Slide – Durch die Augen eines Mörders (Jill Hathaway)


Fischer Jugend Buch, 1. Auflage September 2012
Originaltitel: Slide
Aus dem Amerikanischen von Susanne Goga-Klinkenberg
HC mit SU, 320 Seiten
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50 | SFR 24,50
ISBN: 978-3-8414-2149-4
Leseprobe

Genre: Jugendthriller



Klappentext:

Die sechzehnjährige Vee hat Narkolepsie. Und wenn es nicht schon genug wäre, plötzlich in der Schule, im Kino oder bei Freunden einfach einzuschlafen, wandert Vees wache Seele während des Schlafens in den Körper eines anderen. Vee sieht, was diese Person gerade sieht – ohne deren Taten beeinflussen zu können.
Doch noch nie war es so grausam wie in dieser Nacht: Sie sieht durch die Augen eines Mörders. Und sie kennt das Opfer: Es ist Sophie, die beste Freundin ihrer Schwester Mattie. Für die Polizei sieht es aus wie Selbstmord, nur Vee kennt die schreckliche Wahrheit, und sie begreift schnell, dass auch Mattie in Gefahr schwebt. Nur – wie soll sie herausfinden, in wessen Körper sie war?



Rezension:

Vees Narkolepsie ist keine gewöhnliche Schlafkrankheit, denn während ihrer „Aussetzer“ findet sie sich oft im Körper eines anderen wieder – durch die bloße Berührung eines Gegenstandes, der mit dem Emotionen einer anderen Person aufgeladen ist. Deshalb ist es für Vee besonders wichtig, nicht unaufmerksam zu sein und sich während ihrer Einschlafattacken am besten Zuhause zu befinden. Doch schon der kleine Zettel, der von einer fremden Person berührt wurde und an ihrer Haustür hängt, bringt sie an den Rand des Wahnsinns. Denn als sie mit diesem Zettel in der Hand einschläft, landet sie im Körper eines Mörders, und der ist gerade dabei, die beste Freundin ihrer Schwester Mattie umzubringen. Nach außen hin wirkt dieser Tod jedoch wie Selbstmord und Vee kann unmöglich erzählen, was wirklich passiert ist – seit sie ihre spezielle „Gabe“ einmal ihrem Vater mitteilen wollte, hat der sie zur Psychologin geschickt. Seitdem hält Vee sich bedeckt, was diese Fähigkeit angeht, nicht einmal ihr bester Freund Rollins weiß davon.
Und nun hängt alles von Vee und ihrer speziellen Narkolepsie ab, denn als ein zweites Mädchen aus dem engsten Freundeskreis ihrer Schwester Mattie stirbt und wieder alles auf Selbstmord hindeutet, ist für Vee klar, dass sie handeln muss, wenn sie ihre Schwester nicht ebenfalls an den Mörder verlieren möchte. Dass sie sich dabei niemandem anvertrauen kann, sondern ganz auf sich allein gestellt ist, macht die Sache umso schwerer – und dann ist da auch noch Zane, der neue Junge an ihrer Schule, der ihr Herz zum Singen bringt und mit dem sie so gern unbekümmerte Zeit verbringen möchte. Aber wie könnte sie unbeschwert verliebt sein, wenn ihre kleine Schwester in größter Gefahr schwebt?

Bereits mit dem Cover wird der vorbeiziehende und in den Regalen stöbernde potentielle Leser möglicherweise geködert: Das derzeit überall zu findende Mädchengesicht selbst zieht möglicherweise nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich, doch die Details – das leise Bröckeln der Fassade – lassen das leichte Übersättigungsgefühl schnell wieder verfliegen. Thriller-Fans werden außerdem vom reißerischen Titel angezogen: Slide – Durch die Augen eines Mörders klingt nach Spannung, die Abwechslung in den jugendlichen Literatur-Bereich bringt. Und die bekommt der Leser auch geliefert, denn mit ihrem Debütroman bietet Jill Hathaway zwar nichts grundlegend Neues, schafft es aber durchaus, dieses in Teilen Bekannte neuartig zu verpacken. Der Leser wird von Beginn an in die Geschichte gezogen, und auch wenn einiges sicherlich – gerade für erfahrene Genre-Leser – vorherseh- und durchschaubar ist, fühlt man sich spannend unterhalten.

Langeweile kommt mit diesem Buch jedenfalls nicht auf, denn nicht nur die Story kann in größten Teilen überzeugen. Auch die einzelnen Charaktere sind vielschichtig und authentisch, sodass es einfach Spaß macht, gemeinsam mit Vee die Zeit „tot zu schlagen“ und ihre Geschichte mitzuerleben – mit allen Höhen und Tiefen. Denn hiervon gibt es einige in Vees Leben, neben ihrem berufstätigen Vater und der aufständischen kleinen Schwester muss sie sich außerdem noch mit ehemaligen besten Freundinnen und einem offensichtlich mehr an ihr interessierten besten Freund rumschlagen. Da kommt die beginnende Mordserie, von der nur Vee weiß, dass es sich in Wahrheit um Morde handelt, natürlich sehr gelegen – es ist spannend zu sehen, wie die junge Frau mit diesen vielseitigen Problemsituationen umgeht. Die Protagonistin ist dem Leser auf Anhieb sympathisch, weshalb man bei jedem Problem mit ihr leidet und sich bei jedem Erfolgserlebnis mit ihr freuen kann. Das gibt dem Leser ein gutes Gefühl, fast so, als wäre man selbst Teil von Vees Leben.

Jill Hathaway wirft mit Slide – Durch die Augen eines Mörders einen spannenden Jugend-Thriller auf den Markt, der eine willkommene Abwechslung zur restlichen, derzeit erhältlichen Jugendliteratur darstellt und kurzweilige, leicht lesbare Unterhaltung verspricht. Auch erwachsene Leser können sich mit diesem Roman entspannt zurücksinken und sich die Zeit vertreiben lassen. Anspruchsvoll ist die Geschichte nicht unbedingt, doch die Autorin lässt ihre Protagonistin so souverän an die Sache herangehen, dass man darüber gerne hinwegsieht und das Buch als angenehme Zwischenmahlzeit betrachtet. Ein in manchen Punkten absichtlich offen gehaltenes Ende lässt erahnen, dass dies nicht das letzte Buch um Vee und ihre Narkolepsie sein wird, was durch Internet-Recherche schnell bestätigt wird. Die einzige Frage, die sich dem Leser dann noch stellt, ist die nach dem Erscheinungszeitpunkt der deutschsprachigen Version.



Fazit:

Mit Slide – Durch die Augen eines Mörders wird das jugendliche Thriller-Genre mächtig aufgemischt. Jill Hathaway bietet atemlose Spannung und fesselnde Verwirrspiele, die selbst Erwachsene wunderbar unterhalten können. Alltägliche Dinge rücken in den Hintergrund, während nur noch eins zählt: Weiterlesen bis zur letzten Seite und dann mit Erstaunen feststellen, dass die Nacht schon fast wieder vorbei ist. Eine Leseempfehlung für Jung und Alt!



Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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