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Steampunk Akte Deutschland (Hrsg. Grit Richter)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 17. September 2014

Art Skript Phantastik (Juli 2014)
Taschenbuch, 224 Seiten, 12,80 EUR
ISBN: 978-3945045008

Genre: Steampunk / Steamfantasy Anthologie


Klappentext

Deutschland – Geografisches Herz Europas, Land der Dichter und Denker, Hochburg des Erfindergeistes. In einer retro-futuristischen Welt wurden die Weichen der Geschichte neu gestellt und zwischen Dampfmaschinen und Zeppelinen entsteht ein neues Deutschland, voller biotechnischer Errungenschaften, wundersamer Automaten und High-Tech-Waffen. Doch auch die dunklen Wesen aus Sagen und Legenden sind lange keine Fantasiegestalten mehr, sondern der Realität näher, als es sich die kühnsten Literaten je hätten vorstellen können. Angetrieben von Kupfer, Dampf und Blut greifen die Zahnräder des Lebens ineinander und bewegen die Maschinerie der Geschichte.


Rezension

Bereits mit „Steampunk 1851“ erschien im Art Skript Phantastik Verlag eine abwechslungsreiche Steampunk-Anthologie, die der Herausgeberin Grit Richter ein gutes Händchen für stimmungsvolle Geschichten attestierte. Auch dieses Mal ist für reichlich Abwechslung gesorgt und für jeden Geschmack sollte etwas dabei sein. Naturgemäß gibt es dabei Beiträge, die weniger überzeugen und einige, die sich als wahre Perlen entpuppen. Ein kleines Vorwort dient der Einstimmung und verspricht, dass der Leser Einblick in die geheimen Akten der Organisation „Schmetterling“ erhalten wird. Bei ganzen 15 (!) Geschichten ein äußerst umfassender Einblick:  

Der mechanische Mann“ von Detlev Clever versetzt den Leser mitten ins Kriegsgeschehen, wo eine deutsche Einheit ihr ganzes Pulver in ein Heer unbeeindruckter Franzosen schießt. Georg Hasenkamp muss zusehen, wie seine Männer überrannt werden und erliegt schließlich selbst dem übernatürlich starken Feind – und so kann er es kaum glauben, als er die Augen aufschlägt und noch am Leben ist. Eine Spezialeinheit Bismarcks hat ihn gerettet und seinen Körper mechanisch aufgewertet. Hasenkamp soll seinen Dienst am Vaterland weiterhin leisten und bekommt prompt den ersten Auftrag … Detlev Clevers Einstieg in die Anthologie schürt kräftig Stimmung und bietet neben mechanischen Spielereien eine starke Frauenfigur und ein übernatürliche Welt, die in der Kürze allerdings nicht gänzlich erblühen kann.

Corrina Schattauer setzt in ihrem Beitrag „Die Geister, die ich rief“ mehr auf Mystery-Elemente. Eric hat ein Gerät erfunden, mit dem er Geister rufen kann – was er seiner Freundin Cleo, die ihm in ihrem Geschäft schon so manchen Bastelschatz verkauft hat, im Mainzer Dom vorführen will. Sie rufen den Geist eines verstorbenen  Domprobst – und ein finsteres Wesen, das selbst dem Geist Angst einjagt. Trotz altbekannter Thematik weiß Corrina Schattauer ihre Leserschaft zu unterhalten und schafft eine düstere Atmosphäre, die über den im  Vergleich zu den anderen Beiträgen schwachen Inhalt hinwegtröstet.

In „Erasmus Emmerich & der Messing-Türknauf“ präsentiert Katharina Fiona Bode einen recht ungewöhnlichen Protagonisten, den der Austausch eines Metallknaufs durch ein Stück Messing zutiefst beunruhigt. Baldigst beginnt Erasmus Emmereich zu ermitteln und kommt dabei unwissentlich einer Verschwörung auf die Spur. Unterstützt wird er von der Qualmfee Marie, die einem seiner Experimente zum Opfer gefallen ist. Die beiden geben ein höchst skurriles und unterhaltsames Ermittlergespann ab, das ein ganz klein wenig an „Sherlock Holmes“ erinnert. Der humorvolle und liebevoll mit Details ausgeschmückte Schreibstil der Autorin machen den „Messing-Türknauf“ zu einem Highlight der Anthologie.

Proterius‘ Konservendose“ von Daniel Huster verlangt dem Leser mit seinen surrealen Einflüssen einiges ab. Denn eigentlich passiert nicht viel, außer, dass Proterius sich über den Fortschritt der Engländer aufregt und seine eigene Abfüllanlage für Konserven testet. Der Testlauf gelingt, doch was hat er in die Dose hineingefüllt? Und warum lässt sich das verdammt Ding nicht öffnen? Plötzlich finden sich Proterius in einem Alptraum wieder … Ein äußerst interessanter Beitrag, der nicht gerade leicht zugänglich ist, aber spannende Fragen aufwirft.  

Mit ihrem „Seelenverzehrer“ bietet Daniela Herbst eine unheimlich spannende Welt, die sie auf wenigen Seiten sehr detailreich und stimmungsvoll zeichnet. Lehnsfürst Harkon Christobal betrachtet das verfallene Augsburg mit Wehmut, doch er hat keine Zeit, sich um die Probleme der Bürger zu kümmern. Zuerst muss er ein ganz persönliches Problem loswerden und sucht dazu einen gefürchteten Sukkubus auf. Die Geschichte nimmt eine überraschende Wendung, doch auf der letzten Seite wirkt sie nicht ganz zu Ende gedacht. Daniela Herbst bietet so viele tolle Ansatzpunkte, dass man schlichtweg enttäuscht ist, wenn die Geschichte nach gerade einmal zehn Seiten endet. Bitte mehr aus dieser Steampunk-Welt!

Wolfsjäger“ von Kim Christine Wiefelspütz berichtet von einer misslungenen Jagd auf blutrünstige Werwölfe. Der Protagonist fällt dabei in die Kategorie skurriler Junggeselle mit Anstand und Charme – im Kampf stellt er sich jedoch nur mäßig gut an. Da bedarf es der Hilfe einer toughen Dame. Im Vergleich zu den anderen Geschichten ein relativ belangloser Beitrag, der zwar eine nette Mystery-Atmosphäre kreiert, aber Steampunkelemente weitgehend vermissen lässt. Auch das Ende ist einfallslos.

Während viele Beiträge eher Steamfantasy sind, ist Dennis FreysDie Tücken der Technik“ waschechter SteamPUNK. Erfinder Joris soll einem invaliden Soldaten einen Anzug bauen, der ihn stärker als zuvor macht. Er scheitert beinahe an der schier unmöglichen Aufgabe, erhält dann jedoch wahrlich teuflische Hilfe. Stimmungsvolle Beschreibungen treffen auf skurrile Wissenschaft und machen „Die Tücken der Technik“ zu einem echten Schmankerl in dieser Anthologie – inklusive Ausflug zur Weltausstellung!

Schon wenn man den nächsten Titel liest, erscheint ein Lächeln auf den Lippen: Markus Cremer ist wieder dabei und zwar mit „Archibald Leach und der Plan des Kaisers“. Bereits mit seinem Beitrag in „Steampunk 1851“ überzeugte der Autor mit spritzigen Dialogen, einem nicht ganz ernst gemeinten Plot und herrlichem Steampunk-Technobabble. Dieses Mal wird Archibald Leach nicht nur von seiner schönen (und immer noch in ihn verliebten) Assistentin Sarah Goldberg begleitet, sondern auch von Karl May, der hilft, einen mysteriösen Zug, in dem eine untote Armee gezüchtet wird, zu stoppen. Wieder eine höchst skurrile Geschichte, nicht ganz so originell wie die letzte, aber immer noch gute Unterhaltung mit Augenzwinkern.

Hinter dem vielversprechenden Titel „Der Geist in der Maschine“ von Marion Fischl verbirgt sich ein selbstverliebter Bericht über eine bizarre Erfindung: Eine Maschine soll feststellen, wer „gut“ und wer „böse“ ist – und wer könnte besser darüber urteilen, als ein Gott? Dem Titel nach kann man sich nun denken, worauf das Ganze hinausläuft. Eine interessante Idee, die erzählerisch nur mittelmäßig umgesetzt wurde und letztlich keine Substanz hat.

Der Plan des Grafen von B.“ von Adrian Sommerfeldt erinnert an einen Krimi mit Mystery-Elementen: Der Graf von B. hilft jungen Künstlern, in der höheren Gesellschaft bekannt zu werden – so auch dem Dichter Theodor, der glaubt, bald auf andere Künstler und Verleger zu treffen. Doch der werte Graf von B. hat etwas ganz anderes mit ihm vor. Schön erzählt mit gelungener Überraschung, ab da aber etwas zu vorhersehbar.

Ashley Kalandur bringt in „Der Wunsch“ einen Hauch Orient in die Anthologie. Ein alter, einflussreicher und grausamer Mann lässt nach einem Schatz graben und denjenigen, der ihn findet, kaltblütig ermorden. Dem Schatz soll eine ganz besondere Magie innewohnen, die das Schicksal der Protagonisten auf tragische und glückliche Weise wendet. Der Beitrag überzeugt mit einer wahrlich magischen Atmosphäre, guter Erzähltechnik und einer gelungenen Wendung zum Ende hin.

Isabelle Wallat gelingt es in „Das einfallsreiche Fräulein Helena Roth“ eine eigene, kleine Steampunkwelt mit einer starken Frauenfigur zu schaffen. Helena ist nicht nur eine begnadete Erfinderin, sie kämpft auch für ihre Liebe – und wenn es gegen einen widerlichen Vampir sein muss. Anfangs braucht die Geschichte etwas zu lange, um in Schwung zu kommen, unterhält dann zwischenzeitlich gut und bricht dann etwas zu abrupt ab. Etwas mehr Länge hätte gut getan.

Der Mann in Schwarz“ von Fabian Dombrowski greift das Thema „Akte Deutschland“ am besten auf: Der Protagonist, ein Ingenieur, findet sich in einem Verhörraum der Stasi wieder und muss erklären, warum er eine bizarre Maschine in Einzelteilen geschickt bekommen hat – und das skurrile Monstrum auch noch zusammenbauen konnte. Die Geschichte hat Protokollcharakter und auch wenn es zunächst anmutet, als würde sie in der falschen Zeit spielen, hat sie echten Steampunkflair – inklusive physikalischer Überlegungen und Zeitreiseproblematik.

Andrea Bieneck spickt ihren Kurzkrimi „Der Parasiteur“ mit Mystery-Elementen, wie man sie aus Indiana Jones und anderen Schatzjägergeschichten kennt. Bei der Lösung eines Falls müssen die Ermittler mehrere, fiese Fallen umgehen. Die Aufklärung des Mordes überrascht schließlich und krönt den Beitrag mit eiskaltem Schauern. Allerdings passt die Geschichte nicht unbedingt unter die Überschrift „Steampunk“.

Der Gehilfe des Puppenmachers“ von Daniel Schlegel stellt den Abschluss und gleichzeitig einen der Höhepunkte dieser Anthologie dar: Der Protagonist scheitert an dem Erbe seines Vaters, denn trotz technischer Finesse fehlt seinen Puppe die Lebendigkeit. Doch als ihn eine übernatürliche Kreatur besucht, die er kurzerhand gefangen nimmt, wendet sich das Blatt: Das monströse Wesen schafft einzigartige Puppen, verlangt aber einen immer höheren Preis. Daniel Schlegel überzeugt mit dichter Atmosphäre und einem originellen Plot, der mit wenig Action viel Spannung erzeugt und Tiefe besitzt.

Ist man am Ende der Anthologie angelangt, blickt man auf ein paar eher durchschnittliche und einige sehr unterhaltsame und kreative Beiträge zurück. Die große Auswahl an Geschichten ist zwar schön, doch letztlich scheint die Sammlung etwas überladen. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen. Manchen Beiträgen merkt man deutlich an, dass sie mehr Raum zur Entfaltung gebraucht hätten, und bei anderen hätte man einfach gerne mehr gelesen, weil die Welten unheimlich spannend waren (manche taugt gar zu einem ganzen Roman). Lobenswert bleibt trotzdem die Vielfalt der Beiträge: Es gibt verschiedenste Themen, verschiedene Schwerpunkte (Steampunk, Steamfantasy, Steammystery), verschiedene Erzählstile und ganz unterschiedliche Protagonisten. Für jeden sollten sich also mindestens drei bis vier Geschichten finden, die den Kauf dieser Anthologie lohnenswert machen.  

Mit der Gestaltung von „Steampunk Akte Deutschland“ hat sich Herausgeberin Grit Richter große Mühe gegeben: Das stabile Taschenbuch kommt mit schickem Hochglanzcover daher und die Buchseiten sind am Rand mit Schmetterlingen bedruckt, was einen edlen Eindruck macht. Das Inhaltsverzeichnis ist schön gestaltet und gleichzeitig übersichtlich, dazu gibt es eine Deutschlandkarte, auf der man sehen kann, wo die einzelnen Geschichten spielen. Schöner hätte man dieses Buch höchstens als Hardcover präsentieren können.


Fazit

„Steampunk Akte Deutschland“ bietet reichlich Abwechslung und einige Perlen, die gerne den Umfang eines Romans hätten haben dürfen. Wo man sich auf der einen Seite kaum satt lesen kann, gibt es auf der anderen Seite jedoch auch Beiträge, die im Vergleich belanglos und blass daherkommen. Insgesamt wären weniger Geschichten (mit mehr Raum zur Entfaltung) besser gewesen. Nichtsdestotrotz eine schöne Steampunk-Anthologie, die mit ihrer liebevollen Gestaltung überzeugt und zum Schmökern einlädt.


Pro & Contra

+ extrem abwechslungsreich
+ unterschiedliche Erzählstile und Settings
+ Schauplatz Deutschland (mit Landkarte!)
+ „Der Gehilfe des Puppenmachers“
+ „Erasmus Emmerich & der Messing-Türknauf“
+ „Seelenverzehrer“
+ Wiedersehen mit Archibald Leach
+ einstimmendes Vorwort und Autorenverzeichnis
+ äußerst liebevolle Gestaltung

- insgesamt zu viele Beiträge
- dadurch für manch interessanten Beitrag zu wenig Raum zur Entfaltung
- manche Geschichte wirkt im Vergleich  belanglos

Wertung: sterne4

Texte: 3,5/5
Auswahl: 4/5
Gestaltung: 5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5


Rezension zu "Steampunk 1851"

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 17. September 2014
 

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