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Wenn das die Grimms wüssten! (Hrsg. Peter Hellinger)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 07. September 2012

Art & Words (April 2012)
Paperback, 496 Seiten, 18,90 EUR
ISBN 978-3-943140-17-0

Genre: Märchen-Anthologie


Klappentext

Am 20. Dezember 1812 erschien der erste Band der „Kinder- und Hausmärchen“ von Jacob und Wilhelm Grimm mit 86 Märchen, darunter die Klassiker "Der Froschkönig", "Rapunzel", "Hänsel und Gretel" oder "Dornröschen".

Grund genug für uns zum zweihundertsten Jubiläum der Erstausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ deutschsprachige Autoren aufzurufen, es den Grimms gleich zu tun und die alten Märchen neu zu erzählen oder neue Märchen zu erfinden. Schließlich wurden – ganz wie bei den Grimms – 86 Märchen für dieses Buch ausgewählt, von denen der Herausgeber überzeugt ist, dass es die Bes¬ten der Bes¬ten sind. Leh¬nen Sie sich also zurück und genießen Sie diese Märchen, auch wenn sie nicht immer mit jenen magischen Worten beginnen: Es war einmal …


Rezension

Vor beinahe 200 Jahren erschien der erste Band der berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm, die aus alten Volkssagen aber auch neuen Texten und Kunstmärchen bestanden. Jacob und Wilhelm Grimm überarbeiten diese Volksmärchen, verharmlosten sie und passten sie dem damaligen Zeitgeist an. Um die Entstehungsgeschichte ranken sich diverse Mythen und kritische Worte, dennoch faszinieren einige dieser Märchen wir „Der Froschkönig“, „Schneewittchen“ oder auch „Aschenputtel“ auch heute noch junge und ältere Leser. Art & Words hat sich mit „Wenn das die Grimms wüssten!“ an eine neue Märchensammlung gewagt, die durchaus seine Glanzstücke zu bieten hat:

Staubmädchen“ von Lothar Mischke vermischt den märchenhaften Zauber mit dem verklärten Charme der industriellen Revolution. Die Staubmädchen putzen und fegen die ganze Stadt, bis sie blitzt und blinkt – doch von den Kindern werden sie oft als „Dreckfresser“ oder Schlimmeres beschimpft. Als ein Kind zur Waise wird, wird es – wie alle Waisen – von den Staubmädchen geholt, mit Asche und Staub eingerieben und somit zu einer von ihnen. Doch hinter dem Schicksal der Staubmädchen verbirgt sich ein wundersames Geheimnis …

Oliver Marchanders „Der Perlengarten“ erzählt die Geschichte einer stolzen Königin, die ihren Thron mit keinem Gemahl teilen will. So stellt sie den Anwerbern die unmöglich erscheinende Aufgabe, ihr je eine Schüssel voll goldenem Sonnentau, silbernen Mondestropfen und Sternenwasser zu bringen. Nur ein einziger Königssohn will sich dieser Aufgabe stellen und begibt sich auf eine märchenhafte Reise, auf der er sich selbst vergisst …

Die Königin und das Sternenlicht“ von Alice Karen handelt von einer gerechten aber einsamen Königin, die in der Nacht zum Firmament aufblickt und deren Seufzen der Wind zu den Sternen trägt. Der Himmel scheint daraufhin heller zu strahlen als je zuvor, doch die Königin bleibt einsam. Bis das Sternenlicht zu ihr heransteigt und ihre Einsamkeit in seinem Glanz ertränkt …

Der kluge Hund des Bauern“ von Doris Fürk-Hochradel entpuppt sich als die Rettung eines stummen Mädchens. Ein Bauer lebte einst alleine mit seinen Tieren, die er stets gut behandelte und sogar mit ihnen sprach. Als ein Mädchen zu ihm auf den Hof kommt, bemüht er sich sehr, doch es bleibt stumm. Nur die Tiere finden heraus, dass es verflucht wurde …

Bettina Ferbus erzählt in „Die drei roten Haare des Teufels“ die Geschichte einer schönen Müllerin, deren Mann zwar weder schön noch reich ist, sie jedoch gut behandelt und ihr ein glückliches Leben schenkt. Doch der Mann erkrankt schwer und so muss sich die Müllerin an eine Hexe wenden, die ihr offenbart, dass drei Haare eines Teufels ihren Mann gesund machen könnten. Doch der Teufel verlangt einen hohen Preis …

Die singende Prinzessin“ von Irene Beddies verzaubert mit ihrer lieblichen Stimme sogar Krokodile, die sich vor ihr wie zahme Hunde in den Sand legen. Ein Königssohn ist so angetan von ihr, dass er das Singen erlernen will, um sie eines Tages zu heiraten. Doch die Prinzessin verliebt sich in einen armen Fischer, den sie singen hört und glaubt, ein Leben lang im Duett mit ihm singen zu können. Der Gesang allein reicht dem Fischer jedoch nicht nur Verbindung und auch die Prinzessin muss lernen, dass man für eine Ehe zuerst eine Brücke bauen muss …

Wenn das die Grimms wüssten … ja, wären sie erfreut? Oder würden sie sich im Grabe herumdrehen? Zumindest einige Glanzstücke hat diese Märchenanthologie zu bieten. „Der Perlengarten“ und „Staubmädchen“ sind mit Abstand die gelungensten Beiträge, doch auch die anderen hier genannten und eine Handvoll mehr gehören zu den Schätzen, die diese Sammlung zu bieten hat. In ihnen wohnt der Zauber echter Märchen und sie sind handwerklich gut bis solide geschrieben, sodass der Lesespaß durch nichts getrübt wird. Leider verhält es sich bei den meisten Märchen ganz anders. Einige sind recht unterhaltsam, doch ihnen fehlt die Moral eines Märchens oder auch schlichtweg ein Sinn. Sie plätschern vor sich hin und auch wenn sie nett zu lesen waren, werden sie dem Leser kaum in Erinnerung bleiben. Viele der Autoren bedienen sich der bekanntesten Märchen und erzählen diese leicht verändert nach oder rücken sie ins Licht der Gegenwart, inklusive Schulalltag, Computerspiele und Großstädten. Manches davon ist recht kreativ, scheitert jedoch an der Umsetzung – und eigentlich erwartet man von Märchen einen gewissen Zauber, der diesen sehr modernen Versionen fehlt. Echte Märchenliebhaber lesen nicht unbedingt gerne von einem Schneewittchen, das sich wie ein Flittchen benimmt oder gar ein Interview mit Rapunzel, die von ihrem Ehemann verlassen wurde und nun als grobe Putzfrau endet.

Das Problem von „Wenn das die Grimms wüssten!“ liegt in der Masse der Beiträge. Man wollte gerne 86 Märchen veröffentlichen, ebenso wie in der Erstveröffentlichung der „Kinder- und Hausmärchen“. Doch was die Gebrüder Grimm zusammengetragen haben, wurde von der Zeit zurechtgeschliffen, von der Phantasie vieler Menschen beflügelt und von Gelehrten überarbeitet. In „Wenn das die Grimms wüssten!“ tummeln sich hingegen überwiegend Laien, die das Handwerk des Schreibens noch nicht gänzlich beherrschen. Einige sind durchaus gekonnt geschrieben und heben sich deutlich vom durchwachsenen Niveau der Anthologie ab, doch einige sind sowohl im Aufbau, als auch von der Sprache ein Totalausfall. Auch haben sich in diese eher schlechteren Beiträge einige Fehlerchen geschlichen. Manche Idee ist im Ansatz dabei noch interessant, so manche aber auch haarsträubend. Schade, wo es doch wirklich ein paar sehr schöne und wahrlich märchenhafte Geschichten in dieser Sammlung gibt.

Insgesamt ist „Wenn das die Grimms wüssten!“ ein ehrgeiziges Projekt, das zumindest eine enorme Vielfalt und ein paar wundervolle Märchen bietet. Das Paperback ist sehr stabil, was man bei dem recht hohen Preis aber auch erwarten dürfte. Illustrationen wären gerade bei einer Märchenanthologie sehr schön gewesen und hätten das Buch nochmals aufgewertet. Ob man wirklich so viel für überwiegend Laiengeschichten ausgeben mag, muss jeder selbst entscheiden. Kleinverlage können ihre Bücher oft nicht zu den gleichen Preisen wie die Publikumsverlage anbieten. Wer nicht so viel ausgeben mag, dem sei die eBook-Version ans Herz gelegt, die wesentlich günstiger ist und bei der man schnell zu den wahren Schätzen dieser Anthologie scrollen kann!


Fazit

So manch zauberhafte und kreative Märchenperle versteckt sich hier zwischen ebenso modernen wie lieblosen Nacherzählungen bekannter Märchen. „Wenn das die Grimms wüssten!“ fußt auf einer schönen Idee, leidet jedoch unter der Masse an Texten, deren Niveau unterschiedlicher kaum sein könnte. Vielfalt ist jedenfalls geboten und aufgrund einiger wundervolle Beiträge für Märchenliebhaber zumindest einen Blick wert.


Pro & Contra

+ einige wahrlich märchenhafte Geschichten mit besonderem Zauber
+ „Staubmädchen“ und „Der Perlengarten“
+ teilweise recht unterhaltsam
+ große Vielfalt

o einige schöne Texte, allerdings ohne tieferen Sinn

- Niveau schwankt sehr stark
- manch „moderne“ Märchenversion ist haarsträubend
- einige sehr lieblose Texte

Wertung:

Texte: 2,5/5
Vielfalt: 4/5
Gestaltung: 3,5/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 2,5/5

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 12. November 2013
 

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