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Metamorphose am Rande des Himmels (Mathias Malzieu)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 23. Oktober 2013

metamorphose am rande des himmels

carl’s books (August 2013)
Originaltitel: Metamorphose en bord du ciel
Originalverlag: Flammarion, Paris 2011
Aus dem Französischen von Sonja Finck
Paperback, Klappenbroschur
160 Seiten, 12,99 EUR
ISBN: 978-3-570-58520-7

Genre: Phantastik


Klappentext

Ein phantastisches Märchen über die Überwindung des Todes durch die Verwandlungskraft der Liebe

Tom Cloudman, Hobby-Stuntman mit Leidenschaft fürs Fliegen, ist unheilbar erkrankt. Doch den Traum vom Fliegen gibt er nicht auf. Nachts schleicht er sich aufs Krankenhausdach und begegnet dort Endorphina, einer geheimnisvollen Frau, die Federn trägt und fliegen kann. Sie macht Tom einen einzigartigen Vorschlag, um ihn von seiner tödlichen Krankheit zu befreien …


Rezension

Das Einzige, was Tom Cloudman richtig gut kann, ist Fallen: Immer wieder versucht der Hobby-Stuntman, sich in den Himmels aufzuschwingen und zu fliegen, doch letztlich landet er immer wieder hart am Boden. Für die Sekunden, in denen er abhebt, nimmt er Prellungen und Knochenbrüche in Kauf. Er reißt mit einem umgebauten Sarg durchs Land und führt den Menschen seine spektakulären Stürze vor. Tom lebt in Extremen, folgt seinem Herzen und erlebt schließlich eine herbe Bruchlandung im Krankenhaus. Diagnose: Krebs. Doch Tom gibt seinen Traum vom Fliegen nicht auf. Er schleicht nachts durch die Krankenhausflure, bricht in Patientenzimmer ein und stiehlt die Federn aus den Kopfkissen. Er bastelt sich Flügel, fällt wieder hin und wird zum Helden für einen kleinen, schwerkranken Jungen. Als er eines Nachts der mysteriösen Vogelfrau Endorphina begegnet, könnte sein Traum in Erfüllung gehen: Sie bietet ihm einen Pakt an, der ihm das Fliegen ermöglichen und das Leben retten kann …

„Ich will dich spüren und wieder zum Leben erwachen. Schick mir Gewitterstürme, die Löcher in den Himmel reißen, die Wolken bluten lassen und den Horizont in dunkles Rot tauchen.“ (Seite 58)

Wer „Die Mechanik des Herzens“ gelesen hat, kann sich in Mathias Malzieus außergewöhnlichen Metaphern hineinfallen lassen und abheben. Alle anderen müssen sich an die Sprachgewalt erst gewöhnen, denn der Autor überhäuft seine Leserschaft mit ausgefallenen Bildern und kunstvollen Sätzen, die man so selten geboten bekommt. Dennoch liest sich sein Stil leicht und flüssig, die Seiten fliegen nur so dahin und man kommt aus dem Staunen kaum noch heraus. Die Geschichte ist größtenteils aus Sicht der Protagonisten geschrieben, der seine Träume voller Begeisterung beschreibt. Der Krankenhausalltag versteckt sich zwischen weißen und roten Federn, zwischen der feurigen Liebe zu Endorphina, einer Chimäre aus Mensch und Vogel, und der Hoffnung auf eine Verwandlung. Doch manchmal bricht der schmerzliche Alltag hervor, Tom hängt am Tropf, er ist erschöpft und verängstigt.  Kurze Passagen sind auch aus Sicht Endorphinas erzählt, die Tom einen Brief schreibt oder die Geschichte weitererzählt, wenn Tom wegdämmert.

Seine Erkrankung nennt Tom nur einmal beim Namen, danach spricht er von der „Roten Bete“, die ihm Schmerzen zufügt und dahinraffen will. Seine Krankheit ist allgegenwärtig und dennoch vergisst Tom sie oftmals, so sehr ist er vom Federn sammeln und schließlich von seiner Endorphina besessen. Zwischen den phantastischen Ereignissen merkt man fast gar nicht, wie es Tom immer schlechter geht. Sein Körper lässt ihn allmählich im Stich, doch seine Gedanken fliegen und träumen vom großen Tag der Metamorphose. Liebe und Hoffnung tragen ihn durch die schwersten und letzten Tage seines Lebens. Denn für Tom gibt es keine Heilung. Die Verwandlung, die die Vogelfrau ihm ermöglichen will, ist seine einzige Chance. Und bis dahin gilt es jeden Tag zu nutzen, zu leben, zu atmen und zu träumen.

„Die Überraschung lähmt mich. Kurzschluss zwischen Herz und Gehirn. Ein Glasbläser versucht, meinen Gedanken eine Form zu geben, ich kann seine Flamme spüren.“ (Seite 69)

„Metamorphose am Rande des Himmels“ ist ein modernes Märchen über die Bedeutung des Lebens und der Liebe, die selbst im Angesicht des Todes die Kraft hat, einen Menschen zu verändern und ihn glücklich zu machen. Endorphina färbt Toms restliche Lebenszeit mit lebendigen Rottönen, sie befeuert seine Träume und schenkt ihm Hoffnung. Mathias Malzieu bewegt sich dabei zwischen originellen und schrägen Ideen, die sich im ersten Moment seltsam lesen, beim Nachdenken jedoch umso eindringlicher werden. Wie bereits bei „Die Mechanik des Herzens“ stammt das Cover von Illustrator Benjamin Lacombe, dessen melancholischer Stil wunderbar zur Geschichte passt.


Fazit

„Metamorphose am Rande des Himmels“ ist ein grandioses Märchen über die Macht der Liebe und der Träume. Im Angesicht des Todes begegnet Tom Cloudman einer Frau, die seinen Lebenswillen neu entfacht und ihm ein neues Leben schenkt. Mathias Malzieus Bilder sind dabei wieder einmal kraftvoll, außergewöhnlich, wunderschön und skurril.


Pro & Contra

+ wundervolle Message
+ außergewöhnliche, originelle Bilder
+ leichter, kunstvoller Schreibstil
+ liebenswerte Protagonisten
+ emotionale Achterbahnfahrt
+ leidenschaftlich und  berührend
+ traumhaftes Cover

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere:  5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu "Die Mechanik des Herzens"

Rezension zu "Der kleinste Kuss der Welt"

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 07. Oktober 2015
 

Kommentare  

#2 MetamorphoseJudith 2013-10-23 17:58
Hey Lukas,

Ja, ich fands auch ein kleines bisschen schwächer als den Vorgänger, daher 4,5. Wobei es mir sprachlich auch wieder sehr gut gefallen hat :-) ... Ich hoffe jedenfalls, der Herr schreibt weiter!

Viele Grüße

- Judith
#1 ähnlicher MeinungLukas 2013-10-23 17:35
Hey Judith,

hab mich schon gefragt, wie du das Buch bewertest.

Schöne Rezi! Stimme dir fast zu, vergebe persönlich 4/5, weil mich die Sprache nicht annähernd so verzaubern konnte, wie beim Vorgänger.

Greets Lukas

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