Montag, 16. September 2019

Gewinnspiel

Phantast (Download)

phantast21 weltenschoepferinnen

Neueste Kommentare

Sehr interessant
Ich habe eine frage zu dem Buch die sabrina hat die eigendlich denn max von der strasse geschupst ...

Weiterlesen...

Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
Hallo Jeronimus :) Ich habe die dunkle Edition gehört. Ich meine zu wissen, dass sich die zwei Editionen ...

Weiterlesen...

Hey Sniffu, ich gebe dir absolut recht. Vielleicht hätte ich die Hörbuchfassung erwähnen sollen. ABER ...

Weiterlesen...

Salz und sein Preis (Patricia Highsmith)
Geschrieben von Almut
Donnerstag, der 02. Oktober 2014

highsmith salz

Zürich, Diogenes 2005, 2. Auflage 2014
Originaltitel: The Price of Salt (1952/1984)
Übersetzt von Melanie Walz
Nachwort der Autorin zur amerikanischen Neuausgabe 1984, „The Bloomingdale Story“
Autobiographische Skizze der Autorin
Nachwort von Paul Ingendaay
Editorische Notiz von Anna von Planta
Gebunden, 464 Seiten
€ 11,90 [D] | € 12,30 [A] | CHF 18,90
ISBN: 978-3-257-23402-2

Genre: Belletristik


Inhalt

Therese Belivet ist neunzehn Jahre alt, hübsch, intelligent und sensibel. Ihre künstlerischen Vorstellungen als Bühnenbildnerin sind vage, gesellschaftlich ist sie weitgehend isoliert, die Avancen ihres Freundes Richard, mit dem sie erste sexuelle Kontakte hat, empfindet sie als drängend und lästig. Sie ist einsam und unsicher, mit nur wenigen Freunden und ohne Familie. Nach dem frühen Tod ihres geliebten Vaters wurde sie von ihrer Mutter in ein Internat abgeschoben. Die Mutter gründete eine neue Familie. Therese sehnte sich nach der unerreichbaren Mutter, die auch von der fürsorglichen Schwester Alicia nicht ersetzt werden konnte. Nach einer Ausbildung zur Bühnenbildnerin ist sie nach New York gegangen. Sie wohnt in einem kleinen Zimmer und bis sie ihre erste richtige Anstellung hat, jobbt sie in der Vorweihnachtszeit als Verkäuferin bei Frankenberg’s in der Spielzeugabteilung, eine deprimierende Fronarbeit mit erbarmungslosen Regeln und Ritualen, ganz dem  kapitalistischen Verwertungsprozess unterworfen. Mitten im Hochbetrieb sieht sie unvermittelt eine blonde elegante Frau im Pelzmantel.

Die Frau kauft eine Puppe und einen Puppenkoffer und gibt Therese ihre Anschrift, damit man ihr die Waren nach Hause schickt. Therese hat sich in die selbstsichere Carol Aird verliebt und schickt ihr kurz entschlossen eine Weihnachtskarte, woraufhin sich Carol mit ihr trifft. Auch sie hat sich verliebt. Doch der Start der Beziehung ist problematisch: Therese kann mit niemandem über ihre Liebe sprechen, am wenigsten mit Richard, der sie heiraten will; und sie weiß nicht, wie sie Carols zeitweilige Distanziertheit und Unentschlossenheit einschätzen soll. Carol wiederum ist sich über Thereses Neigung unsicher, denn Therese ist jung und unerfahren und vielleicht doch nicht lesbisch, sondern nur neugierig. Außerdem muss sie ihre Liebe zu Therese geheim halten, denn sie lebt in Scheidung und ihr Mann Harge, ein Immobilienmakler, will ihr das Sorgerecht für Tochter Rindy entziehen.


Rezension

Salz und sein Preis war der zweite Roman von Patricia Highsmith nach Zwei Fremde im Zug (1950) und basiert auf der Kurzgeschichte The Bloomingdale Story, die wiederum auf einer wahren Begebenheit beruht. Im Dezember 1948 hatte Highsmith gerade Zwei Fremde im Zug beendet, der bei Harper & Bros. erscheinen sollte. Sie war, wie sie in ihrem Nachwort zur amerikanischen Neuausgabe 1984 schreibt, trübsinnig und knapp bei Kasse. Um etwas Geld zu verdienen, nahm sie in der Vorweihnachtszeit einen Job als Verkäuferin bei Bloomingdale’s an. Sie wurde in der Spielwarenabteilung eingesetzt, wo zu der Zeit Hochbetrieb herrschte. Eines Tages kam eine elegante blonde Frau im Nerzmantel zu ihr und kaufte bei ihr eine Puppe. Die Frau schrieb ihr Namen und Adresse auf, um sich die Puppe liefern zu lassen. Mrs. Kathleen Senn aus Ridgewood, New Jersey, übte eine derartige Faszination aus, dass Highsmith ihr eine Weihnachtskarte schrieb, ohne allerdings je eine Reaktion zu erhalten.

Ungefähr zwei Wochen später schrieb Highsmith das Erlebnis in The Bloomingdale Story nieder, einem kleinen Prosastück in Ich-Form von vierzehn Seiten. Nach einer Europareise begann sie Anfang Oktober 1949, die Kaufhausgeschichte zu einem Roman umzuarbeiten, den sie "The Argument of Tantalus" nannte. Allerdings nahm sie einige Veränderungen gegenüber der Kurzgeschichte vor. So ist die erotische Faszination weniger explizit; die Frau, in die sich das junge Mädchen verliebt, ist nicht mehr kinderlos, sondern hat eine Tochter und kümmert sich um Haus und Garten; das junge Mädchen erkennt seine Liebe zu der Frau sofort und hat damit keine Probleme, sieht aber in der Frau nicht nur die Freundin, sondern auch die Mutter, nach der es sich sehnt, und muss erwachsen werden, selbst zu einer Persönlichkeit werden, selbstbewusst und entscheidungsfähig. Im September 1950 war die erste Fassung fertig. Das Ende ließ Highsmith noch offen: vorsorglich schrieb sie zwei verschiedene, eines mit glücklichem und eines mit unglücklichem Ausgang. Die Lektorin von Harper favorisierte das glückliche Ende.

Nun allerdings kamen Highsmith Zweifel, ob sie den Roman überhaupt veröffentlichen sollte. Zwei Fremde im Zug hatte ihr mit einem Schlag den künstlerischen Erfolg gebracht und ihr einen guten Ruf als Suspense-Autorin eingebracht. Ein Roman über eine lesbische Liebe konnte beides gefährden oder zunichte machen und negative Auswirkungen auf ihre Privatleben haben, beispielsweise ihre ahnungslosen Eltern über ihre wahren sexuellen Neigungen aufklären, denn die lesbische Heldin war ein kaum verhülltes Selbstporträt. Erst im Januar 1951 stimmte Highsmith einer pseudonymen Veröffentlichung zu. Anfang 1951 war das Manuskript weitgehend fertig; im März unterschrieb sie den Vertrag bei Harper, der einen Vorschuss von 750 Dollar vorsah. Sie machte sich an die letzten Korrekturen; im Juni lehnte Harper das Manuskript überraschend als zu wenig reif ab.

Schon im Juli unterzeichnete Highsmith einen Vertrag bei dem Verlag Coward-McCann, der einen Vorschuss von 500 Dollar zahlte und das Buch im April 1952 unter dem Pseudonym Claire Morgan veröffentlichte. Den Durchbruch erzielte es im Folgejahr als Taschenbuchausgabe bei Bantam Books, die sich millionenfach verkaufte. Im Januar 1984 erschien das Buch bei The Naiad Press Inc. als veränderte Neuausgabe und mit einem Vorwort der Autorin unter Pseudonym. In dem Vorwort schildert die Autorin die Entstehungsgeschichte des Romans, die jedoch nicht ganz der Wahrheit entspricht, sondern – einer Autorin angemessen – Fakt mit Fiktion zu einer neuen Geschichte mischt. Im Mai 1985 erschien unter Pseudonym eine französische Fassung in Highsmiths Pariser Hausverlag Calman-Lévy. Basierend auf der Neuausgabe von 1984 erschien 1990 die erste Ausgabe unter ihrem richtigen Namen, unter dem Titel Carol. Roman einer ungewöhnlichen Liebe im Diogenes Verlag.


Fazit

Patricia Highsmiths zweiter Roman, Salz und sein Preis, handelt, für die Autorin könnte man sagen: ausnahmsweise, von einer Liebe, die nicht im Wahn ist. Der Roman liest sich leidenschaftlich und poetisch, worüber man vergessen kann, dass er eine streng komponierte Geschichte über eine sexuelle Obsession und Liebe erzählt. Die Verfilmung von Todd Haynes soll Anfang 2015 in die Kinos kommen.


Pro und Kontra

+ dunkel und kraftvoll
+ wunderbar erzählt
+ hervorragende Bestandsaufnahme der Probleme von Lesben in den USA der Nachkriegszeit aus Sicht einer lesbischen Schriftstellerin

Wertung: sterne5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Personenbeitrag im Autorenregal

Rezension zu Venedig kann sehr kalt sein

Rezension zu Die zwei Gesichter des Januars

Rezension zu Zwei Fremde im Zug

Rezension zu Der talentierte Mr. Ripley

Rezension zu Der Geschichtenerzähler

Rezension zu Ein Spiel für die Lebenden

Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 30. Dezember 2016
 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren