E-Mann-Zehen attackiert, die sich von ihren Füßen unabhängig gemacht haben und Erinnerungen fressen. Sie begegnen einem sprichwörtlich wütenden Wurzelmännchen, einem gigantischen trauernden Trauerkloß, passieren die Schule der Doofen und ergehen sich in Floskeln auf dem Floskelweg. Das Repertoire an skurrilen Einfällen scheint sich bei Nicole Rensmann nicht zu erschöpfen, wobei man sich in das Niemandsland zuerst einlesen muss. So viel geballten Wortwitz muss man erst einmal verkraften, doch dann ist „Niemand“ Lesespaß pur. Die Langeweile hat dabei kaum eine Chance aufzukommen, denn in kurzen Kapiteln wird die Geschichte erbarmungslos vorangetrieben und Niemand und Nina geraten in das größte Abenteuer ihres Lebens. Dieses wird von reichlich Wortwitz und liebeswürdigen Charakteren begleitet, sogar ein Drecksack entdeckt dabei seine liebenswerte und fürsorgliche Seite.

Und weil „Niemand“ so viel Spaß macht, mag man eigentlich gar nicht drüber meckern. Ein bisschen Kritik gibt es trotzdem: Die Kirche könnte sich über den Auftritt von Jesus und dem Heiligen Geist mokieren. Nina ist manchmal zu mädchenhaft-jung. Und anfangs geht alles unheimlich schnell, sodass man kaum Zeit hat, sich in diese wortwörtlich genommene Welt einzufinden. In der zweiten Hälfte allerdings zieht sich der Showdown ziemlich in die Länge. Es wird Spannung ohne Ende geschürt und irgendwann ist der Bogen überspannt. Nichtsdestotrotz bleibt der Lesespaß erhalten und auch wenn gegen Ende Ungeduld aufkommt, ist man letztlich traurig, wenn die kuriose Reise vorbei ist. Die Story selbst ist eine herrliche Fantasyparodie mit allem, was dazugehört: Einer Heldengruppe, bösen Widersachern, grausigen Kreaturen, magischen Helfern und dem Kampf Gut gegen Böse. Klischees werden dabei gerne dick aufgetragen und auch wenn die Story an für sich überhaupt nicht „neu“ ist, ist es die Art und Weise, wie Nicole Rensmann ihre Geschichte erzählt, die wirklich innovativ ist. „Niemand“ ist Unterhaltung der besonderen Art für alle, die gerne einmal etwas ganz anderes lesen möchten.

Im Nach-/Vorwort erzählt die Autorin ein wenig über die Entstehungsgeschichte von "Niemand" und dass das Buch zwar vielen Verlagen gefallen hat, aber die meisten es dann doch abgelehnt haben. Und hier zeigt sich wieder, wie schön es ist, dass kleinere Verlage wie Atlantis sich an solche Romane trauen und sie dem Leser als qualitativ tadellose Bücher präsentieren. "Niemand" sieht toll aus, auch nach dem Lesen und viel Herumblättern. Die Geschichte und der Schreibstil werden sicher nicht jeden Geschmack treffen (an dieser Stelle: Leseprobe anschauen, unbedingt!), doch insgesamt ist "Niemand" schlichtweg gut durchdacht und mit so viel Leidenschaft geschrieben, dass hier bedenkenlos eine Leseempfehlung ausgesprochen werden kann. Vor allem Vielleser dürften sich über etwas so Kreatives freuen!


Fazit

In „Niemand“ wird alles wortwörtlich genommen und verwirklicht, was dem Leser im Traum nicht eingefallen wäre. Nicole Rensmann zieht ihr kreatives Konzept gnadenlos durch und serviert dem Leser Unmengen Lesespaß, garniert mit Wortspielen aller Art und kuriosen Kreaturen. Herzlich, humorvoll und einfach nur leckerlieblichzuckersüß!


Pro & Contra

+ allerhand Wortspielereien und Kuriositäten
+ mit viel Liebe zum Detail gestaltete Welt
+ individuelle und liebenswerte Protagonisten
+ toller, kreativer Schreibstil
+ einfach leckerlieblichzuckersüß!

o sehr kurze Kapitel
o ein gutes Schüsschen Kitsch

- Showdown zieht sich in die Länge

Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Interview mit Nicole Rensmann (August 2012)

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 27. August 2012
 

Kommentare  

#2 Niemand mit HinweisJudith 2012-08-25 19:39
Liebe Nicole,

ich denke, als langjährige Onlineredakteur in ist so eine Gewinnspielteil nahme irgendwie unfair gegenüber allen neuen Rezischreibern. Aber eine schöne Aktion!

Vielleicht möchte sich nun der ein oder andere auf das Buch und aufs Rezischreiben stürzen - allen Teilnehmern viel Erfolg!

Herzliche Grüße

- Judith
#1 Ein Danke mit HinweisNicole Rensmann 2012-08-25 12:49
Liebe Judith!

Vielen Dank für deine ausführliche und toll begründete Rezension. Wenn du Lust hast und ein bisschen Märchen-Dai-Sin g aus Fräulein Klimpers Wimper-Wünsche- Laden (www.wimper-wuensche-laden.de) gewinnen möchtest, kannst und darfst du gerne den Link deiner Rezi hier posten: http://www.blog.nicole-rensmann.de/?p=9042
Das Gewinnspiel geht noch bis 09.09.2012.

Viel Glück und wie gesagt, vielen Dank für deine Mühe!

Nicole Rensmann
www.nicole-rensmann.de

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