Riskantes Spiel (Carolin Schairer)

schairer c-riskantes spiel

Ulrike Helmer Verlag, 1. Auflage 2012
Taschenbuch, 303 Seiten
€ 19,95 [D]
ISBN: 978-3-89741-340-5

Genre: Belletristik/ Liebesroman


Klappentext

»Diese Frau war nicht nur irgendeine Frau, die mir sehr ähnlich sah. Diese Frau glich mir wie mein Spiegelbild.«

Es ist ein mysteriöses Angebot, das die Schauspielerin Mia da erhält: Sie soll in das Leben einer Anderen schlüpfen … für viel Geld. Mia wagt das riskante Spiel, bei dem obendrein ein Urlaub in Brasilien herausspringt. Doch je länger sie sich als Nadine ausgibt, desto rätselhafter erscheinen ihr die Lebensverhältnisse dieser Frau. Wem kann sie überhaupt trauen? Dem alten Patrriarchen Schattengruber? Seinem verwöhnten Sohn? Und wie stand die geheimnisvolle Rechtsanwältin Mariella, zu der sie sich seltsam stark hingezogen fühlt, zu Nadine …?

Carolin Schairers spannende Liebesgeschichte enthält einen kräftigen Schuss Kriminalroman.


Über die Autorin

Carolin Schairer wuchs in Niederbayern auf. Schon während des Studiums arbeitete sie im Print- und Rundfunkbereich. Die Diplom-Journalistin schrieb als Freie für Zeitungen und Magazine, war in der Medienbeobachtung, in der Markt- und Meinungsforschung und als PR-Mitarbeiterin eines Großunternehmens tätig. Sie lebt in Wien.


Rezension

Wer hat nicht schon einmal daran gedacht, einfach alles hinter sich zu lassen, um irgendwo ein neues Leben zu beginnen? Gerade in schlechten Zeiten, wenn die Probleme sich zu unüberwindlich scheinenden Mauern aufstapeln? Die Schauspielerin Mia steht vor solch einer Wand. Sie ist arbeitslos, dauerpleite und wird zudem strafrechtlich verfolgt wegen Fahren ohne Führerscheins und Drogenbesitz. Als dann auch noch die Wohnung ihres Freundes in Flammen steht und sie in Verdacht gerät, die Verursacherin des Brandes zu sein, nimmt sie das ominöse Angebot Adrian Schattenbergers nur zu gerne an. 80.000 Euro und die Möglichkeit ihre bis dato unbekannte Zwillingsschwester Nadine kennenzulernen – alles, was sie dafür tun muss, ist für einige Monate in deren Rolle zu schlüpfen. Nadine soll sich nach einem Streit mit dem Stiefvater und Patriarchen der Familie nach Brasilien abgesetzt haben, doch schnell stößt Mia auf Ungereimtheiten und Lücken in Adrians Geschichte. Da ist zum einen Nadines Tochter Jessica, die nichts von der Reise ihrer Mutter wusste, die Familienbrauerei, die auf Nadine als Geschäftsführerin angewiesen ist, und warum wollte Nadine ausgerechnet nach Brasilien, in genau das Land, in dem ihr getrennt lebender Ehemann seit Jahren als Sozialarbeiter tätig ist? Während sie versucht, sowohl ihrer Schwester als auch Adrians Wünschen gerecht zu werden, sucht Mia nach der Wahrheit. Ihre einzige Unterstützung dabei scheint die kühle Anwältin Mariella zu sein, eine Jugendfreundin Nadines. Aber wie soll sie Mariella ausfragen, ohne sich verdächtig zu machen? Noch dazu, da Mariellas Gegenwart sie ohnehin bereits ungewöhnlich nervös und befangen macht?

Bereits in ihrem letzten Roman Lass keine Fremden ins Haus (Rezension vorliegend) bewies Carolin Schairer ihr Gespür für Menschen und kreierte eine Geschichte, die sowohl inhaltlich als auch stilistisch überzeugte. In unnachahmlicher Art, leise und voller Empathie, führt sie den Leser nun in Riskantes Spiel in Mias chaotisches Leben. Mia, die von Zuhause fortlief als sie 16 war, Verbindlichkeiten vermeidet und sich eigentlich nur durch das Leben treiben lässt. Selbst ihr Beruf, die Schauspielerei, entspringt mehr der Lust als wirklicher Berufung, denn eine Ausbildung hat sie nicht. Als Adrian Schattenberger in ihr Leben tritt, lehnt sie das Angebot zuerst ab, weil sie es für unmoralisch hält. Der Wunsch, ihre Schwester zu treffen, und ihre Notlage, die vielleicht etwas zu übertrieben in ihrer Menge an Problemen ausgefallen ist, bringen sie dann aber nicht nur dazu, zuzusagen und somit das erste Mal zu Geld, sondern viel wichtiger: in ein geregeltes Leben mit Verantwortung. Die Arbeit in der Brauerei, aber vor allem die Verantwortung für ihre 13-jährige Nichte Jessica, deren Beziehung zur Mutter gestört ist, lassen Mia erstarken und in ihrer Persönlichkeit reifen.

Die Annäherung von „Mutter“ und „Tochter“ bietet einen interessanten Ansatz, das Potenzial wird allerdings nicht ausgeschöpft, da sich der Handlungsstrang im Laufe der Verstrickungen um Nadines Verschwinden verliert. Da sich die Situation um Mia aber gefährlich zuspitzt und der Roman aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, und somit eine eingeschränkte Sichtweise gegeben ist, mag dies gerechtfertigt sein. Denn neben Jessica muss sich Mia um Adrian kümmern, der versucht, Nadine aus der Firma zu drängen, um Nadines noch Ehemann Gerald, der Geld und Sorgerecht für die Tochter einfordert und ihre wachsenden Gefühle für Mariella. Zudem stößt sie in Nadines Unterlagen auf eine Lebensversicherung, deren Begünstigte Jessica ist. Handelte es sich bei den durchtrennten Bremsen ihres Autos also nicht um einen Marderbiss? Wie weit ist Adrian bereit, für sein Erbe zu gehen? Und welche Rolle spielt Gerald in der Geschichte?

Während Mia zunehmend von Fragen und Ängsten zu überwältigt werden droht, steht Mariella unerschütterlich wie ein Fels und bietet dem Leser damit einen unterhaltsamen Ausgleich. Auch Mia glaubt, in der harten Frau mit dem weichen Kern eine Freundin gefunden zu haben, bis sie von den Umständen erfährt, bei denen Mariellas Großvater ums Leben kam.

So spannend Riskantes Spiel auch sein mag, Schairers wahre Stärke sind die lebendigen Charaktere. Einfühlsam und leise schleichen sich die Figuren ins Herz des Lesers, wobei den Nebenfiguren ebenso viel Liebe fürs Detail zuteil wird wie der Protagonistin. Hier ist insbesondere Mariellas Großmutter hervorzuheben, die, an Alzheimer erkrankt, von der Anwältin mitgepflegt, wird. Viele Kleinigkeiten zeichnen ein klares Bild der Krankheit, ohne ins plakative abzugleiten oder sie ins Lächerliche zu ziehen. Mariella und ihre Großmutter könnten jedermanns Nachbarin sein, und von welcher Romanfigur kann man das schon behaupten?


Fazit

Riskantes Spiel bietet eine anregende Mischung aus Kriminalroman und Liebesgeschichte, wobei, neben den durchaus interessanten Verwicklungen der Hauptgeschichte, die detailliert gezeichneten Figuren den wahren Wert ausmachen. Einfühlsam und dicht am Leben – dieser Roman von Carolin Schairer ist wahrer Lesegenuss.


Wertung: alt


Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5

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