Sternwanderer (Neil Gaiman)

Heyne Verlag (5. März 2007)
Taschenbuch: 240 Seiten, 7,95€
ISBN-13: 978-3453501416

Genre: Fantasy


Klappentext

„Was immer er auch schreibt – es ist wunderbar!“ Stephen King

Im von magischen Wesen bevölkerten Dörfchen Wall verspricht ein junger Mann seiner Geliebten, für sie einen vom Himmel gefallenen Stern zu finden. Dafür riskiert er den Eintritt in ein magisches Reich, in dem er mit Hexen und Piraten zu kämpfen hat.

Neil Gaimans magischer Fantasyroman, jetzt zur großen Hollywoodverfilmung von Matthew Vaughn mit Robert de Niro, Michelle Pfeiffer, Sienna Miller und Alfred Molina in den Hauptrollen mit exklusivem Zusatzmaterial.

„Neil Gaiman ist ein Star.“ Clive Barker


Inhalt

Wall ist ein kleines Dorf in England auf der Grenze zum Feenland. Abgetrennt von diesem durch eine Mauer mit einem einzigen Durchgang, der stets bewacht wird, damit niemand hinübergeht. Aber alle neun Jahre findet ein Markt auf der Seite des Feenlandes statt und den Bewohnern ist es erlaubt, durch die Maueröffnung zu gehen. Bei einem dieser Märkte wird Tristran Thorn gezeugt. Er ist das Kind eines Feenwesens und eines menschlichen Mannes. Aufgewachsen in Wall, reist er in das Reich der Feen, als er seiner Angebeteten verspricht, einen vom Himmel gefallenen Stern für sie zu finden. Doch der Stern ist mehr als er dachte und eine abenteuerliche Reise beginnt.


Rezension

Der Klappentext von Heyne verfälscht die Geschichte leider sehr stark. Denn für die ist es wichtig, dass Wall eben nicht mit magischen Wesen bevölkert ist. Ebenso muss Tristran nicht mit Piraten kämpfen, diese tauchen gar nicht auf, sondern lediglich Luftschiffer, deren Gefährt wie ein richtiges Schiff aussieht.
Aber so ärgerlich und irreführend der Klappentext ist, wird man umso mehr durch den Inhalt, der schließlich das Wichtigste an einem Buch ist, versöhnt.
Neil Gaiman legt mit Sternwanderer ein geradlinig aufgebautes Abenteuer vor. Die Geschichte ist auf ein Ziel hin ausgerichtet und behält es die ganze Zeit klar im Visier. Alles, was der Handlung nicht direkt zuträglich ist, wird nicht beachtet. Somit werden auch Nebenhandlungen nur kurz abgehandelt und in so weit dargestellt, wie es für das allgemeine Verständnis notwendig ist. Dabei vermengt Gaiman den Abenteuercharakter der Geschichte mit märchenhaften und fantastischen Elementen und kreiert so eine ganz eigene Welt, die nicht viel mit der üblichen Fantasy gemein hat.

Leider sind die eigens von Charles Vess für dieses Buch angefertigten Zeichnungen nicht enthalten. Dies ist besonders schade, da man merkt, wie sehr sie den Text unterstützen würden. Die ersten Schritte auf dem Feenmarkt erinnern in ihren Beschreibungen stark an den Markt in „Die Bücher der Magie“, ebenfalls von Neil Gaiman geschrieben, und die dort gezeichneten Bilder von Charles Vess laufen unweigerlich vor dem eigenen inneren Auge ab, wenn man sie mal betrachtet hat. Aber auch ohne diese Bilder zu kennen, kann man den Markt förmlich sehen. Denn Neil Gaiman nimmt den Leser mit seinen Beschreibungen an die Hand und führt ihn durch ein Reich voller Wunder. Sei es, dass ein gefallener Stern in Wahrheit eine junge Frau ist oder dass am Himmel Schiffe existieren, die auf Blitzjagd gehen.
Auf fast jeder Seite gibt es Neues und Originelles zu entdecken. Und wenn auch manche Idee nicht von Gaiman selbst stammt, so nutzt er sie doch auf eine neue Art und Weise.
Zusammen mit Tristran lernt man als Leser die Feenwelt kennen und ist ebenso wie er teilweise überwältigt von dem, was er geboten bekommt. Ohne es zu merken, eilt man durch das Buch wie Tristran durch das Land, denn an jeder Stelle des Buches könnte man verweilen und träumen.
Da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass die Charaktere nicht bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, sondern auf das Notwendigste beschränkt sind. 
Gaimans Stil orientiert sich dabei an dem Grundton von Märchen, er lockert ihn aber immer wieder mit Humor auf. Besonders bei Yvaines Wutausbrüchen kommt man ins Grinsen, entspricht ihr Verhalten doch so gar nicht dem Erwarteten. Beim ersten Mal wirken sie noch fremd, aber danach wartet man nur darauf, wie sie als nächstes reagiert und sich Luft verschafft.
Stil und Geschichte fügen sich harmonisch zusammen und ergeben einen wunderbaren Mix aus verschiedenen Märchen und Legenden. Seine Faszination bezieht „Sternwanderer“ aus seiner Einfachheit, den sympathischen Hauptfiguren und der Welt, die sie umgibt.

Besonders wird „Sternwanderer“ auch dadurch, dass Gaiman einen großen Showdown am Ende verweigert. Alle auftretenden Konflikte werden im Kleinen, ohne heroische Schlachten aufgelöst. Trotzdem führt Neil Gaiman sie zu einem logischen und befriedigenden Ende. Eines das ungemein gut passt und viel besser wirkt, als eine Entscheidungsschlacht es könnte.

Ein klarer Minuspunkt sind aber die fehlenden Zeichnungen von Charles Vess. Ständig merkt man, dass sie von Anfang an fester Bestandteil des Buches gewesen sind. Die Welt von „Sternwanderer“ wäre mit ihnen noch um einiges plastischer und märchenhafter, leider hat Heyne sie in der Taschenbuchausgabe nicht beibehalten.
Zumindest etwas aufgehoben wird dieser Nachteil durch die enthaltene erste Kurzgeschichte über Wall von Neil Gaiman. Die zwar nicht so magisch ist, aber auf geglückte Weise vom Wechsel eines Mädchens vom Kind zum Erwachsenen erzählt.


Fazit

Neil Gaiman hat mit dem „Sternwanderer“ ein wunderbares Märchen für Erwachsene abgeliefert. Augenzwinkernd erzählt er seine fantastische Geschichte. Für Kinder ist sie aber nur bedingt geeignet, da die wenigen Gewaltausbrüche nicht zimperlich in ihrer Darstellung sind. Dazu kommenden die fehlenden Zeichnungen von Charles Vess, die schmerzlich vermisst werden.


Pro & Contra

+ eine faszinierende Welt
+ neue Ideen
+ fesselnder Stil, der zum Träumen einlädt

° die meisten Charaktere bleiben eher blass
° leider etwas kurz, hätte ruhig länger sein können

- Charles Vess Zeichnungen fehlen leider
- nur bedingt für Kinder geeignet

Bewertung:

Charaktere: 3,5/5
Handlung: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


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