Zeit der Krähen - Das Lied von Eis und Feuer (George R.R. Martin)

Verlag: Blanvalet; (Januar 2012)
Taschenbuch: 576 Seiten; 15 €
ISBN-13: 978-3442268597

Genre: Fantasy


Klappentext

Das grösste Epos unserer Zeit

Siebtes Buch:

Zeit der Krähen

„Das ist erstklassige Fantasyliteratur. Ich kann mir kein größeres Lesevergnügen vorstellen.“
Denis Scheck in Druckfrisch


Rezension

Ungebeugt, Ungezähmt, Ungebrochen

Das Chaos in den Sieben Königslanden nimmt weiter zu. Die Hand des Königs ist von seinem eigenen Sohn ermordet worden. Somit liegen die Regierungsgeschäfte des Reiches plötzlich in den Händen von Cersei Lennister. Und schnell muss sie feststellen, dass sie seit jeher zwar gut im Intrigenschmieden ist, aber ihre Gegner jetzt ein neues Kaliber erreicht haben. Als erste Folge muss sie der Heirat Tommens mit Margaery Tyrell zustimmen. Ein Umstand den sie eigentlich vermeiden wollte. Aber auch so stellen sich ihr diverse Hindernisse in den Weg, in deren Folge sie mehrere entmachten muss und sich immer weniger einem Rat zugänglich zeigt.
An der Mauer stabilisiert sich die Lage etwas und Jon Schnee schickt als neu gewählter Lord Kommandant seine Freund Samwell Tarly zur Zitadelle, damit er dort zu einem Maester ausgebildet wird und in neuer Funktion zur Nachtwache zurückkehrt.
Brienne befindet sich weiterhin auf ihrer Mission Arya Stark zu suchen und trifft dabei auf alte Peiniger. Währenddessen braut sich im Süden der Königslande weiteres Unheil in Dorne zusammen. Die Martells sind nicht bereit die Tötung eines der ihren auf sich beruhen zu lassen. Aber auch auf den Eiseninseln herrscht keine Ruhe. Nach Balon Graufreuds Tod muss ein neuer König gefunden werden. Zwar kann Aeron „Feuchthaar“, Bruder des Verstorbenen, einen Bruderkrieg verhindern, dafür muss er allerdings ein Königsthing einberufen, und dieses scheint nicht den, von ihm erhofften Verlauf zu nehmen. Es gibt mehr Bewerber als gedacht und mit Asha zum ersten Mal eine Frau, die Anspruch auf den Thron erhebt. Für den Priester des ertrunkenen Gottes eine Ungeheuerlichkeit. Die Schlachten sind also zunächst größten Teils geschlagen, aber die Krähen machen sich bereit über die Überreste der sieben Königslande herzufallen und sich ihren Teil zu sichern.

Einen besseren Titel als Zeit der Krähen hätte es für den siebten Band von Das Lied von Eis und Feuer wirklich nicht geben können. Nachdem der Krieg vorbei ist, treten die allzu Machthungrigen hervor und versuchen sich unter den Nagel zu reißen, was sie können. Dementsprechend ist der Roman weniger von großen Kämpfen auf dem Schlachtfeld geprägt, sondern noch mehr auf die Charaktere konzentriert, die sich mit den Erfahrungen aus den Büchern zuvor auseinandersetzen müssen.
Vor allem Jaimie Lennister hat dabei viel zu tun. Der Verlust seiner Schwerthand und die Reise mit Brienne bewirken bei ihm eine einschneidende Veränderung. Er wendet sich von seiner Schwester ab, betrachtet ihr Verhalten nicht mehr amüsiert, sondern eher besorgt und zynisch. Er scheint sich seiner Verantwortung als Ritter nun deutlicher bewusst zu werden. Vorher sah er das Rittertum als Mittel zum Zweck, jetzt scheint er über die Bedeutung dessen nachzudenken. Er ist offener und sarkastischer in seinen Gedanken und bewertet die meisten Situationen aus einem neuem Blickwinkel, wohin dieser ihn führen wird, ist noch nicht abzusehen, aber auf jeden Fall ist es spannend zu sehen, wie er sich verändert. Das Gleiche gilt für seine Schwester Cersei. Sie, die immer schon nach Macht gestrebt hat, ist endlich auf dem Königsthron als Regentin angelangt und hält sich für unbesiegbar. Aber ihr Untergang kündigt sich schon an. Denn sie scheint immer mehr die Kontrolle zu verlieren. Statt mit diplomatischen Geschick und guten Beratern versucht sie mit Gewalt zu herrschen und scheint die Züge des Irren Königs anzunehmen und entwickelt sich entgegensetzt zu ihrem Zwillingsbruder.
Aber auch alle anderen auftauchenden Charaktere verändern sich, gehen neue Wege und zeigen neue Facetten. Wer Wert auf Charakterentwicklung und Hintergrundgeschichte legt, bekommt mit Zeit der Krähen ein kleines Musterbeispiel dafür. George R.R. Martin treibt weniger die Geschichte vorran, er lässt sogar so manchen wichtigen Handlungsschauplatz unter den Tisch fallen, sondern legt mit den vielen beginnenden Intrigen und Konflikten, neue Richtungen der Geschichte an. Gleichzeitig räumt er etwas auf, ordnet und gibt dem Leser und seinen Figuren etwas Zeit Luft zu holen, ohne die Spannung abbrechen zu lassen. Sicher werden diverse Figuren schmerzlich vermisst, vor allem Tyrion, Jon und Daenarys, aber die kurzzeitige Konzentration auf einige wenige Schauplätze tut dem Roman und der Geschichte gut, so erlangt der Leser wieder mehr Übersicht und kann sich tiefer in die Figuren hineinversetzen. Man muss diesen eingeschlagenen Weg nicht unbedingt gut finden, aber George R.R. Martins Begründung hierfür ist mehr als nachvollziehbar und die in Zeit der Krähen Vermissten, bekommen in späteren Romanen ebenso viel Platz. Und gerade die politischen Aspekt waren bei Das Lied von Eis und Feuer schon immer mit am interessantesten. Nach wie vor schreibt Martin auf einem unheimlich hohen Niveau und schafft es immer wieder beste Unterhaltung mit Anspruch zu schreiben. Mehr kann man eigentlich nicht verlangen.


Fazit

In Zeit der Krähen liegt der Schwerpunkt ganz klar auf dem Politik- und Intrigenspiel. Dabei entwickeln sich die auftauchenden Personen stark weiter und das nicht immer zum Guten. George R.R. Martins Reihe holt hier tief Luft und legt vieles für die Zukunft an. Es wird spannend, was passiert, wenn die Mutter der Drachen in die Sieben Königslande kommt und was sie vorfindet.


Pro & Contra

+ Jaimie Lennister
+ die Geschichte verzweigt sich zwar weiter, wird aber gleichzeitig neu geordnet
+ Arya bekommt eine ganz spezielle Ausbildung

Bewertung:

Charaktere: 5/5
Handlung: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5


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