Asterix und die Normannen - Die Ultimative Edition (René Goscinny, Albert Uderzo)

Verlag: Ehapa Comic Collection - Egmont Manga & Anime; (Juni 2011)
Gebundene Ausgabe: 48 Seiten; 19 €
ISBN-13: 978-3770434749

Genre: Humor


Rezension

Die NO..., Die NO... , Die NONO..., Die NORMANNEN

Wer sich jetzt verwundert die Augen reibt, weil nicht das übliche Die Ga..., Die Gaga...., Die Gallier als Einführung zu lesen ist, dem sei versichert, das der obige Ausruf tatsächlich seine Berechtigung besitzt. In Asterix neuntem Abenteuer fallen die Normannen an der Küste von Aremorica, der beschaulichen und ruhigen Heimat der Gallier, wenn man von gelegentlichem Kontakt mit Römern absieht, ein. Und die Normannen kennen nur ein Ziel: Sie wollen die Angst kennenlernen. Schließlich verleihe diese, laut Sprichwort, einem Flügel und was wäre erstrebenswerter für ein Volk von Kriegern. Aber dazu muss ein Meister der Angst gefunden werden. Zum Glück für die Normannen befindet sich gerade Grautvornix, verzogener Sohn von Majestix' Bruder im Dorf der Gallier, um zu einem richtigen Mann gemacht zu werden. Zu Asterix' und Obelix' Leidwesen will dieser aber so gar nicht irgendwelche Anzeichen, für Mut oder Männlichkeit zeigen, vielmehr steht ihm nur der Sinn nach Tanzen, Singen, Feiern und hübschen Mädchen, die er mit seiner Sportkutsche beeindrucken kann.
Wildschweine und die Jagd auf sie empfindet er zunächst als langweilig und als er sieht, wie Asterix und sein großer Freund dabei zu Werke gehen, empfindet er mächtig Angst. Was auch durchaus hilfreich sein kann, aber nicht das erklärte Ziel bei einer Ausbildung bei den Galliern ist. Selbst Römer eine Abreibung zu verpassen, empfindet er nicht als Spaß. Und so gehen die Tage für beide Parteien quälend langsam ins Land. Nur gut, dass es die Normannen gibt, die mit ihrer Art viel Abwechslung bringen. Allerdings stiften sie auch viel Verwirrung mit ihrer Forderung den Meister, Grautvornix, behalten zu dürfen. Und so entwickelt sich zuerst ein heftiger Schlagabtausch zwischen Asterix, Obelix und den Eindringlingen, ehe Asterix zu einer wirklich gemeinen List greift.

Asterix und die Normannen ist eins der klassischen Alben der Serie, bei denen René Goscinny für den Text und die Geschichte verantwortlich war und diesen Umstand merkt der Leser sofort. Denn dieses Album ist wie alle anderen, die aus der Zusammenarbeit der beiden Comicgrößen René Goscinny und Albert Uderzo entstanden, absolut zeitlos. Es ist kaum zu glauben, dass die Geschichte über 40 Jahre auf dem Buckel hat und doch ist es so. Wo Uderzo mit seinen letzten Alben um den Gallier versagt hat, nicht dem zeitlichen Verfall unterliegende Geschichten zu kreieren und sie mit Humor zu versehen, der auch in Zukunft nicht veraltet sein wird, hat René Goscinny, damals alles richtig gemacht.
Geschickt schafft er es immer wieder, die Eigenarten einzelner Völker zu parodieren und persiflieren, ohne dabei auf billige Witzchen zurückgreifen zu müssen. Sein Spiel mit den Vorurteilen ist vorurteilsfrei. Zudem spielt er auch mit dem Nationalstolz der Gallier und macht sich über ihn lustig, so z.B. in der Szene, wenn Asterix und Obelix Majestix berichten, welche Namen die Normannen tragen. Der Leser bekommt hier gleichzeitig zwei sehr witzige Situationen präsentiert, die ihm zudem etwas den Spiegel vorhalten, auf eine charmante nicht belehrende Art und Weise. Generell war Goscinny niemand der mit dem erhobenen Zeigefinger arbeitete, aber dafür viel subversiver und subtiler vorging. Gerade deswegen funktioniert sein Humor noch genauso wie damals beim ersten Erscheinen von Asterix und die Normannen. Die Themen, die in diesem Album behandelt werden, reichen vom Generationenkonflikt bis hin zu moderner Musik. Und endlich bekommt auch Troubadix dadurch seinen ersten entscheidenden Auftritt in einem Abenteuer unserer Helden. Er, der nie singen darf, erfährt mit einem Mal unheimlich viel Lob und ist kaum im Dorf zu halten. Doch zum Glück für die Gallier hat er ein gutes Herz und ist leicht bei seiner Eitelkeit zu fassen. Und so endet auch dieses Mal alles in einem großen Festmahl.
Dank Goscinnys Fähigkeit aktuelles zeitlos zu verpacken, können auch heutige neue Leser von Asterix seine Abenteuer genießen und wer kein Interesse an tiefergehendem Witz und Parodie hat, für den ist dieses Abenteuer trotzdem ein Genuss, denn der Humor bei Asterix funktioniert auf vielen verschiedenen Ebenen und wenn er halt nur dadurch entsteht, dass eine Patrouille zwischen die Fronten von Galliern und Normannen gerät. Wer hier nicht lacht, tut dies vermutlich sonst nur für sich im Keller.

Albert Uderzos Zeichnungen sind natürlich perfekt für den kleinen Gallier. Dynamisch in den Schlägereien, ruhig in Dialogen und wenn nötig mit vielen Details versehen. Wer sich bislang allerdings ärgerte, dass die Druckqualität bei den normalen Ausgaben zu wünschen übrig lässt, die Druckvorlagen werden  mit den Jahren eben nicht besser und Farbverläufe können sich da schon ändern, dem sei die Ultimative Edition wärmstens empfohlen. Diese Ausgabe wurde komplett überarbeitet und restauriert. Die einzelnen Striche sind wieder klar abgegrenzt und kräftig und ermöglichen allein dadurch schon ein komplett neues Seherlebnis von Asterix. Aber damit ist es noch nicht genug. Auch die Farben wurden korrigiert und überarbeitet. Lila Römer gehören z.B. der Vergangenheit an. Nun tragen sie alle einheitliche, die grüne Standarduniform und die neue Kolorierung tut Asterix richtig gut. Nie zuvor sah er so frisch aus und das steigert den Lesespaß noch mehr. Zusammen mit dem Überformat ermöglicht sie es dem Leser, Asterix erst jetzt so richtig zu genießen.


Fazit

Die Normannen sind da und wollen die größten Angsthasen werden. Dabei sind die Gallier natürlich gerne behilflich. Ein zeitloses Abenteuer und gleichzeitig eins der besten von Asterix und Obelix, welches mit vielen heute noch aktuellen Themen spielt und von vorne bis hinten einfach lustig ist. Wer es noch nicht hat, sollte die Gelegenheit nutzen und sich die Ultimative Edition hiervon zulegen.


Pro & Contra

+ die Römerpatrouille
+ noch heute aktuelle Themen, aber dabei nicht belehrend
+ Goscinnys zeitloser Humor
+ neue Farben
+ Überformat

Bewertung:

Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Humor: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


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