Monde (Dan Simmons)

Heyne Verlag (April 2009)
Taschenbuch, 416 Seiten, EUR 8,95
ISBN: 978-3453525795

Genre: Science-Fiction


Klappentext

Als Teilnehmer einer Mondexpedition erlebt der Astronaut Richard Baedecker einen unvergesslichen Spaziergang auf dem Erdtrabanten. Doch Jahre später, nach der Rückkehr zur Erde, gerät sein Leben völlig aus den Fugen, ja scheint die Wirklichkeit plötzlich ihre Substanz zu verlieren. Und all das hängt offenbar auf geheimnisvolle Weise mit dem Flug zum Mond zusammen. Was ist damals tatsächlich dort geschehen? Ist der Mond wirklich nur ein leerer, verlassener Ort? Auf der Suche nach einer Antwort macht sich Richard auf eine fantastische Reise ...


Rezension

Genau 40 Jahre ist es inzwischen her, seit die Menschen zum ersten Mal ihren Fuß auf den allnächtlichen Begleiter setzten, der seit jeher ihre Fantasie beflügelt. Inzwischen wurde viel über die Pionierleistungen jener Menschen, die im Zuge der Apollo-Missionen die Grenze des Unerforschten wieder ein Stückchen weiter hinaus schoben, geschrieben und diskutiert. Doch wie geht für diese Menschen das Leben weiter, nachdem sie wieder „unten“ sind, wie bewältigen sie den Alltag im Bewusstsein dieses im wahrsten Sinne des Wortes einmaligen Ereignisses?

Genau hier setzt Simmons mit „Monde“ an. Er erzählt die Geschichte von Richard Baedecker - ehemaliger Apollo-Astronaut und Mond-Spaziergänger. Und dies tut er in der für ihn typisch komplexen Manier. Er springt nach Belieben in Baedeckers Leben hin und her, Episoden aus der Vergangenheit, gar der Kindheit, wechseln mit aktuellen Ereignissen ab, was es generell schwierig macht, der Geschichte durchgehend zu folgen und einen roten Faden zu finden. Grundsätzlich haben die erwähnten vergangenen Ereignisse aber Bezug zu den „aktuellen“ Ereignissen, sodass man mit der Zeit dahinter kommt und sich dann zurücklehnen kann, um das sich entwickelnde Bild zu betrachten, das Simmons von seinem Protagonisten zeichnet.
Ein Bild, das sich schon bald der Betrachtung als würdig erweist. Simmons bleibt seiner Verbundenheit zu gut gezeichneten, plastischen Charakteren treu; wieder einmal fällt es dem Leser leicht, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren.
Das heißt aber auch, dass man sich auf die Geschichte einlassen muss, dass man neugierig auf diese Person sein muss, die Simmons einem da in aller Vielfalt vorstellt.

Doch hier wird auch eine kleine Schwäche des Romans offenbar; es handelt sich um eine Art "Charakterstudie", für die die Handlung in den Hintergrund rückt. Wichtig ist in "Monde" in erster Linie nicht was passiert, sondern vielmehr, wie es sich auf die Charaktere auswirkt. Das heißt aber glücklicherweise keineswegs, dass überhaupt nichts passiert.

Wer also einen Science-Fiction-Knaller erwartet, wie der Klappentext zugegebenermaßen vermuten lässt, sollte besser die Finger von "Monde" lassen und sich etwa die "Hyperion/Endymion"-Reihe zulegen. Denn Monde ist definitiv keine Science-Fiction. Auch enthält er keine phantastischen Elemente. In dieser Hinsicht ist der Klappentext geradezu sträflich irreführend.
Was ist "Monde" dann? Eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, Trauerbewältigung, Familie, Spiritualität, Selbstfindung - eben über das Leben selbst.
All dies serviert Simmons im Rahmen eines gewohnt brillanten Schreibstils, ganz so wie in seinen großen Klassikern gelingt es ihm, dem Leser die richtigen Bilder vor das geistige innere Auge zu zaubern und so eine lebhafte Welt zu erschaffen.


Fazit

Das Leben eines außergewöhnlichen - und dennoch ganz normalen Menschen - serviert nach Simmons-typischer Art: Mit großartiger Außarbeitung der Charaktere und einem tollen Schreibstil. Wer über den Schock hinwegkommt, dass "Monde" weder Science-Fiction ist, noch phantastische Elemente beinhaltet, wie im Klappentext angedeutet, der findet in dem Roman interessante Unterhaltung der etwas anderen Art.


Pro & Kontra

+ gut beschriebene Charaktere
+ toller Schreibstil
+ recht außergewöhnlich

- keine Science-Fiction (wird bei Heyne unter dieser Rubrik geführt)
- teilweise ist es schwierig, den roten Faden zu finden

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu "Drood"

Rezension zu "Flashback"

Kommentare  

#1 Schockiert bin ich auf jeden Fall!greg 2009-10-14 22:03
Ich habe das Buch jetzt bis zur Hälfte gelesen und habe bis an die letzte Sekunde gehofft es beinhaltet wenigstens etwas,was nicht SF ist aber irgendwie am Rande der Genre liegt. Es ist unfair dem Leser gegenüber dieses Buch als SF zu "verkaufen"!

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