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Victoria Francés (deutsche Übersetzung - 18.08.2014)
Geschrieben von Markus / Judith
Montag, der 18. August 2014

Interview mit Victoria Francés

FrancesVictoria

Literatopia: Liebe Victoria, danke, dass Du Dir Zeit für unser Interview nimmst! Im letzten Sommer ist bei uns „Das Klagelied des Meeres“ erschienen – wie bist Du dazu gekommen, Hans Christian Andersens „Kleine Meerjungfrau“ neu und so düster zu interpretieren? Was bedeutet Dir dieses Märchen?

Victoria Francés: „Das Klagelied des Meeres“ ist keine Reinterpretation, es ist eine eigene Geschichte, die sich mit den Gefühlen der bedingungslosen Liebe, Zurückweisung und Aufopferung befasst. Vielleicht könnte man denken, dass es eine Adaption der klassischen Erzählung von Andersen ist, aber ich möchte betonen, dass es KEINE Reinterpretation ist. Es war vielmehr eine Inspiration und meine persönliche Hommage an diesen Klassiker.

Literatopia: „Das Klagelied des Meere“ handelt von einer unerfüllbaren Liebe, die tragisch enden muss. Dieses Thema findet sich auch in Deinen anderen Arbeiten wieder. Inwiefern reizt Dich diese dunkle Seite der Romantik?

Victoria Francés: Durch die Geschichte hindurch war die Romantik von dieser dunklen Seite, von der Du sprichst, durchzogen, so in der Literatur, der Musik, im Kino etc. Und die Romantik als Kunstgattung befasst sich mit den Empfindungen des menschlichen Geistes.
 
Literatopia: Wie bist Du überhaupt zum Malen gekommen? Und wie lange hat es gedauert, bis Du überzeugt davon warst, Deine Werke der Öffentlichkeit präsentieren zu können?

Victoria Francés: Ich habe mein ganzes Leben lang gezeichnet. Seit frühester Kindheit habe ich gespürt, dass dies meine persönliche Art ist, mich auszudrücken. Es war immer mein Traum ein Buch mit Zeichnungen zu veröffentlichen und als ich volljährig war, begann ich meine Arbeiten verschiedenen Herausgebern zu präsentieren.

Literatopia: Mit welchen Materialien arbeitest Du? Zeichnest Du noch viel mit Bleistift und Papier? Oder geschieht auch bei Dir vieles inzwischen digital?

Victoria Francés: Ich arbeite mit traditionellen Techniken,  beginne mit einer Aquarellbasis, arbeite dann mit Pastellfarben und Buntstiften weiter. Den Computer benutzte ich vor allem am Anfang meiner Karriere, um Details zu korrigieren, die mir in der Originalzeichnung nicht so gut gelungen waren oder z.B. um eine Farbe zu betonen. Jetzt dient er mir zum Einscannen der Skizze, die vor dem Malen mit dem Bleistift angefertigt wird, um überflüssige Linien wegzuretuschieren und schließlich die Größe anzupassen, damit später die Skizze mit einfachen Linien auf einen Bildträger gedruckt werden kann.

Literatopia: Verwendest Du immer ein Foto als Grundlage oder entstehen manche Bilder auch direkt aus einem Gedanken, der dann seinen Weg aufs Papier findet?

Victoria Francés: Manchmal benutze ich Fotos, andere Male nicht. Das hängt zum großen Teil von dem Realismus ab, den ich im fertigen Werk erreichen möchte.

Literatopia: Wie viel Zeit vergeht zwischen der ersten Skizze und dem fertigen Bild? Gehst Du dabei verschiedene Arbeitsschritte durch oder zeichnest Du auch manchmal wild drauflos?

Victoria Francés: Das variiert abhängig von der Komplexität des Bildes. Normalerweise dauert es durchschnittlich zwei Wochen vom Beginn bis zur Fertigstellung einer Illustration. Für gewöhnlich halte ich mich immer an eine Arbeitsroutine.

 

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Literatopia: Deine Bilder in „Favole“ und „Das Klagelied des Meeres“ werden von melancholischen Texten begleitet. Schreibst Du sie, wenn Du die Bilder schon hast? Oder ist meist zuerst der Text da?

Victoria Francés: Vor allem bin ich Illustratorin in der Art, dass ich meine Geschichten mittels Bildern konzipiere. Ich fange damit an ein kleines Skript zu schreiben, dass mir als Vorlage für die Bilder dient, die ich darstellen möchte, und umgehend fange ich an zu malen. Ist einmal die Illustration fertiggestellt, schreibe ich die Geschichte.

Literatopia: „Favole“ ist Dein bislang bekanntestes Werk, das im Herbst 2012 in Deutschland in einer wundervollen Hardcoverausgabe erschienen ist. Dazu gibt es zahlreiche Kalender, Puzzle und andere Merchandisingartikel. Hattest Du je zu träumen gewagt, dass „Favole“ ein solcher Erfolg wird? Wie fühlt es sich an, wenn die eigenen Bilder plötzlich so populär sind?

Victoria Francés: Fest steht, dass ich mir dies um nichts in der Welt vorgestellt habe. Die Veröffentlichung eines Buches habe ich als persönlichen Erfolg genommen, das heißt, mein einziges Ansinnen war es, mir diesen kleinen Traum zu erfüllen, der darin bestand, meine Bilder zu veröffentlichen. Natürlich habe ich mich noch mehr der künstlerischen Arbeit gewidmet, als ich dies geschafft hatte. Aber von diesem kleinen Traum bis hin zu dem Erfolg meines ersten Werkes, und den Einfluss den es hatte, habe ich nicht zu hoffen gewagt, als die neue Illustratorin, die ich war.

Literatopia: „Favole“ erzählt ja die Geschichte eines düsteren Engels. Woher stammt diese Idee?

Victoria Francés: Favole erzählt die Geschichte einer Vampirin. Es ist ein Geist von vampirischer Natur, der nach Befreiung strebt. Der Tod ist das Ende und die einzige Tür zur vollkommenen Erlösung. Die Idee stammt von meinen ersten Illustrationen. Im Grunde genommen entstand sie als eine Geschichte, mit der ich diese Serie von Zeichnungen, die einen Bestandteil des ersten Teils von Favole bilden und die sich viel später aufgrund des Erfolges zu drei Teilen ausweiteten, verbinden konnte.

Literatopia: Gerade in der Gothic-Szene sind Deine Arbeiten sehr beliebt. Zählst Du Dich selbst dazu? Was macht für Dich die schwarze Szene aus?

Victoria Francés: Ich betrachte mich als Liebhaberin vergangener Epochen, der Melancholie und Dekadenz, der Romantik, der dunklen Seite der Kunstszene... etc. Aber nur deshalb bin ich nicht unbedingt der Auffassung an einer bestimmten Jugendkultur teilzuhaben, nicht einmal aufgrund der Tatsache mich auf bestimmte Art und Weise zu kleiden, und daher habe ich mich nie einer Gruppe oder Subkultur zugehörig gefühlt. Für mich, ist es absurd etwas einen Stempel aufzudrücken. Ich betrachte es nicht als eine “Pose”, sondern als eine Art zu fühlen.

Literatopia: Im Herbst 2012 konnten Dich Deine Fans auf der Frankfurter Buchmesse live erleben. Wie hat es Dir gefallen? Hast Du überhaupt etwas von Deutschland und der Buchmesse gesehen?

Victoria Francés: Tatsache ist, dass ich mich beide Male, wo ich Deutschland besucht habe, von den Leuten sehr freundlich aufgenommen gefühlt habe. In Deutschland respektiert und schätzt man einen Autor sehr, und zumindest in meinem Fall würde ich sagen, dass diese Erfahrung sehr positiv war. Daher bin ich sehr dankbar und wünsche mir, nocheinmal zu einer Eurer Buchmessen zu kommen. Und was Deutschland angeht... es ist ein außergewöhnliches Land und besitzt sehr inspirierende Landschaften von äußerster Schönheit. Ich habe Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Leipzig, Magdeburg... besucht und im Großen und Ganzen war ich sehr angetan.

Literatopia: Was können wir in Zukunft von Dir erwarten? Arbeitest Du bereits an einem neuen Buch? Und bleibst Du der dunklen Romantik dabei treu?

Victoria Francés: Mein Wesen wird sich nie ändern, weil es etwas ist, eine eigene Besonderheit, die mich als Person und als Künstlerin geformt hat. Die Geschichten ändern sich, aber die Essenz bleibt dieselbe. Zurzeit arbeite ich an meinem nächsten Werk, das bis Ende 2014 fertiggestellt werden soll. Diese neue Geschichte ist ein Projekt, das ich lange Zeit auf Eis gelegt hatte, und mit dem ich jetzt endlich anfangen konnte. Aber es liegt mir nicht, zu viel über Werke zu sagen, die sich noch in der Schaffensphase befinden. Obwohl ich glaube, dass ich in Kürze eine Kostprobe dieses neuen Projektes veröffentlichen werde und ich bin sicher, dass dies allen gefallen wird, die meine Arbeit mitverfolgen.

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!

 

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Bildmaterial: Copyright by Victoria Francés

Autorenhomepage: www.victoriafrances.es

spanisches Originalinterview


Dieses Interview wurde von Markus Drevermann und Judith Gor für Literatopia.de geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 18. August 2014
 

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