Die Odyssee (Pérez Navarro, Martín Saurí)

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Verlag: Ehapa Comic Collection; (Mai 2012)
Gebundene Ausgabe: 72 Seiten; 19,99 €
ISBN-13: 978-3770435425

Genre: Sagen/ Antike/ Helden


Klappentext

Götter, Ungeheuer und die Begierde der Menschen stellen die Beharrlichkeit des Odysseus auf die Probe bei seiner Reise zurück nach Ithaka, in seine Heimat, sein Haus, wo ihn Frau und Kind erwarten.

Jahre vor 300 von Frank Miller, haben Pérez Navarro und Martín Saurí mit Die Odyssee die Herrlichkeit einer klassischen Epoche wieder auferstehen lassen – in schwarz-weißen Bildern, die bereits Geschichte geschrieben haben.


Rezension

Neben Gilgamesch und der Illias ist Die Odyssee eins der großen klassischen Epen, die auch heute noch Einfluss auf unsere Kultur haben. In Literatur, Film und Kunst. Die Spuren dieser Werke finden sich überall und sie sind nach wie vor zeitlos. Egal ob sie in ein modernes Gewand gepackt werden oder nicht, noch immer vermögen sie die Menschen zu berühren. Denn sie sprechen tief in den Menschen etwas an, was sie in alte Zeiten zurückgleiten und dort etwas für sich finden lässt. Verfasst hat Die Odyssee Homer, der in der Illias von den Ereignissen während des Trojanischen Krieges berichtet. An dessen Ende setzt Die Odyssee an. Odysseus, Held von Troja, der dem griechischen Heer erst den Sieg ermöglichte, befindet sich auf der Heimreise. Doch er hat die Götter verärgert, zum einem durch seine List vor den Trojas, zum anderem da er schon recht bald während der Reise Polyphem, Sohn des Poseidon blendet. Und so dauert seine Reise über zehn Jahre an. Er irrt fortan über die Meere und trifft auf Götter, Ungeheuer und andere gefährliche Kreaturen und Gestalten. Aber er findet auch unerwartet Zuneigung und Liebe.

Pérez Navarro und Martín Saurí nahmen Anfang der 1980er Jahre Homers alte Sage und gaben ihr ein weiteres Gesicht. Dabei war Navarro für die Texte verantwortlich und Saurí für die Zeichnungen. Und auch wenn der Band gerade einmal 68 Seiten umfasst, dürfte genau das, das große Problem für Pérez gewesen sein. Denn viel Platz, die Geschichte zu erzählen, hatte er damit nicht. Viel mehr musste er stark komprimieren und vieles konnte er nur anreißen. Denn Die Odyssee hat eine unglaublich hohe Ereignisdichte, von Beginn an. Odysseus und seine Gefährten geraten von einer Gefahr in die nächste. Segeln von Abenteuer zu Abenteuer. Treffen Kalypso, Circe, Scylla, Charybdis, Aiolos und die Sirenen. Allerdings zieht sich Navarro geschickt aus der Affäre. Er lässt Odysseus selbst seine Geschichte am Königshof der Phaiaken erzählen. Somit wirkt die Auswahl die Pérez Navarro traf, so, als ob Odysseus selbst entschieden hätte, was länger und ausführlicher erzählt werden muss. Dazu gehören natürlich die Begegnungen mit Polyphem, Kalypso und Circe. Die Abenteuer, die am meisten Einfluss auf Odysseus und seine Reise nehmen. Auf die eine oder andere Art. Polyphems Blendung sorgt für den Zorn Poseidons und Kalypso schenkt ihm einen Sohn und Circe hält ihn ebenso auf. Unter anderem, dadurch, dass sie seine Gefährten in Schweine verwandelt. Ein Großteil nimmt natürlich Odysseus Rückkehr ein, mit dem berühmten Bogenwettbewerb.
All die ausgesuchten Abenteuer verleihen Odysseus Charakter mehr Tiefe, lassen den Leser mit ihm fühlen. Er bleibt nicht nur das Abziehbild eines Helden, obwohl er dieses auch darstellt. Pérez meistert seine Aufgabe wirklich gut.

Und doch steht er im Schatten von Martín Saurí. Was der Zeichner hier abliefert ist einfach ein Augenschmaus. Anders kann man es nicht mehr nennen. Seine Zeichnungen sind kraftvoll und archaisch. Sprechen von dem Mut und dem Grauen, welche in dieser jahrtausendealten Sage sich wiederfinden. Dabei setzt er nicht auf ausgetretene Comicpfade. Er versucht gar nicht erst, Die Odyssee in klassischen Comicbildern umzusetzen. Nein. Seine Bilder atmen den Geist alter Meister. Sowohl der Malerei als auch der Bildhauerei. Der Leser erhält den Eindruck auf Zeichnungen des Barock oder noch ältere zu blicken. Teilweise hat man den Eindruck alte Holzschnitte oder Reliefs zu betrachten und nicht die Zeichnungen eines modernen Künstlers. Jedes Bild erschlägt den Betrachter mit einer Wucht, die dem Stoff angemessen ist und zwingt ihn erst einmal zu verweilen, um alles in sich aufzunehmen. Jeder Strich ist erkennbar, als ob man ein Original in den Händen hielte und nicht ein gedrucktes Buch. Ein Vergleich mit Frank Millers 300 verbietet sich eigentlich, unterliegt Millers Version des Kampfes an den Thermopylen doch eindeutig. Saurí scheint hier in seiner eigenen Liga zu spielen. Er ist vielleicht nicht so dynamisch wie manch andere, aber das ist im vorliegenden Falle nicht relevant, dafür ist er einfach zu gut.

Ehapa hat der Odyssee erstklassiges Papier, Druck und Bindung zukommen lassen, so dass  Navarros und Saurís in jedem Bücherschrank neben den alten Klassikern seinen Platz zurecht finden sollte. Zusätzlich enthält der Band ein interessantes Vorwort von Fernando Fernández und Fotos und Skizzen von Martin Saurí.


Fazit

Mehr als beeindruckende Zeichnungen von Martín Saurí machen Die Odyssee zu einem Hochgenuss für jeden der sich für die Sagen des Altertums interessiert. Egal ob comicaffin oder nicht, dieser Band gehört in jeden Bücherschrank.


Pro & Contra

+ Zeichnungen von einer unglaublichen Intensität und Wucht

Bewertung:

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


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