100% Marvel Bd.71: Daredevil - Das Ende aller Tage (Brian M. Bendis, David Mack, Dan Jurgens, Bill Sienkiewicz, Alex Maleev)

Verlag: Panini Manga und Comic (Januar 2014)
Softcover: 208 Seiten; 19,99 €

Genre: Superhelden


Klappentext

New York City in einer nicht allzu fernen Zukunft: Daredevil ist im Kampf gefallen. Die Suche nach der Bedeutung in den letzten Worten des Schutzteufels von Hell´s Kitchen führt den Reporter-Veteranen Ben Urich durch die düsteren Überreste dessen, was von der einstmals großen Stadt übrig geblieben ist. Damit er das Rätsel um Daredevils Vermächtnis lösen kann, nimmt Urich Kontakt mit zahlreichen Menschen aus Matt Murdocks bewegtem Leben auf – und trifft Freunde, Partner, Geliebte und sogar Todfeinde des Mannes ohne Furcht. Dadurch gerät auch sein eigenes Leben in Gefahr …

Dieser Band enthält als deutsche Erstveröffentlichung die komplette US-Saga Daredevil: End of Days 1-8, packend inszeniert von den modernen Daredevil-Legenden Brian M. Bendis, David Mack, Klaus Janson, Alex Maleev und Bill Sienkiewicz.


Rezension

Daredevil ist tot! Im Kampf mit Bullseye gefallen, nachdem sich die beiden in einem letzten Gefecht nichts geschenkt haben. Der erwartbare Aufschrei bleibt allerdings aus. Nachdem Daredevil den KingPin auf offener Straße getötet hatte, war nichts mehr wie zuvor und er verschwand. Somit war sein letztes Gefecht, gleichzeitig auch das letzte Mal, dass ihn die Öffentlichkeit bewusst wahrnahm. Einzig Ben Urich hielt ihm noch die Treue, auch wenn er Daredevil seit seinem Verschwinden nicht mehr gesprochen hatte. Und so macht sich der altgewordene Reporter, der über Matt Murdocks andere Identität immer Bescheid wusste, auf die Suche nach der Bedeutung von Daredevils letzten Worten. Dabei trifft er auf viele Weggefährten, Feinde, Freunde und Verbündete. Peter Parker, alias Spider-Man weigert sich mit Urich zu sprechen und Elektra ist nicht erfreut ihn wiederzusehen, hat sie doch ihr früheres Leben weit hinter sich gelassen und selbst so mancher Superschurke verfolgt nun einen anderen Lebenswandel. Aber immerhin gibt es die eine Konstante, den Punisher, der behauptet zu wissen, was Murdocks letzte Worte bedeuten mögen. Auch ohne des Punisher Zutun gerät Urich in der Folge in brenzlige Situationen, in denen ihn jemand zu Hilfe kommt, mit dem nicht gerechnet werden konnte. - Daredevil. Zum Rätsel der letzten Worte gesellt sich also ein weiteres: Wer ist derjenige, der in Daredevils Kostüm steckt? Und ist er ein einfacher Nachahmer oder ist er ernst zu nehmen, weil Matt Murdock ihn selbst höchstpersönlich ausgebildet hat?

Superhelden sterben, nur um wiederaufzuerstehen. Dies ist ein Fakt, der die Comicindustrie der USA immer wieder aufs Neue hohe Absatzzahlen beschert. Als Superman schwächelte, wurde er kurzerhand von Doomsday getötet und bei dem überwältigendem Erfolg der entsprechenden Reihe, neu ins Rennen geschickt. Es ist also eigentlich nicht ungewöhnlich, wenn auch Daredevil irgendwann mal stirbt. Sollte man meinen, Das Ende aller Tage, geht dann doch seinen eigenen Weg. Es geht weniger um Daredevils Tod, dieser wird am Rande gezeigt, sondern mehr um seine Bedeutung für seine Umwelt und darum, was nach seinem Tod passieren könnte. Sicher die Rückkehr eines Superhelden nach dem Tod wurde auch schon oft zelebriert, zuletzt z.B. bei Batman, allerdings ist das bei Das Ende aller Tage nicht der Fall. Hier bekommt der Leser einen Streifzug durch die Vergangenheit des Superhelden, verbunden mit einer sehr düsteren fast hoffnungslosen Stimmung, durch die sich Ben Urich schlagen muss. Nur vereinzelt blitzt so etwas wie neue Hoffnung auf, und zwar immer dann, wenn der neue Daredevil über Ben Urich wacht. Sein Rätsel wird am Ende auch gelöst, wenn es auch nicht alle Fragen Urichs beantwortet. Brian M. Bendis geht den Weg Urichs übrigens konsequent zu Ende. Er war immer der stille Begleiter Daredevils, mit dessen Verschwinden und Tod, verschwindet auch Ben Urichs Existenzberechtigung und der Daily Bugle steht vor dem endgültigen Aus, was im Zusammenhang durchaus logisch ist. Ein besserer Autoren als Bendis hätte nicht gefunden werden können, für diese Daredevil Miniserie, die außerhalb der Kontinuität steht und wirklich das Ende darstellt. Er weiß, worauf es ankommt, nimmt sich die einzelnen Helden und Schurken vor und vergisst auch nicht Matt Murdocks dunkle Seite im Punisher zu spiegeln, der relativ viel Raum hat, um sich zu entfalten. Das Puzzle gestaltet Bendis spannend und bis zum Schluss interessant. Es gibt keinen Durchhänger, man will einfach wissen, was dieses eine einfache Wort, welches Daredevil im Moment seines Todes über die Lippen kommt, bedeutet. Brian M. Bendis erzählt wirklich die letzte große Geschichte Daredevils und schöpft dabei aus dem Vollen. Ein mehr als würdiger Abgang für den blinden Streiter der Gerechtigkeit ohne pathetisch zu werden.

Für die Zeichnungen wurden mit Klaus Janson, Bill Sienkiewicz, Alex Maleev und David Mack wahre Legenden des Daredeviluniversums engagiert. Janson arbeitete schon mit Frank Miller zusammen und Sienkiewicz war maßgeblich an Elektra: Assassin beteiligt. Klaus Janson war bei Daredevil: Das Ende aller Tage federführend und seine Zeichnungen sind passend zur Geschichte, düster und trostlos, er findet die richtigen Blickwinkel und weiß das Tempo der Zeichnungen den Erfordernissen anzupassen. Die wahren Blickfänger sind aber die einzelnen ganzseitigen Zeichnungen von Maleev, der auch die Cover entwarf, Sienkiewicz und Mack. Vor allem David Mack sticht hervor und weiß zu begeistern. Die Bilder dieser drei Zeichner sind nicht wahllos verteilt, sondern dienen immer der Geschichte und finden in Rückblicken ihre Verwendung. Das passt einfach zusammen und verbindet sich bestens mit dem Text.

An Bonusmaterial lässt sich Panini dieses Mal nicht lumpen. Ein informatives Vorwort gibt es ebenso, wie eine kurze Vorstellung der Macher und alle Cover der Miniserie. Auch die Variantcover, bei denen die von David Mack hervorstechen. Jedes der gesamten Cover hätte es eigentlich verdient als Poster veröffentlicht zu werden. Abgerundet wird dann der Band mit einem kleinen Einblick in David Macks Arbeitsweise.


Fazit

Daredevil: Das Ende aller Tage sollte gelesen haben, wer sich für Superheldencomics interessiert. So wie hier, wurde das Thema Tod eines Superhelden in dieser Art noch nicht angegangen. Allein deshalb ist der Comic empfehlenswert. Er könnte auch gut als Einstiegspunkt in die Welt der Superhelden dienen, zeigt er doch, dass man auch hier Tiefe, eine gute Geschichte und Superheldenaction verbinden kann. Also einfach kaufen und lesen!


Pro & Contra

+ David Macks Zeichnungen und Cover
+ passende Cover geben Inhalt wider
+ Ben Urichs Suche
+ Schurken und Helden im Ruhestand

Bewertung:


Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5


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