Zeitenzauber: Die magische Gondel (Eva Völler)

Zeitenzauber

Baumhaus (Bastei Lübbe), August 2011
Hardcover, 333 Seiten, € 14,99
ISBN: 978-3833900266

Genre: Jugendbelletristik, Zeitreise


Klappentext

Die 17jährige Anna verbringt ihre Sommerferien in Venedig. Bei einem Stadtbummel erweckt eine rote Gondel ihre Aufmerksamkeit. Seltsam. Sind in Venedig nicht alle Gondeln schwarz? Als Anna kurz darauf mit ihren Eltern eine historische Bootsparade besucht, wird sie im Gedränge ins Wasser gestoßen – und von einem unglaublich gut aussehenden jungen Mann in die rote Gondel gezogen. Bevor sie wieder auf den Bootssteg klettern kann, beginnt die Luft plötzlich zu flimmern und die Welt verschwimmt vor Annas Augen.


Die Autorin

Eva Völler hat sich schon als Kind gern Geschichten ausgedacht. Trotzdem hat sie zuerst als Richterin und später als Rechtsanwältin ihre Brötchen verdient, bevor sie Juristerei und Robe schließlich endgültig an den Nagel hängte. "Vom Bücherschreiben kriegt man auf Dauer einfach bessere Laune als von Rechtsstreitigkeiten. Und man kann jedes Mal selbst bestimmen, wie es am Ende ausgeht." Die Autorin lebt mit ihren Kindern am Rande der Rhön in Hessen.


Rezension

Sommerferien in Venedig – könnten ja eigentlich ganz schön sein, wenn Annas Eltern wenigstens Zeit für sie gehabt hätten. Ihr Vater, ein anerkannter Archäologe, ist wegen seiner Arbeit in Venedig. Und wenn sie nur ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf seine Entdeckung gemacht hätte, wäre sie vielleicht etwas mehr vorbereitet gewesen auf die kommenden Ereignisse. Aber kann man sich wirklich vorbereiten auf eine Reise in die Vergangenheit? Eine rote Gondel erregt ihre Aufmerksamkeit – denn sind nicht alle Gondeln schwarz in Venedig? Bei einer historischen Bootsparade wird sie unglücklicherweise ins Wasser gestoßen und kurz vorm Ertrinken in ebendiese rote Gondel gezogen. Von einem umwerfend gutaussehenden Typen, bei dessen Anblick sich diverse Schmetterlinge in ihrem Bauch tummeln. Dass aber sein Anblick sie so mitnimmt, dass sich die Welt vor ihren Augen auflöst, ist schon ein starkes Stück. Als sie merkt, dass sie weit in der Vergangenheit gelandet ist, hält sie das erst einmal für einen guten Scherz.

Doch schon bald merkt sie, dass sie bestimmte Wörter oder Sachverhalte einfach nicht mehr aussprechen kann. Sie werden einfach umgewandelt, zu der Zeit passend, oder sie verlassen erst gar nicht ihren Mund. Die passende Kleidung wird ihr gegeben und Sebastian bringt sie bei einer Gewürzhändlerin unter, wo sie sich als Dienstmädchen verdingen kann. Antworten bekommt sie nur häppchenweise, was nicht nur sie sondern auch den Leser ziemlich verrückt macht. Aber Eva Völler kann so anschaulich schildern, dass man sich wirklich in die Gassen Venedigs versetzt fühlt, inklusiver aller Gerüche und Abfälle. Alleine schon die Schilderungen der historischen Stadt und deren Einwohner, die damaligen Lebensbedingungen in allen Schichten und Annas Umgang damit fesseln die ganze Zeit. Niemals verliert Anna ihren Humor, mit dem sich viele Situationen besser ertragen lassen. Ausplappern kann sie ja eh nichts aus der Zukunft, das hat Eva Völler sehr gut gelöst. Und die Charaktere machen einfach nur Spaß.

Anna ist eine richtig taffe, junge Frau, mit einem ausgeprägten Sinn für Humor und Sarkasmus. Schnell wird ihr klar, dass es einen Grund für ihre Anwesenheit geben muss, dessen Anforderung sie sich beherzt stellt. Leider bietet ihr Sebastian immer nur Brotkrümelchen als Hinweise an, was ihre Neugierde nicht gerade befriedigt. Über jedes noch so kleine Zusammensein mit Sebastian freut sie sich immer sehr, die Schmetterlinge flattern in ihrem Bauch ganz schön heftig, wenn sie ihn sieht. Eine zarte Romanze entwickelt sich zwischen ihnen – aber wird sie auch noch Bestand haben, wenn sie wieder in ihrer Zeit angekommen ist. Eva Völler schafft es sehr schnell, die Leser in den Bann zu ziehen und mit ihnen auf Spurensuche zu gehen. Man fiebert mit Anna mit, was ihr wohl noch so alles zustoßen wird. Historisch sehr nah an der Realität lebt man kurzfristig in vergangenen Zeiten, betrachtet durch das Auge der heutigen Zeit. Es macht einfach Spaß, mit Anna auf Entdeckungsreise zu gehen.


Fazit

Geschichte mit allen Sinnen erleben, Eva Völler gelingt es meisterhaft in ihrem ersten Teil von Zeitenzauber – Die magische Gondel eine Atmosphäre zu erschaffen, die nicht nur durch ihre lebendigen Bilder hervorsticht, sondern auch Gerüche entstehen lässt. Authentische Schilderungen über die damaligen Lebensumstände und Umgebung lassen vergangene, prachtvolle Zeiten wieder auferstehen, zusammen mit Anna entdeckt man wie das Leben damals so war – nicht immer sehr prunkvoll.


Pro und Contra

+ historisches Flair
+ realistische und sympathische Charaktere
+ Einblicke in längst vergangene Zeiten
+ fesselnder Stil
+ stilvolle Atmosphäre
+ interessanter Plot
+ Humor und Sarkasmus

- Sebastian braucht ein bisschen lange, um zu reden

Wertung sterne4.5

Charaktere 4,5/5
Handlung 4.5/5
Lesespaß 4.5/5
Preis/Leistung 4.5/5

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