Schmetterlingsnetzwerk Bd. 3 – Stigmata (Cecil & Corbeyran)

Verlag; Splitter (Januar 2012)
Gebundene Ausgabe, 48 Seiten, 13,80 Euro
ISBN-13: 978-3868692884

Genre: Steam-Punk, Comic


Klappentext

Das Schmetterlingsnetzwerk, ein Untergrund-Kartell aus Dieben und Einbrechern, hat seine Prinzipien: Jedes Mitglied, das sich nicht an die Regeln hält, wird bestraft. Während eines Einbruchs entdecken zwei Mitglieder dieses Netzwerk, dass der hochangesehene Baron von Harcourd ein schmutziges Geheimnis hütet. Auf einem gestohlenen Filmstreifen ist zu sehen, wie Prostituierte gezwungen werden, bei perversen und blutigen Sexspielen mitzumachen. In einem ans 19. Jahrhundert erinnernden Ambiente machen sich die beiden Einbrecher Mücke und Eustache auf die Suche nach den Filmautoren. Sie müssen sich nicht nur mit dem Baron und dessen Komplizen herumschlagen, sondern auch mit der korrupten Polizei.


Rezension

Nach Nachtfalter und Herr Mond, kommt die Trilogie rund um das Schmetterlingsnetzwerk zu einem Ende und vermag nicht zu enttäuschen. Leser wünschen sich von längeren Reihen einen würdigen Abschluss. Der dürfte hiermit gegeben sein. Stigmata überrascht und führt gleichermaßen alles logisch zu Ende. Der Verlauf der Geschichte findet hier seinen Höhepunkt. Der Baron wird gestürzt und seine gesponnenen Intrigen zerbersten im Nichts. Es ist fast nicht möglich einen klaren Sieger zu erkennen, denn jeder von den Beteiligten hat sowohl verloren, als auch gewonnen; wenn eben auf unterschiedliche Weise. Jede Handlung erfordert Konsequenzen, die früher oder später gezogen werden. Persönliche Schicksale überhäufen sich, besonders bei Eustache, der durch den Tod seiner großen Liebe Zibeline, sehr stark in Mitleidenschaft gerät. Trotzdem tut sich für ihn eine Chance auf, seine Vergangenheit zu bereinigen. Mücke kämpft mit allen Kräften, doch hat er innerlich schon aufgegeben. Der Sinn von allem ist ihm fremd geworden. Der große Showdown ist nur ein oberflächliches Spektakel. Wozu das Alles? Als alleinigen Nutznießer betrachtet sich selbst der leitende Ermittler, der bekanntermaßen zum engeren Kreis des Barons gehörte. Das Ende ist auf seine Art romantisch, dennoch ohne Happy End. Weder Gut, noch Böse haben gesiegt. Man könnte es als gesundes Gleichgewicht bezeichnen.

Cecil ist mit dem Schmetterlingsnetzwerk am Ende, die Geschichte ist erzählt. Was bleibt sind die verschiedenen Eindrücke, welche sich auf sehr vielen Ebenen gleichzeitig verteilen. Der Leser wird in die Welt eintauchen und verstehen, was den Steam-Punk so romantisch werden lässt. Die permanente Suche nach der eigenen Identität, das Gemüt der Menschen und ihre Vorstellung von der Zukunft. Geographie, Philosophie und Technologie - alles vereint und harmonisierend. Wäre dies ein Comic aus dem us-amerikanischen Raum gewesen, so kann man davon ausgehen, dass hier alles mit einem Happy-End abgeschlossen worden wäre. Doch in Europa sieht man die Dinge nun mal nicht durch eine Hollywood-Brille und stellt sie oftmals so dar, wie es in der Realität höchstwahrscheinlich stattfinden würde. Nach der Lektüre des Zyklus wird der Leser aber feststellen, dass es nicht anders geht. Dass Zibeline, Eustache und Mücke durch diese Strapazen gehen und anschließend glücklich werden, ist ziemlich unwahrscheinlich. Die äußeren Randbedingungen sprechen nicht dafür. Das ist eine Tatsache, die den Charakter des Steam-Punks ausmacht. Eine bunte Mischung aus Gerechtigkeit, Melancholie, Melodie, Gefahr und Zukunftsvisionen, vermischt mit der Vergangenheit. Alles zusammen eine sehr verruchte Angelegenheit.

Cecil hat in Bild und Text einen einzigartigen Geist eines einzigartigen Genres festgehalten. Es wird zu Recht zu den bedeutendsten literarischen Höhepunkten gezählt, die dieser Pfad zu bieten hat. Viele Künstler dürften diesem Beispiel noch folgen; aber einen Meilenstein gibt es zumindest schon. Was gut umgesetzt wirkt, ist der Aspekt, dass viele Dinge zwar fremd und veraltet wirken, trotzdem aber das Interesse wach halten. Man kommt durchaus zu den Überlegungen, ob die Welt damals nicht vielleicht doch ein Stück weit besser war, als die heutige. Wobei besser nur gemeint sein kann im atmosphärischen Selbstverständnis, da es auch früher den Kampf um Existenz und Freiheit gab. Kleidungsstücke mögen auffallen, sind dennoch schlicht. Wahrlich eine Kunst das genauso dem Leser übermitteln zu können. Es ist angenehm, dass der Text nie überfordert und dennoch viel zu erzählen weiß. Genau richtig, wenn eine bestimmte Wirkung erzielt werden soll.

Cecil hat mit einfachen Worten beschrieben, was im aktuellen Verständnis wohl eher im Hinterkopf geraten ist: Individualität; weit abgeschlagen hinter Sorgen, Beruf, Stress und Finanzen. Für jede Sorge und Hoffnung gibt es auch im dritten Band mindestens eine Person, die das repräsentiert. Eustache hing Pflicht und Träumereien hinterher. Am Ende geht es schließlich darum, aus dem Wirklichen das Beste zu machen. Seine Liebe zu Zibeline blieb auf ihre Art unerfüllt, denn eine Zeit zu lieben, gab es in dem Sinne nicht. Seine Angebetete hat versucht sich durchs Leben zu schlagen und im Prinzip ist sie auf ganzer Linie enttäuscht worden: Sie wurde hintergangen, missbraucht und fand einen einsamen und ungerechten Tod. Mücke hat immer nur gekämpft und in die kleine Gemeinschaft mit Eustache alles investiert. Würde man ihn fragen, dann kämen hier und da bruchstückhafte Antworten, weil es einfach nicht diese eine Antwort geben kann. Er ergibt sich schließlich seinem Schicksal und kann auf ein Leben zurückblicken, das ihm nicht das Ende gegeben hat, auf das er heimlich hingearbeitet hat. Der Baron ist ein Machtmensch, der alles und mit seinem Geld jede Möglichkeit hat, die man sich nur ausmalen kann. Trotzdem sind ihm perverse Zirkel der präferierte Ort. Seine mächtigen Freunde, wie der Polizeichef, sind darauf aus ein Stück dieser Macht mitzunehmen und diese für einen Freifahrtschein zu halten, der ihnen ermöglicht alles zu tun, wonach ihnen beliebt. Ob sein Ende oder das des Barons gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Unterm Strich doch ziemlich das, was man aus dem Alltag kennt.

Die Zeichnungen haben gegenüber den ersten beiden Bänden auf keinen Fall abgebaut. Im Gegenteil. Für ein fulminantes Ende müssen fulminante Zeichnungen her. Und die begleiten den Betrachter von Panel zu Panel bzw. von Seite zu Seite. Die facettenreichen Bilder transportieren den Geist des Steam-Punk glaubwürdig und sind in keinem Fall aufgesetzt oder aufdringlich. Hier wird mit feinem, sorgfältigem Strich nur eine Welt vorgestellt, die es wert ist, beachtet zu werden, denn sie hat viel zu erzählen. Egal ob Comic, Roman oder Rollenspiel. Eine wirklich interessante Alternative, in der man seine Ideen schweifen lassen und über den Dächern Frankreichs Schmetterlinge fangen kann. Natürlich kann mit nur einer Trilogie nicht alles ausgeschöpft sein. Einige Schätze sind noch verborgen und bieten Platz zum Nachdenken, Spaßhaben oder einfach nur Mitfühlen.

Was bleibt nach drei Bänden Schmetterlingsnetzwerk noch lobend? Nicht mehr viel, als dass Splitter gut daran getan hat, diese Geschichte in sein Programm aufgenommen zu haben. Hier lohnt sich praktisch alles. Der Preis ist mehr als nur einwandfrei und gibt jedem die Möglichkeit, zumindest reinzuschauen. Vielleicht wäre Bonusmaterial nicht schlecht gewesen, doch was nicht ist, ist manchmal einfach nicht. Vorstellbar wäre eine Gesamtausgabe, in der man hier und da noch ein paar zusätzliche Feinheiten einbauen könnte. Viel Kreativität bedarf es nicht mehr, denn das hat Cecil schon übernommen.


Fazit

Im Großen und Ganzen ein dreibändiges Abenteuer über das man als literarisch versierte Person nachdenken sollte. Es lohnt sich, speziell dann, falls man sich andere Welten in anderer Zeit anschauen möchte. Preis und Inhalt stimmen. Das einzige Problem ist nicht nur der fehlende Bonusanteil, sondern die Tatsache, dass wirklich schon Schluss ist. Doch Cecil war gut beraten, nichts künstlich in die Länge zu ziehen.


Pro/Contra

+ konsequentes, logisches Ende
+ Charaktere bereiten sich auf ihren Höhepunkt vor
+ Steam-Punk auf jeder Seite spürbar
+ Zeichnungen und Text, wie bei seinen Vorgängern, ein perfektes Szenario
+ Preis passt

Bewertung:

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/ Leistung: 4/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Cecil und Corbeyran:

Rezension zu Das Schmetterlingsnetzwerk Bd.1 - Nachtfalter
Rezension zu Das Schmetterlingsnetzwerk Bd.2 - Herr Mond

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