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Liberty 9 – Sicherheitszone (Rainer M. Schröder)
Geschrieben von Jessica
Montag, der 03. September 2012

cbj, 1. Auflage August 2012
HC mit SU, 496 Seiten
€ 18,99 [D] | € 19,60 [A] | CHF 27,50
ISBN: 978-3-570-15464-9
Leseprobe

Genre: Jugend-Dystopie


Klappentext:

Kendira machte eine knappe Handbewegung. „Vergiss es, Dante! Was immer du mir jetzt erzählst, ich werde darüber den Mund halten! Also, wofür habt ihr bloß noch ein paar Monate Zeit?“
Er schaute sich kurz um, als fürchtete er, belauscht zu werden. Dann rückte er näher zu ihr und eröffnete ihr mit gedämpfter Stimme: „Um einen Weg aus der Sicherheitszone nach draußen zu finden.“


Die Sicherheit von Liberty 9, dem von undurchdringlichen Schutzanlagen umgebenen Tal, ist Kendiras Zuhause. Sie genießt ihr Leben in der beeindruckenden Lichtburg, die hochkonzentrierten computeranimierten Trainings für Körper und Geist, die sie täglich absolviert. Und sie ist überzeugt davon, für einen höheren Zweck ausgebildet zu werden. Ohne Dante, den Grübler und Zweifler, hätte sie all das nie infrage gestellt. Aber Dantes Zweifel kommen der Wahrheit auf die Spur. Schneller, als sie gedacht hätten, sind Dante und Kendira in Lebensgefahr. Und auf der Flucht – in eine Außenwelt, die sie noch nie gesehen haben.


Rezension:

Was war vom Anfang aller Zeiten? – Die Erhabene Macht!
Was ist das einzig Unvergängliche bis ans Ende aller Zeiten? – Die Erhabene Macht!
Wem dienen wir in unverbrüchlicher Treue? – Der Erhabenen Macht!
Was schenkt uns die Erhabene Macht? – Alles, was wir sind, alles, was wir haben!
Was geben wir der Erhabenen Macht ohne Zögern und frohen Herzens? – Alles, was wir haben! Alles, was wir sind!
Wer ist bis in den Tod zum treuen Dienst bereit? – Erhabene Macht, wir sind bereit!
Wer ist bereit? – Erhabene Macht, wir sind bereit!
Wer ist bereit? – Erhabene Macht, wir sind bereit – allzeit bis in alle Ewigkeit!
Söhne und Töchter des Lichts, die Augen geradeaus zum Fahnengruß!
So geht denn hin und dient! – Lob und Dank sei Dir, Erhabene Macht!
(Allmorgendliches Treuegelöbnis, Seiten 48 und 49)


Kendira ist eine Alpha-Electra, eine ausgewählte Dienerin des Lichts, die in der Sicherheitszone Liberty 9 für ihren Dienst im Lichttempel ausgebildet wird. Sie gehört zu den Besten ihres Ranges und hält sich genau an die Regeln und Vorsätze der Erhabenen Macht. In der Lichtburg fehlt es ihr an nichts, die Servanten – quasi aussortierte Lichtdiener – kümmern sich um alle ablenkenden Aufgaben, sodass die Electoren sich voll auf ihre Ausbildung konzentrieren können. Wie genau der Dienst im Lichttempel aussieht, weiß eigentlich niemand so genau, doch keiner zweifelt an der Wahrheit, die in der Lichtburg vermittelt wird. Auch Kendira hinterfragt nichts von dem, was sie dort lernt – sie und ihre Freunde sind stolz, Teil dieser Gruppe zu sein, und hängen sich mit Feuereifer in ihre Übungen und internen Wettkämpfe.
Bei einem ihrer nächtlichen Spaziergänge entdeckt sie den Servanten Dante, der verbotenerweise den Kletterparcours nutzt. Aus für sie nicht verständlichen Gründen entscheidet sie sich jedoch dafür, ihn nicht zu melden und ihn somit vor der harten Strafe zu retten, die auf Regelverstöße folgt. Doch irgendwas fasziniert sie auch so sehr an ihm, dass sie nicht einfach wieder gehen kann. Und das, was Dante zu erzählen hat, ist in keiner Weise uninteressant, sondern bringt in dem jungen Mädchen ganz verschiedene Saiten zum Klingen. Widersprüchliche Gefühle und Gedanken wachsen in Kendira heran und anfänglich noch leichfertig weggeschobene Zweifel beißen sich immer mehr fest – so sehr, bis Kendira schließlich alles in Frage stellen muss, womit sie aufgewachsen ist.

Jugend-Dystopien sind momentan der Renner auf dem internationalen Buchmarkt und es ist keine Seltenheit, schon beim Lesen des Klappentextes auf unvermeidbare Parallelen zu stoßen, die sich auch im Inneren des Buches fortsetzen. Auch der Anblick der in vielfacher Hinsicht ähnlich gestalteten Cover bietet kaum noch etwas Neues – auch Liberty 9 – Sicherheitszone bildet dabei keine Ausnahme. Ein Mädchengesicht als Blickfang, dazu ein fast reißerischer Titel – Freiheit – und schon ist die Aufmerksamkeit des geneigten Genre-Lesers sicher. Doch die Versprechen dieser Bücher sind inzwischen groß geworden und können nur noch selten gehalten werden, denn wirklich Innovatives findet man derzeit nur wenig. Rainer M. Schröders Reihen-Auftakt bewegt sich, wie zahlreiche Jugend-Dystopien, im weitesten Sinne ebenfalls auf der sehr sicheren Seite: Ein akut einschränkendes System, eine mutige Heldin, ein aufständischer Aussätziger, das unvermeidliche Liebesgeplänkel. Doch das muss grundsätzlich noch lange nicht heißen, dass die Geschichte tatsächlich auch im Einheitsbrei untergeht – zahlreiche Autoren haben bereits bewiesen, dass trotz des einheitlichen Grundaufbaus sehr innovative und überzeugende Dystopien entstehen können, wenn man minimale eigene Diamanten einflechten kann. Dies gelingt dem bisher recht erfolgreichen Jugendbuchautor an dieser Stelle leider nicht, sodass mit jeder gelesenen Seite deutlicher wird, nur ein gutes Durchschnittsbuch in der Hand zu halten.

Durch die Bank weg sind die Charaktere weitestgehend farblos und austauschbar. Sie handeln nicht nachvollziehbar und wirken meistens eher fehl am Platz – fast so, als wüssten sie selbst nicht so genau, was sie in dieser Geschichte eigentlich tun sollen. Kendiras Zerrissenheit nicht nur in Sachen „Erhabene Macht“, sondern auch in Sachen Männern wird nur sehr unzulänglich dargestellt, was auch den zarten Liebesteil der Story sehr runterzieht. Hier scheint der Autor unsicher zu sein, wie weit er in Bezug auf seine Leserzielgruppe wirklich gehen kann. Unsicherheiten tauchen auch im sprachlichen Bereich auf, der Leser bekommt die meiste Zeit den Eindruck, als hätte sich Rainer M. Schröder entweder zu viel oder zu wenig Mühe gegeben. Einige Formulierungen wirken erwachsen gestelzt, andere zu sehr um einen jugendlichen Sprachstil bemüht, wieder andere rutschen ins Kindliche ab, und alle drei Varianten wollen nicht so recht zum Charakterbild passen, das der Autor eigentlich vermitteln möchte. Dazu kommen weit mehr als nur eine Hand voll Schreibfehler, die leider doch ins gewicht der Bewertung fallen, weil der Lesefluss mehr als nur ein paar Mal stark ausgebremst wird. Auch unnütze Wiederholungen fallen mehrfach negativ auf, weil kein erkennbarer Grund für diese vorhanden ist.

Ein Lob verdient Rainer M. Schröder jedoch für seine wunderbaren Beschreibungen der Lebensbedingungen in der Sicherheitszone, der Lichtspiele und allem, was dazu gehört. Recht schnell wird klar, dass Liberty 9 alles andere als Freiheit bedeutet. Der Autor schafft schriftliche Bilder, die dem Leser deutlich vor Augen stehen, und spielt dabei mit allen möglichen Formen und Arten von Licht. Der Leser wird neugierig gemacht auf den Lichttempel und so manches Mal flammt im Kopf der Gedanke auf, dass eine Abbildung der Lichtburg oder auch des Lichtschiffs sich statt Kendiras Gesicht sehr viel besser auf dem Cover gemacht hätten. Auch der Klappentext wird dem Inhalt nicht gerecht, denn die dort angekündigte Flucht kommt erst auf den letzten Seiten wirklich zum Einsatz – der Großteil des Buches behandelt lediglich ein mal mehr, mal weniger wirres Geplänkel, das wohl vor allem dazu dienen soll, den Leser in die weitere Geschichte der folgenden Bände einzuführen, was leider auf Grund vieler englischer Begriffe und eines fehlenden Glossars nur bedingt funktioniert.

Als Gesamtpaket betrachtet ist dieser Auftakt sicherlich keines der schlechtesten Jugendbücher, die der Markt derzeit zu bieten hat, aber auch keines der besten. Rainer M. Schröder zeigt gute Ansätze, an denen jedoch hart gearbeitet werden muss, um die Leser mit den Folgebänden auf seine und Kendiras Seite zu ziehen.


Fazit:

Obwohl Rainer M. Schröder ein vielgelesener und erfolgreicher Jugendbuchautor ist, kann er mit Liberty 9 – Sicherheitszone keine richtige Überzeugungsarbeit leisten. Weder sprachlich noch inhaltlich bietet sein Dystopie-Auftakt etwas Besonderes, das sich von anderen Dystopien abzuheben weiß. Zu viele Mängel bieten in der Summe leider nur eine nette, aber nicht weiter auffallende Geschichte für zwischendurch.


Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3/5
Beschreibungen: 4/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 03. September 2012
 

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