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Susanne Gerdom (23.02.2013)
Geschrieben von Nicole / Judith
Samstag, der 23. Februar 2013
Interview mit Susanne Gerdom

Literatopia: Hallo Susanne! Kürzlich ist bei bloomoon mit „Das Haus am Abgrund“ einer neuer Mystery-Thriller von Dir erschienen. Was erwartet die jungen Leser?

Susanne Gerdom: Wie ich hoffe, ein schönes, spannendes, spooky Buch - gibt es da kein deutsches Wort? Verspukt? Spukig? (Igitt ... ) ah, das könnte gehen: Gruselig. Mit einer Portion Romantik. Eine moderne Geistergeschichte, eine Prise Wilkie Collins, aber ins Hier und Heute transportiert. Hoffe ich.

Literatopia: „Das Haus am Abgrund“ spielt an der Küste Cornwalls. Warum hast Du Dich gerade für diesen Landstrich entschieden? Und gibt es vielleicht sogar ein echtes 'Heathcote Manor', das Dich inspiriert hat?

Susanne Gerdom: Ich habe einen Ort auf der Welt gesucht, an den die Geschichte atmosphärisch passt. Eine Küste, ein Haus, das schon lange dort steht und eine Geschichte hat, die weit zurückreicht. Ein Herrenhaus und die klassische „Spukatmosphäre“. Es blieben vom Gefühl her eigentlich nur Schottland, Neuengland oder eben England übrig.

Cornwall ist so ein geschichtsträchtiger, mythendurchwobener Ort, dem konnte ich nicht widerstehen. Ich war noch nie dort, deshalb habe ich mich für meinen fiktiven Ort (und das ebenso frei erfundene Haus) auf Bildmaterial verlassen, das ich via Google, Google Earth, Google Maps gefunden habe.

Literatopia: Dein Protagonist Adrian ist ein totkranker Junge mit homosexuellen Eltern. Warum so eine komplizierte Konstellation? Und fiel es Dir manchmal schwer, Dich in die verschiedenen Charaktere und insbesondere Adrian hineinzuversetzen?

Susanne Gerdom: Adrian ist mir unglaublich leicht gefallen, ich hatte viel größere Probleme mit November, der weiblichen Protagonistin. Adrian war von der ersten Minute des Projektes vollständig da, genau so, wie er ist, und ich hatte ihn sofort absolut gerne. Seine Väter auch. Ich weiß nicht, wieso der Junge schwule Väter haben muss, aber es hat sich vollkommen richtig angefühlt. Ich pflege solche Entscheidungen, die mein „Brokkoli“ trifft, nicht in Frage zu stellen. (Anne Lamott, die Autorin eines Schreibratgebers, den ich sehr schätze, nennt ihr schreiberisches Unterbewusstsein so ... ich finde das so klasse, dass ich das adoptiert habe, obwohl ich das jetzt immer erklären muss.

Literatopia: Adrians Tumor beschwert ihm die verschiedensten Symptome, wobei die interessantesten und auch ungewöhnlichsten seine Halluzinationen sind. Treten solche Symptome tatsächlich auf? Und wie kamst Du auf das Konzept der Laren und Lemuren?

Susanne Gerdom: Ich habe mich natürlich über die verschiedensten Formen dieser Erkrankung schlau gemacht. Adrian dürfte einen Schläfenlappentumor haben, ein Glioblastom, das ein Rezidiv erlebt. Wahrscheinlich würde ein Neurologe mir nachweisen, dass das aus diesen und jenen Gründen nicht stimmen kann, aber ich habe mich wirklich durch einige schwer verständliche Artikel zu dem Thema gebissen und nach bestem Wissen und Gewissen versucht, keinen allzu auffälligen Blödsinn zu verzapfen.

Und ja, Halluzinationen gehören dazu. Wenn auch vielleicht nicht ganz so kommunikative wie der Roshi, Jeannie und der Joker.

Laren und Lemuren ... ich wollte eine Bezeichnung für seine verschiedenen „Geister“ finden, die gleichzeitig eine Kategorisierung herstellen: in „dunkle“ und „helle“ Erscheinungen. Das waren die ersten Begriffe, die mir in den Sinn kamen und ich fand sie passend. Dabei habe ich nicht darüber nachgedacht, dass wahrscheinlich die Hälfte der LeserInnen dabei eher an Halbaffen denken wird, aber andererseits hat das auch schon wieder was.

Literatopia: Dein Buch bietet eine Mischung aus Liebesgeschichte, Mysterythriller und Phantastik. Stand diese Mischung für Dich von Anfang an fest? Und welcher Aspekt faszinierte Dich beim Schreiben besonders?

Susanne Gerdom: Von Anfang an fest stand, dass es eine Spukgeschichte werden sollte, und weil es für jugendliche Leser ist, sollte auch eine Liebesgeschichte darin vorkommen. Phantastik – nun ja, das ist mein Spielplatz. :-)

Besonders fasziniert hat mich die Verschränkung der verschiedenen Realitäts- und Zeitebenen und ich mochte den Joker. Der ist unglaublich fies und trotzdem ... mehr sag ich nicht.

Literatopia: Alias Julian Frost hast Du Dich in „Last Days on Earth“ mit der Maya-Mythologie auseinandergesetzt oder besser gesagt mit dem Mythos, am 21. Dezember 2012 wird die Welt untergehen. Warum hast Du Dich dieser Thematik angenommen? Und meinst Du, der Roman entfaltet seine Kraft auch 2013 noch ganz?

Susanne Gerdom: Warum ich das getan habe ... o je. Das ist eine Geschichte mit Umwegen, und der Umweg beinhaltet einen kompletten, langen Roman. Das Maya-Jahr 2012 nahte und damit der Wunsch des Verlages, ein Buch zum Weltuntergang zu bekommen. Ich habe mit Begeisterung darauf genickt, denn ich hatte die Keimzelle zu einem Roman schon in der Schublade – ein Riesending, ein Epos. Armageddon. Ragnarök. Nordische Götter and all that Jazz.

Das hab ich dann geschrieben. Und der Programmleiter mochte es auch, aber leider nur persönlich. Er fand, das Manuskript wäre zu anspruchsvoll und damit nicht verkäuflich.
Ich hab also in Windeseile einen Ersatz geschrieben und weil ich keine Idee hatte, habe ich die genommen, die mir vom Verlag vorgeschlagen wurde: Maya. Es hat irre viel Spaß gemacht, ich liebe dieses Buch – auch wenn es unter falschem Etikett („Thriller“) und mit dem Klappentext eines anderen Buches auf den Markt gekommen ist.

Ach ja, mein Epos – „Projekt Armageddon“ – habe ich selbst rausgegeben und bisher zu fünfundneunzig Prozent begeisterte Rückmeldungen der armen, überforderten LeserInnen dazu bekommen. Es wäre doch schön, wenn die Verlage mal aufhören würden, ihre Leser für anspruchslos zu halten ...

Ob „Last Days on Earth“ seine Kraft auch nach dem nicht stattgefundenen Weltuntergang entfaltet? Ja, denn die Welt ging ja auch im Roman nicht unter. Und eigentlich geht es im Buch auch nicht wirklich darum, sondern um eine ein bisschen schräge Kriminalgeschichte. Thema verfehlt. ;-)

Literatopia: Julian Frost ist nur eines Deiner Pseudonyme – warum so viele Namen? Bei manchen Autoren hängt es damit zusammen, dass der Verlag möchte, dass der jeweilige Name untrennbar mit dem Verlag verbunden bleibt. Hat das bei Dir ähnliche Gründe? Oder kannst Du mit Deinen Pseudonymen einfach besser andere Seiten ausleben?

Susanne Gerdom: Verlagswunsch. Ich habe 2000 als Frances G. Hill begonnen – damals durfte ein Fantasy-Titel keinen deutschen Autorennamen tragen. Dann habe ich mit dem zweiten Buch zum eigenen Namen wechseln dürfen – plötzlich war deutsch in – und unter dem Label auch meinen Start ins Jugendbuch unternommen. Dann kam der zweite Jugendbuchverlag ins Portefeuille und der erste wollte nicht, dass ich unter eigenem Namen dort veröffentliche. Deshalb die Rückkehr zum alten Pseudonym.

Und Julian Frost wurde verlagsseitig aus der Erwägung heraus geboren, dass „Last Days on Earth“ keine High Fantasy ist und somit die Leser verwirrt werden könnten, wenn da mein richtiger Name drauf steht.

Inzwischen bin ich aber nur noch unter meinem eigenen Namen unterwegs und darüber bin ich sehr glücklich. Mir ist oft gesagt worden, dass meine LeserInnen gerne alles lesen, was ich schreibe, egal, was es ist (meine Bücher gleichen sich ohnehin nie) und dass es verwirrend wäre, immer auch noch nach Pseudonymen Ausschau zu halten.
Das ist in meinem Sinne – obwohl ich mir für meinen jüngsten Ausflug, den ins erwachsene nicht-phantastische Feld des Liebesromans/Krimis, dann doch wieder ein Pseudonym gesucht habe. Dieses Mal wirklich, um Verwirrung zu vermeiden. „Franziska Hille“ ist aber ein leicht zu erkennendes Pseudonym. :-)

Literatopia: Viele Autoren können nicht all ihre Ideen umsetzen, weil sie nicht zu aktuellen Trends passen oder aus sonstigen Gründen von Verlagen abgelehnt werden – durch die Schreibarbeit an den gewünschten Themen bleibt dann keine Zeit mehr für die anderen Ideen. Wie viel landet bei Dir in der Schublade oder wird vielleicht niemals angefangen?

Susanne Gerdom: Ich habe so gut wie nichts in der Schublade (von zwei Projekten aus meiner Anfangszeit einmal abgesehen, das eine möchte ich bitte niemandem zeigen müssen und das andere müsste ich erst ein wenig aufarbeiten, bevor es meinem heutigen Anspruch entspricht).
Ich habe das Riesenglück, fast immer das schreiben zu können, was ich auch schreiben möchte. Ich arbeite gerne mit Themenanregungen, die von Verlagsseite kommen und bis auf „Projekt Armageddon“ hat das bisher auch gut geklappt.

Wie viel nicht angefangen wird? Oh, das kann ich doch jetzt noch nicht sagen. Ich habe vier, fünf mögliche Projekte in der Pipeline, aber ich gedenke die auch zu schreiben.

Literatopia: Unsere beliebte Standardfrage – wie bist Du eigentlich zum Schreiben gekommen? Erinnerst Du Dich an Deine erste Geschichte? Oder war das Schreiben schon immer Teil Deines Lebens?

Susanne Gerdom: Spät, sehr spät, und durch das Theater. Ich habe eine Amateurgruppe geleitet und meine Regieassistentin hatte einen Roman geschrieben, den ich lesen durfte. Das war der Auslöser. Ich habe mich hingesetzt und in drei Monaten mein erstes Buch geschrieben – Ellorans Traum. Da war ich ... boff ... irgendwas über Dreißig. Bis dato hatte ich nie irgendwas außer Briefen zu Papier gebracht. Aber ich bin zwanghafte Leserin, schon immer, und da ist der Weg zum Schreiben ja kurz.
Seitdem hat mich das Schreiben nie mehr verlassen. Ich habe deswegen auch das Theater aufgegeben. Beides ging nicht parallel.

Literatopia: Wie und wo schreibst Du am liebsten? Gehörst Du zu jenen, die morgens um 8 ihren Kaffee trinken und sich hinter dem Laptop verbarrikadieren oder entstehen Deine Romane auch in Cafés, Zügen oder Parks? Und hast Du ein bestimmtes System für Deine Notizen?

Susanne Gerdom: Denken, notieren, Strukturen entwerfen – das geht auch schön im Cafe oder im Zug oder im Park. Konzentriertes Schreiben: Schreibtisch. Meine Notizen sind transportfähig im Moleskine und ansonsten auf meinem Computer. Ich benutze OneNote, das ist ein tolles Programm für allen möglichen Notizkram, und ein Textverarbeitungsprogramm (Scrivener), in dem ich all die Notizen mitführe, die ich aktuell für das jeweilige Projekt im schnellen Zugriff brauche (Namen, Orte, Dinge, an die ich denken muss).

Literatopia: Was liest Du eigentlich gerne? Findest Du überhaupt noch Zeit und vor allem die Ruhe dazu? Und hat man als Schriftsteller einen anderen Blick auf Bücher, vielleicht mit dem Gedanken „das hätte ich anders geschrieben“?

Susanne Gerdom: Ich bin immer noch eine zwanghafte Leserin. Zeit und Ruhe sind allerdings das Problem, ja. Ich lese gewöhnlich vor dem Schlafen im Bett, das kann auch mal bis vier gehen, wenn ich mich festlese. Der andere Blick ist allerdings eine Tatsache – aber das ist nichts Negatives. Ich liebe es, KollegInnen beim Handwerk zuzusehen.
Ich bin allerdings ungeduldiger geworden, lege Bücher schneller beiseite.

Was ich gerne lese? Gar nicht mehr so gerne Fantasy, mir sind die meisten Themen zu abgelutscht und durchgenudelt. Ich freue mich aber immer über Fantasy, die mich überrascht.

Literatopia: Du arbeitest unter anderem als „Schreibcoach“ – wie können wir uns das vorstellen? Gibst Du Kurse für angehende Schriftsteller? Oder gibt es auch Einzelunterricht?

Susanne Gerdom: Vor allem letzteres, wobei ich auch über Kurse schon nachgedacht habe. Aber da ich mit meiner Aufgabe als Coach schon sehr gut ausgelastet bin, habe ich den Gedanken erstmal auf die längere Bank geschoben.

Was kann man sich darunter vorstellen? AutorInnen – angehende, aber auch solche mit Erfahrung – kommen mit ihren Projekten zu mir und ich berate und begleite sie. Das kann eine kleine Baustelle umfassen, ein abgestecktes Problemfeld, aber auch die Betreuung eines kompletten Romanprojektes vom Anfang bis zum Ende. Mir macht das sehr viel Spaß, ich lerne dabei auch immer noch etwas dazu (wenn man jemandem erklären muss, warum eine Sache funktioniert oder nicht, dann hilft das durchaus auch bei der Analyse eigener Schwachstellen.)

Literatopia: Wie wird es mit Dir – oder auch Deinen Alter Egos – weitergehen? Welche Veröffentlichungen sind für dieses Jahr geplant?

Susanne Gerdom: In diesem Jahr wird es an Neuerscheinungen (außer dem gerade herausgekommenen „Haus am Abgrund“) im Papierbuch nichts von mir geben, denn ich arbeite aktuell an drei Projekten, die im nächsten Jahr erscheinen. Das ist der zweite und abschließende Band zu „Æthermagie“, das ist ein Zwanziger-Jahre-Projekt für Bloomoon, auf das ich mich sehr freue und das wird meine cbj-Premiere: High Fantasy mit Drachen. An dem schreibe ich gerade und es wird düster-barock.

Im Selfpublishing werde ich auf jeden Fall Frau Hille noch mit einem klassischen Liebesroman aufs Feld schicken. Hoffentlich-vielleicht geht es mit dem Steamfantasy-Projekt weiter, das ich mit einer Freundin zusammen im letzten Jahr begonnen habe (Clockwork Cologne). Und wenn dann noch Platz ist, schreibe ich ein altes Herzensprojekt von mir, oder fange es zumindest in diesem Jahr noch an: „Die Voynich-Verschwörung“. Ebenfalls Fantasy, ebenfalls Steam.

Wieviele Monate hat ein gewöhnliches Jahr noch gleich? Irgendwas um die sechsundzwanzig, oder? :-)

Literatopia: Herzlichen Dank für das schöne Interview!

Susanne Gerdom: Gerne geschehen und ich danke für die schönen Fragen!


Autorenfoto: Copyright by Susanne Gerdom

Autorenhomepage: www.susannegerdom.de

Rezension zu "Das Haus am Abgrund"

Rezension zu "Für König und Vaterland - Der Wechselbalg"


Dieses Interview wurde von Nicole Troelenberg und Judith Gor für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.
Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 06. August 2016
 

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