Die dunkle Königin – Das Lied von Eis und Feuer (George R.R. Martin)

Verlag: Blanvalet; (März 2012)
Taschenbuch: 607 Seiten; 15 €
ISBN-13: 978-3442268603

Genre: Fantasy


Klappentext

Das grösste Epos unserer Zeit

Achtes Buch:
Die dunkle Königin

„Der amerikanische J.R.R. Tolkien.“
TIME Magazine


Rezension

Hoch wie die Ehre

Der Krieg um die Sieben Königslande ist so gut wie vorbei. Der König und damit die Lennisters haben scheinbar gewonnen, trotz des Todes von König Joffrey und seinem Großvater Lord Tywin. Aber wie es so im Leben ist, nicht immer bedeutet ein Sieg auch gleichzeitig, dass alles wieder in Ordnung ist und der Sieger triumphiert. Denn dazu ist das ganze Land noch zu sehr in Aufruhr. Die Schlachten innerhalb der Sieben Königslande scheinen zwar geschlagen, aber die Übriggebliebenen Soldaten, nun ohne Heimat und Ziel, sind immer noch eine Bedrohung und die wächst. Wegelagerer, Plünderer und Söldner machen der Bevölkerung zu schaffen und noch immer gibt es Hochburgen des Widerstandes. Eine ist Schnellwasser, in der der Schwarzfisch hockt und dem die Lennisters so schnell nicht beikommen können. Deswegen wird Jaime losgeschickt, um die Belagerung zu beenden und die Burg einzunehmen, nur hat der geschworen nie wieder das Schwert gegen einen Stark oder einen Tully zu erheben. Waffengewalt kann hier also nicht das Mittel der Wahl sein, denn wenn Jaimie auch als Eidbrecher und Königsmörder bekannt ist, so sind ihm Eide doch heilig.
Sam hingegen ist auf Befehl Jon Schnees auf den Weg nach Altsass. Er soll sich zum Maester ausbilden lassen. Aber die Überfahrt ist schwer und fordert hohe Opfer, nicht zuletzt von Maester Aemon, der im Sterben liegt.
Neben der neuen äußeren Bedrohung durch die Eisenmänner, die einen neuen König haben, schafft es allerdings Cersei sich immer weiter in Schwierigkeiten zu bringen. Als Königinregentin ist sie der Meinung, nur sie könne das Reich führen. Und dadurch begeht sie einen Fehler nach dem anderen. Der schwerste ist vielleicht, dem Hohen Septon zugestatten, die einst verbotenen, bewaffneten Orden neu zu gründen und ihm damit mehr Macht in die Hände zu legen, als sie je gedacht hätte. Was wie ein kluger Schachzug wirkte, wird mehr als nur gefährlich für sie.

Die großen Schlachten sind vorüber und George R.R. Martin legt in Die dunkle Königin noch mehr als im Vorgänger den Fokus auf Politik, Intrigen und Charakterentwicklung. Zwar gibt es auch in diesem Buch ein paar wenige Kämpfe und Schlachten, diese werden aber mehr erwähnt als ausgeführt. Triebfeder für diesen Teil sind die Eisenmänner, die in Westeros einfallen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Während Balon Graufreud nur am Norden interessiert war, sinnt sein Bruder und Nachfolger Euron Krähenauge darauf die gesamten Sieben Königslande in seine Gewalt zu bringen und dazu hat er auch schon einen Plan. Daenerys Targaryen soll ihm den Weg ebnen. Wie sehr dies an Größenwahn grenzt, weiß der Leser vermutlich, denn die Khaleesi ist niemand, der sich bevormunden lässt. Und so stellt sich die Frage, ob die Eisenmänner es mit ihrem neuen König wirklich besser getroffen haben, oder ob er sie in den Untergang führen wird. Was genau George R.R. Martin noch mit ihnen vorhat, lässt sich nicht genau erkennen, entweder werden sie mehr Chaos verbreiten, in einer Zeit der Bedrohung aus dem Norden und damit Westeros dem Unheil preisgeben, oder aber sie greifen schlussendlich auf Seiten der Königslande in den Krieg ein. Beide Varianten wären spannend und nachvollziehbar. Der Leser darf also gespannt sein.
Ebenso wie es mit Jaime und Cersei weitergeht. Denn Jaime entwickelt sich immer mehr zu dem Ritter, der er von Anfang an aufgrund seines Eides hätte sein sollen. Lang verloren geglaubte Tugenden entdeckt er in sich wieder und wird so immer sympathischer. Der Verlust seiner Hand scheint bei ihm ein generelles Umdenken bewirkt zu haben, auch benutzt er vermehrt seinen Verstand um Konflikte zu lösen. Die Zeiten in denen er mit Schwert und Feuer vorgegangen ist, scheinen vorbei. Seine ganze Entwicklung bleibt dabei glaubwürdig.
Ebenso Cerseis, die sich immer mehr in ihrem Wahn hineinsteigert, nur sie können ihren Sohn und das Königreich schützen. Dabei spinnt sie sehr gefährliche Intrigen und als sie dann der Kirche erlaubt sich wieder neu zu bewaffenen, ist endgültig klar, wie weit sie sich schon von der Realität entfernt hat. Ihr Sinnen auf Rache und Ausschalten einzelner Personen und Konkurrenten hat dafür gesorgt, dass sie längst nicht mehr zurechnungsfähig ist. Mit ihr auf dem Thron, sitzt dort ein Unsicherheitsfaktor, der alle ins Verderben führen kann. Als Leser schaut man nicht ganz ohne Schadenfreude auf ihr Handeln, bekommt sie doch am Ende, was sie schon lange verdient hat, angesichts ihrer bisherigen Taten.

Neben diesen Handlungssträngen präsentieren sich auch Arya und Sam neu. Beide durchlaufen Geschehnisse und Ereignisse, die sie wachsen und stärker werden lassen. Gerade Arya ist hierbei interessant, wird sie im Drang zu überleben und im Namen der Gerechtigkeit anscheinend immer skrupelloser. Ihre Ausbildung ist da nur zwangsläufig logisch. Bei beiden Charakteren bleibt es spannend, was letztendlich aus ihnen werden wird, denn sie haben das Potential entweder tief zu fallen oder entscheidend einzugreifen.
Generell ist der Fokus auf die Charaktere unheimlich wichtig in diesem Buch, denn George R.R. Martin legt hier die Grundlagen für weitere Entwicklungen auf der politischen Bühne und die Spieler müssen dafür natürlich vorbereitet werden. Dass dies ihm auch noch sehr spannend gelingt, zeugt davon, welche ein guter Autor er ist und der Schlusssatz aus Jaimes Sicht ist einfach passend gewählt und fasst seine Wandlung perfekt zusammen.

Auch wenn Tyrion, Bran und Daenerys fehlen, vermisst man sie doch nicht, denn alle anderen Charaktere haben genug zu bieten, um mehr als gut zu unterhalten. Und trotz aller Charakterzentrierung, bietet die Geschichte noch genug Einblicke in die Politik und die Intrigen Westeros. Rundum ein gelungenes und abgerundetes Paket, welches George R.R. Martin in seinem ihm eigenen Stil präsentiert.


Fazit

Auch mit dem achten Roman wird der Krieg um die Sieben Königslande nicht langweilig. Immer neue Verwicklungen und Intrigen lassen die Spannung steigen. Auch hier wieder eine klare Leseempfehlung!


Pro & Contra

+ Kleinfinger überrascht auf mehr als nur eine Art
+ Jaimies Wandlung
+ Arya
+ Sam wächst an seiner Aufgabe
+ Cerseis tiefer Fall

Bewertung:

Charaktere: 5/5
Handlung: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5


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