Alice Cooper - Die letzte Versuchung (Alice Cooper, Neil Gaiman, Michael Zulli)

Verlag: Panini Comics (November 2010)
Gebundene Ausgabe: 96 Seiten
ISBN: 978-3-86607-934-2
Preis: 16,95 Euro

Genre: Fantasy, Grusel, Horror, Noir, Surrealismus


Klappentext

…Die letzte Versuchung
-Nach einer Geschichte von Neil Gaiman und Alice Cooper-

Steven hat Angst. Vor Horrorgeschichten und davor, erwachsen zu werden. Das ändert sich, als er auf einen mysteriösen Schauspieler und sein „Theater der Realität“ trifft. Steven bekommt eine Eintrittskarte, und als Mutprobe sieht er sich die Show an. Es ist allerdings schwieriger als erwartet, die Vorstellung zu verlassen, und Steven erfährt, was es heißt, wirklich Angst zu haben.

Neil Gaiman, international bekannt als Romancier (Sternenwanderer, American Gods, Niemalsland) und Comic-Autor (Sandman, Signal To Noise), und der renommierte Zeichner Michael Zulli schufen diese düstere Erzählung, die zusammen mit Alice Cooper erdacht wurde und die Geschichte erzählt, die dieser auf dem Album „The Last Temptation“ besingt.


Rezension

Wenn der Vater des Shock-Rock, der Meister des surrealistischen Comics und ein grandioser Zeichner aufeinandertreffen, sind Lesegenuss und ein Fest für die Sinne garantiert. Alice Cooper und Neil Gaiman haben die vorliegende Geschichte aufgrund Coopers Album „The Last Temptation“ konzipiert, die von Michael Zulli gezeichnet wurde. Detaillierte Zeichnungen im schwarz-weißen Noir-Stil, lassen jede Falte und jedes einzelne Härchen erkennen. Die Story schafft eine Brücke zwischen Realität und Traum, doch ist schlussendlich nicht immer klar, auf welcher Ebene man sich gerade befindet bzw. befinden will.

Genau diese Erfahrung muss auch Steven machen, der von Natur aus nicht gerade der Mutigste zu sein scheint. Doch wie im echten Leben, so muss auch Steven sich seiner Angst stellen und lernen sie zu überwinden. Da kommt Halloween gerade richtig. Als Steven mit seinen Freunden um die Häuser zieht, entdecken sie ein altes, verlassenes Theater, was noch keinem von ihnen vorher aufgefallen war. Genauso mysteriös, wie das Theater, ist dessen charismatischer Direktor (Alice Cooper), der Steven mit einem Ticket in das Theater locken und zu einem festen Bestandteil machen möchte. Steven entscheidet sich für das Theater und wird im Laufe der Vorstellung vor eine schwierige Wahl gestellt: Niemals dem Alter unterliegen, ewig jung, ohne Schmerzen und Ängste leben oder in die Realität zurückkehren. Auf dem Weg zu jener Entscheidung, wird er in eine surrealistische Welt entführt, in der Steven lernen muss, dem facettenreichen, dämonischen Wesen des Direktors zu trotzen, um seine Ängste überwinden zu können. Steven schafft es die verschiedenen, teilweise sehr trickreichen Identitäten des Theaterbesitzers zu entlarven, die ihn überzeugen wollen, seine Seele aufzugeben. Am Ende scheint er Sieger über Angst und Versuchung zu sein, doch der Kampf und die Entscheidung für die Realität haben Spuren hinterlassen, sowohl physisch, als auch psychisch.

Der Comic portraitiert anschaulich den Kampf jedes Menschen zwischen Angst und Mut. Der letztendliche Ausgang beschreibt die Erfahrungen, die wir durch derartige Schlachten in der Welt der Versuchungen mitnehmen. Der dämonisch-charismatische Direktor personifiziert Gefahren und Versuchungen, von denen wir ständig umgeben sind. Jeder Charakter in Gaimans Werk ist Stellvertreter für einen bestimmten Aspekt im Theater der Realität und zeigt dem Leser, wie einfach es wäre dem Direktor in das Theater der Träume zu folgen. Die moralische Lehre erscheint lebensnah, denn Cooper und Gaiman rufen mit dem Inhalt auf, Gefahren ins Gesicht zu blicken, ihnen zu trotzen und Probleme nicht zu ignorieren, um sich seinem Schicksal zu ergeben.

Der Zeichenstil in „Alice Cooper – Die letzte Versuchung“ ist eine Mischung aus kraftvollem Noir und fantasievoller Grusel-Melancholie. Die Zeichnungen setzen in jedem Panel die entscheidende Nuance, die Inhalt und Gedanken noch enger verknüpfen. Michael Zulli trifft mit seinen präzisen Zeichnungen jedes wichtige Detail, das den Comic nur noch authentischer und ausdrucksstärker werden lässt. Die mimische Gestaltung ist ein wahrer Schmaus für das menschliche Auge, denn nicht oft sind Story und Zeichnungen so perfekt im Einklang, wie im vorliegenden Werk; vor allem aber ist es beiden Machern gelungen, Alice Coopers Wesen auf Grundlage des Albums „The Last Temptation“ sowohl zeichnerisch als auch inhaltlich genau darzustellen.


Fazit

Cooper, Gaiman und Zulli erschaffen ein Meisterwerk, das den Leser in eine Welt des Traumes entführt. In dieser muss er lernen, Gefahren zu begegnen und Erfahrungen zu sammeln, die ihn für das Theater der Realität wappnen.


Pro & Contra

+ detailreicher Noir-Zeichenstil
+ komplexer Inhalt
+ Vernetzung von Traum und Realität
+ fesselnd und realistisch
+ facettenreiche Persönlichkeiten
+ Weiterentwicklung von Charakteren
+ bildhafte Einsicht in Alice Coopers Album „The Last Temptation“

Bewertung:

Handlung: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis / Leistung: 4,5/5


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