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Steampunk 1851 (Hrsg. Art Skript Phantastik)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 08. Januar 2014

steampunk1851

Art Skript Phantastik (2013)
Taschenbuch, 120 Seiten, 10,40 EUR
ISBN: 978-3-9815092-8-1

Genre: Steampunk-Anthologie


Klappentext

Denise Mildes, Sabine Frambach, Marco Ansing, Andreas Bienek, HendrikLambertus, Markus Cremer, Luzia Pfyl und Fabian Dombrowski

Diese 8 Autoren nehmen uns mit auf eine phantastische Zeitreise durch die Geschichte und (offenbaren uns) lassen uns teilhaben am düsteren Steampunk-Futurismus.

1851 – ein Jahr voller Veränderungen. In London findet die erste Weltausstellung statt und in Australien bricht der Goldrausch aus. Dazwischen werden Firmen gegründet, Kriege bestritten, Politik gemacht, Bücher herausgegeben, Opern uraufgeführt … kurz: Geschichte geschrieben. Doch welchen Einfluss haben die dunklen Wesen der Unterwelt auf die Zahnräder, die das Uhrwerk der Geschichte antreiben?

Lassen Sie sich überraschen und sehen Sie die Vergangenheit in einem vollkommen neuen Licht.


Rezension

„Düstere Geschichten zwischen Zahnrad-Mechanik & Gaslicht-Romantik“ – unter diesem Motto steht die Anthologie „Steampunk 1851“. Die Betonung liegt dabei auf dem ersten Wort: düster. Denn hier tummeln sich Vampire und Werwölfe zwischen grausamen und verrückten Wissenschaftlern. Die Geschichtensammlung bietet dabei viel Abwechslung, sowohl was das Setting als auch die Thematik betrifft:  

Bereits die erste Geschichte mit dem unscheinbaren Titel „Das Ende der Fiktion“ von Denise Mildes stellt einen Bezug zur klassischen Phantastik her. Mary Shelleys Frankenstein wird auf gerade einmal sechzehn Seiten neu interpretiert, was sich für dieses große Vorbild als zu wenig erweist. Dennoch gelingt es der Autorin eine interessante Geschichte rund um Vampire, die aus den Schatten ihrer nächtlichen Existenz heraustreten wollen, zu spinnen. Der Verweis auf Frankenstein kommt dabei überraschend, gibt der Kurzgeschichte aber eine gelungene Wendung. Alles in allem ein stimmungsvoller Einstieg.

Mit „Monsieur Foucoult und das Wesen des Lichts“ von Sabine Frambach wird es ein wenig ruhiger: Der Dämon Nabot hat sich bei dem Hobby-Physiker Monsieur Foucoult eingenistet, um ihn zu erschrecken und Chaos zu verbreiten. Doch der Naturwissenschaftler lässt sich von dem höllischen Wesen nicht beeindrucken – viel mehr will er es studieren, ebenso wie die Höllenmaschine, die den Dämon ausgespuckt hat. Nabot findet sich bald damit ab, Monsieur Foucoult nicht in Angst versetzen zu können, und geht ihm stattdessen zur Hand. Denn der Physiker will herausfinden, ob Licht aus Wellen oder Teilchen besteht. Mit Nabots Hilfe stößt er jedoch auf die Lösung eines ganz anderen Problems. Die Spannung kocht dabei nicht gerade hoch, trotzdem überzeugt Sabine Frambach mit einer äußerst liebenswerten Geschichte, die den Zauber von Naturwissenschaften und Magie vereint.

Lykonium“ von Marco Ansing spielt mit dem Horror vor grausamen Erfindungen. In Form von Zeitungsberichten erzählt er die Geschichte des deutschen Journalisten Johann Alexander Kriegers, der nach England reist, um die Lösung des Energieproblems zu bestaunen. Als erster Reporter erhält er Einblick in den Gewinnungsprozess eines neuen Treibstoffs, Lykonium genannt. Dabei stößt er auf ein schreckliches und übernatürliches Geheimnis. Die Geschichte folgt dabei einem klassischen Aufbau und bietet kaum Überraschungen, doch sie ist handwerklich gut und atmosphärisch geschrieben.

Auch „Das Meisterwerk“ von Andrea Bienek dreht sich um Vampire und hält eine morbide Erfindung parat: Einen sogenannten Morseographen, der die Gedanken seines Benutzer in Morsecode aufzeichnet. Mit Hilfe dieser Aufzeichnungen kommen zwei russische Gendarmen einem übernatürlichen Mord auf die Spur – und der wahren Natur vampirischer Wesen, die mitten unten ihnen leben und sich bereits der modernen Zeit angepasst haben. Trotz des kreativen Morseographen ist diese Geschichte die schwächste. Das Eisenbahn-Setting ist zwar gut umgesetzt, doch die Spannung bleibt zu flach. Zudem finden sich ein paar missglückte Formulierungen in der Geschichte, die im Lektorat hätten ausgemerzt werden müssen.

R. S. O. C.“ von Hendrik Lambertus könnte man als „X-Men“ mit Steampunk-Flair beschreiben. Lieutenant Arthur McCrimmon entkam in Indien nur knapp einem Anschlag auf sein Leben. Nun soll er Teil einer geheimen Einheit, dem Royal Special Operations Corps, werden und muss schockiert feststellen, dass eine Frau seine Vorgesetzte sein soll. Doch es wird noch unglaublicher: Die Mitglieder dieser Spezialeinheit verfügen über übernatürliche Kräfte. Auch eine klassische Idee, die actionreich und mit schottischer Mystik umgesetzt wurde.

Archibald Leach & die Rache des Toten“ von Markus Cremer ist das bizarre Glanzstück dieser Anthologie: Gemeinsam mit den Protagonisten Archibald Leach und Sarah Goldberg kommt man in den Genuss eines reichlich seltsamen Besuchs der Weltausstellung von 1851. Große Erfindungen und verfaulende Untote bestimmen eine Geschichte, die Mary Shelleys Frankenstein und Heisenbergs Unschärferelation aufgreift und dabei auch noch „Fluch der Karibik“ und ein bisschen „Sherlock Holmes“ unterbringt. Markus Cremers Werk liest sich wie eine Parodie, nicht zuletzt wegen skurriler Waffen und Steampunk-Technobabble. Dabei unterhält der Autor seine Leser bestens: knackige Dialoge, gelungene Formulierungen und die eigentümliche Atmosphäre der Weltausstellung machen „Archibald Leach & die Rache des Toten“ zur besten Geschichte der Anthologie.

Luzia Pfyl entführt die Leserschaft in „Tote Kaninchen“ ins New York des 19. Jahrhunderts, wo grausige Morde die Crew eines Luftpiraten dezimieren. Auf den Leichen findet man immer wieder ein totes Kaninchen. Die beiden jungen Frauen Sophie und Lena vermuten einen übernatürlichen Hintergrund und kommen einem südamerikanischen Dämon in die Quere. Luzia Pfyl punktet mit dem dreckigen Setting in Übersee, beeindruckenden Luftschiffen und einem kecken Damenduo, das den Fall professionell und abgebrüht aufrollt. Dennoch läuft nicht alles glatt und somit wird bis zum Ende ausreichend Spannung geboten.

Der Automat“ – in diesem Fall nicht von Phantastik-Preis-Gewinner Bernd Perplies, sondern von Fabian Dombrowski – spielt mit dem Seelenleben einer Maschine: Der Autor präsentiert einen offenbar französischen Automaten (ein Steampunk-Androide), der in einer Ruinenlandschaft darauf wartet, ein Attentat zu verüben. Dabei läuft ihm eine Katze über den Weg, die sich in einen alten Mann verwandelt und dem Automaten ins Gewissen redet. Er solle seine eigenen Entscheidungen treffen. Auch hier finden sich Anlehnungen an große Werke der Phantastik, beispielsweise Phil K. Dicks „Do androids dream of electric sheep?“. Doch die eigentlich gute Idee hat leider kaum mehr als ausschweifendes Gerede zu bieten.

Ob bizarre Erfindungen oder magische Wesen, der Titel „Steampunk 1851“ hält, was er verspricht. Da die Geschichten sehr unterschiedlich sind, sollte sich für jeden Geschmack etwas finden. Die Beiträge haben zudem eine angenehme Länge, sodass man auch gut durch die spannungsarmen Geschichten kommt. Es liegt in der Natur von Anthologien, dass manche Kurzgeschichten herausstechen, während andere eher enttäuschen. Das ist auch hier der Fall, doch insgesamt ist das Niveau relativ hoch. Leider haben sich jedoch im Klappentext (entsprechender Part wurde von der Redaktion eingeklammert) und im Inhaltsverzeichnis Fehlerchen eingeschlichen. Und das dünne Buch ist mit über zehn Euro etwas teuer, aber hier sollte man bedenken, dass Kleinverlage nun einmal mit kleinen Auflagen über die Runden kommen müssen. Dafür bekommt man aber auch kurze Autorenvorstellungen im Anhang geboten, wie man es von einer guten Anthologie erwarten kann.


Fazit

Der Art Skript Phantastik Verlag ist noch jung, hat aber mit „Steampunk 1851“ bereits eine abwechslungsreiche und stimmungsvolle Anthologie zusammengestellt. Das Niveau der Geschichten ist recht hoch und auch wenn es manchen an Spannung mangelt, zeichnen nahezu alle atmosphärische und düstere Steampunk-Bilder. Genre-Fans können bedenkenlos zugreifen und auch Neulinge dürfen einen Blick riskieren, denn auf ausufernde technische Details wird verzichtet.


Pro & Contra

+ viel Abwechslung und verschiedene Settings
+ Verschmelzen von Magie und Naturwissenschaft
+ insgesamt schön düster und atmosphärisch
+ stimmungsvolle Cover-Illustration

- teilweise zu wenig Spannung
- Fehler im Klappentext und Inhaltsverzeichnis

Wertung:

Texte: 3,5/5
Vielfalt: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 08. Januar 2014
 

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