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Ingo Römling und Peter Mennigen - Teil 2 (08.03.2013)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 08. März 2013
Interview mit Ingo Römling und Peter Mennigen

 

Teil 2: Zwischen Büchern, Musik und Comickunst ...
 

 

Literatopia: Peter, Du arbeitest derzeit auch an „Cotton Reloaded“, einer digitalen Romanreihe. Worum geht es? Warum erscheinen die Titel nicht in gedruckter Form? Und was kann man sich unter „Read & Listen“ vorstellen?

Peter Mennigen: „Cotton Reloaded“ ist ein Relaunch der alten Jerry-Cotton-Romanserie. Das Projekt ist vielleicht vergleichbar mit dem Relaunch von James Bond mit Daniel Craig oder „Star Trek“ von J.J. Abrams. Die Figuren bei „Cotton Reloaded“ sind im Vergleich zur Romanserie mehr oder weniger in ihrer Funktion erhalten geblieben, unterscheiden sich aber in ihren Persönlichkeiten und dem Verhältnis zueinander. Cotton ist kein Superagent mehr, der sich durch die New Yorker Unterwelt kämpft, sondern ein Rookie, ein blutiger Anfänger, der sich seine Sporen noch verdienen muss. Aus seinem Sidekick Phil Decker wurde seine Vorgesetzte Philippa Decker. Inhaltlich geht es auch nicht mehr nur um die lokale Ganovenszene, sondern eher in Richtung Jack Bauer aus der TV-Serie „24“. Die zuständige Redaktion von „Bastei Entertainment“ unter der Leitung von Dr. Helmut Pesch hat eine Handvoll Autoren ausgewählt, die abwechselnd an der Serie schreiben.

Die fertigen Bücher sind nicht in Printform, sondern ausschließlich als E-Book und Hörbuch zum Download erhältlich, weil Bastei mit diesem Relaunch ganz bewusst neue Wege gehen will. Das betrifft nicht nur die runderneuerten Figuren der Serie, sondern auch die Zielgruppe. Diese ist jung und liest weniger gedruckte Bücher, sondern lädt sie sich lieber auf das Smartphone oder den Tablett-PC, um sie jederzeit und überall lesen zu können. Bei der „Read & Listen“-Version erhält man das E-Book und das Hörbuch in Kombination und kann beim Lesen jederzeit auf das Hörbuch umschalten und umgekehrt. Welche Bedeutung Bastei dieser Reihe zumisst, mag man daran erkennen, dass die Skripte von Wolfgang Neuhaus betreut werden, der auch die Bücher von Dan Brown und Ken Follett lektoriert. Bastei gibt uns Autoren viel Freiraum, so dass jeder seine Stärken in die Geschichten einbringen kann. Mir geht es zum Beispiel bei Cotton nicht nur darum, wie er eine Gefahr aus der Welt schafft, sondern auch um sein Privatleben und sein Verhältnis zu seiner Vorgesetzten Decker – er ein lockerer Bursche aus Brooklyn, sie eine etwas steife Vertreterin der vornehmen New Yorker Upper-East-Side. Gerade habe ich mein viertes Buch mit dem Arbeitstitel „Projekt ‚Omega’“ beendet, in dem Cotton zur Rettung der Welt undercover in die Rotlichtszene eintauchen muss und sich Decker als angehende Pornoqueen profiliert. Bei der Story kommt auch der Humor nicht zu kurz.

Literatopia: Viele Deiner Publikationen richten sich an ein jüngeres Publikum. Ist es leichter oder eher schwerer, für junge Leser zu schreiben? Worauf muss man als Autor achten, um „jugendgerecht“ zu schreiben?

Peter Mennigen: Das Wichtigste ist: Man muss seine Zielgruppe nicht nur kennen, man muss sich in sie hineinversetzen können. Man sollte wissen, wie zum Beispiel Teenies ticken, die sich für ein bestimmtes Genre interessieren. Oder was man bei Geschichten für Kids im Vorschulalter beachten muss. Wenn ich an meine ersten Comics zurückdenke, die ich im Kindergartenalter „gelesen“ habe, so besaßen die Geschichten etwas Magisches. Ich verschlang regelrecht alles, was ich in die Hände bekam, ohne dabei groß auf Genres zu achten. Mit dem Alter stiegen meine Erwartungen an die Stories, weshalb ich sie zunehmend kritischer las. Darin sehe ich die eigentliche Herausforderung bei Geschichten für ältere Leser: Ihnen durch etwas Neues wieder ein wenig von der Magie zu geben, die die meisten wohl beim Lesen ihrer ersten Comics verspürt haben und die man später bei jedem neuen Comic irgendwie wiederzufinden hofft. Was das Schreiben der Geschichten angeht, so empfinde ich die für ältere Leser leichter als die für jüngere. Das mag daran liegen, dass ältere Leser meist Geschichten mit Action und Abenteuer bevorzugen. Als Autor bringt man den Helden in eine schwierige Situation und beschreibt dann, wie er aus der Nummer meist mit Hilfe seiner Fäuste oder einer Handfeuerwaffe wieder herauskommt.

Nichts ist einfacher, als das Interesse von jemandem durch Gewalt und Schockeffekte zu erlangen. Geschichten für junge Comic-Leser erscheinen mir insoweit schwieriger, weil sie meist ohne die gängigen Spannungselemente auskommen müssen, da die Leserschaft dafür noch zu unreif ist. Die Geschichten drehen sich deshalb oft nur um banale oder märchenhafte Themen, die einem Autor beim Schreiben schon einiges an Phantasie abverlangen können. Am schwersten fand ich das Schreiben sogenannter Mädchen-Comics. Und zwar deshalb, weil es in den Geschichten einerseits um mehr oder weniger unspektakuläre Alltagsthemen ging, die andererseits durch alle möglichen Verwicklungen, statt durch eine Gefahr oder Bedrohung, spannend aufbereitet werden mussten.

Literatopia: Alias Monozelle hast Du, Ingo, beispielsweise einen Remix zu „My Despair“ von In Strict Confidence geliefert. Wie viel machst Du musikalisch? Und wie bekommst Du alle Tätigkeiten unter einen Hut?

Ingo Römling: Ja, ich hab schon ein paar Remixe gemacht. Ich mag elektronische Musik sehr und es macht mir Spaß, mit Synthesizern zu tüfteln. Ein totaler Ritterschlag für mich war mal, als mich Daniel Myer (u.a. Haujobb, Covenant) mal fragte, wie ich einen bestimmten Snare-Sound hinbekommen hätte. Und einige Elemente aus dem Mix von "My Despair" wurden in einem Fernseh-Werbespot verwendet. Sowas freut mich natürlich, da könnte ich auf dem Teppich rumrollen vor Vergnügen.Aber ich bin an erster Stelle Illustrator und Comiczeichner, die Musik kommt danach. Im Prinzip hab ich schon seit Kindertagen beides parallel gemacht, ich habe mit 6 Jahren mit Gitarre angefangen, Unterricht bekommen, in Bands Bass gespielt, später mit Synthies und Computern experimentiert, aber auch immer gezeichnet. Nachdem ich mit der Schule fertig war, habe ich mich entschieden, dass ich aus der Zeichnerei meinen Beruf machen will und die Musik eher mein Hobby wird. War nicht leicht, aber die richtige Wahl für mich.

Ich spiele immer noch in der Band "Keller & Verstärkung" und habe da mit einem Produzenten und einer Sängerin zusammen ein Projekt am Start, das eher elektronisch wird, ziemlich interessant, eine ganz eigene Klangwelt, aber das ist noch ein bisschen ungelegtes Ei, da will ich noch nicht zuviel verraten. Tja, wie bekomme ich das unter einen Hut? Sehr schwer! Ich bin zum Beispiel Anfang 2012 sehr schweren Herzens aus der Coverband "The Companions" ausgestiegen, nach fast 20 Jahren, ich habe die Band mitgegründet. Aber das war eins von diesen Dingen, die nach all der langen Zeit nicht mehr unter den Hut passten. Die Interessen verlagern sich ja auch, wenn die Jahre vergehen. Man will auch mal was Neues machen, und so blöd es klingt - man wird auch nicht jünger. Ich bin ein Typ, der schwer zu irgendwas "nein" sagen kann, aber manchmal muss es sein, sonst kommt man nicht voran oder man macht sich kaputt.

Literatopia: Du hast auch schon für verschiedene Künstler CD-Booklets etc. gestaltet, unter anderem für Lacrimosa. Würdest Du ein wenig von dieser Arbeit erzählen? Treffen die Musiker, für die Du arbeitest, auch meist Deinen Musikgeschmack?

Ingo Römling: Bei Lacrimosa gibt es eigentlich gar nicht soooo viel zu erzählen, denn ich habe da "nur" grafisches Layout für eine DVD und ein Album gemacht, die "Lichtjahre". Die Coverillustrationen kommen ja traditionell von Stelio Diamantopoulos. Aber egal - die Zusammenarbeit war sehr schön und alles klappte prima, Tilo ist ein total angenehmer Typ. Ich feierte nach einem Konzert in Frankfurt nachts noch mit der ganzen Band im Nightliner und wäre fast aus Versehen zum nächsten Veranstaltungsort mitgefahren, weil der Bus auf einmal losfuhr. Ich sprang quasi gerade noch ab. Nein, es trifft nicht immer hundertprozentig meinen Musikgeschmack, was ich illustriere, aber ich hab damit meistens kein Problem. Ich kenne viele Künstler auch persönlich.

Mit Dennis von In Strict Confidence habe ich zum Beispiel ein gutes Verhältnis, wir telefonieren ab und zu und ich mache immer noch sehr gern Sachen für ihn. Mit ein paar von den Jungs von der Letzten Instanz habe ich mittlerweile auch ein freundschaftliches Verhältnis, würde ich sagen. Und ich besuche häufig meinen Freund Matthias Ambré, er wohnt nicht weit entfernt, sein neues Projekt "Die Kammer" höre ich mir zum Beispiel sehr oft und gerne an - sehr traditionelle Musik auf akustischen Instrumenten, wunderschöne Songs, grandiose Musiker.Wenn ich die Leute mag, mag ich irgendwie automatisch auch das, was sie tun. Wenn ich ein CD-Cover mache, dann will ich mir auch die Musik anhören, ein Konzert besuchen, die Leute kennen lernen. Ich brauche einen Bezug, ich möchte mich gerne ein Stück weit in die Künstler reinversetzen. Manchmal schwierig, manchmal leicht. Manche Künstler sind sehr offen und zugänglich, mit denen versteht man sich sofort. Andere sind in ganz eigenen Sphären unterwegs, man kann denen drei Stunden lang zuhören und denkt immer noch: "… hä? Was?" Aber egal, das macht es einfach spannend.

 

 

Literatopia: Peter, Du hast bereits an verschiedenen Comics mitgewirkt und Dich dann dem Schreiben von Romanen gewidmet. Warum bist Du quasi umgestiegen – vom Bild zum reinen Text? Welche Möglichkeiten bietet ein Roman, die ein Comic nicht hat?

Peter Mennigen: Ich würde es nicht als „Umstieg“ bezeichnen. Für mich ist es eher eine Erweiterung meiner Möglichkeiten. Ich habe mich ja nicht entschieden, nur noch Romane oder Drehbücher für Filme und dafür keine Comics mehr zu schreiben. Im Grunde ist es für mich zweitranging, über welches Medium meine Geschichten transportiert werden. Jedes besitzt seine Vor- und Nachteile. So brauche ich mich bei einem Comic nicht groß in Beschreibungen der Hintergründe oder Personen zu ergehen, diese Arbeit nimmt mir der Zeichner ab. Ähnliches gilt für Gedankengänge oder psychologische Profile, die ich beim Comic meist nur anreiße. Andererseits sind es genau diese Dinge, die das Schreiben eines Buches reizvoll machen.

Außerdem liegt beim Buch die alleinige Verantwortung in Bezug auf die Umsetzung der Idee bei mir. Ich bin weder auf einen Zeichner angewiesen, wie es beim Comic der Fall ist, noch auf ein kostspieliges Produktionsteam inklusive Schauspieler wie beim Film. Beim Buch setze ich mich an den Computer und lege los. Sollte das Ergebnis nicht meinen Vorstellungen entsprechen, lösche ich es, ohne dass irgendwelche Kosten entstanden sind. Ich präferiere kein Medium, sondern freue mich vielmehr darüber, meine Geschichten auf so unterschiedliche Weise veröffentlicht zu sehen.

Literatopia: Wie stark fließen Deine Erfahrungen aus Film und Fernsehen in Deine schriftstellerische Arbeit ein, Peter? Und gehst Du an Romane und Skripte für TV-Serien ganz unterschiedlich heran oder ist die Vorgehensweise ähnlich?

Peter Mennigen: Beim Plot sind die Unterschiede eher marginal. Wenn es dann zur Umsetzung vom Exposé zum Skript geht, sind die Differenzen ähnlich wie die zwischen einem Roman und einem Comic. Bei einem Filmdrehbuch skizziere ich die Hintergründe, da der Regisseur diese den örtlichen Gegebenheiten anpassen wird. Wichtiger sind die Dialoge. Wobei im Film meist anders „gesprochen“ wird als in einem Buch. In der Literatur wirken die Sätze mehr konstruiert, im Film lebendiger. Zudem ist Film ein optisches Medium. Es muss also immer etwas passieren oder in Bewegung sein, sonst wirkt das Ergebnis statisch und langweilig auf den Betrachter. Wenn sich die Schauspieler bei ihren Dialogen nur gegenüberstehen würden, bräuchte ich mir keinen Film anzusehen, da tut es auch ein Hörspiel. Beim Buch dagegen funktioniert das, weil sich die beschriebene Handlung im Kopf des Lesers abspielt. Trotzdem versuche ich oft in meinen Büchern sowohl die Handlung als auch die Dialoge „filmisch“ rüberzubringen. Diese Erzähltechnik ist auf den Einfluss meiner Arbeit bei Film und Fernsehen zurückzuführen.

Literatopia: Was haltet Ihr eigentlich von der Unterscheidung zwischen „Comic“ und „Graphic Novel“? Ist letzteres nur ein neumodischer Begriff oder doch eine sinnvolle Einordnung?

Peter Mennigen: Für mich liegt der Unterschied darin, dass beim „Comic“ das Bild im Vordergrund steht, während bei einer „Graphic Novel“ Bild und Text gleichranging sind. Entsprechend hat eine „Graphic Novel“ mehr Text als ein Comic. Das ist meine persönliche Definition, die keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt. Denn vermutlich ist es wohl eher so, dass zwischen „Graphic Novel“ und „Comic“ keinerlei Unterschied besteht, abgesehen davon, dass der Begriff „Grahic Novel“ in den Ohren dünkelhafter Buchhändler, Verleger, Redakteure und Kritiker literarischer und somit seriöser klingt als der Begriff „Comic“, der in deren Augen immer noch mit dem Makel von „Schundliteratur“ behaftet ist.

Ingo Römling: Genau, es klingt halt nur anders. Aber wie auch immer, es ist wie bei allen Kategorisierungen - es ist eigentlich nur ein Wort, das mir keinen Meter weit hilft, etwas zu finden, das mir gefällt und mich anspricht. Das Medium "Comic" ist einfach viel zu vielfältig, um es in eine Schublade zu pressen. Comics waren eigentlich schon immer ein ernstzunehmendes und oft auch künstlerisch wertvolles Medium. Wenn mir einer sagen würde: Ich lese keine "Comics", ich lese nur "Graphic Novels" - dem würde ich sagen: Klar, hau rein, viel Spaß, aber du hast da was nicht ganz verstanden. Schade. Das wäre so, als würde ich sagen: "Ich steh auf Musik, aber ich höre nur Elvis".

Literatopia: In Japan ist es verbreitet, dass es zu erfolgreichen Mangareihen auch aufwändige Artbooks gibt. Wäre so etwas für Malcolm Max denkbar? Ein Buch mit ganz- und doppelseitigen Illustrationen plus Anekdoten aus der Entstehungsgeschichte? Oder hat so etwas in Deutschland keine Chancen?

Peter Mennigen: Ich überlege gerade, wie viele Artbooks es von deutschen Künstlern gibt. Spontan fallen mir da Hansrudi Wäscher und Johnny Bruck ein, die beide ein imposantes Lebenswerk vorzuweisen haben. Bestimmt ist noch das eine oder andere deutsche Artbook vorhanden, von dessen Existenz ich keine Ahnung habe. Und dann gibt es etliche deutsche Künstler, die ein solches Artbook aufgrund ihres Könnens verdient hätten. Ingo gehört meiner Ansicht nach zweifellos dazu. Nicht nur wegen seiner Arbeit an Malcolm Max. Wenn man sich die Illustrationen auf seiner Homepage ansieht, kann man über die Spannbreite seines Schaffens nur Staunen. Was Malcolm Max angeht, so habe ich die Entwicklung der Seiten quasi hautnah miterleben dürfen. Es ist schon beeindruckend, wie aus ein paar Strichen so komplex durchgearbeitete Bilder entstehen.

Ob ein Artbook darüber in Deutschland eine Chance hätte? Vor ein paar Jahren hätte ich nicht mal einem Malcolm Max Comic-Album in Deutschland eine Chance gegeben, weil die großen Verlage kaum Interesse an deutschen Comic-Veröffentlichungen hatten; abgesehen von Mangas vielleicht. Aber mit Splitter und einigen neuen Verlagen ähnlicher Größenordnung hat sich einiges geändert. Deren Verleger veröffentlichen Comics nicht nur aus Marketing-Gründen, sondern weil sie mit Leib und Seele Fans dieses Mediums sind, das sie mit entsprechend Herzblut und Know-how publizieren. Diese Verlage bieten uns jetzt eine Plattform. Außer Ingo lernte ich auf der Buchmesse mehrere ungemein talentierte deutsche Künstler kennenlernen, wie Marie Sann, Jan Feindt oder Che Rossié. Ich denke, da reift im Moment etwas heran, was es in der deutschen Comiclandschaft qualitativ und quantitativ so noch nicht gegeben hat. Deshalb bin ich mir fast sicher, dass es in den kommenden Jahren Artbooks von Ingo und anderen Comic-Künstlern, wie Jörg Warda oder den von mir oben genannten Zeichnern, geben wird.

Ingo Römling: Ich würde sagen, ein Artbook macht dann Sinn, wenn sich ein bisschen was an Material angesammelt und man sich eine breite Fanbase erarbeitet hat. Ist relativ aufwändig in der Herstellung, teuer und dementsprechend auch schwieriger zu verkaufen.

Literatopia: Animationsfilme kommen bei einem breiten Publikum aller Altersschichten gut an, doch Comics scheinen außerhalb der treuen Fangemeinde eher belächelt zu werden. Warum, denkt Ihr, sehen viele Menschen in Comics vor allem „Kinderkram“?

Peter Mennigen: Die Einstellung der Konsumenten, was die Inhalte von Film und Fernsehen angeht, scheint mir manchmal weniger kritisch zu sein als ihre Haltung den Comics gegenüber. Ich denke, die unterschiedliche Akzeptanz dieser Medien bei Erwachsenen liegt in deren persönlicher Entwicklung begründet. Die meisten sind vermutlich mit Comics und Filmen aufgewachsen. Doch irgendwann lässt bei vielen altersbedingt das Interesse an den bis dahin gern gelesenen Comicserien nach. In den meisten Fällen wächst man aus den Stoffen heraus, die die Serien thematisieren. Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass man Comics hauptsächlich allein im stillen Kämmerlein konsumiert, während man sich einen Film mit einer Clique ansieht, was besonders im Teeniealter ein gewichtiges Argument pro Film und contra Comic sein dürfte. Die meisten lassen mit Beginn der Pubertät ihre Comicserien für immer hinter sich, weshalb sie in ihren Augen ein Relikt aus ihren Kindertagen, also „Kinderkram“ sind und bleiben.

Ingo Römling: Ich bekam als Kind manchmal zu hören: Lies diesen Schund nicht, Comics machen dumm, sie fordern das Hirn nicht, weil sie sowohl den Text als auch die Bilder vorgeben. Vielleicht gibt es auch heute noch viele Menschen, die so denken. Aber ich glaube, da tut sich was. Vielleicht liegt es nur an meiner persönlichen Wahrnehmung, aber ich habe das Gefühl, dass das Medium Comic in den letzten 20 Jahren eine deutliche Erweiterung erfahren hat, auch und besonders hierzulande. Es gibt neue und junge Zeichner, die ganz eigene und meinetwegen auch mal total schräge Wege gehen, ihre Geschichten in Bilder umzusetzen. Ganz egal, ob mir hier und da was gefällt oder nicht - ich finde das spannend. Deutschland wird vielleicht keine "Comic-Nation" wie Belgien, Frankreich oder Japan, aber ich denke, die Menge an Menschen, die in Comics eine genussvolle Literatur sehen, wird wachsen. Da bin ich optimistisch.

Literatopia: Ist schon abzusehen, wie viele Bände „Malcolm Max“ umfassen wird? Und wo können Euch die Fans 2013 live erleben?

Peter Mennigen: Wenn es nach mir ginge, könnte „Malcolm Max“ bis zum Ende meines irdischen Daseins weiter erscheinen. Allerdings sind für eine Fortführung noch einige andere Voraussetzungen vonnöten, wie eine geneigte Leserschaft, die sich für die Serie interessiert. Außerdem hängt es entscheidend von Ingo ab, ob und wann Malcolm sein Comic-Leben fortsetzen kann. Momentan zeichnet er die letzten Seiten des ersten Bandes. Ich habe in der Zwischenzeit das Skript für den zweiten Band fertiggestellt und sitze gerade an der Überarbeitung. Außerdem steht auch schon der grobe Plot des dritten Albums. Was unsere „Auftritte“ 2013 angeht, habe ich noch nichts geplant. Möglicherweise lädt der Splitter Verlag Ingo und mich wieder zur Frankfurter Buchmesse ein, wo wir das erste „Malcolm Max“-Album präsentieren können.

Ingo Römling: Ich bin dabei!

Literatopia: Herzlichen Dank für das ausführliche Interview!

 

 


Autorenfoto Ingo Römling (unten): Copyright by Ingo Römling

Autorenfoto Peter Mennigen (oben): Copyright by Peter Mennigen

Comic-Panels aus "Malcolm Max": Copyright by Ingo Römling / Splitter-Verlag

Autorenhomepage Ingo Römling: www.monozelle.de

Rezension zu "Malcolm Max - Kapitel 1: Body Snatchers"

Rezension zu "Malcolm Max - Kapitel 2: Auferstehung"


Dieses Interview wurde von Judith Gor für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.
Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 18. Oktober 2014
 

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