Ekhö – Spiegelwelt Band 1: New York (Alessandro Barbucci und Christophe Arleston)

Splitter (Februar 2014)
Hardcover, 64 Seiten, 14,80 EUR
ISBN: 978-3-86869-675-2

Genre: Phantastik


Klappentext

Ekhö ist eine Spiegelwelt der Erde.

Man findet dort unsere Städte, unsere Länder, nur ein wenig anders: Es gibt dort keinen Strom; anstelle von Linienflugzeugen setzt man Drachen ein; die U-Bahn-Waggons befinden sich auf dem Rücken seltsamer Tausenfüßler …

Aber das Erstaunlichste sin die Preshauns, die, ungeachtet ihres putzigen Aussehens, in dieser Welt die Zügel in der Hand haben …

Ludmilla, eine Studentin, und Juri, ihr Sitznachbar in der 747, die sie nach New York bringt, werden nach Ekhö katapultiert und müssen lernen, sich dort anzupassen. Was sich umso komplizierter gestaltet, als Ludmilla vom Geist ihrer verstorbenen Tante heimgesucht wird …


Rezension

Ludmilla Tiller wird im Flugzeug von einem putzigen Wesen geweckt, das ihr verkündet, dass das Erbe ihrer Tante auf sie warte. Dabei ist diese doch schon lange tot! Und offenbar kann niemand sonst das kleine Wesen sehen. Völlig überrumpelt willigt Ludmilla ein, das Erbe anzunehmen, und bekommt einen Zettel mit einer Adresse in New York. Kurz darauf gerät das Flugzeug in Turbulenzen und droht abzustürzen – doch Ludmilla und ihr Sitznachbar Juri, an dem sie sich vor Angst festgekrallt hat, landen unbeschadet in New York. Allerdings im Bauch eines riesigen Drachen. Und in einem völlig anderen New York, als sie es kennen. Hier gibt es keinen Strom, keine Dollars und keine Autos. Stattdessen dienen Dinosaurier und Segelschiffe als Fortbewegungsmittel und bezahlt wird mit Gold oder Silber. Ludmilla und Juri sind sich bald einig, dass sie träumen müssen – nur in wessen Traum sind sie? Und was, wenn diese Welt doch real ist?

Den Protagonisten bleibt zunächst nichts anderes übrig, als zu der Adresse zu fahren, die das putzige Wesen Ludmilla im Flugzeug gegeben hat. Dort finden sie heraus, dass die kleinen Wesen Preshauns genannt werden und zudem die Bürokratie der Stadt leiten – und dass Ludmilla eine Agentur von ihrer Tante geerbt hat. Kurz darauf trennen sich die Wege von Ludmilla und Juri, die beide überfordert mit dieser fremdartigen Welt sind und anfangen zu streiten. Ludmilla kommt mit ihrer offenen Art etwas besser mit der neuen Umgebung zurecht und immerhin hat sie von ihrer Tante eine Existenz geerbt. Dazu gehört auch die Angestellte Grace Lumumba, die Ludmilla hilft, sich zurechtzufinden. Juri hat da weniger Glück: Vollkommen auf sich allein gestellt kämpft er sich durch eine riesiges Fantasy-Moloch, in dem er sich nicht einmal etwas zu essen kaufen kann.

„New York“ ist ein typischer Einstiegsband, der die Protagonisten vorstellt und ihnen Zeit gibt, die fremdartige Fantasywelt zu entdecken. Doch was oftmals etwas langatmig wird, wurde von Barbucci und Arleston mit spannenden Zwischenfällen ausgeschmückt, sodass bereits die erste Band einige Fragen aufwirft und die Charaktere in brenzlige Situationen bringt. Ludmilla und Juri gewinnen schnell die Sympathie des Lesers, wobei man sie sich noch nicht auf Drachen reitend – wie auf dem Cover abgebildet – vorstellen kann. Dazu sind sie noch viel zu unbeholfen in einer Welt, die es für sie nur in einem Traum geben kann. Informationen über Ekhö und die Preshauns sind durchaus gesät, doch man muss aufpassen, nichts davon zu verpassen.

Nachdem Barbara Canepa mit „END“ eine neue Reihe begonnen hat, widmet sich nun auch Alessandro Barbucci einem neuen Projekt. „Ekhö“ entsteht in Kooperation mit Christophe Arleston, den Comicfans unter anderem von „Die Kriegerinnen von Troy“ und „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ kennen dürften. In „Ekhö“ ergänzen sich die beiden Künstler perfekt, wobei man den Einfluss von Barbuccis früherem Werk „Sky Doll“ deutlich sehen kann.  Das führt auch zu einem schalen Beigeschmack, immerhin wird die atemberaubende Science Fiction-Reihe „Sky Doll“ seit Jahren nicht weitergeführt. Dass Canepa und Barbucci sich inzwischen anderen Projekten widmen, macht nicht gerade Hoffnung, dass der geplante vierte Band doch noch irgendwann erscheint. Nichtsdestotrotz freut man sich erst einmal, etwas Neues von Barbucci zu sehen, noch dazu gemeinsam mit einem außergewöhnlichen Künstler wie Christophe Arleston.

Ähnlich wie in „Sky Doll“ begegnen dem Leser auch in „Ekhö“ junge Damen mit reichlich Kurven, wobei die Farben wie auch in anderen Werken von Christophe Arleston kräftig und satt daherkommen. Dominant sind dabei Abstufungen von sandfarben, braun, rot und grün. Man erkennt zudem deutlich den franco-belgischen Einfluss, der gut zur phantastischen Spiegelwelt Ekhö passt. Die Straßen Spiegel-New-Yorks glänzen mit vielen Details, während Manhatten wie eine gigantische mittelalterliche Burg wirkt. Die Gebäude der Preshauns haben ihrer Körpergröße entsprechend viele niedrige Stockwerke. „Ekhö“ ist als edles Hochglanz-Hardcover erschienen und – wie man es von Splitter inzwischen gewohnt ist – von hervorragender Qualität. Ein Anhang mit Informationen zu den Charakteren und reichlich Skizzenmaterial runden den positiven Gesamteindruck ab. Viel besser kann man einen Comic kaum präsentieren.


Fazit

„New York“ ist ein gelungener Einstieg, der die imposante Spiegelwelt „Ekhö“ ausführlich vorstellt und gleichzeitige mehrere Spannungsmomente schafft. Ludmilla und Juri sind ein ungewöhnliches Protagonistenpaar, das der Zufall zusammengeführt hat und das sich erst noch zusammenraufen muss. Alessandro Barbucci und Christophe Arleston haben sympathische Charaktere geschaffen und inszenieren ihre Fantasyabenteuer mit Liebe zum Detail und einem Hauch Erotik.


 Pro & Contra

+ imposante Fantasywelt
+ sympathische, authentische Protagonisten
+ skurrile Bewohner Ekhös
+ verschiedene Spannungsmomente
+ schöner Zeichenstil mit satten Farben

o typischer erster Band, der die Welt erst einmal vorstellt

Wertung: 

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


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