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Tödlicher Staub (Massimo Carlotto & Mama Sabot)
Geschrieben von Almut
Mittwoch, der 23. Januar 2013

Tropen, 1. Auflage 2012
Originaltitel: Perdas de fogu (2008)
Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel
Klappbroschur, 160 Seiten
€ 14,95 [D] | € 15,40 [A] | CHF 21,90
ISBN: 978-3-608-50207-7

Genre: Krimi


Klappentext

Pierre Nazzari wird als Deserteur von der Militärpolizei gesucht. Er ist erpressbar und muss die Drecksarbeit für eine dubiose, paramilitärische Organisation machen, die ihn auf die junge Tierärztin Nina angesetzt hat. Denn die Nachforschungen, die die junge Frau im Zusammenhang mit einer Reihe mysteriöser Erkrankungen und Missbildungen bei Schafen und Ziegen macht, scheinen ein paar einflussreichen Persönlichkeiten zu weit zu gehen...


Rezension

Als Autoren des Romans sind Massimo Carlotto und Mama Sabot angegeben. Massimo Carlotto ist ein italienischer Autor von, überwiegend, Kriminalromanen. Das Italien seiner Romane ist ein dunkler und verrotteter Ort, in dem es nahezu unmöglich scheint, nicht korrumpiert zu werden. Mama Sabot ist ein italienisches Autorenkollektiv, bestehend aus mindestens zehn namentlich bekannten Schriftstellern und Journalisten, die an politisch brisanten Themen arbeiten. Soweit es, nicht nur aus juristischen Gründen, erforderlich scheint, werden die Ergebnisse in fiktionalisierter Form veröffentlicht. „Perdas de fogu“ war 2008 die erste dieser Veröffentlichungen. Der Roman ist eine Mixtur aus zwei Komponenten, einem politisch brisanten Fall und der für Carlotto charakteristischen Erzählweise.

Wir erinnern uns vielleicht noch an den Kosovokrieg in den 1990er Jahren. Dort wurde von der Nato abgereichertes Uran in Waffen eingesetzt. Granaten bekamen dadurch eine höhere Durchschlagskraft, besonders als Panzer brechende Waffen. Diese Waffen setzen hochtoxischen Uranstaub frei, wenn sie auf ihr Ziel treffen und, sollten sie in den Boden einschlagen, während sie langsam vor sich hinrosten. Tödlicher Staub – das ist die Bezeichnung für diesen Uranstaub, weshalb der deutsche Titel des Romans gut gewählt ist. Der Originaltitel bezeichnet eine sardische Gemeinde mit rund 2000 Einwohnern nahe Salto di Quirra, einem von mehreren militärischen Sperrgebieten auf Sardinien, mit Nato-Truppenübungsplatz und Raketenabschusseinrichtung. Dort werden solche Waffen getestet, gefährden die Umwelt und die Gesundheit von Menschen und Tieren. Krebserkrankungen gibt es dort überdurchschnittlich viele, Kinder und Tiere werden mit Entstellungen geboren.

Die Stärke dieses Romans liegt in seiner Verbindung aus detailreicher Recherche mit einer Kriminalgeschichte, die mal lakonisch, mal zynisch, aber immer hart und direkt erzählt wird. Politiker und Honoratioren arbeiten mit dem Organisierten Verbrechen, der Industrie und dem Militär zusammen und machen gute Geschäfte, während die Bevölkerung entweder für dumm verkauft wird oder sich erfolglos zur Wehr zu setzen versucht. Niemand in diesem Roman ist unschuldig. Der Protagonist Pierre Nazzari ist nur in ähnlicher Weise wie die von Clint Eastwood in den Dollar-Western gespielten Figuren zur Identifikation geeignet. Er wirkt nur relativ gut, weil die anderen Figuren noch übler sind und weil er, nicht als einziger, erpresst wird. Jeder versucht hier jeden zu seinem persönlichen Vorteil zu nutzen.

Insofern Menschen verschieden sind, ist dies im Roman höchstens am Rand von Bedeutung. Individuelle Freiheit ist eine Fiktion, die Zwänge der „Umgebung“ bestimmen das Handeln der Figuren weitestgehend. Das leitende Prinzip ist der Opportunismus. Die Figuren sind darüber hinaus etwas blass geraten, was jedoch wenig bedeutet. Die Autoren scheinen hier einer Absicht zu folgen. Nämlich, gerade soviel an Fiktionalität zuzulassen, dass der Text als Roman durchgeht, wo er doch eine der Leitvorstellungen heutigen Reportage-Journalismus’ auf die Spitze treibt: die Rechercheergebnisse in eine Geschichte zu verpacken.


Fazit

„Tödlicher Staub“ bleibt sehr nahe an der Realität, erzählt seine Geschichte lakonisch, bisweilen zynisch, auf das Wesentliche reduziert, steuert verschachtelt und gut nachvollziehbar auf das Ende zu. Regeln sind nur für die da, die sich daran halten. Ein lesenswerter politischer Noir-Thriller.


Pro & Contra

+ spannend erzählt
+ sehr gute Milieubeschreibung
+ informativ und ohne didaktische Anwandlungen

ο die Bissigkeit früherer Carlottos schimmert allenfalls in Momenten durch

Wertung: 

 Handlung: 5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Dies ist eine Gastrezension von Almut Oetjen. Herzlichen Dank!

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 24. Januar 2013
 

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