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Bitterzart (Gabrielle Zevin)
Geschrieben von Jessica
Dienstag, der 07. Mai 2013

alt

Fischer Jugendbuch, 1. Auflage April 2013
Originaltitel: All these things I’ve done
Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer
HC mit SU, 544 Seiten
16,99 € (D) | 17,50 € (A)
ISBN: 978-3-8414-2130-2
Leseprobe

Genre: Jugend-Dystopie


Über das Buch:

New York 2083: Wasser und Papier sind knapp, Kaffee und Schokolade sind illegal. Smartphones sind für Minderjährige verboten und um 24 Uhr ist Sperrstunde. Die Balanchine Familie ist das Zentrum des illegalen Schokoladenhandels in New York. Doch die Eltern von Anya Balanchine sind bereits tot, und Anya ist mit 16 Jahren das Familienoberhaupt. Sie kümmert sich um ihre Geschwister und die kranke Großmutter, und versucht, sie alle möglichst aus dem illegalen Familiengeschäft rauszuhalten.
Von ihrer ersten großen Liebe Win kann sie sich allerdings nur sehr schwer fernhalten, dabei ist er ausgerechnet der Sohn des Oberstaatsanwaltes – ihres schlimmsten Feindes …


Rezension:

"Geschichten über Waisenkinder kann man nicht aus dem Weg gehen. Jede Geschichte handelt von Waisen. Das ganze Leben handelt von Waisen. Wir alle werden früher oder später zu Waisenkindern. " "In meinem Fall früher. " "Ja, in deinem Fall früher. Aber du bist stark, und Gott mutet uns nie mehr zu, als wir ertragen können."
(Seite 398)


In siebzig Jahren werden Schokolade und Kaffee überall auf der Welt verboten sein – ein Umstand, der für Anya Balanchine keine Neuheit ist, denn die 16-Jährige ist in diese Welt hineingeboren worden. Nachdem sie ihre Mutter früh bei einem Anschlag, bei dem auch ihr älterer Bruder schwer verletzt wurde und behindert überlebt hat, verloren hat und ihr Vater einem häuslichen Attentat zum Opfer fiel, ist sie diejenige, die die Familie – das heißt ihre kleine Schwester Natty und ihren Bruder Leo – noch zusammen hält und sich um alles kümmert. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Großmutter Galina, die jedoch aus gesundheitlichen Gründen schon länger bettlägerig ist und daher keine große Hilfe ist.
Zu ihren größten Sorgen gehört, dass das alte Familienunternehmen so wenig Teil wie möglich ihres gemeinsamen Lebens sein soll, was jedoch nicht so einfach ist, weil einige Familienmitglieder immer wieder auf Anya und ihre Geschwister zukommen und sie stärker einbinden wollen. Auch in Sachen Liebe hat Anya es nicht einfach, denn ihren Freund Gable liebt sie eigentlich gar nicht, und als es zum Eklat und zur Trennung kommt, rollt eine richtige Welle aus Problemen auf das junge Mädchen zu. Wäre da nicht ihre beste Freundin Scarlet und Goodwin, der neue Junge an ihrer Schule, der alle Mädchen in seinen Bann zu ziehen scheint – und zufällig der Sohn des stellvertretenden Staatsanwaltes ist.
Anya ist hin- und hergerissen, denn an erster Stelle steht immer ihre kleine Familie, die es zu beschützen gilt. Doch Win zeigt großes Interesse an ihr und ist nicht bereit, klein beizugeben. Wie lange kann Anya tatsächlich widerstehen und welche Hürden werden sich erst vor ihr auftun, wenn sie sich tatsächlich auf den Sohn ihres eigentlich größten Feindes einlässt?

"Das Leben ist nun mal dreckig", pflegte Dr. Lau zu sagen. "Findet euch damit ab. Wenn ihr Vorurteile habt, werdet ihr niemals alles sehen."
(Seite 84)


Für alle, die Kaffee und Schokolade lieben, ist die Vorstellung von einem Verbot dieser beiden für manche Menschen überlebenswichtigen Dinge wahre Folter. Vielleicht hat Gabrielle Zevin genau deshalb diese ausgewählt, um zur Abwechslung mal kein klassisches Dystopien-Szenario zu schaffen und sich genau dadurch ein wenig von ihren Genre-Kollegen abzuheben. Schon optisch kann Bitterzart von anderen Jugend-Dystopien abgrenzen, denn das Cover ist in seinem Stil völlig anders und eher altmodisch gehalten – dass es sich hier um eine Zukunftsvision handelt, glaubt man auf den ersten Blick jedenfalls nicht. Und auch der Inhalt scheint sich nicht so richtig in die Genreschiene pressen zu lassen, denn die Autorin vermischt hier viele Komponenten, von denen jedoch nur wenige wirklich in Richtung Dystopie gehen – was diesen Reihen-Auftakt erst recht interessant macht.

Doch dieser Mischmasch wirkt teilweise auch etwas unausgereift und unaufgeräumt, was sich vor allem in der aufkeimenden Liebesgeschichte deutlich bemerkbar macht. Denn obwohl die Anziehung von Anfang an sichtbar vorhanden ist, dauert es für manchen Leser sicherlich einige Kapitel zu lang, bis die beiden Protagonisten sich endlich einander zuwenden. Allerdings ist dies aus der Sicht Anyas in Teilen auch gut nachvollziehbar und durch die Angst um ihre kleine Familie gut erklärt, auch wenn das ewige Hin und Her scheinbar nie ein Ende hat – für die Fortsetzung bleibt hier zu hoffen, dass Gabrielle Zevin es schafft, sich hier für eine Variante zu entscheiden und an dieser zumindest ein paar Seiten länger festzuhalten.

Ebenfalls ausbaufähig, aber allem Anschein nach in Bitterzart nur als Anfütterung gedacht, darf man den Mafia-Anteil ansehen. Hier beleuchtet die Autorin kleinere Elemente, macht aber auch klar, dass Anya mit diesem ganzen Familienunternehmen nichts zu tun haben möchte. Im Laufe der Geschichte wird immer deutlicher, dass es Dinge im Leben gibt, die man sich nicht wirklich aussuchen kann und dass Anya im Grunde keine Wahl hat. Einige Protagonisten, die in diesem ersten Band nur eine, teilweise schon sehr wichtige, Nebenrolle spielen, fallen durch ihre schlauen Aussagen auf und man kann wahrscheinlich stark davon ausgehen, dass sie bereits im zweiten Band eine tragende Rolle haben werden – allen voran ein Freund aus Anyas Kindertagen, der bereits das Familienunternehmen in Japan übernommen hat.

"Entweder ist man ein Zuschauer, der in seinem Leben auf die Entscheidungen anderer reagiert, oder man ist der Anführer, der diese Entscheidungen selbst trifft."
(Seite 416/417)


Trotz einiger Schwachpunkte liefert Gabrielle Zevin mit Bitterzart eine wunderbare, innovative Jugend-Dystopie, die kurzweilige Lesestunden und unzählige zitierwürdige Passagen mit sich bringt, die beim Leser viele Gedanken hinterlassen. Im Gesamtpaket ist dieser Reihenauftakt vielleicht noch kein richtiges Glanzstück, doch man kann bereits sehr gut sehen, dass unter der hübschen Oberfläche mehr steckt, als es den Anschein hat. Schon jetzt freut man sich auf ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Charakteren und die Aufklärung noch offener Fragen, denn davon gibt es einige. Die netterweise im Buch eingebundene Leseprobe macht Lust und schürt Vorfreude auf die voraussichtlich im Oktober 2013 erscheinende Fortsetzung Edelherb, die hoffentlich alle aufgetretenen Schwächen ausmerzen kann und wie eine gekühlte Tafel Lieblingsschokolade und eine heiße Tasse Caramell Macchiato genossen werden kann.

"Schokolade ist nicht die Lösung für alles, Nana."
"Aber für verdammt viele Dinge", gab sie zurück.
(Seite 69)


Fazit:

Eine Welt, in der Schokolade und Kaffee illegal und Smartphones für Minderjährige verboten sind – ein Szenario, das heutzutage unvorstellbar ist. Und doch schafft Gabrielle Zevin in ihrem Reihen-Auftakt genau diese Welt, die nur siebzig Jahre nach dem Jetzt spielt. In Bitterzart trifft eine zarte Liebesgeschichte auf einen Mafia-Hintergrund und einige dystopische Elemente, was eine gut lesbare und durchaus lesenswerte Mischung mit jeder Menge Potential für die Fortsetzung ergibt. Eine Leseempfehlung!


Wertung: alt

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 07. Mai 2013
 

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