Sonntag, 17. November 2019

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Washington Square (Henry James)
Geschrieben von Almut
Freitag, der 27. Juni 2014

james washington

Manesse 2014
Originaltitel: Washington Square (1880/1881)
Übersetzt von Bettina Blumenberg
Nachwort von Bettina Blumenberg
Leinen, 288 Seiten
€ 24,95 [D] | € 25,70 [A] | CHF 35,50
ISBN: 978-3-7175-2310-9

Genre: Belletristik


Inhalt

Catherine Sloper, die Protagonistin von Washington Square, verliert kurz nach ihrer Geburt ihre Mutter. Sie wird von ihrem Vater, dem angesehenen Arzt Dr. Austin Sloper, und ihrer Tante Lavinia Penniman erzogen und wächst zu einer liebenswerten jungen Frau heran, die weder besonders intelligent noch schön ist. Die Avancen, die ihr der gut aussehende und charmante Morris Townsend macht, schmeicheln ihr so, dass sie bereits nach wenigen Tagen überzeugt ist, ihre große Liebe gefunden zu haben. Dr. Sloper glaubt nicht daran, dass Morris Catherine liebt, denkt vielmehr, der frühere Abenteurer, der sein ganzes Vermögen durchgebracht hat, sei nur interessiert an den jährlich zehntausend Dollar, die Catherine von ihrer Mutter geerbt hat, und er erwarte darüber hinaus zusätzliche zwanzigtausend Dollar Mitgift von ihm. Tante Penniman unterstützt das Paar gegen den Willen ihres Bruders.


Rezension

Washington Square beginnt mit einem kurzen Rückblick auf das Eheleben Austin Slopers. Wir erfahren, dass er seine Frau über alles liebte, und unser Wissen von ihren Todesumständen erklärt, warum Sloper seine enttäuschte Haltung zum Leben hat, die auch auf das Verhältnis zu seiner Tochter wirkt.

Der Roman kommt mit sechs wichtigen Figuren aus: Dr. Austin Sloper, der angesehene, intelligente und rigorose Arzt, an dem jegliche Kritik außer seiner eigenen abprallt; seine Tochter Catherine, die liebenswert ist, ihrem Vater gegenüber gehorsam, ein wenig dumm und nicht attraktiv im klassischen Sinn; Morris Townsend, ein schlanker und zugleich kräftig aussehender, schöner Mann, der einer Frau den Zugang zum Gehirn verstellen kann; Lavinia Penniman, Liebhaberin leichter Literatur und närrischer Argumentation, eine Schwester Austins und eine Witwe, die im Haus ihres Bruders lebt und weniger aus Liebe denn in Ermangelung einer Aufgabe die Erziehung Catherines übernahm; Mrs. Almond, Austin Slopers jüngere Schwester, Frau eines wohlhabenden Geschäftsmannes, Mutter, der Vernunft zugänglich und Liebling ihres Bruders; schließlich Mrs. Montgomery, allein erziehende Mutter von fünf Kindern, Schwester von Morris, der in ihrem Haus lebt. Die Figuren wirken nicht wie lebendige Menschen, vielmehr wie verschieden intensiv durchblutete Ideen.

Catherine wandelt sich vom Ideal einer viktorianischen Tochter und von einem Mauerblümchen zu einer Frau mit eigenen Vorstellungen vom Leben, versucht dabei, es sowohl ihrem Vater und dem Mann, den sie heiraten will, recht zu machen. Gefühlsverwirrungen entstehen bei James nicht durch Bedrohungen von außen, sondern durch innere Vorgänge, das Nachdenken der Charaktere über Gefühle und Möglichkeiten, ein Nachdenken, dessen Schranken gesetzt werden durch das Fehlen wichtiger Informationen. Diese Informationen sind auch den Lesern nicht zugänglich, die trotz mancher eindeutig wirkender Hinweise über die wahren Motive des Romanpersonals im Ungewissen gelassen werden. Nicht die objektive Realität ist entscheidend für das Verhalten und die Handlungen der Protagonisten, sondern deren subjektive Perspektive auf das Geschehen. Manipulative Dialoge und Gefühle beeinflussen die Vorstellungen und Gedanken sowie deren Strukturierung.

James verwendet einen namenlosen Ich-Erzähler, der nicht in die Handlung eingebunden ist und die Geschichte überwiegend distanziert vermittelt. Gelegentlich spricht er die Leser direkt an, erweckt den Eindruck eines Gespräches zwischen Erzähler und Leser, in dem er durch die Form und persönliche Einschätzungen Einfluss auf die Präsentation des Materials nimmt.


Fazit
Henry James erzählt in Washington Square eine Geschichte über Loyalität und Liebe, Naivität und Gier, Verrat und Rache, Manipulation von Menschen in einer von Männern dominierten Welt, die für Frauen nur die Rechtlosigkeit sowie die Unterordnung unter den Mann oder das Alleinsein bereithält.


Pro und Kontra

+ eine profunde Erzählung über Lüge und Selbstbetrug
+ brillanter Diskurs über die Gestaltung von Wahrnehmungsprozessen

Wertung: sterne5 
Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 27. Juni 2014
 

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