Noah Bd.1 - Wegen der Bosheit der Menschen (Aronofsky, Handel, Henrichon)

alt

Verlag: Ehapa Comic Collection (November 2012)
Gebundene Ausgabe, 72 Seiten, 15 Euro
ISBN-13: 978-3770435982

Genre: Fantasy, Endzeit, Religion, Geschichte


Klappentext

Und der Herr sprach:
Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde...
Genesis 6,7

Noah ist das erste Comic-Szenario des Oscar-prämierten Hollywood-Regisseurs Darren Aronofsky (Black Swan, The Wrestler)! Aronofskys Version des biblischen Weltuntergangs bekommt seine visuelle Entsprechung von DC-und Marvel-Zeichner Niko Henrichon (Die Löwen von Bagdad)!


Rezension

Noah, ein Name, der wohl jedem irgendwie ein Begriff ist, egal ob derjenige biblisch-theologisch versiert ist oder nicht. Schon oft wurde Noah in Literatur und Film in den Mittelpunkt gesetzt und immer mit verschiedenen Schwerpunkten. So auch Aronofsky. Dieser distanziert sich von der traditionellen Erzählweise und zeigt den zehnten Urvater nach Adam in einem völlig anderen Licht: Als Soldaten. Doch zuvor begegnet der Leser einem Mann, der geplagt wird von Visionen, sich trotzdem aber noch um seine Familie kümmert. Allen voran widmet Noah sich seinen drei Söhnen Sem, Ham und Jafet. Zusammen mit seiner Frau tut er alles, damit den Kindern jegliche Gefahren erspart bleiben, doch leichter gesagt als getan. Da die kleine Gruppe keinen wirklich festen Wohnsitz hat, muss sie sich mit dem zufrieden geben, das Mutter Natur bietet. So bleibt man jedoch ein gutes Ziel für Räuber und Mörder. Auch ein Besuch in Babylon, der Stadt, die in der apokalyptischen Schrift eine große Rolle spielt, bleibt nicht aus. Doch tut dies Noah nicht freiwillig. Eine seiner Visionen befiehlt ihm, dort zum Volk zu sprechen. Verhängnisvoll, wie sich herausstellt. Auf der Flucht werden Noahs Träume keinen Deut besser. Ständig sieht er die Welt im Wasser ertrinken. Die Familie macht einige Entdeckungen. Unvergesslich ist dabei das Treffen mit den Riesen. Einer von ihnen erzählt ihnen die Geschichte seiner Spezies und bleibt wenig später bei Noah und seiner Familie; was sich durchaus des Öfteren als Vorteil erweist. Nach einem Treffen mit dem Großvater seiner Frau Naama, gehen die Ereignisse nun Schlag auf Schlag weiter, bis für Noah die Visionen endlich einen Sinn ergeben. Erst recht als er einen wunderschönen, fruchtbaren Ort findet.

Der erste Band der Tetralogie rund um den biblischen Urvater erweist sich als eine gelungene Adaption, die Noah Akzente gibt, die vorher noch nie benutzt wurden. Besonders interessant sind die Riesen, die sonst wohl kaum eine Erwähnung finden dürften. Noah erscheint oftmals nicht als ein braver Diener Gottes, sondern eher als ein Mann, der in hart umkämpften Zeiten seine Familie vor allen Gefahren schützen will. Nirgends sind sie sicher, vor allem nicht nach dem fatalen Besuch in der Stadt Babylon, der großen Hure. Was in der Offenbarung des Johannes beschrieben und mit imposanten Metaphern unterlegt wird, wird dem Leser hier leider nur spärlich und sehr schwach sichtbar gemacht. Sicherlich beherbergt die Stadt in dieser Version einen relativ fantastischen Charakter, der nicht jeden ansprechen dürfte, doch innovativ bleibt es. So manches Mal erinnert die Darstellung der Umgebung sehr an das Universum von Riddick. Da dies der Anfang einer Comic-Reihe ist, sollte man noch nicht zu viel erwarten. Vieles aus der biblischen Geschichte wird angesprochen und in den Comic eingebunden, doch bleibt Einiges noch sehr oberflächlich. Die Frage, ob der Part mit den Riesen nötig ist, muss jeder für sich selbst beantworten. Doch bieten gerade diese Wesen einen Fantasy-Anteil, der im Zweifelsfall mehr Leser anlocken könnte, die gerne eine Reise fern des Traditionellen unternehmen. Der Gesamtverlauf ist trotz der neuen Elemente noch nicht herausragend.

Die Szenaristen Aronofsky und Handel setzen auf ein Gleichgewicht zwischen Spannung, Mystik und emotionaler-religiöser Tiefe. An einigen Stellen ist dies noch nicht ausgefeilt und etwas erzwungen. Wenn es aber darum geht Noahs Leid zu zeigen, sobald seine Visionen ihn am Tag und in der Nacht quälen, so erlebt der Leser die ein oder andere Überraschung. Oft sind die intensiven Emotionen hier gut portioniert und versprechen so Einiges. Seinen Höhepunkt hat dieser Aspekt sicherlich, als Noah und seine Familie das Stück Paradies finden. Hier wird alles seinen Anfang nehmen und ein Teil der Geschichte nimmt ein Ende. Interessant wird es sein, wie der Aspekt des neuen Anfangs in den nächsten Bänden aufgegriffen und ausgefeilt wird. Im Großen und Ganzen liefern Aronofsky und Handel einen guten Startpunkt ab, mit Charakteren, die sicherlich noch ausbaufähig sind. Was nun schon anklingt, ist die Tatsache, dass der Ausgang nicht unbedingt gewiss sein muss, wenn man sich der biblischen Vorlage entsinnt. Noah ist eine Geschichte, die Gesellschaften geprägt hat und in der sich durchaus auch Fantasyelemente einbauen lassen. Zwar dürfte dies nicht den Geschmack eines geschichtlichen Puristen treffen, doch muss man gerade hier über den eigenen Schatten springen und sich auf dieses Werk einlassen.

Noah verdient schon allein wegen Henrichons Zeichnungen einen dicken Pluspunkt. Der Zeichner versteht sein Handwerk und verbindet seine Zeichenkunst gut mit der textlichen  Vorgabe. Feine Linien, detaillierte Zeichnungen und das Auslassen von groben Panels machen den Comic zu einem angenehmen Erlebnis. Diese besondere Zeit, in der sich der moderne Mensch kaum hineinversetzen kann, wird gut in den Bildern eingefangen. Man spürt, wie Noah, den Sand und die Regentropfen auf der Haut. Der Urvater, auch wenn nicht immer durch und durch bibeltreu, was kein negatives Kriterium sein muss, kehrt so in jedes Haus ein. Eine Chance ihn persönlich kennen zu lernen und ein Stück seines Charisma in sich aufzunehmen. Die Zeichnungen erleben immer dann ihren besonderen Höhepunkt, wenn Farben und Emotionen mit den passenden Zitaten unterlegt werden. Es ist interessant Noah dabei zuzuschauen, wie er immer mehr und mehr zum Glauben findet. Darüber hinaus erfährt man hierbei auch die ein oder andere Motivation, denn er ist nicht nur ein blinder Gläubiger. Was er letztendlich ist, dies herauszufinden ist die Aufgabe jedes Einzelnen, der sich dieses Werkes annimmt.

Letztendlich muss auch ein kleines Lob an Ehapa ausgesprochen werden. Die Aufmachung mitsamt des Titelbildes ist sehr authentisch und spiegelt den Inhalt hervorragend dar. Auch wenn man beim Blättern aufpassen muss in dunkleren Panels keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, sind die Skizzen bzw. die Bonusseiten ein echter Hingucker. Denn sie zeigen Henrichons ganzes Können auf einen Schlag. Schade nur, dass der Bonusteil eher gering ausfällt.


Fazit

Noah - Wegen der Bosheit der Menschen ist der Beginn einer spannenden göttlichen Reise der biblischen Figur Noah, die alte und neue Akzente vereint. Diese gut ausgearbeitete Hardcover-Ausgabe ist ihr Geld durchaus wert.


Pro/Contra

+ Verbindung von Altem und Neuen
+ innovative Ideen
+ Henrichons feines Händchen
+ Riesen

0 solide Grundlage

- Charaktere haben noch Luft nach oben
- wenig Bonusmaterial
- Identität Noahs noch unklar

Bewertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Darren Aronofskys, Handel und Niko Henrichon:

Rezension zu Noah Bd.2 – Und von allem Gewürm

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren