Anna Kränzlein von Schandmaul (03.10.2014)

Interview mit Anna Kränzlein von Schandmaul

anna-1Literatopia: Hallo zusammen, Ihr seid zwar mittlerweile ziemlich erfolgreich, aber könntet Ihr euch trotzdem kurz vorstellen, für diejenigen, die vielleicht noch nicht so viel von Euch gehört haben?

Anna Kränzlein:

- Schandmaul gründeten sich 1998
- veröffentlichten seitdem 8 Studioalben und 3 DVDs
- Touren in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Benelux und Russland
- verkauften bis dato circa 600.000 Tonträger
- erhielten 2000 den deutschen Folkförderpreis
- wurden 2009 und 2014 für den Echo nominiert
- platzierten sich mit ihren Alben mehrmals in den Top Ten der Charts, zuletzt auf Platz 2 mit dem Album "Unendlich"
- feierten 2013 ihr 15jähriges Jubiläum mit 12.000 Fans am Kölner Tanzbrunnen

Literatopia: Letztes Jahr hattet Ihr fünfzehnjähriges Bandjubiläum und seit dem wart Ihr unheimlich aktiv. Eine Best of-CD, ein neues Album Anfang des Jahres und bald schon wieder eine weitere CD, die sich speziell an Kinder richtet. Woher nehmt Ihr die ganze Energie und bleibt da noch genug Zeit für anderes?

Anna Kränzlein: Da bei uns alle sechs Bandmitglieder Songs schreiben und sich musikalisch einbringen, haben wir einen enormen Output. Wer woher seine Energie nimmt ist da ganz individuell, ich für meinen Teil ziehe sie aus der Natur, dem Wald und den Bergen...

Wir sind zwar viel unterwegs und am Arbeiten und Proben, nehmen uns aber immer wieder Auszeiten für unsere Kinder und Familien und das klappt sehr gut .-)

Literatopia: „Unendlich“ war Euer erstes Album, das Ihr bei einem Majorlabel herausgebracht habt. Was ist der Unterschied zu früher oder hat sich für Euch nichts geändert?

Anna Kränzlein: Wir dürfen auch weiterhin genau die Musik machen, wie wir sie uns vorstellen. Allerdings haben wir mit Universal einen unglaublich gut aufgestellten Partner! So durchleuchteten wir im engsten Kreis mit ihnen jeden Song und nahmen dankbar für unsere Single "Euch zum Geleit" die Hilfe von Starproduzent Roland Spremberg an. Dann wurde ein Hammer-Video dazu gedreht und die ganze Fertigstellung des Albums, dessen Promotion, Fotoshootings, etc. da war einfach unglaublich viel drive und kreative Ideen und power dahinter...

Literatopia: Manche sogenannte Fans haben Euch deswegen heftig kritisiert. Hat Euch das sehr getroffen? Wie geht man mit so etwas um?

Anna Kränzlein: Wir haben uns null verbogen, insofern lässt mich solche Kritik relativ kalt. Es war der beste Schritt, den wir machen konnten.

bifi-13Literatopia: Bunt und nicht braun ist ein Lied mit dem Ihr euch ganz klar gegen jede Art des Extremismus wendet. Warum hattet Ihr das Gefühl, dass ein solches Lied notwendig wäre?

Anna Kränzlein: In diversen social networks wurde unsere Plattform des Öfteren für nationalsozialistisches Gedankengut missbraucht. Wir mussten reagieren!

Literatopia: „Euch zum Geleit“ ist ein weiteres besonderes Lied auf „Unendlich“ mit einem sehr persönlichen Text, der vermutlich vielen Menschen schon Trost gespendet hat. Wie kam es zu diesem außergewöhnlichen Text? Welche Geschichte steckt dahinter?

Anna Kränzlein: Der Text stammt aus Duckys Feder. Auf der Beerdigung einer Verwandten wurde ein Brief vorgelesen, den diese im Wissen, dass sie bald sterben würde, an die Trauergemeinde geschrieben hatte.

Dieser Brief spendete den Hinterbliebenen Hoffnung und Trost. Und Ducky setzte sich daraufhin hin und schrieb die Zeilen, die aus ihm herauskamen....

Literatopia: Ihr geltet als sehr fannah, kommt nach den Konzerten zu Euren Fans raus und unterhaltet Euch mit ihnen. Wird das mit dem wachsenden Erfolg nicht immer schwieriger?

Anna Kränzlein: Nein, das ist nach wie vor ein wichtiger Teil unserer Konzerte.

Literatopia: Euer fünzehnjähriges Jubiläum habt Ihr in Köln mit einem großen Festival über zwei Tage mit jede Mengen Gästen gefeiert. Was wird Euch davon am stärksten in Erinnerung bleiben?

Anna Kränzlein: Die Stimmung die auf diesem Platz herrschte. Totales Glück und Zufriedenheit und emotionale Höhenräusche :-)

Literatopia: Verschiedene Bands haben auf dem Festival jeweils eines Eurer Lieder gespielt. Welche der Coverversionen hat Euch persönlich am Besten gefallen?

Anna Kränzlein: Oh die waren einfach alle cool!

Literatopia: Laufen eigentlich Wetten, ob Thomas bei Konzerten mal wieder den Text vergisst? Es hat da ja immer wieder lustige Pannen gegeben, wie auf der Hexenkessel-DVD zu sehen ist?

Anna Kränzlein: Wetten zwischen uns sechs? Ne. Ich find es verdammt charmant wie er das immer rüberbringt!

Literatopia: Probt Ihr mittlerweile den Wandersmann, oder bleibt es Tradition, dass er unvorbereitet gespielt wird und es damit auch immer wieder mal richtig lustig für die Zuschauer wird?

thomas-16Anna Kränzlein: Der wird nicht geprobt! Echt wahr!

Literatopia: Anna springt, hüpft und tanzt über die Bühne während sie Geige spielt, viele dürften sich fragen, wie sie das macht? Was ist ihr Geheimnis dabei?

Anna Kränzlein: :-) wird nicht verraten! Aber im Ernst, ich übe das ja nicht oder überlege mir, wann ich was mache, das passiert einfach aus der Laune auf der Bühne raus.

Literatopia: Als Ihr angefangen habt, gab es im Gegensatz zu heute nur wenige Bands, die auf Deutsch gesungen haben und erfolgreich waren. Wieso habt Ihr euch trotzdem dazu entschieden? Seht Ihr euch da etwas auch als Wegbereiter?

Anna Kränzlein: Das ist unsere Muttersprache, da können wir uns einfach am besten ausdrücken.

Literatopia: Ein weiteres mittlerweile besonderes Lied vom letzten Album ist „Der Teufel hat den Schnaps gemacht...“, bei dem Euch diverse Bands aus dem In- und Ausland unterstützt haben. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Anna Kränzlein: Hach das war auch so eine lustige Schnapsidee. Wir wollten den Refrain hinten noch in Russisch und Englisch haben und sind deshalb auf befreundete Bands zugegangen ob sie das für uns einsingen würden. Dann wurde das Video gedreht (wobei die anderen Bands da ja nicht fehlen durften) und dann nahm die Geschichte ihren Lauf...

Literatopia: Generell scheint Ihr viel und guten Kontakt zu anderen Bands zu haben. Ist die Zusammenarbeit dann einfacher, wie zum Beispiel jetzt bei „Der Teufel …“ oder bei diversen Gastauftritten von Euch? Und sind dann manche Festivals dann nicht schon fast Familientreffen?

Anna Kränzlein: Ja das sind wirklich große Familientreffen.

Literatopia: Was steht am Anfang bei euch? Der Text oder die Melodie? Oder ergibt sich das organisch?

Anna Kränzlein: Bei uns steht meistens zuerst der Text. Das ist aber auch individuell verschieden.

Literatopia: Woher bezieht ihr eure Inspirationen?

Anna Kränzlein: Bücher, Reisen, dem Leben!

ducky-13Literatopia: Wie findet Ihr Eure Themen für ein neues Album? Habt Ihr einen Plan bevor Ihr ins Studio geht oder passiert das Meiste spontan?

Anna Kränzlein: Zuerst sind wir fast ein Jahr im Proberaum beschäftigt Songs zu schreiben, zu arrangieren und ne Vorproduktion zu machen. Mit diesen klaren Vorstellungen geht´s ins Studio und da wird das Ganze dann nochmal verfeinert und genauestens unter die Lupe genommen...

Literatopia: Wie sieht Eure Arbeitsweise eigentlich aus? Arbeiten alle gemeinsam an den Liedern oder gibt einer die Richtung vor?

Anna Kränzlein: Einer kommt mit einer Songidee im Lagerfeuergewand an (Gitarre plus Stimme). Und dann machen wir zu sechst weiter und jeder entwickelt seinen Part bzw das Ganze entsteht durch uns sechs.

Literatopia: Ihr nehmt oft Bezug auf Legenden, Sagen oder Bücher. Ist das für Euch nur natürlich und spontan oder sucht Ihr gezielt?

Anna Kränzlein: Das kommt daher, dass die Bücher oft die Inspirationsquelle sind...

Literatopia: Wie viele Lieder schreibt Ihr für ein Album? Nur die, die letztendlich auf dem Album zu finden sind oder mehr? Habt Ihr mal daran gedacht, diese Lieder nicht weiter unter Verschluss zu halten, sondern sie ebenso auf einer gesonderten CD gesammelt zu veröffentlichen, vielleicht als Zugabe bei einem zukünftigen Best of?

Anna Kränzlein: Wir schreiben immer ein paar mehr Lieder und nur die besten schaffen es aufs Album. dann nehmen wir noch 2/3 Songs für Special Editions, Sampler etc auf... Der Rest wandert entweder in die "Wartekiste" oder fällt unter den Tisch. Alles aufzunehmen geht gar nicht, da wir ja so schon relativ lange im Studio sind und das dann unseren Kosten- und Zeitplan sprengen würde.

Literatopia: Mit „Schandmäulchens Abenteuer“ kommt im Oktober euer erstes Kinderhörspiel heraus. War die Arbeit anders als an einem normalen Album? Welche neuen Erfahrungen habt Ihr gemacht?

Anna Kränzlein: Das Hörspiel ist ja Thomas alleiniges Werk. Das Album und die Musik hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Als Eltern haben wir mit viel Kindermusik zu tun, und da ist leider auch eine Menge Mist auf dem Markt. wir wollten was "handgemachtes" beisteuern! Es war ja am Anfang nur so ne Idee und wenn nix rauskäme, wäre es auch egal. Das hat dem Ganzen so eine Leichtigkeit gegeben.

Literatopia: Könnt Ihr kurz beschreiben, worum es in Schandmäulchens Abenteuer geht?

Anna Kränzlein: "Wer ein echter Narr sein will, der muss in die Welt hinaus!" Diesen Satz seines Vaters nimmt sich der kleine Narr Nik zu Herzen und beginnt eine fantastische Reise. Dort erlebt er spannende Abenteuer mit Zauberen, Feen und Hexen und erfährt was echte Freundschaft ist.

hiasl-13Literatopia: Unterscheidet sich das Schreiben eines Kinderbuches wesentlich von dem von Musik, in Bezug auf die Kreativität und dem formulieren der Texte, speziell wenn es um Kinder geht?

Anna Kränzlein: Das Buch wurde ja von einem externen Autor anhand unserer Songtexte geschrieben.

Literatopia: Ein Kinderbuch lebt auch immer zu einem gewissen Teil von der Gestaltung und den Zeichnungen. Habt Ihr lange suchen müssen, um die richtig Illustratorin/ den richtigen Illustrator zu finden?

Anna Kränzlein: Nein! Ich hab sofort Susanne Smajic ins Spiel gebracht. Sie ist die Nichte meiner alten Nachbarin und Ersatzoma und war als ich ganz klein war schon meine Babysitterin. und sie konnte damals schon soooo toll malen. Da ich ihren Werdegang verfolgte und schon immer von ihr begeistert war, hab ich sie gleich gefragt und sie hatte Lust und Zeit .-)

Literatopia: Wie schwer war es für euch, sich darauf einzustellen, nun für Kinder zu schreiben?

Anna Kränzlein: Gar nicht schwer!

Literatopia: Wo wir gerade bei Kindern sind. Mittlerweile sind jede Menge kleine Schandmäulchen in euren Reihen, da dürfte es mit Sicherheit immer aufwendiger werden, Tour und Familienleben unter einem Hut zu bringen. Wie findet Ihr da die Balance?

Anna Kränzlein: Gutes Familienmanagement ist da das A und O. Das ist teilweise super anstrengend und stressig, aaaber es funktioniert :-)

Literatopia: Gibt es Pläne, vielleicht mal eine große Geschichte auf einem Album zu erzählen, vielleicht mit befreundeten Bands zusammen?

Anna Kränzlein: Bis jetzt noch nicht.

Literatopia: Mit welchen Bands würdet Ihr gerne noch einmal zusammenspielen, auch international gesehen und auch durchaus genrefremd? Wer sind Eure Vorbilder?

Anna Kränzlein: Mit U2 und Sting

Literatopia: Vielen Dank für das schöne Interview ihr Spitzbuben und andere Halunken!

 

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Fotos von oben nach unten: Anna, Birgit, Thomas, Ducky, Hiasl und Stefan / Copyright by Schandmaul

Homepage der Band: www.schandmaul.de


Dieses Interview wurde von Markus Drevermann für Literatopia.de geführt. Alle Rechte vorbehalten.

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