Die Dämonen – Am Ende der Zeiten (Tobias O. Meissner)

Piper (November 2011)
Broschiert 464 Seiten, 15,99 Euro
ISBN – 13: 978-3492702324

Genre: Fantasy


Klappentext

Nur ein Dämon hat überlebt – doch er wird die Welt ins Chaos stürzen!
Das Schicksal der Menschen ist entschieden. Nur wenige haben den Dämonenkrieg überlebt und bauen das zerstörte Land Orison wieder auf. Doch in der Tiefe des Dämonenschlunds entging ein einziges dunkles Geschöpf ihrer Aufmerksamkeit. Nun erhebt es sich aus der Finsternis und begehrt Einlass in die neue Welt der Menschen. Es ist der letzte der alten Dämonen, und er wird das Ende der Zeiten einläuten.

„Überflüssig zu sagen, dass Meissners schriftstellerisches Können überragend ist.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)


Rezension

„Der Dämonenleib regte sich nicht. Er stand aufgestützt auf seine beiden Klingen, die nun wie Luftwurzeln waren. Wie bleierne Krücken. Wie schwarze Säulen, die etwas Rotes aufrechterhielten.“

Was kann man von einem Buch erwarten, dessen Vorgänger über weite Strecken enttäuscht und vom Lesen abgeschreckt haben? Wie soll das Ende einer Trilogie aussehen, wenn der Weg dorthin nur lückenhaft geebnet wurde? Mit Die Dämonen – Am Ende der Zeiten ist der Leser nun auch am Ende der Reise nach Orison und darf sich darüber auch freuen. Meissner hat in der Vorgeschichte nicht den Weg gefunden, den das Publikum fesseln könnte. Stattdessen gab es Rechenaufgaben, mal zu wenig, mal zu viele Dämonen, kaum ausgereifte Charaktere, eine Welt, die nicht richtig beschrieben wurde und vor allem nervige, kleine Einzelheiten, - beispielsweise die dreiste Kapitelaufteilung oder obskure Namen - , die den Leseprozess mühselig und anstrengend prägten. Vieles davon ändert sich leider auch nicht in Am Ende der Zeiten. Meissner hätte gut daran getan, sich länger und intensiver mit der Welt der Dämonen und der der Menschen zu beschäftigen, denn so wären ihm die bereits schon in Band eins und zwei genannten Mängel aufgefallen. Das Zusammenspiel beider Reiche verläuft literarisch wenig harmonisch. Dass Dämonen und Menschen nicht Hand in Hand als Freunde gelten, dürfte jedem Leser klar sein, doch eine Harmonie im Sinne des textlichen Zusammenhalts wäre durchaus wünschenswert gewesen, sodass der Leser das Gefühl hat, durch zwei wohl durchdachte Welten zu reisen.

„Adain konnte das Ende hören.“

„Adain begriff, dass etwas schiefgelaufen sein musste.“

„In seiner Höhle, in der schon seit Langem außer ihm niemand mehr war, blieb Adain vom Ende verschont.“


In gewisser Weise schließt sich der Kreis mit Ende und Anfang der Trilogie. Sowohl im ersten, als auch im zweiten Band gibt es das Extrem von nur wenigen Dämonen. Adain, ein wiederkehrender Dämon, betritt die Bühne, der die Kräfte der alten Zeit wieder erlangen möchte, um eine neue Ära der Dämonen auf Erden einzuläuten. Adain ist prinzipiell ein vielseitiger Charakter, da er seine Gestalt und Form nach Belieben verändern kann. Meissner erschafft eine Figur, die den Grundton für einen interessanten Verlauf versprechen kann, doch leider kümmert und pflegt er ihn nicht, sodass er genau wie alle anderen Protagonisten und Antagonisten verpufft. Adain sieht seine Zeit gekommen, da er all die Lehren des Königs der Dämonen in sich aufgenommen hat. Als Mensch verwandelt, kehrt er nach Orison mit mörderischen Plänen zurück. Die Welt, in die er zurückkehrt, ist leer, grau und von Schlachten gezeichnet. Einerseits eine gute Grundlage für Adain seine Pläne durchzusetzen, denn jetzt dürften die Menschen noch relativ geschwächt sein, andererseits verpasst der Autor auch hier wieder die Gelegenheit die düstere Melancholie und schwarze Tristesse in Worte zu kleiden, die der Geschichte an sich Farbe und Tiefe verleihen könnten. Absätze lang verläuft sich der Autor in Beschreibungen, die prinzipiell gut für die Vorstellungskraft sind, doch sind sie manch ums andere Mal endlos.

„Jetzt geht es los, meine Kinder“, hörte er Kapitän Renech hinter sich sagen. (…) „Also, wer von euch will mir in die Schlacht folgen? Ich will unbedingt dabei sein.“

Die ganze Zeit wartet man auf eine Art „Showdown“ in der alles, was bis jetzt passiert ist, ein Ende findet, auch das ist enttäuschend. Ein bisschen Action und ein wenig von einer Spannungskurve sind nur dann zu erwarten, falls man sich damit begnügen will, nur die letzten 30 - 40  Seiten zu lesen. Dieser Art Abschluss hätte durchaus auch in einen Kiosk - Roman gepasst und wäre der Mühe einer Broschur nicht nötig gewesen. Die Dämonen – Reihe wird aufgrund ihres Genres und der Namensgebung zwar zu all den anderen Völker – Romanen gezählt, kann jedoch mit Abstand mit den anderen nicht mithalten. In jedem der drei Bände verfällt Meissner immer in das eine oder andere Extrem. Band drei ähnelt der Aufmachung des ersten Buches und nach der Lektüre des Beginns der Trilogie war das Ende dieser vorhersehbar. Die Geschehnisse wären wahrscheinlich besser ausgereift gewesen, wenn sich der Autor auf nur einen einzigen, größeren und im Aufbau besser gestaffelten Band konzentriert hätte. Die Dämonen – Trilogie zieht sich durch seine dreibändige Aufmachung unnötig in die Länge und verursacht Logikfehler und Lücken, wo gar keine hätten entstehen müssen. Sehr viel an Spannung und interessanten Charakteren kann sich leider nicht entfalten, da die Gegebenheiten nicht durchdacht oder viel zu schnell erzählt scheinen.

Piper hat auch hier wieder sehr schön gezeigt, aus vermutlich verhältnismäßig wenig Word-Seiten ein dickes, im Regal optisch schönes Buch mit fast 500 Seiten herausbringt. Abstände und Kapiteldarstellungen zeigen übertriebene Größe, mit einem (wie auch in Band 1 und 2) wiederkehrendem, unnötigem Symbol. Lediglich das Titelbild ist ansprechend und verspricht Blut, Kampf und eine epische Geschichte. Nichts davon findet sich im Inhalt wieder. Darüber hinaus hätte eine einfache Zahl mit der Kapitelbezeichnung gereicht. Dicke Seiten, sehr wenig Text und eine zweifelhafte Aufmachung beanspruchen einen sehr fantasievollen Preis für sich. Die 16 Euro sind wo anders besser investiert.


Fazit

Die Dämonen – Am Ende der Zeiten enttäuscht als Abschluss einer Trilogie genau wie seine beiden Vorgänger. Der Roman impliziert Nichts, was den Leser an der Geschichte und am Buch fesselt. Charaktere, Orte und Geschichte bleiben lieblos und grau. Man möchte Meissner das schriftstellerische Talent keinesfalls absprechen, doch hat er sich und seinen Lesern mit der Dämonen – Reihe keinen Gefallen getan. Der leere Inhalt und der überzogene Preis, einer aufgebläht publizierten Broschur, sollten zum Nachdenken anregen. Dieser Band ist eben so wenig empfehlenswert wie Die Dämonen und Die Dämonen – Freiheit oder Finsternis.


Pro/Contra

+ Titelbild
+ Adain

- Gesamtgestaltung von Inhalt und Optik
- farblose Charaktere
- zähe Geschichte ohne Geschmacksverstärker
- langweilig und trist
- unverschämt teuer

Bewertung:

Handlung: 1/5
Charaktere: 1/5
Lesespaß: 1/5
Preis/ Leistung: 0,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Tobias O. Meissner:

Rezension zu Die Dämonen
Rezension zu Die Dämonen - Freiheit oder Finsternis