Martin Baltscheit (06.01.2014)

Interview mit Martin Baltscheit

BaltscheitLiteratopia: Hallo, Martin! Schön, ein wenig mit Dir plaudern zu können. Würdest Du Dich unseren Lesern kurz in Deinen eigenen Worten vorstellen?

Martin Baltscheit: Mein Name ist Martin Baltscheit und ich erzähle gerne.

Literatopia: Im Spätsommer ist Dein illustrierter Roman „Die besseren Wälder“ bei Beltz erschienen, in dem ein Wolf im Schafpelz die Hauptrolle spielt. Könntest Du für unsere Leser kurz umreisen, was sie erwartet?

Martin Baltscheit: Ein Buch über den jugendlichen Lebensweg eines Wolfes, der von Schafen erzogen wurde und sich selbst für einen Wolf hält, bis er in den Verdacht gerät, seine Freundin, ein Schaf, getötet zu haben.

Es ist eine Erzählung, die sich einer besonderen Form bedient. Kein Comic, sondern ein illustrierter Roman, indem die Bilder nicht die Funktion haben bereits beschriebenes zu zeigen, sondern selbst erzählen, weiter erzählen. Also ein Bilderbuch im besten Sinne.

Das Bild ist, neben der mündlichen Erzählung, eine der ältesten Formen eine Geschichte zu erzählen. Der Wolf, der Held, der Mensch, der sich darum bemüht heraus zu finden, wie er gemeint ist, bewegt sich selbst in einem der wichtigsten Abenteuer seines Lebens. Ein Entwicklungsroman in bildstarker Form.

Literatopia: Wie bist Du auf die Idee gekommen, einen Wolf als Schaf aufwachsen zu lassen? Und welche Schwierigkeiten müssen die Schafseltern des Wolfsjungen meistern?

die besseren waelderMartin Baltscheit: Ideen kommen ungefragt. Das weiß ich nicht mehr ...

Die Schafseltern müssen einen Außenseiter, ja sogar einen Feind integrieren, ohne dass jemand davon etwas bemerkt, nicht einmal er selbst. Essen, Kleidung, Sprache, das ganze Programm.

Literatopia: „Die besseren Wälder“ liest sich sehr metaphorisch, man kann viel in die Wölfe und Schafe hineininterpretieren. Was symbolisieren Wölfe und Schafe für dich?

Martin Baltscheit: Wölfe und Schafe symbolisieren Wölfe und Schafe. Alles, was der Leser darin sieht ist auch wahr.

Literatopia: Deine bisherigen Werke richteten sich eher an ein jüngeres Publikum, in „Die besseren Wälder“ geht es teilweise schon recht derb zu. Ab wann würdest Du den Roman empfehlen? Und wie derb darf ein Jugendbuch eigentlich sein?

Martin Baltscheit: Ich finde es nicht derb.

Ab 14 Jahren. Ein Leser muss selbst entscheiden. Er wird wissen, was gut für ihn ist.

bessere waelder innen1Literatopia: Deine Werke richten sich an Kinder und Jugendliche. Könntest Du Dir vorstellen, auch etwas nur für Erwachsene zu machen?

Martin Baltscheit: Abgesehen davon, dass Bilderbücher und Theaterstücke für junges Publikum immer auch für Erwachsene sind, weil sie mitgehen, vorlesen und für sich selbst etwas müssen, Ja. Unbedingt werde ich auch nur für Erwachsene schreiben. Es gibt etliche unverfilmte Drehbücher und die Schublade liegt voll von ewigen wunderbaren Ideen.  

Literatopia: Fällt es Dir grundsätzlich leicht, Dich in die Gedanken- und Gefühlswelt von Kindern und Jugendlichen hineinzudenken? Oder ist es jedes Mal eine neue Herausforderung?

Martin Baltscheit: Es fällt leicht. Ich mag einfache Sätze, kluge Bilder, überraschende Wendungen. Das scheint für Kinder zu passen und für Erwachsene natürlich auch.

Literatopia: Schreiben und Illustrieren lässt sich, wie man in „Die besseren Wälder“ sehen kann, wunderbar vereinen. Warum zeichnest Du keine Comics?

Martin Baltscheit: Genau. Ich hatte Lust auf Text und Bild in dieser Gewichtung. Früher habe ich viele Jahre Comics gezeichnet. (Carlsen/ Valerius der Comicagent & Strips für die WAZ). Warum ich aufgehört weiß ich nicht mehr. Zuviel Arbeit, zuwenig Erfolg vielleicht.

bessere waelder innen2Literatopia: In Deinen Büchern spielen oftmals Tiere die Hauptrolle. Lassen sich die Inhalte so für junge Leser besser vermitteln?

Martin Baltscheit: Das Fabeltier kommt bereits mit einem Rucksack voller Charakter auf die Welt. Das sind Figuren, die muss man nicht mehr einführen, sie sind da und es lässt sich fabelhaft los erzählen.

Literatopia: Wenn Du ein Tier wärst, welches wärst Du und warum?

Martin Baltscheit: Ein ungeduldiger Löwe. Ein schnell beleidigter SüßigkeitenBär. Ein wahnsinnig schlauer Fuchs, der im Winter zu Depressionen neigt.  

Literatopia: Du bist auch als Sprecher tätig – hilft Dir diese Erfahrung bei Lesungen? Und wie kommst Du eigentlich mit dem jungen Publikum zurecht? Da kann es bei einer Lesung ja schon recht laut werden …

Martin Baltscheit: Ja, das hilft. Ich mache gerne Lesungen, ich mag das Kinderpublikum. Lesungen sind selten, aber immer witzig und inspirierend. Für mich und die Zuschauer.

Literatopia: Liest Du lieber im kleinen Rahmen oder dürfen es auch mal zweihundert junge Leser sein?

Martin Baltscheit: Mir ist alles recht. Die großen Lesungen aber mache ich am liebsten, gebt mir ein Theater voller Schulkinder, einen Beamer und ein Headset. Je mehr Kinder kommen umso mehr brennen danach für Bücher.

bessere waelder innen3Literatopia: Du bietest auch Workshops im Geschichtenerfinden an. Wie läuft so etwas ab?

Martin Baltscheit: Lustig. Wir spielen Autor und Verlag und müssen einen Bilderbuch-Charakter erfinden, den ich nach den Angaben der Kinder zeichne. Haben wir die Figur entwickeln wir ein Problem für sie. Die Lösung des Problems ist dann die Geschichte.

Literatopia: Du blickst bereits auf einige Veröffentlichungen zurück. Gibt’s es ein Werk, das Dir besonders viel bedeutet? Oder sind alle Bücher wie Kinder, die man alle gleich lieb hat?

Martin Baltscheit: Immer das Aktuelle.

Literatopia: Du hast schon einige Auszeichnungen erhalten. Was bedeuten sie Dir? Und haben es Dir die Preise erleichtert, weitere Aufträge zu bekommen? Oder musst Du immer noch Klinken putzen?

Martin Baltscheit: Ich muss für jedes Projekt fragen. Aber die Türen öffnen sich leichter als am Anfang.

Literatopia: Was hältst Du eigentlich von eBooks? Und sind elektronische Bücher auch für junge Leser geeignet?

bessere waelder innen4Martin Baltscheit: Ja. Alles ist geeignet, was eine gute Geschichte erzählt. Ich stehe noch auf das gute alte Buch, weil man was reinschreiben kann und Eselsohren machen und auch ein Tischbein damit ausgleichen.

Literatopia: Unsere beliebte Standardfrage: Wie bist Du eigentlich zum Schreiben gekommen? Hast Du Dir schon immer Geschichten ausgedacht? Oder hast Du erst später angefangen?

Martin Baltscheit: Ich bin so geboren. Ja, das bin ich.

Literatopia: Wo und wann schreibst / illustrierst Du am liebsten? Hast Du einen fest eingerichteten Arbeitsplatz? Oder arbeitest Du dank moderner Technik überall – im Café, im Park, im Bett?

Martin Baltscheit: Ich arbeite am liebsten allein und in Ruhe und wenn das nicht geht überall sonst.

Literatopia: Was können wir als nächstes von Dir erwarten? Steht das nächste Projekt schon?

Martin Baltscheit: Aber ja. Das neue Bilderbuch heißt: Schon gehört!? Und es ist das Beste, das wir bisher gemacht haben.

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview, Martin!

Martin Baltscheit: Herzlichen Dank auch und viel Erfolg!

 

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Martin Baltscheit und Christine Schwarz


Autorenfotos: Copyright by Sebastian Hoppe (oben) und Stephanie Weiler (unten)

Illustrationen: Copyright by Martin Baltscheit (Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Beltz)

 Autorenhomepage: www.baltscheit.de

Rezension zu "Die besseren Wälder"


Dieses Interview wurde von Judith Gor für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

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