Spider-Man: Die Klonsaga Bd.1 (Tom DeFalco, J. M. DeMatteis, Howard Mackie, Mark Bagley, Sal Buscema, Tom Lyle)

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Verlag: Panini Manga und Comic (Februar 2014)
Broschiert, 236 Seiten, 19,99 Euro
ISBN-13: 978-3862019090

Genre: Superhelden, Action


Klappentext

DER START DER LEGENDÄREN KLONSAGA

Auf die Frage nach der größten Spider-Man-Geschichte aller Zeiten gibt es nur eine Antwort: Die Klonsaga!
Peter Parkers Leben wird bis in die Grundfesten erschüttert, da sein vermeintlicher Klon als Ben Reilly nach New York zurückkehrt! Obwohl die beiden gemeinsam gegen Judas Traveller und Carnage kämpfen, steht viel zwischen Peter und seinem Klon, die sich nicht nur gemeinsame Erinnerungen teilen. Mit Scarlet Spider betritt zudem ein neuer Held die Bühne, der sich prompt mit dem tödlichen Venom anlegt. Und auch der mysteriöse Kaine hat seinen ersten Auftritt…

Dieser erste Sammelband einer siebenstelligen Reihe der berüchtigten Spidey-Story enthält die US-Hefte Web of Spider-Man 117-119, The Amazing Spider-Man 394, Spider-Man 51-53 und The Spectacular Spider-Man 217, unvergesslich inszeniert von Tom DeFalco, J.M. DeMatteis, Terry Kavanagh, Howard Mackie, Mark Bagley, Sal Buscema, Tom Lyle, Liam Sharp und Steven Butler.

Über 230 Seiten!


Rezension

In letzter Zeit hat Marvel so Einiges veröffentlicht. Darunter alte und neue Schätze. Sehr Vieles, so muss man zugeben, ist reine Unterhaltung, denn nur wenige Geschichten greifen so weit, dass sie den Leser zum Nachdenken anregen. Es gibt Ausnahmen und zu diesen gehört sicherlich Spider-Man - Die Klonsaga. Marvel und Panini gestalten eine siebenstellige Reihe, die das gesamte Klon-Abenteuer umfassen soll. Welches Sammlerherz könnte das nicht erwärmen? Jedoch ist dieser Teil des riesigen Spider-Man-Universums auch derjenige, der seine Anhänger in genau zwei Lager zwängt. Diejenigen, die dies klar als das Beste des Spinnenmannes verehren und dann die, die sich nicht einmal durch ein Kapitel ringen können. Diese Saga mag polarisieren, aber schon aus diesem Grund ist es richtig, sie auf den Markt zu bringen. Beide Lager werden sich höchstwahrscheinlich füllen und für alle, die vorab wissen wollen, worum es eigentlich genau geht, hier ein kurzer Blick in den Inhalt dieser umfangreichen Geschichte.

Spider-Mans Leben ist alles andere als einfach, denn weder als Superheld, noch als normaler Mensch Peter Parker hat er einen Moment Ruhe. Wenn es nicht gerade Bösewichte und Superschurken sind, die drohen die Stadt in Schutt und Asche zu legen, so sind es die kranke Tante May und die unentschlossene Mary Jane, die ihm Kopfzerbrechen bereiten. Bedrohungen warten in jeder dunklen Gasse und es gilt nicht nur die zu beschützen, die man liebt. Mit einer Sache hätte Peter aber nicht gerechnet: Ein Klon schwingt sich als späterer Scarlet Spider durch die Stadt und tut das, was Spider-Mans Job ist: Leben retten. Doch wer ist dieser mysteriöse neue Held? Als er ihm die Maske entreißt, wird alles klar. Er ist nicht irgendein Klon. Er ist Peter Parkers perfektes Ebenbild und das schmeckt ihm so gar nicht. Zwar versucht Scarlet Spider eine Zeit lang sich zurück zu ziehen, um die Stadt zu verlassen, doch er ist nicht nur eine rein physische Kopie. Seine Psyche ist dieselbe, wie die des echten Spider-Man und so sieht er sich mit zahlreichen Gefühlen und einhergehenden Verpflichtungen konfrontiert, denen er nicht entfliehen kann. Er kann und will seine Tante und seine Ex-Freundin nicht zurücklassen, auch wenn Peter sich theoretisch um alles kümmern könnte. Doch der Mensch ist keinesfalls ein rationales Wesen. Als Scarlet Spider macht Ben, wie er eigentlich genannt wird, Jagd auf Venom und Co. Im Zuge des Eifers alles richtig machen zu wollen, beachtet er nicht, dass Spider-Man mit Vielen dieser Schurken einen stillen Pakt geschlossen hat. Wenn sie sich nicht in die Quere kommen, passiert weder der Stadt, noch ihren Bewohnern etwas.

Egal ob Spider-Man oder Scarlet Spider. Beide kämpfen sie nicht nur gegen Bedrohungen von außerhalb. Die eigentlichen Feinde stecken in ihnen drin. Besonders deutlich ist dieser Umstand natürlich bei Ben. Er weiß, dass er nur ein Klon ist, ein Abklatsch eines anderen Mannes. Dennoch fühlt er genau wie dieser und er kann dies nicht ignorieren. Oft gerät er in moralisch-ethische Zwickmühlen, die ihn in den Wahnsinn treiben. Seine Emotionen ketten ihn an eine Verantwortung, die er so nicht haben wollte. Eine Zeit lang versucht er seinem Schöpfer, dem Schackal, die Schuld dafür zu geben, doch auch das funktioniert nicht. Zwar wächst er in die Rolle des Superhelden immer weiter rein, doch zufrieden bzw. glücklich sieht anders aus. Sein allgemeiner Zustand dürfte sich auch nicht mit der Tatsache ändern, dass seine Gegner, seien es Venom, Carnage, Judas Traveller oder der Schakal, nicht die schlimmsten sind. Im Prinzip bilden sie das Vorspiel auf die Dinge, die noch kommen werden. Es lauern Gegner, die Spidey, egal ob Ben oder Peter übel mitspielen wollen. Dazu gehört auf jeden Fall der noch unbekannte und schleierhafte Kaine. Schon auf den wenigen Seiten, die ihn in die Handlung einführen, ist erkennbar, dass er nichts Gutes im Schilde führen kann.

Die Klonsaga ist ein Schmuckstück für sich, denn sie richtet sich nicht nur an ein Publikum, das gierig auf weitere Abenteuer des Spinnenmannes wartet. Dieser Spider-Man ist wahrlich hohe Kost, besser gesagt sehr gute Unterhaltung mit ansprechendem Niveau. Sehr gut zutage kommt dies im Szenario, wenn Ben Reillys Gedanken offenkundig werden. Sein innerer Kampf ist jederzeit les- und spürbar. Ein Leser kann hier entweder mitfühlen und sich empathisch zeigen oder einfach genervt weiter blättern. Egal welches von beiden zutrifft, über kurz oder lang kann man nicht enttäuscht werden. Peter Parker hat schon mit diversen Dingen zu kämpfen gehabt. Darunter auch Nachahmern, doch auch für ihn ist es eine ganz neue Erfahrung einen perfekten Klon seines Selbst vor sich zu haben. Dieser Part wird von den Macher unglaublich gut in Szene gesetzt. An den Zeichnungen kann man zwar erkennen, dass sie aus den 90ern stammen, doch stört dies kein bisschen. Vor allem dann nicht, wenn man sich vor Augen führt, dass diese Zeichnungen um Längen besser sind als die meisten, die aktuell in den US-Heften zu finden sind. Die einzelnen Panels werden stimmungsvoll in Szene gesetzt, nicht zuletzt wegen dem geschickt eingefügten Text. Zu keiner Zeit wirken die Szenarien überladen oder unterbesetzt. Sie sind gerade so, wie sie sein müssen, um zu erzählen, was erzählt werden muss. Besonders lobenswert ist auch die beständige Pflege der Charaktere. Vieles wird erzählt und dabei schaffen es Autoren und Zeichner logische Konsequenzen und Zusammenhänge nicht aus den Augen zu lassen. Nebencharaktere und Antagonisten werden so eingeführt, dass der Leser darauf vorbereitet wird, diesen in weiteren Geschichten zu begegnen. Die Helden und Anti-Helden sind darüber hinaus so konzipiert, dass man sich durchaus mit ihnen identifizieren kann und den ein oder anderen Liebling für sich entdeckt. Marvel kann in diesem Fall Stolz sein, dass es eine solch fulminante Reihe sein Eigen nennen darf.

Zum Schluss bleibt nicht viel zu sagen, als dass Panini diesen wunderbaren Band noch mit ein paar sehenswerten Extras bestückt hat. Auch wenn die Broschur des ersten Bandes nicht so hochwertig ist, wie bei manch anderen Comics, ist der Preis von fast zwanzig Euro zu vertreten; denn der Inhalt weiß alle mal zu überzeugen. Wer mehr haben will, kann zum Hardcover-Band greifen, der optisch auch Einiges hermacht, aber vom Preis her in einer anderen Kategorie spielt. Trotzdem: Die Vorfreude auf die nächsten Bände steigt!


Fazit

Der nächste Besuch im Comic-Laden neben an scheint vorprogrammiert zu sein, denn wer den Auftakt in ein lohnens- und lobenswertes Spidey-Abenteuer noch nicht sein Eigen nennen darf, ist selber schuld.


Pro/Contra

+ Ben Reilly als Klon
+ mitfühlend und mitreißend
+ der Leser erfährt Einiges über Spideys Innenleben
+ Konflikte, Charaktere und die Geschichte an sich werden sehr gut vorbereitet
+ Vieles gibt Grund zum Nachdenken
+ Venom
+ Zeichnungen aus den 90ern ein wahrer Augenschmaus
+ Szenario als Komplettpaket erreicht ein sehr anspruchsvolles Niveau

0 Freude auf die restlichen Bände

- eher minderwertige Broschur

Bewertung:

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


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