Menduria – Das Buch der Welten (Ela Mang)

Ueberreuter, 1. Auflage März 2015
HC mit SU, 400 Seiten
16,95 € (D)
ISBN: 978-3-7641-5058-7
Leseprobe

Genre: Jugend-Fantasy


Klappentext:

Lina lebt das normale Leben einer 16-Jährigen: sie geht zur Schule, macht Spaziergänge mit dem Nachbarshund Otto und liebt Literatur. Kaum zu glauben also, als plötzlich eine weiße Wölfin vor ihr steht und mit ihr spricht! Von diesem Moment an gerät Linas vertraute Welt aus den Fugen. Denn ausgerechnet sie soll von einem mysteriösen Buch auserwählt worden sein, in ihm zu lesen und somit Menduria - und das gesamte Weltengefüge - vor einer übermächtigen Bedrohung zu retten. In Menduria angekommen, lernt sie den geheimnisvollen Dunkelelfen Darian kennen. Aber warum hilft er ihr, wenn er doch eigentlich auf der Seite der Feinde steht? Und wieso fühlt sie sich nur so zu ihm hingezogen? War ihre Begegnung vielleicht auch vom Schicksal vorherbestimmt?


Rezension:

Gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder und ihrer Mutter, die Schriftstellerin ist, lebt Lina ein eigentlich ganz gewöhnliches Leben. Seit der Vater vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist, ist es manchmal etwas schwer für die kleine Familie, doch im Großen und Ganzen bekommen sie es ganz gut hin. Wenn Lina Zuhause die Decke auf den Kopf fällt, schnappt sie sich den kleinen Hund von ihrer Nachbarin Oma Steinmann und zieht mit ihm um die Häuser. Bei einem solchen Spaziergang passiert ihr etwas Merkwürdiges – eine seltsame Gestalt scheint ihr zu folgen und dann begegnet ihr auch ein weißer Wolf, der mit ihr spricht und ihr Unglaubliches erzählt. Zusätzlich zu diesen Begegnungen haben sich auch Linas Träume stark verändert und scheinen immer realer zu werden.
Bei einem weiteren Treffen mit Lupinia, der weißen Wölfin, erfährt die 16-Jährige schließlich, dass ihre Träume in Wahrheit tatsächliche Geschehnisse oder zum Teil auch Vorhersagen aus Menduria sind – einer Parallelwelt, die durch die Gedanken und Träume der Menschen entstanden ist und am Leben gehalten wird. Doch nun ist ein Abtrünniger dabei, eben diese kraftvolle Ader durch ein seltsames Koma-Virus auszulöschen. Es gibt nur eine Möglichkeit, das Unabwendbare aufzuhalten – und ausgerechnet Lina ist die einzige Person, die diese Möglichkeit wahrmachen kann. Sie muss mit Lupinia nach Menduria gehen, um dort das Buch der Welten erst zu öffnen und darin die Lösung für das Problem zu finden. Doch wird das junge Mädchen genug Mut aufbringen können, sich den bösen Mächten aus ihren Alpträumen zu stellen?

In einem höchst komplizierten magischen Netz haben wir es geschafft, den Gedankenströmen eine Ordnung zu geben. Einige davon sind flüchtig und enthalten nicht sehr viel Energie. Sie vergehen, kaum dass sie geboren wurden, wieder. Aber andere sind extrem kraftvoll. Vor allem dann, wenn sie von vielen Schöpfern gleichzeitig gedacht werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Buch in eurer Welt geschrieben wird. Alleine schon der Schöpfungsakt ist extrem kraftvoll und enthält die höchste Energie. Und mit jedem Schöpfer, der darin liest, steigt diese Energie noch und erzeugt stabile und kaum veränderbare Gedankenbilder. Was ihr also hinter den Portalen gesehen habt, sind die manifestierten Gedanken eurer Welt. Die darin enthaltene Energie fließt direkt unter unseren Füßen ins Zentrum Mendurias. Sie ist sozusagen das Herz unserer Welt und versorgt sie mit Energie, so wie ein menschliches Herz den Körper mit Blut versorgt.
(Seite 64)


Eine phantastische Welt, die allein durch die Kraft der Gedankenströme von Menschen erschaffen wurde – klingt gar nicht so unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass all die Welten in Fantasy-Romanen auch durch ihre Autoren zum Leben erweckt wurden. In Menduria – Das Buch der Welten geht Ela Mang die ganze Sache von einer anderen Seite an. Hier wird der Leser nicht in eine bestimmte Welt entführt, sondern trifft auf eine Mischung aus allen jemals erdachten Welten, seien es Schauorte von Romanen oder einfach Szenen aus Träumen. Dementsprechend komplex sind sowohl die Schauplätze als auch die Charaktere gestaltet – von wirklich allem ist etwas dabei, sodass man sich als Leser zwischendurch durchaus ein wenig überfordert fühlen konnte. Doch zum Glück legt die Autorin ihr Hauptaugenmerk nicht auf die zahlreichen Möglichkeiten, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche, das ihre Geschichte ausmacht. Und so trifft man zwar im Gewusel der Heerscharen auf alle möglichen typischen Fantasygestalten, kann sich aber ohne Schwierigkeiten und Ablenkung auf die wichtigsten Charaktere einlassen. Das macht das Lesen sehr angenehm, denn die nebensächliche Erwähnung ist zwar good to know, spielt aber im weiteren Verlauf keine große Rolle.

Bei der Gestaltung ihrer Charaktere verlässt sich Ela Mang auf die Sicherheit des bereits bekannten Konzepts – man hat eine junge, manchmal etwas naive, aber doch starke Protagonistin, einen fiesen und ganz schrecklichen Bösewicht, dem unbedingt das Handwerk gelegt werden muss, und natürlich einen entsprechenden Zwischenspieler, bei dem man nie so genau weiß, was man von ihm halten soll. Auf diese Weise ist auch die kleine Liebesgeschichte recht vorhersehbar, was sie jedoch nicht weniger süß macht. Auch wenn es manchmal etwas anstrengend ist, den Gedankengängen von beiden Charakteren zu folgen, freut man sich über jedes kleine Geplänkel. Besonders beliebt dürfte bei den Leserinnen wahrscheinlich auch der Zwillingsbruder der Protagonistin sein, der in der ihm zugedachten Nebenrolle keine besonders großen Sprünge macht, aber seiner Schwester in den wenigen gegebenen Momenten heldenhaft zur Seite steht. Ebenfalls sehr liebenswert sind weitere Nebencharaktere, die ganz unterschiedlich wichtige Rollen spielen, aber allesamt sehr fein gezeichnet sind. Hier hat man als Leser das Gefühl, dass die Autorin sich wirklich Gedanken um die Persönlichkeiten gemacht und ihnen genau dadurch nahezu greifbares Leben eingehaucht hat.

Durch einen verhältnismäßig einfachen Sprachstil ist Menduria – Das Buch der Welten sehr flüssig zu lesen und besticht durch klar formulierte Sätze. Trotz der Einfachheit gelingt es Ela Mang, verschiedene Bilder zu zeichnen und ihre Welt so klar zu beschreiben, dass es dem Leser leicht fällt, sich Menduria in all seinen Facetten vorzustellen. Da der Erzählstil sich durch viel wörtliche Rede auszeichnet, bleibt die Geschichte zu fast jeder Zeit lebendig, was den Lesefluss nur noch zusätzlich unterstützt. Alles in allem gibt es zwar hier und da noch ein paar kleine Holpersteine, doch das ist bei einem derartigen Debüt durchaus zu verschmerzen. Ein relativ offen gehaltenes Ende bietet eine baldige Fortsetzung geradezu an und vielleicht kann die Autorin diese Möglichkeit nutzen, um ein paar untergegangene Dinge gerade zu rücken und ein paar offen gebliebene Fragen zu beantworten.


Fazit:

Mit Menduria – Das Buch der Welten bekommt die Jugend-Fantasy endlich wieder Zuwachs aus einer deutschen Feder. Zwar merkt man der Geschichte an, dass es sich um ein Debüt handelt, doch Ela Mang beweist Talent und kann den Leser nicht nur mit der Story und den Charakteren überzeugen, sondern schafft zu dem auch eine sehr anschauliche Welt, in die man gerne eintaucht. Trotz einiger Stolperstellen, die das Buch allerdings eher sympathisch machen, erwartet den geneigten Leser hier kurzweilige und bildreiche Abwechslung und Unterhaltung. Eine klare Empfehlung für Genre-Liebhaber!


Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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