Tougard - Seelenseher (Cornelia und Dominic Franke)

Papierverzierer (März 2015)
Taschenbuch, Klappbroschur
512 Seiten, 14,95 EUR
ISBN: 978-3944544427

Genre: Fantasy / Jugendbuch


Klappentext

Charlie gelangt aufgrund einer besonderen Gabe, von der er bislang noch nichts wusste, in die Welt Tougard. Mit anderen Befähigten lernt er in einer Schule, seine Fähigkeit zu verbessern und damit umzugehen. Als einige Mitschülerinnen verschwinden und er wegen einer Prophezeiung vermutet, ein Seelenseher würde seine beste Freundin Ann töten, scheint ihm die Zeit davonzulaufen. Für Charlie beginnt das Abenteuer seines Lebens, denn in Tougard … in Tougard ist alles möglich!


Rezension

Charlie fällt es nicht gerade leicht, neue Freunde zu finden. Da er schon viele schlechte Erfahrungen gemacht hat, zieht er sich lieber zurück. Ihm reicht die tiefe Freundschaft zu der burschikosen Ann, die nahezu alles reparieren kann. Eines Tages, als er ihr wieder bei den Hausaufgaben hilft, knickt Charlie böse um und findet sich plötzlich in einer altertümlichen Schule wieder. Der gut gelaunte Protektor Trench erklärt ihm, dass er nach Tougard „gefluppt“ sei – eine Welt, in der Begabte lernen, ihre übersinnlichen Fähigkeiten zu beherrschen. Charlie soll angeblich ein Heiler sein. Tatsächlich tut sein Knöchel nicht mehr weh. Doch viel wahrscheinlicher ist, dass Charlie auf den Kopf gefallen ist und träumt. Daher nimmt er erst einmal alles hin und besichtigt mit Trench sein neues, magisches Zuhause. Am nächsten Morgen wird jedoch klar: Tougard gibt es wirklich …

Im Klappentext und auch im Buch heißt es „In Tougard ist alles möglich“ – und so kommt es Charlie während seiner ersten Tage dort auch vor. Menschen mit den unterschiedlichsten Begabungen tummeln sich auf dem riesigen Schulgelände, das an eine alte Burg erinnert: Mädchen, die Flammen und Illusionen erzeugen oder Blumen wachsen lassen können und Jungs, die übermenschlich stark sind oder auf magische Weise Spuren lesen. So wie der Japaner Daisuke, der schnell mit Charlie Freundschaft schließt, oder auch die Französin Becca, die sich gerne mit dem Schulschwarm Raphael streitet. Eine Sprachbarriere gibt es in Tougard nicht und so sieht sich Charlie bald von einzigartigen Freunden aus unterschiedlichsten Nationen umgeben.

Eigentlich wollte er ja für sich bleiben, doch irgendwann ist Charlie froh darum, einen richtigen Freundeskreis zu haben. Als es ihm auch noch gelingt, Ann nach Tougard zu holen, scheint sein Glück perfekt. Bald muss er jedoch erkennen, dass in Tougard nicht alles möglich ist. Seine Gabe hat sich nur ein einziges Mal gezeigt und seitdem ist es ihm nicht mehr gelungen, sich selbst oder gar andere zu heilen. Außerdem erfährt er von einer düsteren Prophezeiung, die besagt, dass ein sogenannter Seelenseher seine beste Freundin Ann töten soll. Als dann Tougard auch noch angegriffen wird, ist Charlie klar: Diese Welt hat eine sehr dunkle und gefährliche Seite. Und die Protektoren verschweigen etwas. Ein Abenteuer beginnt, das Charlie und seine Freunde an ihre Grenzen und darüber hinaus bringt.

„Tougard – Seelenseher“ richtet sich an ein jugendliches Publikum und punktet mit Charakteren, die aus erwachsener Sicht manchmal unüberlegt und trotzig handeln, aber genau deshalb authentisch wirken. Bei allem, was Charlie und seine Freunde auf sich nehmen, ist immer klar, dass hier junge Menschen handeln und dass sie dem Schrecken, dem sie begegnen, noch nicht gewachsen sind. Doch die kleine Heldengruppe entwickelt sich weiter und lernt aus ihren Fehlern, was sie jedoch nicht vor weiteren schützt. Freundschaften werden auf eine harte Probe gestellt und Opfer gebracht. Während in der ersten Romanhälfte die wundersame Magie Tougards dominiert sind es in der zweiten Hälfte Zweifel und Schatten, die für ein Jugendbuch manchmal fast schon zu düster sind.

Dialoge und Beschreibungen sind sehr ausgewogen und erstere überzeugen mit ihrer Natürlichkeit, doch im Aufbau holpert die Geschichte etwas. Die Story ist eine klassische Heldenreise, die sich manchmal in die Länge zieht und manchmal so schnell voranschreitet, dass man sich gefühlt von einer Seite auf die andere in einer ganz neuen Situation befindet. Für wichtige Szenen wurde sich oftmals zu wenig Zeit gelassen, während an unbedeutenderen Stellen alles zu ausführlich dargestellt wird. Nichtsdestotrotz liest sich „Tougard“ gut und bietet spannende Inhalte für junge Leser und solche, die sich noch gut in die Zielgruppe einfühlen können – was Zickereien und Prahlerei ebenso wie die unbeholfene erste Liebe einschließt.

Die Gestaltung des Buches ist insgesamt schön und der Assassine auf dem Cover, der übrigens eine wichtige Rolle spielt, macht einiges her. Leider bilden sich auch bei diesem Buch schnell hässliche Knicke im Buchrücken, was schon bei anderen Titeln des Verlages ein Problem war. Zudem finden sich auf jeder Seite die Namen der Autoren beziehungsweise der Buchtitel, was man sich gerne hätte sparen können.  


Fazit

„Tougard – Seelenseher“ bietet vieles, was junge Fantasyleser glücklich macht: eine magische Welt mit allerhand Kuriosem und Humor, innige und schwierige Freundschaften, ein spannendes Abenteuer mit reichlich Action und schmerzhafte Liebesgeschichten. Im Storyaufbau hapert es leider ein wenig, das machen aber die natürlichen und oftmals knackigen Dialoge und liebevolle Details wieder wett.


Pro & Contra

+ sympathischer Protagonist, der sich weiterentwickelt
+ viele unterschiedliche Nebencharaktere
+ gelungener Mix aus Spannung, Humor, Gefühl und Action
+ natürlich wirkende Dialoge
+ in Tougard gibt es wahnsinnig viel zu entdecken

o Thematik nicht sonderlich innovativ

- Storyaufbau nicht ganz gelungen

Wertung: sterne4

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5


Interview mit Cornelia und Dominic Franke (2015)

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