Eine reizende Braut (Kayoru)

eine reizende braut

Tokyopop (Mai  2013)
Oneshot, ab 15 Jahren
Taschenbuch, 192 Seiten, 6,50 EUR
ISBN: 978-3-8420-0686-7

Genre: Romance / Shôjo


Klappentext

Um die Schulden ihrer Eltern zu begleichen, soll die 16-jährige Tsubasa mit dem Präsidenten eines Großunternehmens verheiratet werden. Schon allein bei der Vorstellung an einen älteren Mann als ihren Ehemann sträubt sie sich vehement. Als sich ihr Zukünftiger jedoch als jung, gut aussehend und vor allem absolut liebenswert herausstellt, kann sie sich ihm nicht entziehen …

Mit folgenden Kurzgeschichten:

Eine reizende Braut
Pure Honey - Side Boy
Pure Honey - Side Girl
Pure Produce
Kiss of a Fallen Angel


Rezension

In „Eine reizende Braut“ finden sich vier beziehungsweise fünf Kurzgeschichten über junge Liebe, die sich thematisch stark voneinander unterscheiden und somit viel Abwechslung bieten. Allerdings kann ausgerechnet die titelgebende Geschichte nicht überzeugen, denn der Klappentext verrät eigentlich schon alles. Tsubasa soll einen reichen Unternehmer heiraten, um ihren Eltern aus einer finanziellen Krise zu helfen. Takeru, ihr Zukünftiger, ist jedoch weder alt noch arrogant und obendrein gut aussehend. Er hat sich Tsubasa gezielt ausgesucht und der Grund ist so ziemlich die einzige Überraschung in der Geschichte. Sie liest sich zwar schön, doch auf den wenigen Seiten ist nicht genug Platz, um die emotionale Entwicklung nachvollziehen zu können. Dazu serviert Mangaka Kayoru noch einige Klischees, die es nicht gebraucht hätte.

Wesentlich gelungener ist die Kurzgeschichte „Pure Honey“, die aus zwei Teilen besteht: „Side Boy“ und „Side Girl“. Azumi und Haruto sind seit Kindertagen befreundet, doch im Teenageralter gibt es nur noch Zoff. Während Haruto nahezu jeden Tag ein neues Mädchen an seiner Seite hat, zeigt sich Azumi widerborstig und geht ihrem Sandkastenfreund aus dem Weg. Man ahnt schon, dass sich das Mädchen in ihren besten Freund und Nachbar verliebt hat, doch Haruto lässt sich nur mit Hilfe der Eifersucht überzeugen. Kayoru vermittelt die jugendlichen Gefühle glaubhaft und gibt den Charakteren Zeit, um zu akzeptieren, dass sie keine Kinder mehr sind und nun mehr füreinander empfinden. Schlicht und berührend.

In „Pure Produce“ spielen die Sängerin Ichijo und ihr Manager Shin die Hauptrollen: Sie ist ein aufsteigender Stern und er hat nichts Besseres zu tun, als an ihrer eigentlich makellosen Figur herumzumeckern. Trotzdem hungert Ichijo sich noch ein paar Kilos runter, doch als sie bei einem Videodreh einen Schauspieler küssen soll, wehrt sie sich. Schließlich wäre das ihr erster Kuss – doch Shin soll davon nichts wissen. Erst als dieser Ichijo nach einem Streit mit zu sich nach Hause nimmt, beschließt sie, ihm ihre Gefühle zu gestehen … „Pure Produce“ bietet abermals ein vollkommen neues Setting, das junge Leserinnen inspiriert: Popstar und Manager überschreiten die Grenze ihrer professionellen Beziehung und müssen sich zunächst mit dieser Situation abfinden. Dabei ist Ichijo diejenige, die die Initiative ergreift. Schade, dass die Geschichte so kurz ist: Sie würde sich gut für einen ganzen Einzelband eignen.

Mit „Kiss of a Fallen Angel“ wird es phantastisch: Der Engel Ciel wurde auf die Erde geschickt, um das unglückliche Mädchen Misaki glücklich zu machen. Doch diese glaubt, eigentlich gar nicht so unglücklich zu sein. Dabei lebt sie allein und traut sich nicht, ihrem heimlichen Schwarm ihre Liebe zu gestehen. Sie hat ihm sogar einen Schal gestrickt, was sich an der Schule bereits herumgesprochen hat. Erst als Misaki zufällig mitanhört, wie sich ihr Schwarm über den Schal lustig macht, wird ihr bewusst, wie einsam und traurig sie ist – und wie stark ihre Gefühle für Ciel sind. „Kiss of a Fallen Angel“ ist wohl die romantischste Geschichte in diesem Einzelband und hätte ebenfalls etwas mehr Länge verdient. Denn Kayoru hat wundervolle Ideen, die allerdings mehr Raum brauchen, um sich zu entfalten. Trotzdem gelingt es ihr, die Liebe zwischen Engel und Mensch einfühlsam und berührend zu schildern.

Die Zeichnungen warten shôjotypisch mit riesigen Augen auf, in denen sich verschiedenste Emotionen spiegeln. Ein wenig erinnert Kayorus Stil an Arina Tanemura: Die weiblichen Charaktere haben meist langes, fließendes Haar und die männlichen Protagonisten kurze, wilde Frisuren. Zwischen den Figuren gibt es leichte Ähnlichkeiten, doch insgesamt sind alle Protagonisten gut unterscheidbar, wodurch jede Erzählung ihre eigene Dynamik entfaltet. Rasterfolien wurden gezielt eingesetzt, um großformatigen Porträts mehr Glanz zu verleihen. Insbesondere in „Pure Honey“ und „Kiss of a Fallen Angel“ gibt es einige Zeichnungen, die den Leser staunen und träumen lassen. Optisch ein wirklich schöner Manga – für die Zukunft würde man sich jedoch mehr Eigenheiten von Kayoru wünschen. Die Altersempfehlung ab 15 Jahren ist übertrieben: Kayoru zeigt nur Blicke und ab und an einen angedeuteten Kuss und auch inhaltlich ist "Eine reizende Braut" keine sonderlich schwere Kost.


Fazit

Vier schwer romantische Geschichten verzaubern mit verspielten und feinen Linien, die Emotionen pur transportieren. Allerdings hätte nahezu jede Erzählung einen eigenen Einzelband verdient. Kayoru hat schöne Ideen und sollte diesen in Zukunft mehr Raum geben. Trotzdem ein reizender Manga, der junge Leserinnen zum Träumen einlädt!


Pro & Contra

+ thematisch abwechslungsreich
+ schwer romantisch
+ glaubhafte Emotionen
+ sympathische Protagonisten
+ verspielter Zeichenstil mit traumhaften Porträts

o Stil erinnert an Arina Tanemura

- schwache erste Geschichte („Eine reizende Braut“)
- zu wenig Raum für die einzelnen Erzählungen

Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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Kommentare  

#2 arina tanemuraJudith 2015-01-30 20:10
Deswegen wird der Punkt ja neutral gewertet, damit die Leser wissen, in welche Richtung der Stil geht :-)
#1 StilCassia 2015-01-30 14:38
"Stil erinnert an Arina Tanemura"
Kayoru war tatsächlich mal eine Asisstentin von Arina Tanemura, daher finde ich das nicht weiter schlimm.

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