Rezensionen im Mai (2015)

Liebe LeserInnen,

im Mai ließ das Wetter ziemlich zu wünschen übrig, sodass unsere Redakteure viel Zeit zum Lesen fanden – und zum Schreiben der Rezensionen zu den gelesenen Bücher. Daher freuen wir uns, euch auch im Mai-Rückblick ein paar ausgewählte Titel erneut präsentieren zu können. Viel Spaß beim Lesen!



Belletristik

After passion von Anna Todd ist ein hoch angepriesener Roman, der leider seinen Erwartungen nicht ansatzweise gerecht werden kann. Unglaubwürdige und langweilige Figuren, eine nicht existente Handlung und die Wiederholung von Drama um Drama machen diesen Roman zu einem wirklich sehr nervenaufreibenden Leseerlebnis, dass man wohl nicht so schnell wiederholen möchte. Es ist weder innovativ, noch außergewöhnlich, weder in irgendeiner Weise spannend noch fiebert man mit den Figuren mit. Viele Logik- und Rechtschreibfehler machen es zudem schwer, den Roman ernst zu nehmen und auch die Handlungen und Denkweise der Figuren sind mitnichten nachvollziehbar. Das Einzige, was den Roman vor einer katastrophalen Bewertung rettet, ist das Ende und der fiese Cliffhanger, der tatsächlich etwas Spannung bringt und den Leser dazu anstachelt, doch den Nachfolger in die Hand zu nehmen. Leser, die nach einem tollen Leseerlebnis und einer schönen Liebesgeschichte suchen, werden es hier wohl eher nicht finden.

Historik

Distelmond von Annika Dick wartet mit einem ganz eigenen Werwolf-Mythos auf, der mit einer tragischen Familiengeschichte verzahnt ist. Die interessante Grundidee wird allerdings von der zarten Liebesgeschichte zwischen Charlotte und Andrew verdrängt. Beide Protagonisten schließt man schnell ins Herz – die Handlung selbst kann leider nicht überzeugen. Lange Zeit passiert zu wenig und die Dramen in der zweiten Hälfte des Romans erscheinen dem Leser künstlich herbeigeführt. Wer leise Liebesgeschichten in historischem Setting mit einem sanften Hauch Dunkelheit schätzt, sollte hier trotzdem einen Blick riskieren.

Fantasy

Mutanten im Reality TV. Die Suche nach etwas Spaß und Ruhm endet für die meisten Mutanten in einem politischen Konflikt. G.R.R. Martin und die acht Autoren um ihn schaffen mit Wild Cards – Das Spiel der Spiele einen Mix, der bunt, wild und explosiv ist. Jeder der Autoren bringt seine eigene Sicht und seinen eigenen Charakter in die Geschichte, die gekonnt persönliches Drama mit politischer Brisanz verbindet.

Mit Menduria – Das Buch der Welten bekommt die Jugend-Fantasy endlich wieder Zuwachs aus einer deutschen Feder. Zwar merkt man der Geschichte an, dass es sich um ein Debüt handelt, doch Ela Mang beweist Talent und kann den Leser nicht nur mit der Story und den Charakteren überzeugen, sondern schafft zu dem auch eine sehr anschauliche Welt, in die man gerne eintaucht. Trotz einiger Stolperstellen, die das Buch allerdings eher sympathisch machen, erwartet den geneigten Leser hier kurzweilige und bildreiche Abwechslung und Unterhaltung. Eine klare Empfehlung für Genre-Liebhaber!

Horror / Mystery

Die Zombie-Anthologie Zombie Zone Germany wurde zweifellos mit viel Leidenschaft gestaltet, denn die Qualität des Buches ist bemerkenswert hochwertig im Gegensatz zu vielen anderen. Inhaltlich kämpft sie aber mit dem gleichen Problem wie die meisten Anthologien auch. Während einen überwiegend gute, durchschnittliche Zombie-Kost mit einigen wirklich lesenswerten Perlen erwartet, schmälert manch mäßiger Beitrag das Gesamtbild und Lesevergnügen. Freunde der Untoten kommen dennoch auf ihr Kosten.

Science Fiction

Jump von Eve Silver ist ein temporeicher und sehr spannender Auftakt einer vielversprechenden Science Fiction Trilogie. Authentische Figuren und Charakterkonstellationen, eine spannende und überraschende Handlung sowie der Actionfaktor des Romans sind nur einige wenige positive Aspekte, die sich in diesem Roman wiederfinden. Neben kleineren Schwächen kann der Roman jedoch als Pageturner und mit sehr viel Potenzial aufwarten. Die Autorin weiß es gekonnt, den Plot aufzubauen, Informationen zurückzuhalten und das Finale mitsamt einem fiesen Cliffhanger sorgen dafür, dass man sofort Band Zwei zur Hand nehmen möchte, um weiterzulesen! Ein mehr als gelungener Start also, den Science Fiction und Jugendbuchfans (sowie Leser die gerne Videogames spielen) sich definitiv nicht entgehen lassen sollten!

Für Liebhaber von Wissenschaftsthrillern ganz nett aber kein Muss, für alle Fans von Daniel Suarez ist eine herbe Enttäuschung. Der Autor bleibt hier Lichtjahre hinter seinen Fähigkeiten zurück und hat mit Control ein Buch vorgelegt, was man lediglich einmal liest und dann vergisst.

Thriller

Mit Skalpelltanz erreicht der nächste, vermutlich erfolgreiche Schweden-Thriller den deutschen Buchmarkt. Und Jenny Milewski steht ihren Kollegen in nichts nach – ihr Debüt ist blutig, erstaunlich gut durchdacht und kann trotz unterschwelliger Vorhersehbarkeit als Gesamtpaket durchaus unterhalten. Definitiv ein Buch, das von der Autorin überzeugen kann und Lust auf weitere blutige Geschichten aus Schweden macht. Man darf gespannt sein, was diese Feder noch so niederschreiben wird.

Krimi

Manuel Vázquez Montalbáns Kriminalroman Carvalho im griechischen Labyrinth beginnt wie ein Buch der Schwarzen Serie: Die atemberaubende Pariserin Claire Delmas beauftragt Privatdetektiv Pepe Carvalho mit der Suche nach dem Mann ihres Lebens, dem Griechen Alekos Farandouris. Die Handlung ist angesiedelt im Jahr 1991, in einer großen politischen und gesellschaftlichen Umbruchzeit. Die Arbeit führt Carvalho quer durch Barcelona, auf eine Reise durch verschiedene Epochen, durch die zeitlichen Sedimentschichten Barcelonas, einer Stadt im Abriss und Wiederaufbau. Zwei rätselhafte Frauen, die eine undurchschaubar Luxusdame, die andere widersprüchliche Kindfrau, bringen Carvalho in einen Zustand emotionaler Verwirrung. Der melancholische, emphatische und am Ende vielleicht ernüchterte Privatdetektiv, geht verloren im Labyrinth seiner Gefühle und Illusionen. Eine große Herausforderung zwingt ihn in diesem gelungenen Rekurs auf pulp fiction und film noir zur Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen.



Das soll es für den Mai auch schon wieder gewesen sein. Wer noch nicht genug hat, ist wie immer eingeladen, sich in unserer Rezensions-Übersicht umzuschauen und noch zahlreiche weitere Rezensionen zu entdecken.

Wir wünschen euch einen heißen, sonnen- und lesereichen Juni,
euer Literatopia-Team

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