Freitag, 18. Oktober 2019

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Backup (Cory Doctorow)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 26. August 2009

Heyne (September 2007)
Originaltitel: Down and Out in the Magic Kingdom
Übersetzt von Michael Iwoleit
Taschenbuch, Broschur, 288 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
€ 7,95 [D] | € 8,20 [A] | CHF 14,90
ISBN: 978-3-453-52297-8

Genre: Science-Fiction


Klappentext

Eine Welt, in der es keinen Tod und keine Krankheit mehr gibt.

Eine Welt, in der jeder Mensch seinen Geist abspeichern und in einen neuen Körper laden kann.

Eine Welt, in der alle glücklich und zufrieden leben …

DAS GLAUBEN SIE DOCH SELBST NICHT!


Inhalt

Julius ist hundert Jahre alt und immer noch ein junger Mann. Das liegt daran, dass er in einer Welt lebt, in der es keinen Tod, keine Krankheit, kein Geld, keine Energieknappheit gibt. Eine Welt, in der technisch alles möglich ist: in der man seinen Geist in einer Datenbank speichern und – in Form eines Backups – in einen neuen Körper herunterladen kann. Doch was wie ein Paradies, wie ein Wirklichkeit gewordenes Utopia klingt, hat auch seine Schattenseiten. Denn leider gibt es auch in dieser schönen neuen Welt Konkurrenzdenken, Verrat und Verbrechen – wie Julius buchstäblich am eigenen Leib erfahren muss …

(aus dem Buch)


Rezension

Julius lebt und arbeitet mit seiner biologisch sehr viel jüngeren Freundin Lil in Disney World, als ihn sein alter Kumpel Immer-auf-Achse-Dan anruft und verkündet, dass der Zeitpunkt zum Sterben gekommen sei. Immer hatte Dan davon gesprochen, dass irgendwann der Tag kommen würde, an dem er nichts mehr zu tun hätte – doch dann versagten ihm auf den letzten Metern die Nerven. Julius nimmt Dan bei sich auf und Lil findet die Lösung von Dans Problem: Sein „Woppel“ ist einfach im Keller, sprich, er hat zu wenig Anerkennung und in so einem Zustand aus dem Leben zu scheiden geht ja so was von gar nicht! Sie meint, Dan müsse nur wieder seinen „Woppel“ hoch bringen, dann könne er auch den letzten Schritt in seinem Leben tun. Julius ist davon weniger begeistert - und dann wird er auch noch umgebracht, worüber er ziemlich verärgert ist. Kaum in seinem neuen Körper erwacht, wittert er eine riesige Verschwörung, die dazu dient, ihm und seinem Ad-hoc das Spukhaus wegzunehmen …

Was ist eigentlich ein „Woppel“? In der Zukunft gibt es kein Geld mehr und theoretisch bekommt jeder, was er braucht. Aber einen Sportwagen oder einen Platz in einem angesehenen Restaurant bekommt man nur, wenn man genug Anerkennung hat. Online wird man von anderen Menschen positiv oder auch negativ bewertet. Wer viel Anerkennung besitzt, kann sich nahezu alles leisten, während jene ohne Anerkennung am Existenzminimum leben und auch keine Freunde mehr haben. Wenn man jemandem begegnet, checkt man zuerst einmal seinen Woppel – klingt irgendwie verdammt nach XBox Live oder diversen Internetplattformen mit Bewertungssystemen. Nur dass in der Gegenwart die Existenz noch nicht ganz so direkt von der Beliebtheit abhängt.

Das mit dem Woppel wäre nun also klar – aber was soll ein Ad-hoc sein? Die Ad-hoc-kratie ist sozusagen die Regierungsform der Bitchun Society, der Gemeinschaft, die die virtuelle Revolution brachte und die Welt aus „Backup“ schuf. Alle, die nicht zur Bitchun Society gehören wollten, sind inzwischen ausgestorben. Und Ad-hoc-kraten sind Interessengemeinschaften, die sich um diverse Projekte kümmern und am ehesten mit der Organisation heutiger Internetforen zu vergleichen sind. Falls etwas am Spukhaus geändert werden muss, ziehen die Ad-hoc übrigens Imagineure zu Rate.

Cory Doctorow hat eine Welt kreiert, die sich wie eine reale Umsetzung des Internets liest. Dabei verzichtet er leider auf Erklärungen für die zukünftige Technik und widmet sich auch nicht dem philosophischen Potential des Romans. Einzig die Gespräche mit Dan führen zu Nachdenklichkeit beim Leser – wenn man aus einem Backup wieder hergestellt wurde, ist man dann noch derselbe Mensch? Und die Thematik des virtuellen Geistes ist nicht neu – dennoch gelingt dem Autor eine recht unterhaltsame Umsetzung.

Die Charaktere sind dabei cool, durchgeknallt und teilweise auch ziemlich seltsam. Durch die Ich-Perspektive lernt man natürlich insbesondere Julius sehr gut kennen und durch seine Augen auch Dan und Lil. Alle drei können beim Leser punkten und auch die Nebencharaktere wecken Interesse, wobei man seiner Wahrnehmung da kaum trauen kann – schließlich ist es Julius’ Wahrnehmung und der gleitet nach seinem Mord immer mehr in den Wahnsinn ab. Ein Ausflug in die Psyche eines Menschen, der bereits mehrmals aus einem Backup wieder hergestellt wurde – insgesamt nett umgesetzt, jedoch mangelt es an Tiefe. Der Roman hätte schlichtweg Potential zu wesentlich mehr gehabt – und gerade weil man dieses Potential so offen sieht, ist man doch etwas enttäuscht, wenn sich Cory Doctorow zu wenig um seinen Protagonisten bemüht.

„Backup“ ist lockere, anspruchslose Science-Fiction für junge Leute, die sich mit den Begrifflichkeiten und Strukturen des Netzes auskennen. Diejenigen jedoch, die sich nicht fürs Internet begeistern, werden wohl mit diesem Roman wenig anfangen können. Er könnte sogar als „langweilig“ empfunden werden. Zudem erlebt man lediglich mit Julius seine persönliche Lebensgeschichte, die jedoch amüsant zu lesen ist. Ein paar skurrile Ideen runden den Roman ab und machen ihn durchaus lesenswert. Das Buch kann zwar nicht halten, was der Klappentext verspricht, doch wer nicht zu viel erwartet und gerne im Netz herumstreift, wird hier gut bedient.


Fazit

Science-Fiction in Disney-World – klingt absurd und ist es auch. Im positiven Sinn. Cory Doctorow scheint tatsächlich in der Zukunft zu leben, wobei sich „Backup“ wie eine Übertreibung des aktuellen Internetgeschehens liest. Alles in allem ein unterhaltsamer Roman für die Generation @.


Pro und Contra

+ Lektüre für Internetjunkies
+ coole Charaktere
+ skurriles Ambiente
+ Bezug zum gegenwärtigen Internetgeschehen

- zu wenig Tiefe (technisch, charakterlich wie auch philosophisch)
- für Gelegenheitsnutzer und Internetabstinente wohl ungeeignet

Bewertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 4/5

Wer mit der englischen Sprache zurechtkommt, kann übrigens "Backup" kostenlos herunterladen - der Roman steht unter einer Creative Commons Licence!


Rezension zu "Upload"

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 23. September 2009
 

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